Mann hat Depression - wie gehe ich damit um?

    • (1) 08.06.17 - 14:45

      Hallo liebe Urbies,

      mir geht es so richtig beschissen ... ich wohne seit ein paar Jahren in einer Stadt, die wirklich klein ist und wo jeder jeden kennt. Mein Mann ist Selbstständig und hat eine diagnostizierte Depression. Er lässt sich in seinen Augen behandeln: Er geht ein Mal wöchentlich zu einem Psychologen geht. Das hilft genau gar nicht, weil er spätestens jeden dritten Termin nicht wahrnimmt.

      Tabletten nimmt er nicht. Er ist absolut antriebslos, schrubbt seine Arbeit ab und hat ansonsten keine Freunden im Leben: Keine Freunde (hatte er nie), macht kein Sport (segelt, wenn gerade Mal Wind ist) und seit dem sein Büro quasi im Haus ist - gibt es ganze Wochen, wo er das Haus nicht verlässt. Auch der Versuch mit einem Pflegehund hat nicht geholfen ihn von seinem Stuhl zu bewegen.

      Ich bin mittlerweile echt am Ende meiner Kräfte- Das Haus bezahle ich zum größten Teil alleine ab, seine Aufträge schwinden und schwinden.

      Gemeinsame Kinder haben wir keine. Er hat zwei Kinder aus erster Ehe. Madame Ex-Frau arbeitet 2,5 Tage Woche. Fast alle Rechnungen leitet sie 1:1 an uns weiter.

      Ich habe einen Sport-Verein, wo ich mich engagiere und Spaß habe. Das gibt mir Kraft. Mein Job ist langweilig, aber gut bezahlt bei regelmäßigen Arbeitsstunden. Da mir das Haus alleine gehört, trage ich die Verantwortung für die Raten. Da er unregelmäßig Miete zahlt, kann ich leider nicht alles stehen und liegen lassen und verschwinden.

      Könnt ihr euch vorstellen, dass ich nahezu täglich Flüge checke und mir ausmale, alles hier stehen und liegen zu lassen? Wer hat das schon Mal gemacht? Wer hat ähnliche Erfahrungen? Wer möchte sich mit mir (anonym) austauschen?

      Liebe Grüße
      Eure Aglaia

      • (2) 08.06.17 - 15:21

        Mit einem Depri Mann kann ich auch dienen. Er geht zur Arbeit und momentan ist er auch relativ gut drauf--aber das ändert sich ab Oktober und zieht sich bis in den März. Da ist er wirklich zu NICHTS zu gebrauchen. Sex gibt es dann auch nicht mehr :-(
        Mal sieht er ein, dass er Hilfe braucht, meistens aber nicht.
        Er ist so sehr das krasse Gegenteil von mir, es ist echt zum heulen. Aber was soll ich tun?

        • Hey "hier auch" ... danke für Deine Antwort. Möchtest Du Dich austauschen? Nein,nicht um in einer Spirale aus: "Mir geht es schlechter als Dir" zu Enden, sondern vielmehr um uns Mut zu machen? Na? Was meinst Du?

      (4) 08.06.17 - 15:41
      wie geht es weiter?

      es klingt danach, dass du dem Ganzen entfliehen möchtest

      was spricht dagegen, alles auseinander zu dröseln?
      Jeder rettet ab jetzt erst mal nur noch sich selbst? Und jeder ist für sich selbst verantwortlich?

      oder denkst du an Trennung? Aus Mitleid zu bleiben, das bringt keinen Ehren-Oskar...

      wenn jemand leidet - auch wenn es Krankheit ist - verbietet es nicht, dass du das Beste aus deinem Leben machst. Das wäre zumindest die bessere Alternative als mit unterzugehen...
      Und eine Depression des Mannes kannst du nicht heilen...

      • Hey ,

        lieben Dank für Deine Antwort. Ob Du es glaubst oder nicht - genau das mache ich derzeit. Ich hatte überlegt das Haus zu verkaufen (es gehört mir), aber dann denke ich, dass es vielleicht ganz gut ist, das Haus zu behalten. Die Stadt verlassen und woanders arbeiten geht mit Sicherheit sofort. Aber dann bekomme ich Schiss. Richtig Schiss. Ich war sehr lange sehr einsam und seit dem ich meinen Mann habe, sind wir zumindest nicht mehr allein.
        Ich komme mir vor, wie in einer Zwickmühle: Ich liebe ihn, will bei ihm sein. Will ihn unterstützen. Aber seit 6 Jahren geht es Null nach vorne. Und das Schlimme: Er glaubt, dass es ihm besser geht ... dass er jetzt auf dem richtigen Weg ist - ich kann das alles nur nicht mehr hören, weil es einfach schlicht nicht stimmt.
        Es tut einfach nur weh ihm zuzusehen.

        • (6) 12.06.17 - 09:01
          wie geht es weiter?

          hallo,

          für ihn ist es vermutlich eine Beruhigung an der falschen Stelle, sich einzureden, dass alles besser wird. Schmerzvoll zuzusehen, das würde ich auch nicht können - und zudem würde es seine Hoffnung und sein Denken unterstützen, mit der Konsequenz, dass sich erst recht nichts ändert.

          Dein Dilemma kann ich gut nachvollziehen. Dennoch klingt dein Schreiben so klar und deutlich, dass du eigentlich bereits eine Entscheidung getroffen hast - und du hier vielleicht noch mal kurz Rückmeldung brauchst, weil dir der Schritt so groß und vielleicht ein bisschen gemein vorkommt?

          Ich bin inzwischen überzeugt davon, dass man anderen Menschen am besten helfen kann, wenn man sich auch 100% um sein Leben kümmert und sorgt. Ich meine damit nicht ein übernazistisches Verhalten, nur noch ich ich ich. Sondern ich erlebe es selbst so, dass in Bereichen wo Bekannte, Kollegen klarer und direkter sind, es mir oft hilft, meinen eigenen Weg zu gehen. Grenzen ziehen, das fühlt sich irgendwie sehr gut an... ;-)

          alles Gute dir!

    (7) 08.06.17 - 15:47

    Hallo,

    ich kenne die Krankheit aus beiden Perspektiven; als Patient und als Partner.

    Ich glaube als Erstes solltest du dir darüber klar werden, was du möchtest.

    Warum bist du mit ihm zusammen?
    Bist du bereit die momentane Situation weiter so zu tragen, wie bisher? Und wie lange?

    Schwierig finde ich, dass er keine Medikamente nimmt, da frage ich mich, wer von euch Beiden den Leidensdruck, an der Situation etwas ändern zu müssen, hat.

    Er, weil er bemerkt, dass er krank ist und so nicht weiter machen kann. Oder du, weil du alles auffängst/ausgleichst und deshalb ständig an deine Grenzen kommst?

    Lg

    "Könnt ihr euch vorstellen, dass ich nahezu täglich Flüge checke und mir ausmale, alles hier stehen und liegen zu lassen?"

    Das ist lediglich der Impuls grundlegend an Deinem Leben etwas zu ändern. Der Wunsch abzuhauen und hier alles zurück zu lassen bedeutet doch nur, dass Du hier nicht glücklich bist. Und in der Flucht Dein Heil suchst. In einem anderen Land ein anderes Leben anfangen. Unbeschwert.

    Richtig?

    Gleichzeitig weisst Du aber auch, dass Du das nur so empfindest, weil Du den Schritt, den Du hier gehen müsstest, um wieder unbeschwert leben zu können vor Dir her schiebst.

    Darf ich mal was fragen? Hast Du manchmal das Gefühl, die Depression Deines Partners macht Dich ebenfalls depressiv?

    • Hallo witch71,

      lieben Dank für Deine Worte ... ja. In der Tat. Seine Depressinen ziehen mich total runter. Jeden Abend starrt er auf sein Handy, morgens ist es nicht anders. Teilweise surft er stundenlang im Netz herum und sagt dann er habe so viel zu tun. Ein befreundeter ITler hat mich gefragt, ob er eine "Spy"-Software installieren soll. Nein, soll er nicht. Ausserdem, was würde ich denn dann erfahren? Dass er ein paar Stunden am Tag arbeitet und dann ewig im Netz surft und sich langweilt, statt sich um neue Aufträge zu kümmern?

      Und um auf Deine Frage zurück zu kommen: Mein Job ist lukrativ, aber sterbenslangweilig. Ich habe sogar ein Online Studium mittlerweile abgeschlossen, diverse E-Books gelesen und gerade bin ich dabei eine eigene Blog-Forum-Seite ins Leben zu rufen.

      Ich habe wenige Freunde, und die sind quer durch Deutschland verteilt. Und denen erzähle ich natürlich nicht, dass mein Mann depressiv ist, kaum Miete zahlt und lieber segeln geht, als sich um seinen Job zu kümmern.

      • "Ich habe wenige Freunde, und die sind quer durch Deutschland verteilt. Und denen erzähle ich natürlich nicht, dass mein Mann depressiv ist, kaum Miete zahlt und lieber segeln geht, als sich um seinen Job zu kümmern."

        Man braucht auch nicht viele Freunde, sondern nur wenige, dafür aber enge. Vor was fürchtest Du Dich denn, wenn Du ihnen gerade das verschweigst, was Dein Leben so belastet? Dass sie sagen "Tja, selber schuld!"? Dann sind es keine Freunde, wenn sie das tun. Freunde hören zu und beraten dann möglichst objektiv und bieten dann Hilfe an. Gibt es wenigstens eine Person, von der Du Dir das vorstellen könntest?

        • Um ehrlich zu sein: Nein. Die, an die ich gerade denke, die würden sagen: Oh, das tut mir aber leid. Dann höfliches blabla und dann ... ja was? Er nimmt keine Tablette, er will oder kann sich nicht ändern.
          Aber Du hast mit einer Sache ganz recht: Wenn er sich nicht ändern kann oder will - -muss ich entscheiden, in wie weit ich das alles mittragen möchte // will.

          Es bringt so genau gar nichts, sich ständig zu wünschen, dass a oder b passiert.

          liebe witch - Du hast mir echt geholfen und ich werde Deinen Tipp durchkauen und Maßnahmen ableiten.

          Und im Grunde genommen: Er ist Mitte Vierzig, ich Mitte dreißig. Er fällt schon auf die Füsse.

Wenn er kein regelmässiges und hinreichendes Einkommen hat, würde ich als erstes die Rechnungen der Ex nicht mehr bezahlen.

Du bist sicherlich auch deprimiert, weil alles an dir hängen bleibt. Sei egoistischer!

  • Dadrunter leiden am meisten die Kinder: Die Urlaube, den Sport ...so manch andere Sachen zahle ich. Da ist auch Ok ...

    Nur, dass es dafür keine Dankbarkeit gibt. Von den Kindern nicht (wie auch, es es sind Kinder) und von den Eltern auch nicht. Die Exe hat einen totalen hass auf mich, weil ich ihr (angeblich) den Mann ausgespannt habe: Unnötig zu erwähnen, dass mein Mann sehr häufig fremd gegangen ist, bis er mich kennengelernt hat und dann seine Ex verlassen hat.
    Egoistisch sein ... in der Tat - ist nicht mein Ding. Diesen Sommer will ich es aber durchziehen: Kein Urlaub mit seinen Kindern, sondern ein WoMo mieten und ab nach *egal wo die Sonne scheint

    Er belächelt mich und sagt: Mach doch. Ich denke dieses Jahr ziehe ich es durch und mache es wirklich. Für mich ist es nicht gerade erholsam mich täglich um Kinder kümmern zu müssen, die sich gerne schieben lassen. Frühstück, Mittag, Abendessen organisieren, dann noch Ausflüge und weiß der Teufel.

    Mut, ich brauche Mut.
    Eine Idee woher ich welches bekomme?
    Lieben Gruß
    Aglaia

    • Er ist für seine Kinder verantwortlich, nicht du. Er muss zahlen und er muss zusehen, dass er gesund wird, um für sie zahlen zu können.

      Du scheinst dir ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen, das du nicht haben musst. Du wirkst manipuliert, damit du so funktionierst, wie du es sollst. Nicht nur, dass du für seine Kinder zahlen sollst, du sollst auch kochen und putzen für sie. Du wirst ausgenutzt!!

      Mein Rat: mach Schluss mit diesem Alptraum, denke an dich. Er soll seine Kinder bekochen, hinterher putzen und den Unterhalt bezahlen. Kann er das nicht, ist es nicht dein Bier. Miete dir dieses Wohnmobil und fahre außerhalb der Ferien damit weg. Alleine oder nur mit deinem Mann. Dann wird es auch günstiger.

Hallo, ich kenne Depressionen von mindestens einer Person in meinem Umfeld, aber das heißt nicht viel. Dann habe ich ein psychotherapeutisches Seminar darüber besucht, und da merkte ich, dass ich eigentlich bis dahin fast nichts davon verstanden hatte.

Du schreibst: "Er ist absolut antriebslos, schrubbt seine Arbeit ab und hat ansonsten keine Freunden im Leben: Keine Freunde (hatte er nie), macht kein Sport (segelt, wenn gerade Mal Wind ist) und seit dem sein Büro quasi im Haus ist - gibt es ganze Wochen, wo er das Haus nicht verlässt."

Wenn es so ist, dass er immer noch im Beruf arbeitet, das Büro erledigt und manchmal Miete bzw. Rechnung zahlen kann, dann ist das noch viel.
Darüberhinaus kann(!) er nicht, er ist viel zu kraftlos dafür etwas anzupacken. Wenn es wirklich eine Depression ist. Wenn er überhaupt aufstehen und sich waschen kann, dann ist das was. Die Frau die ich kenne, konnte oft nicht aufstehen, lag einfach bis zum Nachmittag im Bett. Haushalt wurde von einer Haushaltshilfe erledigt. Mann und Kinder mussten alles übrige erledigen. Und wenn sie auf war, zitterten ihre Hände und sie war kaum fähig, überhaupt nur einen Tee zu kochen.

Wenn dein Mann allerdings das Haus nicht verläßt, dann bekommt er ja keine Sonne auf die Haut und muss somit - wenn er nicht gerade auf einem Balkon in der Sonne liegt - unter Vitamin D Mangel leiden. Und gerade das kann die Stimmung sehr drücken und ebenfalls die Depression auslösen oder zumindest verstärken.

Ich würde mich an deiner Stelle darum kümmern, dass er hochdosiert Vitamin D und B-Vitamine zu sich nimmt. Ich wäre auch fähig, entsprechende Speisen zuzubereiten, wo das einfach drin ist, ohne dass er etwas merkt. Und auch sonst vollwertiges Essen mit vielen Rohkostsalaten, Nüssen, Obst und Gemüse, mit hochwertigen Zutaten. Auch wenn das etwas kostet. Das ist jedenfalls die Basis um den Körper und die Seele wieder hochzubringen.

Dann würde ich dir empfehlen, selbst so ein Seminar zu besuchen, damit du verstehst, was der andere fühlt und lernst damit umzugehen.

Trennung empfehle ich dir nicht. Weil ich eine Ehe für eine lebenslange Gemeinschaft ansehe, in der einer den anderen bei Krankheit nicht im Stich läßt. Es könnte auch dir passieren, dann wärst du sicher traurig, wenn dein gesunder, arbeitender Partner dich sitzen läßt und sich ein schöneres Leben sucht. Und die Depression wird hoffentlich wieder enden und dann habt ihr wieder Normalität.

Top Diskussionen anzeigen