Obwohl-Sex

    • (1) 06.07.17 - 10:56
      SZ

      Die Süddeutsche schrieb diese Woche unter dem Titel "Komm schon!" über Sexfrust in Langzeitbeziehungen und plädierte für "Obwohl-Sex: Obwohl ich müde bin, obwohl ich viel zu tun habe."

      Darin wird ein Therapeut folgendermaßen zitiert:

      "'Sexualität wird von Frauen oft als letztes Autonomie-Refugium empfunden', sagt der Therapeut. 'Sie haben das Gefühl, sie sind schon den ganzen Tag dazu da, sich um alles zu kümmern. Sie arbeiten, sie machen den Haushalt, sie sind für die Kinder da, vielleicht stillen sie noch. Und dann kommt abends noch der Typ und will auch noch was. Da ist dann die letzte Möglichkeit, sich zu verweigern.'"

      Ist das Käse oder ist da etwas dran?

      • (2) 06.07.17 - 11:06

        Teilweise ist da bestimmt was dran. Aber es ist eben wieder das Klischee-Denken. Es gibt ja auch Frauen, die trotzdem Lust haben und ihren Mann gerne verführen.

        Und es gibt ja auch Männer, die keine Lust haben, die kaputt, müde usw. sind.

        Für mich eher eine Klischee-These, die aber sicher auf einige zutrifft.

        (3) 06.07.17 - 11:13

        Manche Frauen setzten "Sexentzug" gezielt als Druckmittel ein, sowas zerstört auf lange Sicht natürlich Beziehungen.
        Klar hat man nicht nach jedem anstrengenden Tag noch Mega-Lust, aber manchmal "kommt der Appetit beim Essen ", wie es so schön heißt.

        (4) 06.07.17 - 13:29

        Also, für mich wäre das Käse.

        Ich lass dann lieber was im Haushalt liegen.
        Warum sollte ich mich beim Sex verweigern, ich verweigere mich ja auch nicht einem interessanten Buch oder Film oder einer Tafel Schokolade wenn ich Stress hatte;-).

        • Nicht jede Frau setzt Sex mit Entspannung gleich. Denn auch Sex, wenn dieser nicht nur auf Beine breit machen und machen lassen besteht auch "Arbeit" ist.

          Und dazu sind Frauen gerne mal nach einem langen Tag zu müde, wenn dann noch Ehestress usw mit einspielt, kommt erst Recht keine Lust auf.

          Und immer 0815 Sex weil der Mann es eben braucht ist auch doof. Im Sex gerade sollte es Abwechslung geben und Leidenschaft. Dazu sind aber eben abends viele Frauen einfach zu k.o.

      (8) 06.07.17 - 13:35

      Ist was dran, dass man abends, wenn alles an einem allein hängt, oft zu müde ist für Sex? Bestimmt.
      Ist an dem Vorschlag des Therapeuten was dran? Also ICH würde ja eher dafür plädieren, dass die Herren einfach ihren Teil tun in der Partnerschaft und im Haushalt. Und nicht schon wieder die Frauen am Zug sind, dass dann bitte auch noch zu ändern.

      LG

      (9) 06.07.17 - 13:59

      Ich glaube da ist viel Wahrheit dran.

      Wenn auch nicht alle so sind, so ist es sicher aber sehr häufig.

      Frauen nutzen Sex als Druckmittel und bei wenig Anerkennung, Streit, zuviel Belastung wird es nicht getan.

      Männer können und wollen öfters, auch in unmöglichen Phasen einer Beziehung.

      Frauen ticken meist anders.

      (10) 06.07.17 - 14:04

      Ganz dünnes Eis. Welche Frau, in deren Beziehung alles paletti ist und die Lust auf Sex hat, verweigert sich denn, nur um Autonomie zu empfinden? Das kann man durchaus so falsch verstehen.
      Allerdings ist plausibel, dass eine Frau, die den ganzen Tag schon Bedürfnisse erfüllt hat, einfach kein Lustempfinden mehr hat. Dann zu sagen: "Ja egal, mach einfach, der Appetit kommt beim Essen" kann zwischendurch klappen, aber sicher nicht mehr, wenn die Erschöpfung ein Dauerzustand ist. Dann verwandelt sich "Komm schon" in "NEIN, ich WILL nicht!".

      Falls das Fazit des Artikels ist, man soll sich häufig oder gar immer überwinden, sehe ich das als falsch an. Manchmal doch noch einmal darüber nachzudenken und Lust zu bekommen oder dem Partner dann zu sagen, was man bräuchte, um generell wieder mehr Lust zu haben sehe ich als sinnvoll an.

      • (11) 06.07.17 - 14:15

        Nein, so war das Fazit nicht. Weiter geht es so:

        "Aus der zunächst erklärlichen Lustlosigkeit wird mit der Zeit eine schlechte Gewohnheit.Viele Frauen realisieren nicht, dass sie sich selbst von einer Quelle des Wohlgefühls und der Entspannung abschneiden." So wird aus Nähe schleichend ein Nebeneinander - und der Weg zurück Ist oft beschwerlich. (...)

        Wie Christoph Joseph Ahlers sagt: 'Es geht hier nicht um den Ratschlag, sich alle zehn Tage zum Sex zu verabreden. Das erinnert an Körperertüchtigung, so wie die täglichen Kniebeugen am offenen Fenster. Vielmehr geht es darum, ein Verständnis von Sexualität als Kommunikation zu entwickeln: ein Bewusstsein dafür, dass sexuelle Interaktion in partnerschaftlichen Beziehungen sich nicht in dem Zweck der sexuellen Erregung oder der Fortpflanzung erschöpft, sondern vor allem eine Möglichkeit sein kann, Grundbedürfnisse nach Angenommensein und Zugehörigkeit zu erfüllen. Dieses Bewusstsein fehlt in unserer Kultur.'"

    (12) 06.07.17 - 14:06

    Ich finde es einfach nicht richtig, von der Frau zu fordern, sie müssen sich doch bitte schön zu "obwohl sex" drängen lassen. Na klar ist Frau (Mann mitunter ja auch) abends nach einem anstrengenden tag müde. Warum sollte irgendwer (egal ob Mann oder Frau ) sich zu Sex zwingen, wenn er oder sie einfach total erledigt ist? Wenn ich so müde bin, dass ich um kurz nach 20 uhr auf dem Sofa direkt einschlafe, habe ich ganz sicher keine Energie mehr für Sex. Warum sollte ich den dann haben, nur damit mein Mann zufrieden ist? Warum wird nicht akzeptiert, dass einer einfach müde ist? Warum muss man sich zu etwas zwingen, wozu man im Moment einfach keine kraft, Lust und Energie hat? Was ist der Sinn dahinter? Dass das Bedürfnis nach Sex wichtiger ist als auf seinen eigenen Körper zu hören? Dass derjenige, der Sex fordert zwangsläufig im recht ist und der andere deshalb zwangsläufig immer nachgeben muss? Wenn Sex, dann bitte dann, wenn BEIDE ihn wollen und nicht weil einer ihn will.

    • (13) 06.07.17 - 14:18

      Es wurde nirgendwo "gefordert", frau solle sich "drängen" lassen.

      An diesem Ausschnitt wird es klarer:

      "Die Rede ist von der Art Sex, die man auf dem schmalen Grat zwischen "Keine Lust" und "Warum eigentlich nicht?" hat. Zwar findet er in unseren kulturell geprägten Vorstellungen irgendwie nicht so richtig statt, doch kann man davon ausgehen, dass er in den Betten und auf den Sofas glücklicher Paare regelmäßig praktiziert wird. lnstandhaltungssex ist das Miteinanderschlafen zum Zweck der Herstellung und Aufrechterhaltung körperlicher Nähe. Es Ist Obwohl-Sex. Obwohl Ich müde bin, obwohl Ich so viel zu tun habe, obwohl wir morgen früh aufstehen müssen, obwohl wir jetzt genauso gut einfach noch eine vierte Folge von "House of Cards" gucken könnten, obwohl ich von mir aus jetzt eher in die Badewanne gehen würde: Lass uns ein bisschen zusammen sein. Die Art von Sex, die einen vielleicht nicht immer aus der Haut fahren lässt, aber auf jeden Fall dafür sorgt, dass man sich in seiner Haut sehr wohl fühlt."

      • (14) 06.07.17 - 14:26

        Und wieso muss das dann gleich Sex sein, um die nähe herzustellen? Würde doch auch mit kuscheln odrr ein bisschen rum knutschen gehen. Sex sollte nie etwas sein, tu dem sich einer überreden lassen muss sondern immer etwas, das man freiwillig und gerne tut. Wenn man auf obwohl sex zurück greifen muss, sollte man vielleicht eher mit etwas kleinerem wie zusammen kuscheln oder knutschen anfangen.

        • (15) 07.07.17 - 01:50

          Auch Kuscheln und knutschen sollte etwas sein, das man freiwillig und gerne tut;-).
          Ich würde auch beim "Obwohl-Sex" davon ausgehen, dass man ihn nur freiwillig und gern hat. Muss nicht immer das große Feuerwerk sein, aber manchmal kommt die Lust ja doch dabei und es ist schön, obwohl man müde ist oder früh raus muss. Und wenn nicht kann man ja auch wieder aufhören.

(16) 06.07.17 - 14:39

Also bei uns gibt es in den letzten Monaten tatsächlich sehr oft "obwohl-sex". Seit vor knapp 4 Monaten unsere zweite Tochter auf die Welt kam, bin ich abends einfach oft ausgelaugt (aufgrund verschiedener Komplikationen eher psychisch).

Das ist dann bei mir keine Verweigerung aus Autonomiegründen. Sondern schlicht und ergreifend antriebslosigkeit.

Übrigens bin ich sehr froh um die Bemühungen meines Mannes. Denn tatsächlich haben wir dadurch ein regelmäßiges und Abwechslungsreiches sexleben trotz 2 kleiner Kinder ;-) Der am Ende beiden Spaß macht

(17) 06.07.17 - 15:22

Da ist was dran.

(18) 06.07.17 - 15:23
sofortbereit

In einer langen Beziehung wirkt der Partner automatisch (ob bei Frauen oder Männern) sexuell nicht mehr so anziehend. Und das andere was ich persönlich selbst erlebe und bei anderen Frauen erzählt bekomme....
Man geht 30-35 Std arbeiten, macht den Haushalt, geht Einkaufen, kocht und kümmert sich meist alleine um die Kinder ( spielen auf dem Spielplatz, Arztbesuche) Der Göttergatte geht 35-40 Std arbeiten und bringt den Müll runter! Das ist die moderne Beziehungsart und dann erklärt Mann gerne seine Arbeit wäre im Gegensatz zur Frau viel anstrengender.

Ich bin eine Person ich muss immer was zu tun haben und komme damit klar. Sexlust habe ich trotzdem und lebe es aus. Aber ich verstehe auch die Damen die sich dann sagen : jetzt noch Sex? Nein Danke ich gehe ins Bett

(19) 06.07.17 - 20:25

Warum zitierst du nur den Abschnitt, wenn es in dem Artikel doch um Partnerschaft geht. d, h. der Mann ist auch gefordert.

Wenn man hier so liest, gibt es zahlreiche Männer, die einfach keine Lust haben wg. Beruflich viel Stress, Müdigkeit etc. Oder die zu müde und zu bequem sind, die Energie aufzubringen, sich auch um die sexuellen Bedürfnisse der Frau zu bemühen. Für so eine Rein-Raus-Nummer auf die Schnelle zur Entspannung ließe Mann sich vielleicht gerade noch ein oder Mann hofft, dass er es gerade mit der Hand besorgt bekommt........ Nur sehr vielen Frauen genügt das nicht zur "Entspannung" (die der Autor da zudem anführt). Das dauert bisweilen und macht mehr Mühe...
Deshalb vergnügen sich vielleicht so einige Männer mit Internetfilmchen und besorgten es sich schnell selbst und nach ein paar Minuten hat Mann, was er wollte.. Und die Frauen beklagen daraufhin, er habe zwar auf Sex mit ihr keine Lust. Dazu ist er zu kaputt, gestresst, hat den Kopf nicht frei usw. Für SB reicht es aber allemal.

Ich finde dein Ausgangspost zu einseitig formuliert und erweckt einen falschen Eindruck.

  • (20) 06.07.17 - 21:20

    Mich interessierte genau dieser Aspekt, ob Verweigerung eine Form der Autonomie in einem sonst durch Haushalt und Kind weitgehend Fremdbestimmung Leben ist. Diese Sicht war mir neu und deshalb wollte ich sie zur Diskussion stellen.

    Selbstverständlich kann Lustlosigkeit noch zahlreiche andere Gründe haben. Und selbstverständlich ist der ganze Artikel lesenswert, aber ich hätte ihn nicht komplett Posten können.

(21) 06.07.17 - 20:58

Seinem Plädoyer möchte ich unbedingt zustimmen. Sex ganz bewusst Raum zu geben, auch wenn die Rahmenbedingungen vermeintlich nicht stimmen, ist eine tolle Sache und in manchen Lebensphasen unverzichtbar, wenn das Sexleben nicht einschlafen soll.:-)

Den zweiten Teil muss man differenzierter betrachten. Es gibt sicherlich einige Frauen und Beziehungen, zu denen die These passt.

Ob man bzw. frau sich gerne auf Nähe und Sex einlässt oder beides selbst sucht, hängt sehr davon ab, welche Befriedigung man erwarten darf.

Steht das Ganze unter dem Vorzeichen, sich gemeinsam etwas Gutes zu tun, regt sich mehr als wenn einer wirklich kommt und einfach etwas will, wie es in deinem Zitat heißt.

(22) 10.07.17 - 12:22

So wie es da steht (und ohne den ganzen Artikel zu kennen), ist das in meinen Augen Käse:

Genauso gut könnte der Mann nämlich sagen: "Ich muss mich den ganzen Tag auf der Arbeit krummlegen, das Geld beischaffen und die Verantwortung für die Familie tragen. Und dann kommt sie abends noch und will auch noch was von mir."

Ja, Verweigerung ist eine Form von Autonomie. Aber nicht das "Autonomie-Refugium" der Hausfrau, sondern die Autonomie, die der Low-Desire-Partner in jeder Partnerschaft automatisch ausübt, egal ob Mann oder Frau.

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