Erwarte ich zu viel?

    • (1) 08.07.17 - 19:00
      NachdenklicheGrüblerin

      Hallo, ich habe die ganze Zeit überlegt, ob ich wirklich hier schreiben soll, denn ich habe das Gefühl, dass das was ich im Folgenden schreibe, meinen Partner in ein falsches Licht stellt, da ich in diesem Beitrag die negativen Seiten mehr beleuchte als die positiven. Ich versuche es trotzdem mal :)

      Mein Freund und ich sind seit letztem Jahr Eltern unserer süßen Tochter, die unser Leben sehr bereichert. Seither bin ich Zuhause und kümmere mich quasi rund um die Uhr um unsere Tochter und den Haushalt. Mein Partner arbeitet derzeit Teilzeit und studiert (Master, Vollzeitstudium).

      In letzter Zeit werde ich zunehmend unzufriedener mit meiner Rolle (als Hausfrau?!). Besonders dann, wenn ich nachts unserer Tochter Milch gebe oder sie tröste, wenn sie Schmerzen hat, also wenig Schlaf bekomme (derzeit wunderschöne blaue Augenränder), morgens gegen halb 9 mit ihr aufstehe, die Kleine frisch mache, mit einem Affentempo die gröbsten Verschmutzungen und Unordnungen beseitige, mich dusche und mein Partner derweil noch im Bett liegt, irgendwann aufsteht, sich einen Cafe macht, Tv schaut und gegen halb 11 zur Arbeit geht (wenn er vorlesungsfrei hat). Er hat bis dato also ausgeschlafen, sich um sich gekümmert und unsere Tochter trotz ewiger Trödelei nicht 1x gewickelt beispielsweise. Kommt er dann irgendwann nach Hause, kümmere ich mich trotzdem weiter um die Kleine. Der Haushalt bleibt zu 90% an mir hängen.
      Wenn er Vorlesungen hat beginnen diese meistens gegen 12 Uhr. Da er morgens nicht in die Pötte zu kommen scheint, arbeitet er morgens nicht und erst nach der Vorlesung. So kam es also, dass er unsere Tochter über Wochen und Monate hinweg, kaum bis gar nicht gesehen hat, da sie schon im Bett lag als er kam. Das hätte er verhindern können, indem er in der Früh arbeitet, zur Vorlesung geht und dann könnte er nach Hause kommen, um Zeit mit uns zu verbringen. Ist das zu viel verlangt?

      Momemtan kommt ständig Formel 1. Damit er es in Ruhe schauen kann, gehe ich fast jedes Wochenende (Sa und So) alleine mit der Kleinen weg, so auch heute. Ich kam wieder, das Training war fertig und er macht was fürs Studium bis abends. Morgen ebenso.

      Auch muss ich mir immer häufiger ansehen, dass er am Laptop spielt, während ich mit Rückenschmerzen eine riesige Wohnung sauge und und und. Heute morgen dachte ich, dass er doch hoffentlich mal die Kleine aus ihrem Bett nimmt, als sie wach wurde und sie frisch macht. Da sagte er doch glatt, wenn auch indirekt, dass ich das machen solle.

      Ich zerbreche mir den Kopf darüber, ob ich von einem Mann, der studiert, arbeitet und Familie hat, zu viel verlange? Ich ihm zu wenig Pausen gönne?

      Ich fühle mich manchmal jedenfalls wie eine Alleinerziehende, die aber für 3 putzt.

      Habe es schon öfters versucht anzusprechen, er fühlt sich SOFORT angegriffen und im Unrecht. Er würde sich ausreichend um unsere Tochter kümmern und mir helfen. Er ist dann stinkig und es kann sein, dass er nicht mehr mit mir spricht.

      Bitte schreibt mir doch mal, ob meine Erwartungen überzogen sind, oder ihr mich verstehen könnt. Und wie um Himmels Willen ich diesen Zustand mit ihm klären kann, ohne dass er sich angegriffen fühlt.

      Lieben Dank

      (4) 08.07.17 - 19:27

      Du erwartest nicht zu viel!

      Mein Mann tickt ähnlich, arbeitet in der Altenpflege und denkt auch, dass er, wenn er Spätschicht hat, nur lümmeln kann. Also laaaange aufbleiben, ausschlafen bis 9 Uhr und dann gemütlich frühstücken. So weit so gut.

      Trotzdem muss er etwas tun, was erkennt er allerdings nicht von alleine. Wie auch, er ist ein Mann ;-)? Er braucht klare Worte, was zu tun ist. Spülmaschine, Wäsche, Müll...

      Und da bin ich ehrlich: das wäre mir herzlich egal, wenn er dann beleidigt wäre. (Ist er nicht) Wir wohnen hier beide und mich fragt auch keiner nach Lust und Laune. Mein Mann erledigt seinen Anteil immer nur auf Aufforderung. Ich lebe damit gut, ich leide nicht.

      Fordere ihn auf, etwas zu ändern. Er ist kein Hellseher. Sag ihm, dass du dir das gemeinsame Familienleben anders vorstellst. Sei selbstbewusst genug! Wenn er beleidigt ist, ist das sein Problem, nicht deins.

      • (5) 08.07.17 - 19:31

        Du verlässt die Wohnung, damit er in Ruhe Formel1 gucken kann!?!? Das würde ich nicht tun. Du bestärkt ihn in seinem Verhalten.

        (6) 08.07.17 - 19:35
        NachdenklicheGrüblerin

        Danke für die Antwort.

        Habe ihn auch schon ab und an aufgefordert. Das ständige "mach dies und das" nervt uns beide.

        Wie formulierst du das dann konkret?

        Liebe Grüße

        • (7) 08.07.17 - 19:44

          "Schatz, du bist dran, das Leben besteht nicht nur aus Arbeit und Gammeln. Hol die Wäsche hoch und die Spülmaschine gehört dir auch."

          Formel1 ginge mir so auf den Wecker, das macht mich aggressiv. Und das sage ich dann auch. Mein Mann nähme dann Rücksicht. Umgekehrt schränke ich den Konsum von Serien mit künstlichem Lachen ein, wenn er es möchte.

    (9) 08.07.17 - 19:44

    Also seine Tagesstruktur geht gar nicht. Mein Mann hat feste aber unregelmässige Arbeitszeiten, ich fixe Tage aber Gleitzeit. Wenn er zu Hause ist und ich arbeite, steh ich um 5 auf, damit ich um 18 Uhr wieder zu Hause bin. Theoretisch könnte ich alles 3h nach hinten schieben, aber im Interesse der Familie quäl ich mich früh aus dem Bett. Von daher hab ich dem Punkt null Verständnis für deinen Partner.

    Was mir auffällt: wie kann das ein Vollzeitstudium sein? Schreibt er gerade an der Arbeit? Ich kenne sonst keine Masterstudenten, die den Morgen freihaben... Das wäre sonst schlicht kein Vollzeitstudium. Die “freie“ Zeit dient üblicherweise dem Selbststudium und nicht zum ausschlafen.

    Ich denke aber, dass ihr da wie viele einfach in die klassische Rollenverteilung reingerutscht seid. Ich hab schon vor der Geburt klargemacht, dass ich nicht Hausmutti und allein für alles zuständig bin. Hab meinem Mann teilweise auch klare Ansagen gemacht, weil er am Anfang die Aufgaben einfach nicht selbst gesehen hat. Hat so aber geklappt.

    Ich würde dir auch raten, ihm z.B.Nachtdienst aufzubrummen. Steh einfach nicht auf und lass ihn machen. Bleib bei der Formel 1 zu Hause und lass dir 10 Minuten vor Start ein Bad ein, schliess die Tür ab. Wenn er meckert: hat er dich denn gefragt ob es okay ist vor der Glotze zu sitzen?

    Es wird sowieso Streit geben zwischen euch. Ich würde das als Chance nutzen, auch konkrete Verbesserungsvorschläge zu bringen. Wenn er die pauschal nicht annimmt, liegen die Probleme in eurer Beziehung wohl noch tiefer und du müsstest euch als Paar grundlegend überdenken.

    • (10) 08.07.17 - 19:50

      Genau, klare Ansagen. Nein, wir sind nicht die Mütter, aber manche Männer brauchen das so.

      Männer sehen die Aufgaben nicht unbedingt und auch nicht so dringend wie wir. Mein Mann versteht nicht, dass ich meine "saug jetzt die Wohnung" wenn ich sage "hier müsste mal gesaugt werden". Bis ich das kapiert hatte... seitdem bekommt er klare Männersätze. Kein Problem. Gerne auch verbunden mit dem Angebot, es ihm aufzuschreiben ;-)

Nur so zum allgemeinen Verständnis:

Ihr seid erst seit einem Jahr Eltern. Vorher hast du also gearbeitet, vermute ich. Und er hat schon studiert und seine TZ-Tätigkeit gehabt?

Wie lief es denn da ab? Wenn du schreibst, er legt sich extra alles so spät, weil er morgens nicht hoch kommt, dann liegt ja die Vermutung nahe, dass es schon immer so war.

Was habt ihr vereinbart, wie es laufen soll mit Kind bzw. wessen Idee war das Kind? Da er so gar keinen Bock auf die Kleine hat, kann es ja kaum sein Wunsch gewesen sein.

Ich finde deine Wünsche berechtigt. Aber wenn er schon immer so ticket und das Kind nicht seine Idee war, wird es schwierig, so jemanden "umzuerziehen". Und zudem würde ich mir Gedanken machen, wie es nach seinem Studium weitergeht und er wirklich mal Vollzeit ranklotzen muss. Dann muss er sich nur noch erholen und am WE seinen Interessen nachgehen, ausgiebig ausschlafen etc., weil er ja die ganze Woche so schwer schuftet????

  • (12) 08.07.17 - 20:11
    NachdenklicheGrüblerin

    Als die Kleine kam hatte er seinen Bachelor beendet und Vollzeit gearbeitet. Seit März studiert er wieder und arbeitet in Teilzeit.

    Es stimmt schon, dass er morgens schon immer, nennen wir es gemütlich, war. Aber so extrem ist es erst, seit die erste stressige Prüfungsphase war. Diese ist vorbei, das Muster ist geblieben.

    Du schreibst, er hätte keinen Bock auf die Kleine. Das kam möglichweise missverständlich rüber, aber es gibt auch durchaus Zeiten, in denen er sich liebevoll um sie kümmert. Er ist sehr verantwortungsbewusst ihr gegenüber und liebt sie aufrichtig. Aber der Spagat zwischen Arbeit, Studium und Familie gelingt ihm meist nicht gut. Das hatte er auch 1x von sich aus gesagt, sonst hatte er es abgestritten, ich denke aus Selbstschutz.

    • Du schreibst, er hätte keinen Bock auf die Kleine. Das kam möglichweise missverständlich rüber, aber es gibt auch durchaus Zeiten, in denen er sich liebevoll um sie kümmert
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      Stimmt, denn du schreibst ja deine Probleme auf und die Zeiten, in denen es nicht funktioniert. Es liest sich halt so, als bliebe kaum Zeit um sich liebevoll zu kümmern.

      Mit deinem Räumen des Feldes bei Formel 1 im TV gibst du ihm selbst noch den Freifahrtschein für seine Hobbys und signalisiert ihm, dass es so in Ordnung ist.

      ......... und unsere Tochter trotz ewiger Trödelei nicht 1x gewickelt beispielsweise. Kommt er dann irgendwann nach Hause, kümmere ich mich trotzdem weiter um die Kleine.

      . .........So kam es also, dass er unsere Tochter über Wochen und Monate hinweg, kaum bis gar nicht gesehen hat, da sie schon im Bett lag als er kam. Das hätte er verhindern können, indem er in der Früh arbeitet, zur Vorlesung geht und dann könnte er nach Hause kommen, um Zeit mit uns zu verbringen. Ist das zu viel verlangt?

      Momemtan kommt ständig Formel 1. Damit er es in Ruhe schauen kann, gehe ich fast jedes Wochenende (Sa und So) alleine mit der Kleinen weg...... Heute morgen dachte ich, dass er doch hoffentlich mal die Kleine aus ihrem Bett nimmt, als sie wach wurde und sie frisch macht. Da sagte er doch glatt, wenn auch indirekt, dass ich das machen solle.

      Wer hat denn nun den Haushalt geschmissen bevor die Kleine kam? Irgendwie lief es ja trotz seiner Morgenmüdigkeit und Vollzeitabeit.

      • (14) 08.07.17 - 20:39

        Und wenn du der Meinung bist, er soll sich kümmern dann sag: Schatz du bist dran. Die Kleine muss jetzt versorgt werden.

        Wenn er dann wirklich sagt, du sollst das tun, solltest du sagen, dass es so nicht funktioniert. Ihr wäret beide Eltern, jetzt sei er dran.

        Und bleib stur! Du hast ihn verzogen und falsch verwöhnt.

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