Partnerschaft

  • 17.07.17 - 18:44
    doc's lazy daughter (1)

    Das "doc" Prinzip - Verhältnis zu den Eltern immer schlechter

    Guten Abend,

    ich muss schwarz schreiben, da mich sicher einige Leser hier erkennen werden.

    Es geht um meine Eltern: Mein Vater ist Landarzt, gesellschaftlich hoch angesehen, workoholic - er arbeitet oft 16 - 18 Stunden täglich am Stück ohne zu ermüden, selbst sehr asketisch lebend - daher hat er im Laufe der Jahre auch riesige finanzielle Rücklagen gebildet. Für Gefühle, etc. hat er wenig emotionalen Raum. Er funktioniert seit Jahrzehnten. Meine Mutter ist böse gesagt "Frau Doktor", die "nach oben" geheiratet hat, ihm den Rücken freihält, grundsätzlich alles gutheißt, was er macht und den sozialen Status genießt. Sie ist für die drei "K" zuständig und nickt sonst alles ab, was "der doc" entscheidet. Er ist -in der Praxis und privat" gewöhnt, dass alles auf ihn zuarbeitet und ihm gehorcht.

    Wir Kinder genügten leider nie den familiären Ansprüchen. Es ging schon im Kindergarten los, dass wir und unsere Leistungen sehr oft in Frage gestellt wurden. Wir waren gut in der Schule - aber nicht sehr gut. Wir machten Abitur, aber gewannen keine Preise. Wir studierten, aber nicht Medizin, was für ihn eine riesige Enttäuschung war. Spätestens da kippte das Verhältnis und er (und damit sie) verlor jedes Interesse an uns. Zuvor hat er uns mit Erwartungen, die wir nicht erfüllen konnten, unter Druck gesetzt. Dann hat er nicht einmal die Erwartungen verbalisiert. Er warf uns vor, dass Medizin auch nicht sein Traumjob gewesen, aber er das Beste aus seinem Abitur herausgeholt hätte und er und der Job, sie seien nun eins "nachdem die Phase jugendlicher idealistischer Spinnereien vorbei waren". . Wir würden uns "eben anstellen" und "Sentimentalitäten" folgen, wo er doch alles für aufgebaut hätte - einen Landsitz, eine Praxis ...

    Ich hänge emotional an meinen Eltern und schaffe es seit Jahrzehnten nicht, mich da zu lösen, aber es gab z.B. zwei Auslandssemester - ich bin nicht sicher, ob sie sich gemeldet hätten, wenn ich nicht angerufen hätte. Sie wissen auch nicht genau, was ich studiert habe. Im Studium wurden meine Geschwister + ich finanziell sehr knapp gehalten und haben dann auf 650DM Basis gejobbt und in den Semesterferien voll gearbeitet um über die Runden zu kommen. Wir bekamen das Kindergeld überwiesen und 100DM monatlich- für das, was mein Vater verdiente, war das ein Hohn. Wagte ich zu erwähnen, dass mich mein (schlecht bezahlter) Studijob und das Studium mitunter an meine Leistungsgrenze brachten, wurde ich ausgelacht, da er selbst "Erschöpfung" nicht kennt oder an sich wahrnimmt. Er kann einfach ohne Pause durcharbeiten. Es gab wenige Auseinandersetzungen, da wir immer als "undankbar" und "geldgierig" hingestellt wurden und wir das Thema immer umschifften und als Lösung wurde immer das "Medizinstudium" aufgefahren.

    Bizarrerweise haben wir einen Cousin, der so war, wie sich mein Vater sein Traumkind vorstellte - schon in der Grundschule Klassenbester, bestes Abitur, bester Abituraufsatz, bestes Latinum. Dieser Cousin studierte dann ... Medizin. Vollfinanziert von meinem Vater, ohne finanzielle Probleme, Engpässe oder Nebenjobs - mit Auslandssemestern und -praktika. Vollfinanziert. Suchten wir das Gespräch, endete das immer in den hässlichsten Familienstreitigkeiten, in denen uns absolute Eifersucht vorgeworfen wurde - und ein hässlicher Charakter. Wir haben das damals geschluckt und uns damit getröstet, dass es für meinen Vater schwer ist, dass wir nicht mit einsteigen in die Praxis. Und dass es das Geld meines Vaters ist, nicht unseres.

    Die finanzielle Situation zu Studizeiten war schwierig, aber emotional war es mitunter die Hölle. Als ich meinen Uniabschluss machte, kam er nicht zur Zeugnisübergabe. Ich war erst einige Monate arbeitslos, was ich in einem Supermarkt überbrückte - mit entsprechenden Kommentaren. Ich fand eine Stelle, ich liebe meinen Job, aber ich verdiene nicht so gut wie er. Ich wünschte mir, dass er mich einfach einmal in den Arm nimmt und sagt "gut gemacht - auch wenn es nicht Medizin war". Aber davon sind wir himmelweit entfernt.

    Stattdessen hat er uns eröffnet, dass er meinem Cousin (inzwischen eine Gemeinschaftspraxis) auch das Haus überschreiben wird, da wir "nicht so sind, wie er sich das vorgestellt hat" und mein Cousin (und seine Frau, auch eine Ärztin) sich aus dem "Nichts" hochgearbeitet haben. Das sagte er mal total nüchtern an Weihnachten, auch, dass er das mit dem Anwalt geklärt hat, damit wir nicht mit Pflichtteil oder so kommen - den gäbe es nicht mehr, es wäre "alles in trockenen Tüchern". Irgendwie dreht sich alles ums Geld. Ich mag meinen Cousin, bewundere ihn für die Arbeit und dass er den "doc", der sich auch in seine privaten Lebensbereiche einmischt, klaglos aushält. Der ganze Post klingt entsetzlich materialistisch, aber bei Gesprächen dreht es sich wirklich oft um Geld.

    Vor einigen Jahren wurde ich (bzw uns, ich hatte da schon Mann und Kinder) wegen Eigenbedarf gekündigt, ich hatte wenig finanzielle Rücklagen und wusste, wenn ich weiterhin irgendetwas miete, dann käme ich nie aus der Situation heraus. Ich fasste mir ein Herz, gar nicht wegen mir, sondern wegen meiner Kinder und bat meinen Vater -zum ersten Mal in meinem Leben- um finanzielle Hilfe. Er sprang ein und übernahm 1/3 des Kaufpreises für unser Eigenheim, ich glaube aber auch, dass er Getuschel vermeiden wollte.

    Leider entfremden wir uns seither immer mehr und meine Mutter wirft mir nun vor, ich hätte ihn finanziell ausgenommen bis aufs Letzte und wäre aber nicht bereit, mich "unterzuordnen" und einfach "gierig" und "undankbar". Ich bin aber emotional überhaupt nicht nah genug dran, irgendetwas anders zu machen. Rufe ich an, kann ein Telefonat 45 Sekunden dauern "die Praxis ist voll" oder die Arzthelferin fragt, was sie ihm ausrichten soll und er ruft nicht zurück. Oft lädt er seine Enkel (also meine Kinder) samstagabends zum Essen ein - ich (und mein Mann natürlich auch) sind ausgeladen. Da fährt er vor, nickt kurz, verbringt den Abend mit den Kindern und liefert sie wieder ab. Keine Frage, wie es uns geht. Keine Chance, mit ihm bei diesen "Übergaben" ins Gespräch zu kommen, ihn zu fragen, wie es ihm geht, uns irgendwie auszutauschen.

    Mein Vater ist der "doc" und alles arbeitet auf ihn zu. In dieser Patriarchenrolle fühlt er sich wohl. In der Familie ist es nur friedlich, wenn er seinen Willen bekommt. Ich kann das nicht mehr. Er ist eine Schattengestalt in meinem Leben, der alles, was ich tue, kritisiert und niedermacht. Meine Mutter hat mir kürzlich vorgeworfen, ich sei eine Schmarotzerin, die damals gerne das Geld genommen hätte, aber emotional Lichtjahre von ihnen entfernt sei. Versuche ich zu sagen, dass mir das emotional total weh tut, dass ich mir es anders wünsche, dann werde ich ausgelacht, als "gefühlsduselig" und "selbst Schuld" kommentiert.

    Mich belastet die Situation immens. Ich würde ihnen am liebsten das Geld vor die Füße werfen und einen klaren Cut machen (den es ohnehin schon gibt)- ich weiß aber, dass ich dann das Studium meiner Kinder nicht finanziell hinbekomme ... und die werden auch nicht Medizin studieren. Ich fühle mich sehr schuldig, dass sein Geld in meinem Haus steckt, was er als "riesigen Fehler" bezeichnet. Ich sehe das auch so. Wie gesagt, es ist kein "ausuferndes" Haus, ich könnte refinanzieren, ihn wieder ausbezahlen - dann wären aber meine Kinder beim Studieren in der gleichen Lage wie ich es war. Andererseits ist es wirklich so, dass das Geld ihm finanziell überhaupt nicht weh tat und ich denke, dass mein Cousin am Ende des Tages alles bekommt ... Praxis, Anwesen ... Von daher wäre es wirklich blöd, versuchen, es zurückzuzahlen. Emotional hintert mich dieses Geld aber daran, mich einfach zu verabschieden.

    Also kurz: Rational wäre eine Rückzahlung das Dümmste, was ich machen könnte. Emotional würde ich nichts lieber machen - aber es geht zu Lasten meiner Kinder. Was tun?

    Antworten  0
    • Was wurde anno dazumal bzgl. des Geldes vereinbart oder besprochen? War es ein Darlehen oder ein Geschenk?

      • 17.07.17 - 19:28
        doc's lazy daughter (3)

        Es war eine "Vorabauszahlung" eines Erbteils und auch klar so definiert (auch meinen Geschwistern gegenüber).

        Hintergrund: Mein Vater hatte für kurze Zeit einen Partner in der Praxis, der eines Tages tot in seinem Büro lag (Herzanfall). Er hatte da eine ziemliche Sinnkrise, wie schnell das Leben vorbei sein kann und hat beschlossen, uns das Geld zu Lebzeiten zur Verfügung zu stellen, damit wir um die Erbschaftsteuer herum kommen, wenn es ihn auch plötzlich trifft und er einfach auch sehen möchte, was aus dem Geld wird.

        Es war damals sogar so, dass er uns sehr viel mehr Geld angeboten hat, als wir dann angenommen haben. Er sagte so in etwa "kauft euch, was euch gefällt". Ich fand das aber irgendwie unanständig und wollte auch kein Haus "sponsored by Dad". Er kam wirklich mit Häusern an, die eine halbe Million kosteten. Zudem war es so, dass mich diese urplötzliche Großzügigkeit extrem misstrauisch machte, da alle anderen Ausgaben (Führerschein, Hochzeit, etc.) komplett von mir getragen wurden (war ja auch okay, aber es passte nicht). Ich habe auch kommuniziert, dass ich sehr dankbar bin und es auch zu schätzen weiß, dass er so eingesprungen ist.

        Leider wird mir das nun immer aufs Brot geschmiert. Ständig. Unser ganzes Verhältnis ist irgendwie auf diese Zahlung reduziert.

        • 17.07.17 - 19:39
          doc's lazy daughter (4)

          Konkret lief es so: Ich schaute alle sich auf dem Markt befindlichen Wohnungen und Häuser an und nahm das günstigste, ging zur Bank, legte unser Einkommen und meine Vermögensverhältnisse offen und fragte, wie viel Geld fehlte, damit sie finanzieren. Diese "Summe X" habe ich von ihm akzeptiert. Er schaute parallel und versuchte mich noch zu "überreden", ein repräsenativeres Haus zu wählen, da war mir aber auch der Unterhalt zu teuer.

          Es war nicht so, dass ich Geld verschleudert habe - nach dem Studium hatte ich ca. 5000DM gespart (das gab mir Sicherheit), viel Geld ging auf für meine beiden Auslandssemester drauf. Alle "großen" Ausgaben danach: Führerschein, Wohnungseinrichtung, Hochzeit, Taufe, Auto etc. habe ich komplett selbst finanziert. Daher hatte ich Rücklagen, aber mühsam, da ich ja Miete bezahlte, Nebenkosten sowieso und wir kleine Kinder hatten - wir haben uns zu zweit eine 120% Stelle geteilt. Groß finanzielle Sprünge oder Rücklagen waren nicht drin.


        • Dann würde ich es nicht zurück zahlen sondern darauf hinweisen, dass es äußerst schlechtes Benehmen ist, eine Schenkung später mehr oder weniger deutlich wieder zurück zu fordern oder daraus irgendwelche anderen Ansprüche abzuleiten.

          • 17.07.17 - 22:40
            doc's lazy daughter (6)

            Das habe ich schon. Ich habe ihm erklärt, dass ich komplett anders finanziert hätte, ohne seine Hilfe. Es ist aber ein "Machtspielchen", etwas, das er als Druckmittel einsetzt.

            Irgendwie sind bei uns das Materielle und Emotionale verwoben und er nutzt dieses Geld immer wieder um zu illustrieren, dass er mich für eine Versagerin hält und macht das eben an dem Materiellen fest "ohne mich hättet ihr damals nie ...".

            • Da musst Du gar nicht so viel erklären, aber geschenkt ist geschenkt und wiederholen ist gestohlen. So einfach.

              Und eine Versagerin bist Du erst dann, wenn Du aufhörst, Dein Leben so zu gestalten wie Du es für richtig empfindest und statt dessen brav das Töchterchen wärst, was er sich vorstellt. Dass Du ihm die Stirn bietest zeigt viel mehr, dass Du alles richtig machst.

              Lies mal von Khalil Gibran "Von den Kindern", falls Du das nicht schon kennst.

      17.07.17 - 20:00

      Hallo.

      Ich musste mir auch das Studium neben dem BaFög selbst finanzieren. Das finde ich nicht schlimm.
      Auf das Gegängel hätte ich keine Lust und würde das meinen Kindern auch frühzeitig klar kommunizieren. Die können BaFög beantragen, nebenbei arbeiten oder eine Ausbildung machen. Ich finde es seltsam, dass so häufig erwartet wird, dass Eltern das Studium finanzieren. Immerhin sind die jungen Leute dann erwachsen und können anfangen für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

      Mein Weg wäre klar: Refinanzieren und zurückzahlen.

      • 17.07.17 - 20:45

        Bei dem, anscheinend sehr hohem, Einkommen ihres Vaters, hätte sie gar keinen Anspruch auf Bafög gehabt. Ausserdem ist es auch sehr schön seinen Kindern ein Leben nach dem Studium ohne Schulden zu ermöglichen, wenn es finanziell für einen möglich ist.

        17.07.17 - 22:50
        doc's lazy daughter (12)

        Ich hätte nie im Leben BaFög bekommen, mein Vater hat wirklich ein sehr beträchtliches Gehalt ... und unsere Unistadt war leider superteuer, da waren 100DM + Kindergeld + 650 DM Job nichts, was in Uninähe auch nur ein WG Zimmer finanziert hat.

        Gerade am Semesteranfang, wenn die Bücher kamen, war es mitunter wirklich so (ich habe viel in der Gastro gearbeitet), dass ich nur dort gegessen habe und heimlich etwas mitgenommen, damit ich über die Runden kam, v.a., als ich noch keine Kochplatte hatte). Als ich irgendwann gespart hatte, war es besser, aber mein erstes Semester lief echt so: Ich fand nur ein (bezahlbares) Zimmer mit Waschbecken. Ich habe im Schwimmbad geduscht. Ich fand nicht sofort einen Job, ich hatte keinerlei Möbel und ich kaufte mir vom gesparten Taschengeld eine Matratze. Problematisch war auch, Möbel in mein Zimmer zu bekommen, denn ich hatte ein Fahrrad und kein Auto. Ein Semesterticket gab es nicht... ich radelte bei Wind und Wetter und in dem Jahr war sofort Glatteis. Das erste Semester brachte mich finanziell wirklich total an die Grenze und ich hatte massive Existenzängste. Ich hatte etwas Geld auf dem Sparbuch von Geburtstagen etc. und das neigte sich dem Ende ....

        Es wäre für mich "ertragbar" gewesen, wenn ich gewusst hätte: Meine Eltern können es sich nicht leisten. Aber meine Eltern WOLLTEN es sich nicht leisten, es war einfach Teil seiner Strategie, mich in die Medizin zu zwingen. Ich hätte ihn verklagen können (Ausbildung und so), aber das fand ich moralisch entsetzlich verwerflich.

        Wie aus Provokation bekam unser Cousin dann eine uninahe 1 Zimmer Wohnung von meinem Vater finanziert. Es mag Leute geben, die da großmütiger sind - ich war wirklich angefressen. Ich gurkte selbstfinanziert mit dem Wochenendticket Richtung Auslandssemester (Hauptsache billig), während mein Vater den Cousin zu Tagungen mitnahm - mit dem Flieger. Irgendwas lief da einfach "schief".

        • 18.07.17 - 10:45
          Kann ich verstehen (13)

          Die Zeiten wo die Eltern bestimmen was man zu werden hat waren auch schon zu DM Zeiten vorbei.
          Er hätte die gesetzliche und moralische Verpflichtung gehabt dich zu unterstützen. Das er das dann bei deinem Cousin gemacht hat, ihn dann auch noch das Haus und die Praxis hinterher schiebt, ist so was von bitter. Seine Liebe und Achtung ist nicht bedingungslos so wie es bei Eltern eigentlich sein sollte.
          Ich kann verstehen das Du ihn gerne ausbezahlen möchtest um Deines Stolzes Willen. Ich würde es dennoch wegen deiner Kinder nicht tun. Ausserdem ist das ja auch Dein Erbteil den er sonst aus einer Laune heraus auch Deinem Cousin gibt.
          Du hast viel erreicht und musst Dich nicht verstecken. Leb Dein Leben und lass ansonsten Deinen Vater (Eltern) nur soweit hinein wie es gut für Dich ist. Vielleicht bringt es auch was einen Brief zu schreiben indem Du Ihm all das was Du uns mitgeteilt hast aufschreibst. Vielleicht denkt er mal dann darüber nach, aber manche Menschen sind zur Selbstreflexion nicht in der Lage. Dafür fehlt ihnen die emotionale Intelligenz.

      Hallo,

      es tut mir sehr leid dass du dich von deinen Eltern nie angenommen fühlen konntest, egal was du erreicht hast. Das ist traurig und man sollte gerade von einem intelligenten Menschen und Arzt etwas anderes erwarten können. Das ist aber bei deinen Eltern nicht so. Wird sich vermutlich auch nicht mehr ändern. Du wirst damit leben müssen und kannst es nur bei deinen Kindern besser machen.

      Was du ändern kannst ist das mit dem Geld. Ich würde es zurück zahlen und fertig. Das Argument mit dem Studium deiner Kinder und auch mit deinem Studium kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich habe mein ganzes Studium lang nebenher in allen möglichen Bereichen gejobbt und die allermeisten Kommilitonen ebenso. Ich bekam nicht mal Bafög, denn meine Eltern verdienten zu viel, allerdings hatten sie einige Kredite am laufen und konnten mir kaum etwas dazu geben. Meist war ein Care-Paket und 50 DM allea, was ich alle paar Wochen bekam. Kindergeld plus 100 DM wie bei dir wären ein Traum gewesen.

      Klar, wenn die Eltern im Geld schwimmen kann einem der Gedanke kommen warum sie nicht mehr geben, aber vermutlich hat dein Vater im Studium ebenfalls keine Reichtümer in den Hintern geblasen bekommen, warum sollte er es bei seinen Kindern tun. Und wie gesagt, Kindergeld pmus 100 DM finde ich völlig ok.

      Und auch deine Kinder werden nicht umkommen wenn sie -wie die allermeisten Studenten- nebenher jobben. Was ist daran so schlimm?

      LG, Tina

      • 17.07.17 - 22:59
        doc's lazy daughter (15)

        Das mit dem Jobben ging, es war nur echt stressig. In meinem Beruf war Auslandserfahrung auch wirklich wichtig, ich musste aber ständig meinen Studijob und meinen Lebenslauf in Balance halten (wäre ich gegangen, wäre der Job weg gewesen).

        Bei uns war es so, dass ich erst zum 6. Semester ein Zimmer im Studentenwohnheim ergattert habe und die "privaten" Zimmer abartige Summen kosteten.

        Mein erstes Semester war wirklich so, dass ich kein Zimmer fand, in die Jugendherberge zog und erst mal suchte und suchte ... Irgendwann gab es ein unmöbiliertes Kellerzimmer jwd ... die Jugendherberge hatte aber meine Ersparnisse fast aufgefressen. Ich zog also ein - ohne Möbel und die erste Monatsmiete war natürlich sofort fällig - und ich hatte kaum Geld mehr übrig. Ich radelte also verzweifelt alle Nebenjobs ab ... und musste vier Wochen arbeiten, bis das erste Gehalt kam. So war es schon mal so, dass ich vier Wochen lang auf einer Matratze im Keller lebte und mir auch die Bücher nicht leisten konnte, die ich fürs Studium brauchte.

        Es wurde dann besser, ich habe auch Strategien entwickelt. Aber im ersten Monat konnte ich mir auch keine Straßenbahn zur Uni leisten, wenn es noch so geregnet hat. Es war so eine "Abgrunderfahrung" - du kommst abends heim und sitzt auf einer Matraze, hast noch etwas Essen von der Gastro, aber keine Kochplatte, um das aufzuwärmen und hast wirklich Existenzängste.

        Ich habe dann auch völlig überzogen gespart, einfach, weil dieser Monat wirklich was mit mir gemacht hat. Ich kann es gar nicht erklären. Ich wusste einfach - es gibt kein Geld von daheim. Oder eben 100DM, die ich in die Matratze und die Bettdecke investiert hatte (gebraucht) und die ich mit Hilfe meines Fahrrades kilometerweit durch die Stadt gefahren habe, während mein Cousin eine schicke 1 Zimmer Wohnung bezog.

        Ich finde das unfair. Es wäre anders gewesen, wenn meine Eltern die finanziellen Mittel nicht gehabt hätten. Die waren aber da. Ich hätte nicht erwartet, dass sie mein gesamtes Studium finanzieren, aber andere Eltern kamen mit Autos, einigen Möbeln, leisteten eine "Anfangsfinanzierung". All das bekam ich nicht. Ich hatte wirklich abartige Existenzängste.

Top Diskussionen anzeigen

Passende Artikel aus unserem Magazin