Partnerschaft

17.07.17 - 18:44
doc's lazy daughter

Das "doc" Prinzip - Verhältnis zu den Eltern immer schlechter

Guten Abend,

ich muss schwarz schreiben, da mich sicher einige Leser hier erkennen werden.

Es geht um meine Eltern: Mein Vater ist Landarzt, gesellschaftlich hoch angesehen, workoholic - er arbeitet oft 16 - 18 Stunden täglich am Stück ohne zu ermüden, selbst sehr asketisch lebend - daher hat er im Laufe der Jahre auch riesige finanzielle Rücklagen gebildet. Für Gefühle, etc. hat er wenig emotionalen Raum. Er funktioniert seit Jahrzehnten. Meine Mutter ist böse gesagt "Frau Doktor", die "nach oben" geheiratet hat, ihm den Rücken freihält, grundsätzlich alles gutheißt, was er macht und den sozialen Status genießt. Sie ist für die drei "K" zuständig und nickt sonst alles ab, was "der doc" entscheidet. Er ist -in der Praxis und privat" gewöhnt, dass alles auf ihn zuarbeitet und ihm gehorcht.

Wir Kinder genügten leider nie den familiären Ansprüchen. Es ging schon im Kindergarten los, dass wir und unsere Leistungen sehr oft in Frage gestellt wurden. Wir waren gut in der Schule - aber nicht sehr gut. Wir machten Abitur, aber gewannen keine Preise. Wir studierten, aber nicht Medizin, was für ihn eine riesige Enttäuschung war. Spätestens da kippte das Verhältnis und er (und damit sie) verlor jedes Interesse an uns. Zuvor hat er uns mit Erwartungen, die wir nicht erfüllen konnten, unter Druck gesetzt. Dann hat er nicht einmal die Erwartungen verbalisiert. Er warf uns vor, dass Medizin auch nicht sein Traumjob gewesen, aber er das Beste aus seinem Abitur herausgeholt hätte und er und der Job, sie seien nun eins "nachdem die Phase jugendlicher idealistischer Spinnereien vorbei waren". . Wir würden uns "eben anstellen" und "Sentimentalitäten" folgen, wo er doch alles für aufgebaut hätte - einen Landsitz, eine Praxis ...

Ich hänge emotional an meinen Eltern und schaffe es seit Jahrzehnten nicht, mich da zu lösen, aber es gab z.B. zwei Auslandssemester - ich bin nicht sicher, ob sie sich gemeldet hätten, wenn ich nicht angerufen hätte. Sie wissen auch nicht genau, was ich studiert habe. Im Studium wurden meine Geschwister + ich finanziell sehr knapp gehalten und haben dann auf 650DM Basis gejobbt und in den Semesterferien voll gearbeitet um über die Runden zu kommen. Wir bekamen das Kindergeld überwiesen und 100DM monatlich- für das, was mein Vater verdiente, war das ein Hohn. Wagte ich zu erwähnen, dass mich mein (schlecht bezahlter) Studijob und das Studium mitunter an meine Leistungsgrenze brachten, wurde ich ausgelacht, da er selbst "Erschöpfung" nicht kennt oder an sich wahrnimmt. Er kann einfach ohne Pause durcharbeiten. Es gab wenige Auseinandersetzungen, da wir immer als "undankbar" und "geldgierig" hingestellt wurden und wir das Thema immer umschifften und als Lösung wurde immer das "Medizinstudium" aufgefahren.

Bizarrerweise haben wir einen Cousin, der so war, wie sich mein Vater sein Traumkind vorstellte - schon in der Grundschule Klassenbester, bestes Abitur, bester Abituraufsatz, bestes Latinum. Dieser Cousin studierte dann ... Medizin. Vollfinanziert von meinem Vater, ohne finanzielle Probleme, Engpässe oder Nebenjobs - mit Auslandssemestern und -praktika. Vollfinanziert. Suchten wir das Gespräch, endete das immer in den hässlichsten Familienstreitigkeiten, in denen uns absolute Eifersucht vorgeworfen wurde - und ein hässlicher Charakter. Wir haben das damals geschluckt und uns damit getröstet, dass es für meinen Vater schwer ist, dass wir nicht mit einsteigen in die Praxis. Und dass es das Geld meines Vaters ist, nicht unseres.

Die finanzielle Situation zu Studizeiten war schwierig, aber emotional war es mitunter die Hölle. Als ich meinen Uniabschluss machte, kam er nicht zur Zeugnisübergabe. Ich war erst einige Monate arbeitslos, was ich in einem Supermarkt überbrückte - mit entsprechenden Kommentaren. Ich fand eine Stelle, ich liebe meinen Job, aber ich verdiene nicht so gut wie er. Ich wünschte mir, dass er mich einfach einmal in den Arm nimmt und sagt "gut gemacht - auch wenn es nicht Medizin war". Aber davon sind wir himmelweit entfernt.

Stattdessen hat er uns eröffnet, dass er meinem Cousin (inzwischen eine Gemeinschaftspraxis) auch das Haus überschreiben wird, da wir "nicht so sind, wie er sich das vorgestellt hat" und mein Cousin (und seine Frau, auch eine Ärztin) sich aus dem "Nichts" hochgearbeitet haben. Das sagte er mal total nüchtern an Weihnachten, auch, dass er das mit dem Anwalt geklärt hat, damit wir nicht mit Pflichtteil oder so kommen - den gäbe es nicht mehr, es wäre "alles in trockenen Tüchern". Irgendwie dreht sich alles ums Geld. Ich mag meinen Cousin, bewundere ihn für die Arbeit und dass er den "doc", der sich auch in seine privaten Lebensbereiche einmischt, klaglos aushält. Der ganze Post klingt entsetzlich materialistisch, aber bei Gesprächen dreht es sich wirklich oft um Geld.

Vor einigen Jahren wurde ich (bzw uns, ich hatte da schon Mann und Kinder) wegen Eigenbedarf gekündigt, ich hatte wenig finanzielle Rücklagen und wusste, wenn ich weiterhin irgendetwas miete, dann käme ich nie aus der Situation heraus. Ich fasste mir ein Herz, gar nicht wegen mir, sondern wegen meiner Kinder und bat meinen Vater -zum ersten Mal in meinem Leben- um finanzielle Hilfe. Er sprang ein und übernahm 1/3 des Kaufpreises für unser Eigenheim, ich glaube aber auch, dass er Getuschel vermeiden wollte.

Leider entfremden wir uns seither immer mehr und meine Mutter wirft mir nun vor, ich hätte ihn finanziell ausgenommen bis aufs Letzte und wäre aber nicht bereit, mich "unterzuordnen" und einfach "gierig" und "undankbar". Ich bin aber emotional überhaupt nicht nah genug dran, irgendetwas anders zu machen. Rufe ich an, kann ein Telefonat 45 Sekunden dauern "die Praxis ist voll" oder die Arzthelferin fragt, was sie ihm ausrichten soll und er ruft nicht zurück. Oft lädt er seine Enkel (also meine Kinder) samstagabends zum Essen ein - ich (und mein Mann natürlich auch) sind ausgeladen. Da fährt er vor, nickt kurz, verbringt den Abend mit den Kindern und liefert sie wieder ab. Keine Frage, wie es uns geht. Keine Chance, mit ihm bei diesen "Übergaben" ins Gespräch zu kommen, ihn zu fragen, wie es ihm geht, uns irgendwie auszutauschen.

Mein Vater ist der "doc" und alles arbeitet auf ihn zu. In dieser Patriarchenrolle fühlt er sich wohl. In der Familie ist es nur friedlich, wenn er seinen Willen bekommt. Ich kann das nicht mehr. Er ist eine Schattengestalt in meinem Leben, der alles, was ich tue, kritisiert und niedermacht. Meine Mutter hat mir kürzlich vorgeworfen, ich sei eine Schmarotzerin, die damals gerne das Geld genommen hätte, aber emotional Lichtjahre von ihnen entfernt sei. Versuche ich zu sagen, dass mir das emotional total weh tut, dass ich mir es anders wünsche, dann werde ich ausgelacht, als "gefühlsduselig" und "selbst Schuld" kommentiert.

Mich belastet die Situation immens. Ich würde ihnen am liebsten das Geld vor die Füße werfen und einen klaren Cut machen (den es ohnehin schon gibt)- ich weiß aber, dass ich dann das Studium meiner Kinder nicht finanziell hinbekomme ... und die werden auch nicht Medizin studieren. Ich fühle mich sehr schuldig, dass sein Geld in meinem Haus steckt, was er als "riesigen Fehler" bezeichnet. Ich sehe das auch so. Wie gesagt, es ist kein "ausuferndes" Haus, ich könnte refinanzieren, ihn wieder ausbezahlen - dann wären aber meine Kinder beim Studieren in der gleichen Lage wie ich es war. Andererseits ist es wirklich so, dass das Geld ihm finanziell überhaupt nicht weh tat und ich denke, dass mein Cousin am Ende des Tages alles bekommt ... Praxis, Anwesen ... Von daher wäre es wirklich blöd, versuchen, es zurückzuzahlen. Emotional hintert mich dieses Geld aber daran, mich einfach zu verabschieden.

Also kurz: Rational wäre eine Rückzahlung das Dümmste, was ich machen könnte. Emotional würde ich nichts lieber machen - aber es geht zu Lasten meiner Kinder. Was tun?

15 direkte Antwort(en) auf den ausgewählten Beitrag:

17.07.17 - 19:19

Was wurde anno dazumal bzgl. des Geldes vereinbart oder besprochen? War es ein Darlehen oder ein Geschenk?

17.07.17 - 20:00
Black1233

Hallo.

Ich musste mir auch das Studium neben dem BaFög selbst finanzieren. Das finde ich nicht schlimm.
Auf das Gegängel hätte ich keine Lust und würde das meinen Kindern auch frühzeitig klar kommunizieren. Die können BaFög beantragen, nebenbei arbeiten oder eine Ausbildung machen. Ich finde es seltsam, dass so häufig erwartet wird, dass Eltern das Studium finanzieren. Immerhin sind die jungen Leute dann erwachsen und können anfangen für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

Mein Weg wäre klar: Refinanzieren und zurückzahlen.

17.07.17 - 20:13

Hallo,

es tut mir sehr leid dass du dich von deinen Eltern nie angenommen fühlen konntest, egal was du erreicht hast. Das ist traurig und man sollte gerade von einem intelligenten Menschen und Arzt etwas anderes erwarten können. Das ist aber bei deinen Eltern nicht so. Wird sich vermutlich auch nicht mehr ändern. Du wirst damit leben müssen und kannst es nur bei deinen Kindern besser machen.

Was du ändern kannst ist das mit dem Geld. Ich würde es zurück zahlen und fertig. Das Argument mit dem Studium deiner Kinder und auch mit deinem Studium kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich habe mein ganzes Studium lang nebenher in allen möglichen Bereichen gejobbt und die allermeisten Kommilitonen ebenso. Ich bekam nicht mal Bafög, denn meine Eltern verdienten zu viel, allerdings hatten sie einige Kredite am laufen und konnten mir kaum etwas dazu geben. Meist war ein Care-Paket und 50 DM allea, was ich alle paar Wochen bekam. Kindergeld plus 100 DM wie bei dir wären ein Traum gewesen.

Klar, wenn die Eltern im Geld schwimmen kann einem der Gedanke kommen warum sie nicht mehr geben, aber vermutlich hat dein Vater im Studium ebenfalls keine Reichtümer in den Hintern geblasen bekommen, warum sollte er es bei seinen Kindern tun. Und wie gesagt, Kindergeld pmus 100 DM finde ich völlig ok.

Und auch deine Kinder werden nicht umkommen wenn sie -wie die allermeisten Studenten- nebenher jobben. Was ist daran so schlimm?

LG, Tina

17.07.17 - 20:36

Haben Deine Geschwister auch den gleichen Betrag bekommen?

17.07.17 - 21:50

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Geld dein Problem ist. Du kannst an dir arbeiten und lernen, dich abzugrenzen von deinen Eltern. Du kannst die Vergangenheit nicht ändern. Aber du kannst lernen, gut und glücklich damit zu leben. Mir hat ein professionelles coaching mit einem guten Trainer geholfen.

17.07.17 - 22:30

Ich glaube nicht, dass du hier den ultimativen Rat findest. Mach das, womit du am besten Leben kannst.

Ich würde es wahrscheinlich nicht zurückzahlen. Allerdings nicht wegen des Studiums der Kinder. Das ist doch eine vorgeschobene Ausrede. Ich studiere noch und fast jeder arbeitet neben seinem Studium, um dieses zu finanzieren.

LG

17.07.17 - 22:31

Ohje, das liest sich sehr traurig. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie Ihr Kinder euch da immer gefühlt haben müsst. Wie kann man seinen Kinder so behandeln?! Ich weiß, man hängt sehr an den Eltern, aber ich denke, es würde dir besser gehen, wenn du dich von ihnen löst. Das Geld würde ich nicht zurückzahlen. Sieh es als Art Schmerzensgeld an. Ich glaube, ich würde den Eltern einen langen Abschiedsbrief schreiben. Ich meine, dein Vater sagt, ihr wart nicht die Kinder, die er sich vorgestellt hat!!??? Naja, er war sicher auch nicht der Vater, den sich ein Kind wünscht und braucht. Das würde ich ihm sagen/schreiben. Und dass dir dein Leben zu schade ist, weiter mit emotionslosen materialistischen Menschen zu vergeuden. Und glaub mir, deine Kinder werden auch ohne ihn bzw. seine Finanzen studieren können. Das machen 1.000de andere auch, die keine wohlhabenden Eltern haben. Hauptsache, du bist deinen Kindern eine liebevolle Mutter. Du kannst die Mutter sein, die du dir gewünscht hättest. Lass dir die Energie nicht von deinen Eltern rauben. Eltern sollten genau das Gegenteil tun: seine Kinder BEDINGUNGSLOS lieben, unterstützen bei allem, was sie tun und immer für sie da sein. Naja, so ist unter anderem meine Definition von Elternsein. Ich wünsche dir viel Mut, dich zu lösen.

17.07.17 - 23:10

Hallo

ich habe dich nicht erkannt, aber deinen Vater...............#rofl
Spaß beiseite, ich kann dich besser verstehen, als du dir vorstellen kannst.

Meiner Tochter hat man kürzlich von fachkundiger Seite geraten, sich so bald wie möglich unabhängig zu machen, von so einem Vater.
Das würde ich dir auch empfehlen.
Das Geld fürs Haus würde ich behalten, sicherlich wird dein Vater Wege finden, dich um deinen Pflichtteil zu bringen.
Also immer schön freundliche Kartengrüße zu Weihnachten und zum Geburtstag senden.( grober Undank, Kontaktabbruch u.s.w. )
Und es dabei belassen.
Lebe dein Leben und mach vielleicht mal eine Therapie.
So ein Vater hinterlässt Spuren ,zumal deine Mutter sich unglücklicherweise angepasst hat.
Das tut mir sehr Leid für dich.

Du wirst es überleben, wie meine Kinder auch.

Alles Gute für dich.

L.G.

18.07.17 - 01:03

Ich finde du klingst ziemlich anstrengend, sehr nach Drama Queen, wenn deine Eltern auch so sind, ist es kein Wunder, dass ihr euch gegenseitig ein bisschen das Leben zur Hölle macht.
So wie dein Vater sind viele aus der Generation, wüsste nicht, was es da großartig zu heulen und zu knabbern gibt.

Ich würde auf das grosse Theater, was du da vorhast, verzichten, die Kommunikationswege offen halten, das Geld im übrigen behalten, offen zu sagen, wenn mich etwas verletzt (blöde Sprüche) und mich ansonsten bemühen, mich wie eine ausgeglichene Erwachsene zu benehmen und ein gutes Vorbild für meine Kinder zu sein.

18.07.17 - 08:10

Was ich machen würde:
ein paar Hundert Euro nehmen und zum Therapeuten tragen. Was Deine Eltern da machen ist unter aller Sau und nichts anderes als "nur wegen Dir konnte ich keine Karriere machen" "wir haben uns immer für euch Kinder aufgeopfert"... halt diese Schuldgefühle, die Eltern ihren Kindern aus irgendwelchen Gründen manchmal gerne machen. Niemand hat Deine Eltern gezwungen, Dir Vorab-Geld vom Erbe zu geben - mal ganz abgesehen davon, dass es im Studium zum Beispiel ihre Pflicht gewesen wäre, Dir Unterhalt zu zahlen - aktuell wären das 735€+Studiengebühren+Pflege- und Krankenversicherung, jeden verdammten Monat.

Ihre Art ist absolut übergriffig und selbst wenn Du Ihnen das Geld zurück geben würdest, würden sie doch nicht aufhören, Dir auf den Piss zu gehen... das ist eine Wunschvorstellung und glaub mir, sie würden andere pauschale Vorwürfe finden, mit denen sie dich traktieren können.

Lerne, Dich abzugrenzen und solche schwachsinnigen Vorwürfe an Dir abprallen zu lassen. Mit dem "geschenkten" Geld kannst Du später Deinen Kindern ein sorgenfreies Studium ermöglichen, weil Du nicht so sein willst wie Deine Eltern. Du kannst es aber - wenn es Dir hilft - gerne mal hochrechnen gegen die nicht geleistete UnterhaltsPFLICHT während deines Studiums.

Ich wünsch Dir alles Gute und drück dir die Daumen, dass es Dir gelingt mit deinen Eltern langfristig umzugehen.

18.07.17 - 13:54

<<<dann wären aber meine Kinder beim Studieren in der gleichen Lage wie ich es war.>>>

Ich finde es nicht verkehrt, wenn man zeitig lernt, dass man wenn man etwas erreichen will, im Regelfall auch etwas dafür tun muss.

Zudem werden Deine Kinder etwas haben das Du nie hattest: Eltern die hinter ihnen stehen wenn es Probleme gibt, auch wenn die Kohle vielleicht nicht ganhz so locker sitzt.

<<<Rational wäre eine Rückzahlung das Dümmste, was ich machen könnte.>>>

Ich bin weit davon entfernt ein Fachmann für Erbrecht zu sein, aber meines Wissens nach kann sich Dein Erzeuger auf den Kopf stellen und mit den Füsseln strampeln so lange er will.....um den gesetzlichen Pflichtteil (!) wird er nicht herum kommen.

Im Gesetz heisst es:

"Ein Anspruch auf den gesetzlichen Pflichtteil entsteht nach dem Ableben und zusätzlich der Enterbung durch den Erblasser. "

"Existiert ein Testament oder Erbvertrag, kommt es nicht zur gesetzlichen Erbfolge, sondern Erbe wird derjenige, der durch das Testament bzw. den Erbvertrag als Erbe eingesetzt wurde.

Wird dabei ein Abkömmling (Kind, Enkel,...), Ehegatte oder Elternteil enterbt oder mit zu wenig bedacht, steht diesen Personen ein gesetzlicher Pflichtteil zu."

Als Richtlinie evtl. nützlich:

https://www.pflichtteilrechner.de/pflichtteil_berechnen_pflichtteil_rechner_hinweise.html

Genug vom schnöden Mammon: Das Geld Deines Erzeugers wäre mir herzlich egal, und nicht weiter Wert, darüber auch nur noch einen Gedanken zu verlieren. Es ist seines....basta. Soll er damit "glücklich" werden.

Weiteren Kontakt würde ich künftig komplett unterbinden- bzw. drastisch reduzieren, da eine Person so wie Du ihn beschreibst nichts in meinem Umfeld zu suchen hätte.

<<<ich sei eine Schmarotzerin die emotional Lichtjahre von ihnen entfernt sei>>>

Wo nie Nähe war, gibt es in meinen Augen auch keine Entfernung....und DAS liegt ja wohl NICHT an Dir !

Mata ne
Tomm

18.07.17 - 15:53

Eine schwierige Situation - ich habe ähnliche Eltern, nicht ganz so krass, dennoch kann ich es nachvollziehen.

Ich habe irgendwann aufgehört um ihre Anerkennung zu kämpfen - es ist egal was du tust, das was du suchst wirst du von Ihnen nicht bekommen. Das ist bitter, aber bevor man etwas ändern kann, muss man erstmal radikal akzeptieren was Sache ist.

Ich bin ehrlich : ich würde den Kontakt auf das nötigste beschränken , wenig von mir preisgeben- neutrale Miene zum bösen Spiel quasi.

Irgendwann kommt die Zeit - der Herr Doktor wird alt und kann nicht mehr so wie er will - und spätestens dann dreht sich das " Machtgefälle".

Seitdem ich selber meinen Eltern mit viel weniger Interesse und Aufmerksamkeit begegne sind sie erstaunlich freundlich ( manchmal )

Du kannst sie nicht ändern - aber du kannst deine Sicht auf die Dinge ändern.

Ich würde sie als notwendiges Übel sehen, dass meinen Kindern ein schönes Studium ermöglicht - das klingt hart, aber das ist die logische Folge von so einem Verhalten.

Ich würde mir quasi die Rosinen raus picken und den Rest ignorieren.

18.07.17 - 23:22

Sieh es, wie eine andere Userin hier vorschlug, als Schmerzensgeld für lebenslange psychische Mißhandlung und behalte es. Es zurückzuzahlen würde an seinem perversen (zumindest so wie Du ihn beschreibst ) Charakter nichts ändern und Dir zusätzliche Sorgen verursachen . Außerdem hast Du ihn ja wohl nicht dazu gezwungen, Dir dieses Geld zu geben.

Abgesehen dafür wäre er tatsächlich dazu verpflichtet gewesen, Dein Studium zu finanzieren bei seinem Gehalt, egal ob ihm die Studienrichtung gefällt oder nicht. Also auch dafür kannst Du es als Entschädigung sehen.
Den Kontakt zu Deinen Eltern würde ich extrem reduzieren und eventuell eine Therapie machen, Du klingst noch sehr verletzt...
Deinen Kindern solltest Du aber natürlich den Kontakt ermöglichen, solange sie es denn wollen...

19.07.17 - 12:10
***

Du schreibst, du hängst sehr an deinen Eltern, weswegen dich das alles so verletzt (bitte nicht als Zitat verstehen, kam bei mir nur so rüber). Ich frage dich: was genau würdest du denn bei einem Kontaktabbruch vermissen?? Seit frühester Kindheit hat euer Vater dich und deine Geschwister anscheinend drangsaliert und euch Hürden vorgesetzt, die ihr nicht überwinden konntet! Ganz ehrlich, seit dem Kindergarten? Bei mir ging es in der 80ern im Kindergarten (und auch zu Hause) eher ums basteln und spielen, keine Ahnung was dein Vater da für Ansprüche an euch gestellt hat, aber es muss extrem überzogen gewesen sein! So ist es sich all die Jahre durchgezogen, ständige Gängeleien und Drohungen etc. Also was genau würdest du an so einem Tyrann vermissen?? Das verstehe ich nicht so recht! Anscheinend war er ja nie der liebende Vater, der sich er später so entwickelt hat! Du vermisst vielleicht das Bild eines Vaters, den du gern gehabt hättest, aber an diese Familie würde mich persönlich nichts mehr binden!

Ich würde mich an deiner Stelle anwaltlich beraten lassen, ob dein Vater wirklich so ohne weiteres ALLES an euren Cousin überschreiben kann, ob er euch wirklich komplett enterben kann! Und je nachdem wie diese Beratung ausfällt, würde ich mich komplett von deinen Eltern lossagen, egal wie schwer es dir emotional fallen mag! Es wird sicher "ohne" Eltern nicht schlechter werden...

21.07.17 - 21:57
Rechenbeispiel

Hallo,

ich habe jetzt nicht alles gelesen, aber du schreibst an einer Stelle, daß du es moralisch verwerflich fandest, deinen Vater auf Studienunterhalt zu verklagen.

Das ist natürlich nicht moralisch verwerflich, aber ich denke, ich verstehe, was du meinst. Die eigenen Eltern zu verklagen... uff, dass ist ja eigentlich der endgültige Bruch, den du nicht wolltest...

Aber es ist natürlich richtig und auch wichtig, dass Eltern für ihre Kinder unterhaltspflichtig sind bis zum Ende der Ausbildung. Du selbst wünscht dir das für deine Kinder ja auch und da, wo die Eltern nicht in der Lage sind, ihre Kinder zu finanzieren, springt der Staat zumindest mit einem Kredit ein.

Dein Vater hat sich dieser Unterhaltspflicht entzogen und dich damit ziemlich auflaufen lassen - denn den staatlichen Kredit hast du seinetwegen! nicht bekommen.

Hast du schon mal ausgerechnet, was dein Vater dir insgesamt hätte zahlen müssen, bis zum Ende deines Studiums? Der Bafög-Satz der entsprechenden Jahre läßt sich bestimmt noch ergoogeln und das dürfte der Maßstab sein, zu dem er verpflichtet gewesen wäre...

Auch die Sache mit dem Pflichtteil im Todesfall würde ich noch mal googeln.... Mein Großvater ist kürzlich gestorben und das klang durchaus so, als ob die Kinder nicht völlig leer ausgehen dürften... Daß es den Pflichtteil nicht mehr gibt, ist jedenfalls Quatsch.

Also: einfach mal alles zusammenrechnen und vergleichen mit der Summe, die du von deinem Vater bekommen hast - womöglich schuldet er dir sehr viel mehr?

Eltern haben nämlich ihren Kindern gegenüber nicht nur Rechte sondern vor allem Pflichten - gerade auch finanzielle!

Das ändert nichts daran, wie er sich dir gegenüber verhält - aber vielleicht stärkt dir eine solche Rechnung insgeheim den Rücken, wenn er versucht, dich emotional unter Druck zu setzen?

Und je nachdem, wie die Rechnung ausgeht, würde ich mich noch mal sehr genau über das deutsche (?) Erbrecht informieren... Zumal deine Mutter da nicht sehr informiert wirkt... Daß man zu Lebzeiten mit seinem Geld machen darf, was man will, stimmt schon nicht - da gibt es eine Menge Möglichkeiten, unterhaltspflichtig gegenüber Familienmitgliedern zu sein. (Und da es so klingt, als habe euer Vater euch freiwillig bekommen, paßt seine Unterhaltspflicht euch gegenüber auch juristisch und moralisch absolut zusammen!!!) Im Todesfall kann man auch mit dem besten Testament nicht endgültig frei entscheiden - und das hat gute Gründe!!

Alles Gute für Dich - Väter können schwierig sein und mit dem Alter meist nicht besser...

Versuch, ihm einerseits mit Milde zu betrachten - du wirst ihn nicht ändern - und andererseits deine finanziellen Rechte nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen!!

Respekt vor dem, was du erreicht hast - wärst du gescheitert, könnte und würde man es deinem Vater und seiner Nicht-Erfüllung seiner Pflichten vorhalten. Nur weil du erfolgreich warst, ist sein Verhalten nicht besser oder entschuldbarer!!

LG!

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