Uneinigkeit über Bundesland und Zukunft

    • (1) 23.07.17 - 10:20
      Bleibenodernichtbleiben

      Guten Morgen!

      Da ich in anderen Bereichen des Forums aktiv bin und immer gute Denkanstöße bekomme, schreibe ich diesmal erstmalig in diesen Bereich und hoffe, dass ich auch hier gute Tipps und Anstöße bekomme.

      Und zwar geht es um meinen Ehemann und mich. Wir würden gerne nach Bayern ziehen. Dort würde ich aber erst in 2 Jahren einen Job bekommen (vorher ist ausgeschlossen. In 2 Jahren habe ich jede Chance. Ich muss erst außerhalb von Bayern Berufserfahrung sammeln, die obligatorisch für Bayern ist. Daran ist auch nicht zu rütteln. Ich habe beim Ministerium angefragt.) und auch mein Mann hat erst für 2019 eine Chance in einer großen Firma. Er bekäme sicherlich auch vorher was anderes. Aber damit wäre mein Problem beruflich gesehen nicht gelöst. Klingt an sich vermutlich nicht nach einem Problem. 2 Jahre sind überschaubar.

      Aber ich ertrage es nicht mehr so lange hier in der Region. Schon vor den Kindern wollte ich weg. Ich hatte sogar vor dem Kennenlernen meines Mannes ein Leben im Ausland geplant. Wohnung war gefunden, Flug gebucht. Ich wollte weg, weg, weg. Ich lernte meinen Mann kennen, Liebe auf den ersten Blick. Bis heute. Wir haben mittlerweile 3 Kinder und leben ganz gut von außen betrachtet. Innerfamiliär ist alles so weit gut.

      Und doch bin ich hier heftig unglücklich und bin in depressive Verstimmungen gerutscht. In Therapie bin ich bereits seit einigen Monaten. Viele Dinge habe ich aufgearbeitet. War halt einiges in der Kindheit im Argen, was mich bis heute begleitet. Vor einem Jahr war sich meine Therapeutin sicher, dass ich das erst aufarbeiten sollte halbwegs, bevor wir in ein neues Leben starten, damit ich die Probleme eben nicht komplett unverändert mitschleppe. Damit hatte sie ja auch recht. Nun ist es so weit, dass ich von meiner destruktiven Familie ein ganzes Stück weiter losgelöst bin und ich einfach nur noch weg möchte. Weg von der Vergangenheit, weg von der Familie. Je mehr Kilometer, desto besser. Das, was ich bereits vor 8 Jahren wollte. Mein Mann ist derselben Meinung. Da liegt kein Problem. Auch meine Therapeutin ist sich sicher, dass dies sehr wichtig für mich ist und ich keine 2 Jahre mehr warten sollte oder wenn ich das täte, dass das echt harte zwei Jahre würden. So sehr ich mich auch losgelöst habe und positionieren kann, kommt die Familie immer wieder auf mich zu und macht mir das Leben schwer. Das wäre mit ausreichend räumlicher Distanz nicht mehr so. Und auch so finde ich den Schlag Mensch hier nicht so ansprechend. Ich bin in der Kindheit sehr viel rumgekommen und fand es in der Kindheit schon schlimm hier und wusste, dass ich irgendwann woanders hinziehe, wo mir die Mentalität der Menschen mehr zusagt.

      Nun gut. Nun ist unser Traumziel erst mal nicht zu erreichen. Jedes andere Bundesland ginge aber direkt. Schon Ende des Jahres, Anfang des nächsten Jahres könnten wir woanders ein neues Leben aufbauen. Ich hätte direkt einen Job. Auch Eigenheim wäre da innerhalb kurzer Zeit machbar und auch innerhalb ganz kurzer Zeit abzahlbar. In Bayern müssten wir noch lange sparen und hätten dann trotz guter Summe, noch einiges an Schulden bis zur Rente. Aber mein Mann möchte absolut nicht woanders hin außer nach Bayern, was erst in 2 Jahren geht. Ich möchte ja auch unbedingt dorthin. Aber zwei Jahre warten, könnten mich wirklich fertig machen. Ist es das wert? Und jetzt wegziehen und in 2 Jahren wieder fällt auch weg, weil ich die Kinder nicht ständig irgendwo rausreißen möchte.

      Ich weiß gar nicht, was ich erwarte. Vermutlich kann mir niemand helfen. Und doch hoffe ich sehr, dass ich Denkanstöße durch euch bekomme. Ich weiß ja selbst, dass 2 Jahre am Ende schnell umgehen. Aber wenn man es hier so sehr hasst wie ich, dann sind 2 Jahre höllisch lang. Ich könnte nur noch heulen… :-(

      Danke fürs Lesen!

      BW, Hessen, Thüringen oder Sachsen im Grenzgebeit zu Bayern? Dann ist Arbeit in beiden Bundesländern möglich ohne später nochmals den Wohnort wechseln zu müssen.

      • (6) 23.07.17 - 11:04
        Bleibenodernichtbleiben

        Das ist eine tolle Idee, auf die wir wirklich noch nicht gekommen sind. Das werde ich nachher mit meinem Mann mal besprechen, ob das ein Kompromiss wäre. :-) Danke!

Hallo,

zwei Jahre gehen schnell vorbei und daher würde ich die Zähne zusammenbeißen und mir immer wieder vor Augen halten, dass wir ja ein Ziel haben und mich auf die Zukunft freuen. Pläne schmieden und mich der Vorfreude hingeben.

Alles Gute

(11) 23.07.17 - 11:08

Vorweg, ich kenne diesen Fluchttrieb sehr gut. Ich habe ihn aber in meiner Jugend durchgezogen und habe somit damals schon die Erfahrung machen können...woanders ist auch nicht alles Gold was glänzt.
Du hattest die Chance zu gehen, du hast sie nicht genutzt. Nein, das Argument Liebe zählt nicht, wenn man wirklich weg will. Anscheinend hast du deinen Focus damals auf deinen Mann gelenkt und nicht au deine wirklichen Pläne oder Probleme.
Dieser Fluchtgedanke beherrscht dich so sehr, das du gar nicht erkennen kannst, was dir dein Mann da anbietet. Ich hoffe er bleibt standhaft und unterstützt deinen kopflosen Plan nicht doch noch. Auch im Sinne der KInder. Du hast dich für eine eigene Familie entschieden, ab diesem Moment kann man einfach nicht mehr nur sich sehen.

Eine Alternative wäre doch, das du gehst und das sammelst, was du für deinen Job benötigst und in zwei Jahren geht ihr gemeinsam nach Bayern. Habe ich doch richtig verstanden, ohne das bekommst du auch in 2 Jahren nichts in Bayern?

In meinen Augen steigerst du dich da komplett rein, ohne Rücksicht auf Verluste. Eine harte Prüfung für eine Familie. Das neue Leben wird in 2 Jahren aufgebaut, bis dahin sammel das was du brauchst. Jetzt weg um dann in 2 jahren wieder neu anzufangen....nein, nicht mit Kindern im Schlepptau. Du bist doch mit Bayern grundsätzlich einverstanden, da kann man schon erwarten das du die 2 Jahre noch aushältst.

  • (12) 23.07.17 - 11:32
    Bleibenodernichtbleiben

    Hallo!

    Ich sage ja, dass die Kinder auf keinen Fall zwei Mal raus gerissen werden. Wenn wir jetzt woanders hinziehen würden, blieben wir dort. Den Vorschlag der anderen direkt an der Grenze zu Bayern mal zu schauen, den finde ich gut. Ich recherchiere mal, was dort an Städten liegt.

    Damals war ich sehr jung. Gerade Anfang 20. Ich wurde sehr kurz gehalten in der Jugend. Ich durfte erst mit 18 Jahren das erste Mal mit Freunden aus. Und das auch nur mit der Tochter der Freundin meiner Mutter. Es kostete heftig Rebellion mich gegen den Druck und die Ängste meiner Mutter freizustrampeln. Aber ja, du hast recht. Mein Mann und ich hätten damals schon wegziehen sollen. Das kann man nicht schön reden und das bereue ich bis heute zutiefst. So wie ich von meiner Familie abhängig war (in ungesunder Weise), war es mein Mann auch von seiner. Da seine Mutter verstorben ist, hält ihn hier nichts mehr. Ich blieb in diesem ungesunden Verhältnis kleben. Letztes Jahr versuchte sie die Ehe zu zerstören, bekam Wahnvorstellungen und brachte gegenüber den Enkelkindern wirklich schlimme Aussagen, sodass es seither unerträglich ist. Mehr als vorher noch.

    Ich hoffe nur, dass ich in den 2 Jahren nicht in Depressionen abrutsche. :-( Und das hat auch nichts mit Übertreiben zu tun. Das steuere ich ja nicht. Sondern es ist durch die ganzen Geschehnisse gegeben. Leider. :-( Allerdings ist mir auch bewusst, dass woanders auch nicht nur Milch und Honig fließt. Aber die Distanz zu meiner Familie wäre gegeben und ich käme mit den Leuten besser aus. Das ist so viel wert und gibt so viel Lebensqualität.

    Du würdest tatsächlich deine Familie alleine lassen und alleine gehen? Jetzt ganz ernsthaft? Das käme für mich nicht in die Tüte. Das ist ja noch egoistischer als sich für ein anderes Bundesland als Bayern zu entscheiden. Sowohl gegenüber meinen Kindern als auch gegenüber meinem Mann. Nee, dann soll lieber mein Leben weniger lebenswert sein und meine Kinder haben immerhin Mama bei sich. :-( Ich will nicht, dass sie irgendwann beim Therapeuten sitzen und diesen Egoismus aufarbeiten müssen. Auf keinen Fall #zitter

    • Hi, ea wäre zwar einfacher, nur einmal umzuziehen, aber zweimal in zwei Jahren geht auch, warum denn nicht? Vielleicht sehe ich das weniger problematisch, weil wir damals mit meinen Eltern oft umgezogen sind (da waren wir Kleinkinder).

      Geht alles, geschadet hat es uns nicht, allerdings war ich dann die ganze Schulzeit über in derselben Stadt.

      Lg und viel Glück, finde die Idee auch gut, irgendwo grenznah zu Bayern zu ziehen, wäre ein Kompromiss.

      Ich kenne jemanden, der arge psychische Probleme hat.

      Er ist innerhalb von 5 Jahren 3 Mal umgezogen - jeweils in andere Gebiete Deutschlands. Er ist nirgends wirklich glücklich geworden. Seine psychischen Probleme verfolgen ihn überall. Davor kann man nicht fliehen.

      Entweder hast du wirklich psychische Probleme, die du nur mit starken Medikamenten unter Kontrolle bringen kannst oder du hast Mimimi-Probleme, die, wenn du nur ein bisschen Stärke und Selbstvertrauen hättest, selbst angehen könntest.

      Wegrennen schön und gut, aber du bist wahrscheinlich so ein Mensch, der auch in ganz anderen Gefilden mit den Menschen Probleme haben wird. Ich weiß ja nicht wo du jetzt wohnst, aber für mich gilt Bayern nicht gerade als weltoffen und leicht zugänglich. Mit diesem sturen und wie ich finde auch sehr selbstbewussten Menschenschlag muss man auch erst einmal umgehen können.

Das einzige was ich verstanden habe, war Bayern, doch nicht Bayern, weg, weg, weg, Bayern, ach nee geht ja nicht.

Dein ganzer Plan wirkt wie übern Zaun gebrochen.

Wenn ihr in einem anderen Bundesland erst noch bauen oder kaufen wollt, dann kommt ihr in den nächsten Jahren doch auch nicht an euer Ziel.

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