Zu aufdringlich?

    • (1) 25.07.17 - 10:08
      Inaktiv

      Hallo,

      ich habe folgendes Problem und brauche mal ein paar neutrale Meinungen. Gerne von Frauen und Männern.

      Mein Mann und ich haben zur Zeit ein sexuelles Problem. Ich liebe Sex, finde diesen in einer Beziehung mitunter sehr wichtig. Jedoch bin ich ein totaler Gefühlsmensch was Sex angeht. Geht es mir schlecht, psychisch nicht physisch, kann ich mich nicht fallen lassen.

      Wir haben sehr anstrengende, stressige und echt nervenraubende Monate hinter uns. Ich bin komplett ausgelaugt und das wird auch noch ein wenig so bleiben. Allerdings ist es eine absehbare Zeit und ich bin dabei wieder nach vorne zu schauen. Bis dahin ist und bleibt es aber so, dass es mir nun mal nicht gut geht. Ich zeige das nicht immer, ich habe zwei Kinder und für die muss und will ich da sein. Aber mein Mann weiß natürlich wie es mir geht. Ich weine oft und er weiß das...

      Und nun das Problem:
      Mein Mann sagt zwar er könne das verstehen aber er zeigt es mir null.
      Als wir uns kennenlernten, unsere eigenen Wohnungen hatten, hatten wir, wie vermutlich die meisten frisch verliebten Paare, ständig Sex wenn man sich gesehen hat.

      Und das nimmt er auch immer wieder als Argument für sein aufdringliches Verhalten. Damals war es doch auch anders kommt dann oft. Damals ging es mir aber auch gut. Jetzt ist eben jetzt und ich habe eine Menge Mist durch und das ist eben noch nicht vorbei.

      Er klebt ständig an mir, seit über einem Jahr sage ich ihm, dass es mir zu viel ist. Wir haben zwar noch Sex aber nicht mehr häufig. Durch sein Bedrängen wurde es zudem immer schlimmer. Ich fühle mich nicht ernstgenommen. So oft habe ich ihm gesagt, dass mir seine Küsse, sein ständiges streicheln, immer festhalten wenn man eigentlich gerade beschäftigt ist zu viel sind. Vor allem weil es einfach immer in die sexuelle Richtung geht. Zumindest für mich! Intime Küsse am Hals, streicheln am Po, Küssen am Bauch gehören für mich eben zum Sex... zur Zeit.

      Es ist echt schwer zu erklären wie ich mich fühle... unter Tränen habe ich ihm gesagt, dass es mir weh tut wenn er mich nicht ernst nimmt. Dass ich ihn doch eigentlich brauche. Aber ich kann nie seine Nähe suchen, einfach mal eine Unarmung. Schon will er küssen... und ein inniger Kuss reicht ihm dann ja nicht. Dann kommt die Hand zum Po und dann die beleidigte Miene wenn ich gehe.

      Als Kind wurde ich über eine lange Zeit von meinem eigenen Bruder missbraucht. Ich habe zwar damit "abgeschlossen" und nach viel Arbeit an mir selber es geschafft dies nicht auf mein Sexualleben auswirken zu lassen... trotzdem ist mir ein Nein sehr wichtig.

      Es belastet mich so sehr :(. Warum kann er nicht einfach warten. Es ist doch nicht so, dass ich eine von den Frauen bin die sich nur noch auf Kinder, Haushalt oder Arbeit konzentriert und den Mann außen vor lässt und einfach nicht mehr ranlässt.

      Mir ist Sex genauso wichtig... aber mir muss es darf mir dann nicht so gehen wie zur Zeit.

      Und wie ich schon erwähnte, es ist eine absehbare Zeit, wirklich nicht mehr lange.
      Und wie ich auch schon schrieb, bin ich dabei nach vorne zu schauen aber mein Mann wirft mich immer wieder zurück. Versuche ich nicht mies drauf zu sein, Spaß zu haben mit den Kindern dann denkt er sofort anscheinend, dass wieder alles normal wäre und wird immer aufdringlicher. Ständig muss er seine Hände über all an mir haben.

      Vor ein paar Tagen habe ich ihn angefleht, dass zu unterlassen, dass er meine Liebe zu ihm damit kaputt macht.

      Aber ich merke, dass ihn das nervt, dass ich ihn damit nerve. Versucht natürlich immer noch hier und da sein Glück. Für ihn sei das nichts sexuelles. Dass es das für mich aber ist versteht er nicht.

      Mittlerweile glaube ich sogar dass ich wohl übertreiben muss wenn es ihm so schwer fällt diese Dinge zu unterlassen.

      Vllt fehlt mir der neutrale Blick. Alles was ich weiß ist, dass es so nicht besser wird. Ich kann ihm nicht mehr vertrauen. Ich weine nur noch heimlich. Denn anlehnen kann ich mich sowieso nicht mehr an ihm.

      Immer kommt nur noch, er könne und dürfe mich ja nirgendwo mehr anfassen. Aber das stimmt doch nicht. Aber wenn er mich doch einfach nur berühren möchte um mir nah zu sein warum reicht es dann nicht mal im Arm zu liegen, warum kann er dann nicht meinen Arm streicheln, anstatt meinen Po.

      Ich will ihn nicht mal mehr "normal" küssen. Dann versucht er immer mehr...

      Ach man sicherlich bin ich das Problem.
      Aber ich komm da nicht so einfach raus.

      Was haltet ihr davon? Wie kann ich ihm deutlich machen, wie wichtig mir das ist und dass er mir doch nur Zeit geben soll. Je mehr er mich bedrängt umso schlimmer wird es und umso langwieriger. Aber so sieht er es anscheinend nicht.

      Traurige Grüße
      ZuViel1.0

      • Hallo ZuViel,

        ich denke nicht das du das Problem bist. Nach dem was du geschrieben hast möchte ich sagen das dein Mann das Potenzial hat alles kaputt zu machen. Ihm fehlt das nötige Einfühlungsvermögen für deine Situation.

        Du hast schlimmes ertragen müssen und es hast geschafft diese Erlebnisse so weit zu verarbeiten das sie dich nicht dauerhaft einschränken. Viele die ähnliche Erlebnisse hatten wären froh wenn so weit in der Verarbeitung kommen könnten. Gerade durch diese Erlebnisse ist es ganz wichtig das dein NEIN beim Sex akzeptiert wird. Dein Mann hat es ohne wenn und aber zu akzeptieren. Macht er es nicht kann es passieren das du wieder zurückgeworfen wirst in die Zeit deiner Erlebnisse und daher irgendwann keinen Sex mehr ertragen kannst.

        Ich weiß allerdings nicht wie man deinem Mann begreiflich machen kann das er dein Nein akzeptieren muss. Vielleicht hilft es wenn ihr gemeinsam eine Beratungsstelle aufsucht und das Thema dort besprecht. Oft hilft es wenn Dritte sagen was man schon lange gesagt hat. Sollte er weiterhin nicht einsehen das dein Nein auch nein bedeutet, dann solltest du ernsthaft über eine Trennung nachdenken. Ich weiß, das ist das letzte was du möchtest. Es wird aber keine andere Lösung geben wenn er dich nicht versteht. Du fühlst dich jetzt schon unglücklich in deiner Ehe. Traust dich nicht mehr vor deinem Mann zu weinen und gibst dich somit langsam selbst auf.

        Fg blaue-Rose

        Hallo,

        vielleicht solltest du mal aufhören zu weinen und zu flehen und stattdessen mal laut und wütend werden. "ICH HABE NEIN GESAGT!" und die Grabbelpfoten weg schlagen.

        Gejammer nehmen glaube ich viele Männer unberechtigterweise nicht ernst.

        Klare, laute Ansagen:
        NEIN!
        STOP!

        FINGER WEG!

        Und vielleicht mal ein bißchen Lesestoff zu "NEIN HEISST NEIN" hinlegen.

        LG

        (4) 25.07.17 - 11:36

        Ihr müsst auf einen Nenner kommen. Nein heißt nein - und fertig.

        Wobei ich tatsächlich jemand bin, der für "es ist stressig, nervenraubend"...das geht schon ein Jahr,...dauert noch was...ist absehbar...kein Verständnis hat. Entweder hat man Lust oder nicht. Und so lange irgendwas drum herum was einen davon abhält würde mich als Partner auch verständnislos dreinblicken lassen.

        Ihr habt einfach unterschiedliche Bedürfnisse und müsst auf Dauer auf einen Nenner kommen. Und euch gegenseitig akzeptieren und respektieren. Und keine Ausreden suchen.

        • (5) 25.07.17 - 11:53

          Ich Danke euch allen für eure Antworten.

          Leider schaffe ich es nicht vor heute Abend ausgiebig zu antworten.

          Daher nur kurz was mir zu euren Antworten einfällt. Ich habe schon öfter bestimmend nein gesagt aber immer wieder bin ich dann die die übertreibt.

          Es ist schwierig da er es nicht macht um mich zu ärgern sondern einfach denkt es ist okay so. Er will ja nichts...
          Aber dass mir das zu viel ist ist egal.

          Mh wie ich schrieb bin ich eben keine von den Frauen die Ausreden sucht um nicht zu müssen. Ich liebe Sex und habe gerne Sex.

          Seit Monaten trage ich die komplette Arbeit bzgl unserer Familie alleine. Er kann nicht. Das ist auch okay. Es wird wieder anders. Trotzdem bin ich fertig mit den Nerven.

          Seit Monaten schlafe ich nicht mehr als 4-5 Stunden die Nacht. Solange er schlafen kann ist das aber alles in Ordnung so.

          Und das ist nur eine Baustelle bei mir.

          Ich sage bewusst Baustelle, da diese nun mal ein Ende haben aber solange er mir nichtmal die Zeit gibt mich zu "regenerieren" wird das einfach nichts.

          • Ich denke, das das fehlende Einfühlungsvermögen das große Problem ist. Für mich ist es ganz normal ,das wenn man zu viel Baustellen hat,und nur sehr wenig schlafen kann etwas auf der Strecke bleibt und ganz einfach die Lust und auch die Kraft zum Sex fehlt.

            Ich habe aber auch die Befürchtung das du die Lust m Sex mit der Zeit dauerhaft verlieren kannst wenn er dich weiter unter Druck setzt.

      Hallo ZuViel,

      ich kann Dich sehr gut verstehen. Ich sehe jedoch eher ein Problem in der Kommunikation bei Euch.

      Auch ich bin als Kind sexuell missbraucht worden. Und es gibt einfach verschiedene Berührungen, die ich bis heute nicht ertragen kann. Dazu gehört z. B. das an den Po fassen. Da stellen sich bei mir sämtliche Haare zu Berge und ich werde regelrecht aggressiv.

      Mein Mann kennt dieses und weitere Details, die ich absolut nicht vertrage und er respektiert das. Ich habe von Anfang an klar gesagt, was ich absolut nicht mag. Und er kennt die Hintergründe. Und ich hab' mit meinen Gefühlen nie hinter den Berg gehalten. Dazu waren nämlich die inneren Qualen zu heftig. Und so passierte es öfters mal, dass ich laut und energisch gesagt hab: "Lass' das, ich ertrag' das nicht." Mein Mann hat mir diese Zurückweisungen niemals übel genommen, eben, weil er ja die Gründe dafür kennt und weiß, dass das gar nichts mit ihm zu tun hat.

      Dein Mann muss es lernen, Deine Grenzen zu akzeptieren. Und Du musst lernen, klar und deutlich und auch mal energisch zu sagen, was Du auf keinen Fall willst.

      Übrigens, noch eine Anmerkung bzw. eine persönliche Beobachtung: Unterwegs sehe ich immer mal Paare, bei denen der Mann ständig an seiner Frau "herumfummelt". Da steht zum Beispiel ein Päärchen an der Kasse im Supermarkt und der Mann hat seine Hände ständig am Po oder im Genick seiner Partnerin. Ich empfinde den Mann in dem Fall nicht als liebevoll, sondern als extrem Besitz ergreifend. Aber vielleicht ist das ja auch nur mein Empfinden und das Päärchen sieht das selbst ganz anders?

      • (9) 25.07.17 - 11:50

        Also bei uns bin ich (Frau) das...ab und an. Ich mache das nicht, weil ich so extrem besitzergreifend bin. Oh je, gruselige Vorstellung. Die rührt sicher aus deiner Vergangenheit.
        Ich fände es schade, wenn das meinem Mann nicht auch mal "passieren" würde. Das sind (manchmal beiläufige), Liebevoll gemeinte Berührungen.

    (10) 25.07.17 - 13:28

    Hallo ZuViel 1.0,

    Ich denke, dass die Abgrenzung zu Deinem Mann wichtig ist. Gleichzeitig ist auch wichtig, dass Du wieder in Deine Energie reinkommst. Was gibt Dir Energie und was macht Dich stark? Gibt es etwas, wo Dein Mann Dich aktiv unterstützen kann? Er möchte Nähe zu Dir und abgesehen, dass Sex für Männer sehr wichtig ist, kannst Du ihm die Nähe auch anders geben, indem er für Dich da sein kann. Du stößt ihn momentan immer wieder weg und es gibt einen Nähe-Distanz, der immer in einer gewissen Spannung stehen muss. Wenn Du Dich also entfernst, gleicht Dein Partner das aus und kommt Dir Nahe - so wird diese Spannung zwischen zwei Menschen gehalten.

    Es klingt so, dass Du die Berührungen und auch den Sex nicht richtig genießen kannst. Dein Missbrauch kann die Ursache sein, genauso wie die für Dich zu große Aufdringlichkeit Deines Mannes.

    Hast Du für Dich schonmal über eine Verhaltenstherapie nachgedacht, wo Du mit einem professionellen Therapeuten in die Situation reingehst und er Dir dann helfen kann Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Es klingt so, als ob Du alleine nicht aus dieser sehr bedränglichen Situation rauskommst. Ein neutraler Therapeut kann Dir dabei helfen, den für Dich richtigen Weg zu finden. Viel zu wenig Menschen nutzen externe Hilfe. Die Krankenkasse stellt Dir in der Regel völlig problemlos 20-30 Stunden pro Jahr für eine Therapie.

    Ich denke, dass Du dadurch mal in Dich reinschauen kannst und wieder in Deine eigene Kraft kommst.

    Deinen Mann und andere kannst Du nicht ändern, sehr wohl aber Dein eigenes Verhalten.

    Ich glaube, dass dieses Forum nur begrenzt helfen kann.

    Ich wünsche Dir alles Gute und dass Du den für Dich richtigen Weg findest.

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