Immer dasselbe Streitthema...

    • (1) 25.07.17 - 19:53

      Hallo zusammen!

      Ich wende mich heute an die Schwarmerfahrung, weil ich meiner eigenen Wahrnehmung mittlerweile nicht mehr traue...

      Bin seit etwas über einem Jahr in einer Beziehung, die nach der anfänglichen Verliebtheitsphase nie wirklich einfach war, weil wir einfach sooo unterschiedlich sind. Unser größter Streitpunkt ist immer wieder die gemeinsam verbrachte Zeit.

      Mein Freund sieht jedes Treffen mit anderen Menschen als Zeit, die ich NICHT mit ihm verbringen "will" - dabei hätte er wirklich jedes Mal die Möglichkeit, mich zu begleiten. Will er aber nicht. Beispielsweise hat er in unserer kompletten Beziehung meine Freunde drei- oder viermal gesehen, dabei treffen wir uns jede zweite Woche, manchmal auch wöchentlich. Er möchte nicht mit, teilweise auch, weil wir uns unter der Woche treffen und er arbeitsbedingt sehr früh aufstehen muss. Treffen an den Wochenenden will er aber auch nicht, weil er meint, dass wir das "für uns" verbringen sollten. Ich verstehe einfach nicht, warum es nicht "für uns" sein sollte, wenn wir abends ein paar Stunden mit anderen Menschen verbringen :-(

      Ein anderer, damit zusammenhängender Streitpunkt ist meine Familie. Ich bin ein sehr familienbezogener Mensch und sehe meine Eltern einmal pro Woche sonntags zum Essen. Und das, weil ICH es will - nicht, weil es verlangt wird, sondern weil mir persönlich der Kontakt zu meinen Eltern immer noch wichtig ist. Meine Eltern selbst hatten schon immer engen Kontakt zu meinen Großeltern mütterlicherseits, die letzten 30 Jahre haben sie Tür an Tür gelebt, sind zusammen in den Urlaub gefahren etc. Ich hab das als Kind immer sehr schön empfunden (und tu es heute noch), bei uns hieß es nicht: "Wir besuchen heute die Oma", sondern wenn ich Lust drauf hatte, sagte ich "Ich geh mal kurz zur Oma rüber". Meine Mutter meint zwar oft, dass das natürlich auch zu Reibereien geführt hat und es Phasen gab, in denen sie die Nähe furchtbar aufgeregt hat - aber letztendlich gab es nie große, gravierende, existentielle Streits. Ich wurde in diesem Umfeld geprägt, ich empfand und empfinde es als schön und würde meine Kinder gern in einem ähnlichen Umfeld aufwachsen lassen.

      Mein Freund hingegen kommt aus einer völlig zerrütteten Familie, hat nur noch zu Geschwistern Kontakt und die besucht er alle vier bis acht Wochen. Er kann meinen engen Kontakt zu meiner Familie überhaupt nicht nachvollziehen und will mich auch dort höchst selten begleiten.

      Jetzt wäre das ja nicht so schlimm, dann geh ich halt alleine hin, ist ja meine Familie, ABER: Er rechnet mir permanent vor, mit wem ich wie viel Zeit verbringe, und dass er da seiner Meinung nach zu kurz kommt. Er argumentiert, dass er niemanden kennt, der so an seinen Eltern hängt, und dass das unnormal wäre. Dass das kein Mann mitmachen würde, und ich so nie eine eigene Familie hätte. Dass ich an mich ("uns"?) denken solle. Ich finde das immer wahnsinnig unfair, ich schreib ihm ja auch nicht vor, wie oft er sich bei seinen Geschwistern melden sollte, um ein "normales" Verhältnis zu haben #gruebel

      Ich hingegen halte an meinen Kontakten fest und räume diesen feste Zeiten in meiner Planung ein (wie ihm natürlich auch) - woraufhin er jedes Mal genervt reagiert und meint, dann solle ich halt machen wie ich wolle. Er wirft mir dann mangelnde Kompromissbereitschaft vor, dabei blocke ich z.B. schon grundsätzlich jedes Wochenende von Freitagmittag bis Sonntagmittag. Da braucht mich gar niemand fragen, ob ich bzw. mein Freund und ich was unternehmen wollen - wollen "wir" eh nicht. Noch mehr Kompromisse würde bedeuten, dass ich auf noch mehr verzichte, wohingegen er einfach - gar nix macht. Fühlt sich schal an, dieser Kompromiss. Geht er doch mal irgendwohin mit, findet er danach immer etwas, worüber er herziehen kann - anstrengend.

      Daher mal meine Frage: Hab ich wirklich so grundverkehrte, beziehungsfeindliche Ansichten? Ich kann das nämlich leider nicht so wirklich selbst beurteilen, weil es meine erste längere Beziehung ist :-(

      • Ich finde, Du gehst zu weit wenn Du jedes Wochenende blockst, nur weil er das will.

        Das ist kein Kompromiß, das ist über Dich zu verfügen oder was ist sein Teil am Kompromiß?

        Ich wollte mich nicht so isolieren lassen.

        Nicht du hast beziehungsfeindliche Ansichten sondern dein Freund anscheinend kein Leben ohne dich. Das ist sicher nicht gesund.

        Grundsätzlich gibt es natürlich Menschen die mehr Nähe brauchen und welche die eher Distanz bevorzugen und sich seltner sehen, aber so extrem wie dein Freund das praktiziert ist nicht normal. Das ganze aufrechnen usw.

        Auch der Kontakt zu deiner Familie ist nicht ungewöhnlich. Mein Mann bzw wir sehen seine Eltern noch öfters in der Woche.

        Ich würde mich und meine sozialen Kontakte nicht so einschränken lassen....und ich würde wohl auch die Beziehung überdenken wenn jemand so gar keine sozialen Kontakte pflegt. Das ist so extrem abhängig.

        Mir ging das in meiner ersten Ehe ähnlich, nur dass er komplett meine Freunde abgelehnt hat. Wenn wir Zeit mit Freunden verbracht haben, waren es immer *seine* Freunde. Meine Freundschaften gingen allesamt über die zehn Jahre, in denen ich mit ihm verheiratet war, den Bach runter und belebten sich (zum Glück) wieder, als dieser Mann nicht mehr mein Ehemann war.

        Ich sehe bei dir auch die Gefahr, dass deine Freundschaften auf Dauer drunter leiden werden.

        Deshalb: Bleib dabei, deine Freunde zu sehen, wann du willst. Du bist nicht zu egoistisch. Den Egoismus sehe ich eher bei ihm.

        LG
        Lea

      • Hallo,

        man könnte fast meinen, du schreibst von meinem Ex- Freund. Mit ihm führte ich (aus heutiger Sicht) eine echt schräge Beziehung. Er war mein erster richtiger Freund und ich war noch sehr jung.

        Er war auch so, dass er nie zu meinen Freunden mitwollte und auch meine Familie gemieden hat. Ich hab immer Entschuldigungen für ihn erfunden, warum er nicht mitgekommen ist. Er hat auch abgelehnt, dass meine Freunde vorbeikamen, wenn er da war. Ich habe dafür ausschließlich seine Abwesenheiten genutzt.

        Er mochte es nicht, wenn ich ohne ihn ausging, aber er wollte nie mitkommen. Zum einen hat er mir nicht verboten auszugehen, aber wenn ich wiederkam war das Theater groß, ich musste mich rechtfertigen oder er schmollte und redete tagelang nicht mit mir.

        Ein Schlüsselerlebnis war, als ich auf einer Firmen- Weihnachtsfeier war. Ich sagte ihm, dass ich ca. 22 Uhr zu Hause wäre, es wurde aber 23:15 Uhr. Was für ein Streit daraus entstanden ist! Echt lächerlich!

        Wenn wir Zeit zu zweit verbracht haben, dann waren wir immer nur zu Hause oder bei seinen Eltern oder Großeltern. Wir haben nichts zusammen unternommen und obwohl wir über drei Jahre zusammen waren, waren wir nicht ein einziges Mal gemeinsam im Urlaub. Ich bin mit Freunden weggefahren, er wollte nicht mit, wollte aber auch nicht alleine mit mir verreisen. Diese Diskussionen! Diese Nerven, die ich dabei gelassen habe!

        Ich habe dummerweise, um dieses Streitthema zu vermeiden, seinem Willen entsprechend meine Kontakte reduziert, meine Verabredungen minimiert, mich überwiegend mit seinen Leuten getroffen und mit ihm zu Hause rumgehockt und Fernsehen geschaut. Wie ein altes Ehepaar, und das mit Anfang 20.

        Letztendlich war unsere Trennung für mich ein Befreiungsschlag. Eigentlich kann ich kaum glauben, dass ich mir das so lange angetan habe...

        Alles Gute für dich

        ez

        Ich an deiner Stelle würde die Beine in die Hand nehmen und laufen. Wohin soll das führen?

      • Dein Freund will Dich von Deinen Sozialkontakten isolieren und ist wahrscheinlich hochgradig eifersüchtig. Deine Ansichten über Beziehung sind: Partner ja, aber auch Freundschaften und Familienkontakte pflegen. Völlig normal.

        Sein Genörgel soll einerseits dazu dienen, sein schlechtes Gefühl, also den Neid oder die Eifersucht auszudrücken. Zum Anderen merkt er wohl, dass Du dann ein schlechtes Gewissen bekommst und man sieht ja, Du machst dann beispielsweise brav am Wochenende, was er wünscht.

        Sein Verhalten ist nicht normal und ich würde sehr stark davon abraten, die Beziehung zu intensivieren (bspw. durch gemeinsame Wohnung), bevor er sich da nicht geändert hat. Sonst sitzt Du irgendwann alleine da, hast nur noch ihn und er ist zwar zufrieden, aber Du todunglücklich.

        Hallo.

        Ich denke mal, dass eure Beziehung so nicht funktionieren wird. Ihr seid grundverschieden und keiner möchte auf den anderen zugehen. Das passt einfach nicht. Such dir lieber jemanden, der deine Zeit mit deinen Freunden teilt oder akzeptiert.

        LG

        Überlege dir mal, was passiert, wenn das mit euch auseinander geht... damit muss man ja leider immer rechnen. Und dann hast du es zugelassen, dass dein Verhältnis zu seinen Eltern oder deine Freundschaften gelitten haben! Ich würde das niemals riskieren!

        Und es gibt sie ja, die Männer, die sich einbringen, die es genießen noch mehr "Familie" durch dich zu haben. Die ihre freie Zeit nicht ausschließlich mit dir verbringen möchten sondern auch mit den Menschen, die dir wichtig sind.

      Hallo! #winke

      Oh weh, das klingt aber gar nicht gut! Um ehrlich zu sein: Für mich wäre es ein Trennungsgrund. Wir hatten ein Pärchen im Freundeskreis, mit dem es ähnlich war. Sie wollte viel unterwegs sein (allerdings deutlich mehr als du, mir persönlich wäre es auch zu viel gewesen ;-)), er wollte fast NIE mit. Wenn was mit uns gemacht wurde, also dem gemeinsamen Freundeskreis, dann hat er sich mal überreden lassen, saß aber auch oft schmollend in der Ecke. Letztlich hat sich die Beziehung über mehre Jahre on-off hingequält und irgendwann war es im vierten Anlauf endgültig vorbei.

      Ich finde es überhaupt nicht verwerflich, wenn du an den familiären Traditionen festhalten möchtest und deine Freunde regelmäßig triffst. Im Gegenteil! Er scheint mit seinen eigenen Problemen nicht fertig zu werden und dich in seine soziale Isolation mit hineinziehen zu wollen. Das geht so nicht.

      Ich würde ihn in die Wüste schicken. Ich denke, wenn nicht ein Wunder geschieht, wirst du viele Nerven lassen und letztlich wird es zu nichts führen...

      Er will an deinem Leben nicht teilnehmen, will dich für sich allein.
      Was will man mit so jemandem? Wie stellst du dir eure Zukunft vor?
      Hat er keine Freunde? Würde mich nicht wundern ...

      • Vielen Dank für eure Beiträge, das tut wahnsinnig gut, zu lesen, dass mit mir scheinbar doch alles ok zu sein scheint...

        Wir haben tatsächlich schon mal drei Monate zusammengewohnt, und da begann eigentlich die ganze Misere...natürlich war ICH diejenige, die zu ihm gezogen ist, die einen längeren Arbeitsweg in Kauf genommen hat etc. pp. Da begannen dann seine Besitzansprüche. Immer, wenn ich argumentiert hab, dass es doch auch noch andere Menschen in meinem Leben gibt, die mir wichtig sind, hat er verständnisvoll genickt, gemeint, dass er das schon verstehen kann, aber dass ich halt jetzt lernen müsse, dass man mit einem Partner auch Kompromisse eingeht (Stichwort erste Beziehung). Also dachte ich mir, er wirds schon wissen, hab mein Hobby reduziert, begonnen, mich nur noch unter der Woche mit Freunden zu treffen, meine Kontakte zur Familie auf Kaffeetrinken "auf dem Sprung" beschränkt. War aber alles nicht genug...

        Irgendwann machte es dann klick bei mir und ich hab rücksichtslos Treffen ausgemacht. Meine Familie und Freunde haben damals viel mitgekriegt, weil ich ziemlich verzweifelt war, daher ist das Verhältnis bis heute angespannt. Es kam dann zum großen Showdown, ich zog quasi von heute auf morgen wieder aus, wir waren vier Wochen getrennt.

        Dann aber hab ich plötzlich nur noch das Positive gesehen, mein Verhalten vor der Trennung total infrage gestellt (ohne SEIN Verhalten vor meinem Verhalten zu sehen), er nahm Kontakt zu mir auf, wir trafen uns wieder, kamen wieder zusammen mit getrennten Wohnungen.

        Er hat mir mal bestätigt, dass er mir nie verziehen hat, dass ich ausgezogen bin. Ich hab ihm klargemacht, dass es eine gemeinsame Wohnung nicht geben wird, solange ich mir nicht sicher bin, dass es nicht wieder zum Käfig wird. Er erwartet, dass ich meinen Auszug "wiedergutmache", ich blocke häufigere Treffen mit ihm ab, weil er schon gezeigt hat, dass er erwartet, ein "Zusatz"treffen, das einmal geklappt hat, wird unter allen Umständen ab jetzt immer angestrebt...und WEHE, an diesem Tag nehm ich mir was anderes vor...

        Es ist so verfahren, dabei verbringen wir eigentlich eine schöne Zeit, wenn wir nicht streiten...das hält mich auch immer noch in der Beziehung...wir reden so oft darüber, erklären dem anderen unsere Ansichten, aber es ändert sich einfach nichts...dann kommt wieder ein existentieller Streit, alles steht auf dem Spiel, und dann reißen wir uns ein paar Wochen beide zusammen und es geht von vorne los...

        Weil es mehrmals angesprochen wurde: Er hat zwei Freunde, mit denen er aber täglich in der Arbeit jeweils mindestens eine Stunde telefoniert. Der Bedarf an persönlichen Treffen ist damit scheinbar gedeckt. Wir unternehmen zwar ab und zu was mit seinen Leuten, aber das ist ähnlich selten wie mit meinen...

        • >> ...und WEHE, an diesem Tag nehm ich mir was anderes vor...<<

          Allein dieser eine Satz reicht mir persönlich aus, um dir zu raten, dich ganz schnell zu trennen.
          Warum glaubst du immer noch, dass das eine normale Beziehung bei euch ist bzw. werden kann?

          Tu dir endlich den (endgültigen) Gefallen, dein Leben so zu leben, wie du es dir vorstellst.
          Der richtige Mann wird dir da nicht reinreden, sondern es mit dir zusammen leben wollen!

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