Pflegekinder machen unsere Familie kaputt

    • (1) 26.07.17 - 17:30
      amlimit

      Hallo

      ich muss hier kurz mein Leid klagen. Mein Mann und ich haben uns entschieden uns als Bereitschaftspflegeeltern zur Verfügung zu stellen und so vielleicht Kindern in schlimmen Situationen zu helfen. Soweit hat bis jetzt alles gut geklappt, wir hatten letztes Jahr 2 kleine Mädchen bei uns, mit denen hatte alles prima geklappt und nach 3 Monaten gingen sie wieder zu ihren Eltern zurück. Im März hieß es dann, sie hätten zwei Brüder (3 und 6) deren Mutter drogenabhängig ist und in Entzug muss, ob wie sie nehmen. Alles klar, wie haben natürlich zugesagt. Da fingen die Probleme an. Die Jungs sind außer Rand und Band. Sie akzeptieren keine Regeln, wenn wir mit ihnen einkaufen gehen stehlen sie im Laden, wenn wir bei Freunden zu Besuch sind klauen sie Spielsachen, hauen andere Kinder, zerstören unsere Möbel, bringen unserem Sohn (er ist 2,5 Jahre alt) nur Blödsinn bei, hauen ihn. Der kleine trägt immer noch eine Windel, wenn ich ihm Windeln wechseln soll tritt er mich regelmäßig so stark dass ich schon Angst hatte innere Blutungen davon zu tragen (er ist 4,5 Jahre alt und 1,18 groß und wiegt 25 kg). Sie schlafen katastrophal, werden nachts wach und laufen durch das Haus und stellen Sachen an. Bis Abends hier Ruhe ist, ist es 22 Uhr, sie sind um 5 Uhr wieder wach. Ich gehe nun auf dem Zahnfleisch. Ich habe gesagt es tut mir leid, ich kann die Kinder nicht behalten. Ich wollte helfen, doch ich hätte nie gedacht, dass ich so an meine Grenzen gerate. Die zwei Schwestern die wir vorher hatten waren sehr pflegeleicht und brav, kein Vergleich zu diesen beiden. Mein Mann sieht das nicht so wie ich. Er arbeitet Vollzeit und bekommt die Hälfte nicht mit.Er ist der Meinung wenn man sich entscheidet Kinder zur Pflege aufzunehmen, dann muss man das auch durchziehen. Nun kam noch die Nachricht, die Mutter geht mindestens bis März nächsten Jahres in eine Reha nach dem Entzug und wir wurden gefragt ob wir die Kinder so lange behalten würden. Normalerweise hieß es immer nicht länger als 6 Monate. Mein Mann sagt das schaffen wir und wir hatten das so entschieden, doch es macht unsere Familie kaputt, unsere Ehe und unser leidet darunter. Sollte nicht das Wohl der eigenen Familie im Vordergrund stehen? Mein Mann hat dem Jugendamt zugesagt, und ich möchte am liebsten nur noch weglaufen. Morgens habe ich schon keine Kraft zum Aufstehen wenn ich denke was die beiden heute wieder anstellen. Bin ich zu egoistisch? Zu schwach? Oder habe ich das Recht zu sagen wenn ich am Limit bin? Danke fürs Zuhören.

      • (2) 26.07.17 - 17:35

        Sorry, ich meinte die beiden sind 4 und 6 nicht 3 und 6

        • (3) 26.07.17 - 17:55

          Du hast es selber erkannt: auf diese Jungs bist du nicht vorbereitet, es gibt andere bereitschaftsstellen, wo sie besser zu recht kommen. Mach DICH und dadurch deine Familie nicht kaputt, die sollte an erster Stelle stehen.
          Dein Mann soll nicht verharmlosen was dir Tag täglich passiert.
          Du kannst auch bei JA anrufen und die Entscheidung ändern, in einem Gespräch auch dann sagen warum.Den Jungs wird weiter " geholfen"
          Ich weiß es klingt hart da es sich um Kinder handelt, aber nicht alle muss man persönlich retten.

          Alles gute für deine Familie

          • (4) 26.07.17 - 18:03

            ja es sind erst unsere zweiten Pflegekinder und nachdem es mit den Mädels so gut gelaufen ist dachte ich wir machen das richtig gut und war sehr motiviert. Doch das hier ist ein ganz anderes Kaliber und ich fühle mich wirklich überfordert. Vor allem weil mein Kind noch kleiner ist als die beiden und er auch dauernd etwas abbekommt. Trotzdem fühle ich mich wie eine "Versagerin" weil ich aufgeben will. Wenn mein Mann mich da unterstützen würde und sagt wir haben unsere Grenze erreicht, dann wäre es einfacher für mich.

      (5) 26.07.17 - 17:53

      Das ist der Grund, warum wir damals nach Ende des Kurses zur Pflegefamilie unsere Meinung geändert haben.
      Mit den Mädels hattest Du Glück, die Regel sind schwer traumatisierte Kinder, die völlig aus dem Ruder laufen.
      Was hast Du denn gedacht, was da auf Euch zukommt?
      Wenn Ihr das jetzt hinschmeißt ist das schade, aber nicht zu ändern.
      Ich glaube nicht, dann es Sinn macht, weiter die Bereitschaftspflege zu stellen, wenn Du nur bereit bist, pflegeleichte Kinder aufzunehmen.

      • (6) 26.07.17 - 17:58

        Ich erwarte keine pflegeleichten Kinder. Die Mädels waren auch nicht ohne, die beiden waren 3 und 5 und die Kleine hat zum Beispiel die ersten 2 Wochen kein Wort gesprochen, nichts essen wollen hatte Panikattacken in der Dusche usw. Mit viel Geduld und Zuwendung haben wir es gut hin bekommen und sie hat zum Schluss gesprochen, gebadet, mit uns gespielt und sich sehr wohl gefühlt. Aber diese beiden sind einfach so schwierig. Und zwar an allen Fronten. Schlafen, Aggression, klauen, ich bin alleine mit 3 Kindern den ganzen Tag und es ist so schwer.Wir hatten eigentlich immer nur gesagt ein Kind. Dann hatten wir die zwei kleinen Mädchen die nicht getrennt werden sollte weil die Kleine so sehr auf ihre Schwester fixiert war. Wir sagten okay. Doch dass wir jetzt wieder 2 Kinder nehmen, noch dazu so schwierige, das ist einfach zu viel.

        • (7) 26.07.17 - 18:12

          Das wurde in dem Kurs zur Pflegemutter ganz klar dargestellt,
          Keines der Pflegekinder ist auf dem normalen Entwicklungsstand und alle sind traumatisiert.
          Es wurden nur Pflegekinder zu einer Pflegemutter abgegeben, die nicht arbeitet, weil das sonst einfach nicht machbar ist.
          Die meisten brauchen psychische Unterstützung und so Dinge wie Ergotherapie, Logopädie usw.
          Man weiß ja auch nicht, inwiefern sich diese schwierige Situation, gerade in der Bereitschaftspflege auf die leiblichen Kinder auswirkt.
          Ist halt schön billig, in einem Übergangsheim kostet ein Kind zig mal soviel.

    (8) 26.07.17 - 17:54

    Mach Dir eine Liste mit den Problemen, die es gibt. Dann ruf beim Jugendamt an und schildere die Situation. Das Jugendamt vermittelt immerhin auch in schwierige Familien mit leiblichen Kindern eine Familienhilfe, also wird es wohl in so einem Fall auch sinnvoll sein, wenn Dich jemand unterstützt. Es sollte eine Person ins Haus kommen, die sich zum Einen die Situation im Alltag ansieht und zum Anderen auch in Pflege und Erziehung Erfahrung hat.
    Den Kindern geht es nicht gut. Dir geht es nicht gut. Das kann so nicht bleiben.

    Ansonsten würde ich meinem uneinsichtigen Mann sagen, ich will kurzfristig am Wochenende mit dem leiblichen Kind eine Auszeit nehmen und er soll sich mal kümmern. Wetten er ist danach seeehr einsichtig, was Deine Situation betrifft? ;-)

    • (9) 26.07.17 - 18:01

      Wir haben das schon dem JA mitgeteilt und sie meinten sie wissen das und wir sind auch nicht die ersten die das sagen, die Jungs waren vorher schon in einer anderen Familie. Deswegen will mein Mann sie nicht auch wieder abgeben, sonst haben sie den Eindruck niemand will sie haben. Mir tut der Kleine auch leid, er ist ja nicht Schuld daran wie er sich verhält, doch mein Mann macht es sich einfach und sagt da müssen wir jetzt durch weil wir haben es uns doch ausgesucht. Eigentlich müsste ich das tun, einfach mal mit unserem Kind weg gehen. Doch dafür war ich bis jetzt nicht mutig genug ihn mit den beiden alleine zu lassen.

      • (10) 26.07.17 - 18:02

        "Doch dafür war ich bis jetzt nicht mutig genug ihn mit den beiden alleine zu lassen."

        Warum nicht?

        Wenn es so weiter geht ist auch niemandem geholfen.

        • (11) 26.07.17 - 18:07

          Ich habe immer gesagt es wird besser, wir müssen uns aneinander gewöhnen und wenn sie merken wir meinen es gut mit ihnen dann werden sie sich auch anders verhalten. So war das mit den zwei Mädels, die sind richtig aufgetaut und wir hatten das Gefühl sie merken dass wir für sie da sind und ihnen helfen wollen. Und sie waren richtig dankbar.

          Doch egal was wir für die Jungs machen, man bekommt eins draufgehauen von ihnen bildlich gesehen und auch im wahrsten Sinne des Wortes.

          Mein Mann war noch nie alleine mit den beiden. Wir sind immer alle zusammen unterwegs am Wochenende. Und oft macht er auch mehr mit unserem Sohn weil er ihn unter der Woche auch nicht viel sieht und der sehr an ihm hängt. ich glaube er wäre überfordert wenn er ein ganzes Wochenende mit den zwei alleine wäre. Vor allem nachts. Bisher stehe ich nachts auf und sammle sie ein wenn sie im Haus unterwegs sind. Er würde sie wahrscheinlich nichtmal hören.

          • (12) 26.07.17 - 18:16

            Naja, dann wundert es mich auch nicht, wenn Du alles abpufferst und Dein Mann die Probleme noch nicht hautnah mitbekommen hat. Aber wie soll er einsehen, dass Du nicht übertreibst, wenn er es nicht selbst mal zu spüren bekommt?

(13) 26.07.17 - 18:56
Besser ins Heim

Ich denke, dass da Profis ran müssen. Die beiden Jungs sind wahrscheinlich in einem Heim besser aufgehoben. Ich denke, dass eine Person alleine sowieso nicht ausreicht und wenn diese Kinder so traumatisiert sind, wie willst du das als Mutter denn stimmen. Wo du dich ja auch noch um dein eigenes Kind kümmern musst. Also, ich denke, dein Mann muss da seine Ansicht ändern.

Es ist ja den beiden Jungs nicht geholfen. Meine Meinung ist, dass diese beiden Jungs ganz krasse Regeln brauchen und viel viel Konsequenzen und eine Person alleine macht sich damit kaputt.

Es kann auch sein, dass bei den beiden Jungs schon so viel schief gelaufen ist, dass man da nicht mehr viel retten kann.

Das sage ich deshalb, weil ich eine Person kenne, die in einem Waisenhaus aufgewachsen ist. Und diese Person ist auch ziemlich krank. Und da ist auch nicht mehr viel zu retten gewesen. Auch wenn das hart ist, aber wenn zu viel schief gelaufen ist, dann ist das schon harter Tobak für eine normale Familie.

  • (14) 26.07.17 - 20:03

    Das sehe ich inzwischen auch so. Wir sind eigentlich Laien. Wir hatten zwar Schulungen aber im Prinzip fühle ich mich trotzdem sehr hilflos diesen Jungs gegenüber. Und sie tun mir sehr leid wenn ich bedenke wie sie bisher gelebt haben müssen, doch ich bekomme das auch seit März nicht in den Griff. Sie sind oft auch sehr selbständig, stehen manchmal um 5 Uhr alleine auf weil ich so müde bin dass ich es nicht schaffe sofort aus dem Bett zu kommen, dann holen sie sich Frühstück, machen den Fernseher an, essen, ziehen sich an. Also das funktioniert. Aber andere Sachen leider nicht. Ich weiß auch nicht ob wir ihnen wirklich helfen können. Mein Mann sagt sie brauchen viel Zuwendung und noch Geduld. Das bekommen sie in einem Heim nicht so wirklich weil es mehre Kinder sind. Doch meine Geduld ist auch am Ende und es ist sicher nicht gut für sie wenn ich hier laut werde und nur schimpfe.

    • (15) 27.07.17 - 06:59

      <<<Mein Mann sagt sie brauchen viel Zuwendung und noch Geduld. Das bekommen sie in einem Heim nicht so wirklich weil es mehre Kinder sind. >>>

      Er hat gut Reden. Trägt selbst nichts dabei zu und haut solche Sprüche raus. Also mal ehrlich, dein Mann weiß gar nicht, was du da durchmachst. Er soll sich mal Urlaub nehmen und dir ein paar Tage die Kinder abnehmen. Alle drei. So wie du es auch jeden Tag machen musst/sollst. Dann wird er bestimmt nicht mehr sagen, wir brauchen Geduld.

(16) 26.07.17 - 19:53

Nur zum Verständnis: gehen die beiden nicht in den Kindergarten?

Kenn mich mit pflegefamilien nicht so aus.

  • (17) 26.07.17 - 19:58

    doch sie gehen beide bis 14 Uhr in den Kindergarten. Im September wird der Große dann bei uns eingeschult. Doch die Zeit von 14 Uhr bis 22 Uhr bis hier Ruhe ist, ist sehr lange und viel zeit um Blödsinn zu machen. Vorher gab es wieder Ärger beim essen, sie bleiben nicht sitzen, dann laufen sie herum, mein Sohn bleibt dann natürlich auch nicht sitzen, dann habe ich hier 3 aufgedrehte Kinder herum springen. Es ist schwierig meinem Sohn Regeln beizubringen wenn sie sich nicht daran halten.

    • (18) 26.07.17 - 20:40

      Hallo, ich glaube das es schwer ist!

      Ehrlich gesagt finde ich das dein leiblichen Kind noch viel zu jung ist um Bereitschaftsfamilie zu machen... Und so wie es aussieht, wird es in dem Fall auch so sein, dass die Kinder sehr lange bleiben. Ist es absehbar das es die Mutter überhaupt schafft? Ich persönlich finde das die Kinder in eine Familie sollten, die auch bereit sind diese auf Dauer aufzunehmen... Habt ihr euch mit den Thema fas beschäftigt?

      Es ist nicht verwerflich abzubrechen... viel Glück

      (19) 26.07.17 - 21:35

      Ah ok dann hab ich falsch gelesen.
      8 stunden können sehr lang sein:-(

      Ich würde beim Jugendamt anrufen oder antreten die haben da sicher jemanden der sich mit sowas auskennt.

      Und dann mal deinen Mann mit dene 3 ein we allein lassen.

      Dann sieht er alles sicher etwas anders.

(20) 26.07.17 - 21:07

Hallo amlimit,

ich denke das du schon lange an deine Grenzen gekommen bist. Diese beiden Jungs überfordern euch. Du bist an einem Punkt angekommen an dem du nicht mehr weiter kannst. Du solltest ganz klar für dich sagen: "Stopp, bis hierher und nicht weiter". Ich denke dir fehlt die Unterstützung von deinem Mann und auch die Unterstützung vom Jugendamt. Die Jungen waren schon in einer anderen Familie und werden dort die gleichen Probleme gemacht haben. Ich gehe davon aus, das bei uns die beiden getrennt in Pflegefamilien untergebracht wären. Es hört sich hart an, nimmt aber das Potenzial.

Sämtliche Vorbereitungskurse sind nur theoretischer Natur. Was auf einen wirklich zukommen kann sieht man erst wenn man die Kinder betreut. Wenn du jetzt sagst das es nicht mehr geht heißt das nicht das du eine schlechte Pflegemutter bist. In meinen Augen gehört es zu einer guten Pflegefamilie sich auch einzugestehen das man in einem bestimmten Fall an seine Grenzen kommt und das Pflegeverhältnis beendet.

Ganz sicher werden Dritte, die nicht wissen was Pflege bedeutet darüber anders denken. Aber davon solltest du dich nicht beeindrucken lassen.

Fg blaue-Rose

Hallo,
mein Respekt an euch, dass ihr den Mut habt, Kindern in den schwierigsten Lebenssituationen beizustehen und ein zu Hause geben zu wollen.
Es ist mir wichtig, dass du weißt, das ich den Vorsatz sehr bewundernswert finde.

Leider lesen sich die Ansichten von dir und die deines Mannes sehr blauäugig und nach Wunsch denken. Vielleicht auch eher romantisch.
Mich wundert es auch, dass ihr vom Jugendamt so allein gelassen werdet in der Situation.
Schon fahrlässig.

Normalerweise werden doch Treffen geplant, wöchentlich oder monatlich um die Pflegeeltern zu unterstützen. Ist das bei euch nicht so? (....ist jetzt aber auch nicht so wichtig.)

Du bist nicht zu schwach oder egoistisch, sondern überfordert und überrumpelt mit den Problemen der Kinder.
Das ist absolut okay und dafür musst du dich auch gar nicht schämen.
Wie hier schon geschrieben, denke ich auch, dass Profis mit den Kindern arbeiten müssen.

Du solltest jetzt, bevor die Einschulung weiter geplant wird, mit dem Jugendamt Kontakt aufnehmen.
Finde bei deinem Mann und am Amt deutliche Worte.

Auch für die beiden Jungs ist es besser, wenn mehr Unterstützung kommt.
Ich kann eure Verantwortung den Jungs gegenüber nachempfinden, auch das was dein Mann denkt. Nur leider ist Liebe und Zuneigung nicht immer ausreichend.

Ich drücke allen betroffenen, dir und deiner Familie, den Jungs ganz fest die Daumen für die Zukunft.
Alles Gute und viel Kraft für die nächste Zeit.

(22) 26.07.17 - 22:48

Wie kann dein Mann da zusagen, wenn du den Hauptteil der Last trägst??? Geht es dem noch gut?

LG Küstenkönigin

Top Diskussionen anzeigen