Bindungsangst? *Vorsicht LANG*

    • (1) 17.08.17 - 18:05
      Angsthäschen

      Hallo ihr Lieben,

      ich muss nun endlich mal fremde Meinungen einholen, weil ich langsam echt verzweifle.

      Zu mir: ich bin 23 Jahre alt, weiblich und single. Schon immer gewesen. Bis auf flirten und küssen lief noch nichts bei mir, wirklich rein gar nix! Jetzt denkt ihr vermutlich ich sei ein graues Mäuschen, das der Männerwelt schlicht und einfach nicht auffällt und kein Selbstbewusstsein hat, Männer kennenzulernen. So ist es aber nicht. Ich bin ein selbstbewusster, fröhlicher und mitreißender Mensch. Eigentlich lerne ich so ziemlich jedes Mal, wenn ich mit Freunden unterwegs bin jemanden kennen, der mich mag und mich nach meiner Handynummer fragt (womit ich nicht sagen will, dass ich superheiß oder wunderhübsch bin - aber ich bin recht witzig und schlagfertig, wenn ich jemanden kennenlerne und dadurch kann ich das Interesse vieler Männer auf mich ziehen).

      An dieser Stelle stellt sich natürlich unweigerlich die Frage: Warum ist sie dann noch immer Single?!

      Die Antwort darauf: Sobald es ernster wird - einer der Männer mich anschreibt, wir einander treffen usw. und er irgendwann signalisiert, dass er sich mehr vorstellen könnte - ergreife ich die Flucht. Ich reagiere richtig ekelhaft und böse auf solche Annäherungsversuche. Solange wir nur flirten und noch freundschaftlich miteinander sind, ist alles super. Aber sobald ich wittere, dass sich mein männliches Gegenüber Hoffnungen macht, bin ich weg. Dann antworte ich vom einen auf den anderen Tag nicht mehr und hoffe und bete, dass er sich nicht mehr meldet und nicht nachfragt (was natürlich nie der Fall ist und ich letztendlich eine Erklärung für mein Verhalten abgeben muss).

      Neulich z. B.: Ich war mit einem Mann, den ich einige Wochen lang kannte, im Kino. Er legte dann irgendwann den Arm um mich und begann meine Hand zu streicheln ... na ja, wer kann es ihm verübeln. Wir hatten uns bis dahin super verstanden und sicherlich hatte ich ihm auch Flirtsignale gesendet. Als er mich dann so berührte, wurde mir ganz heiß und kalt, mir wurde regelrecht übel und ich bin einfach aufgestanden und geflüchtet #heul ja ich weiß, unglaublich kindisch! Aber ich habe jedesmal den Drang, solchen Situationen zu entfliehen. Als er hinterher versuchte mich anzurufen, mir zu schreiben, um in Erfahrung zu bringen, was los ist, begann ich regelrechten Ekel und eine Abneigung gegen ihn zu entwickeln. Mit dem Ergebnis, dass ich diesen eigentlich netten Mann schroff abgewiesen habe und ihn seither meide.

      Und das war nur eine Situation von vielen, wie ich sie wirklich immer wieder erlebe!

      Am schlimmsten ist es, wenn mich ein Mann küsst. Dann fühlt es sich so an, als würde man mir die Luft abschnüren und hinterher fühle ich mich regelrecht "beschmutzt". Ich musste mich das eine Mal hinterher tatsächlich übergeben. Kann das noch normal sein?!
      Das ist dann natürlich auch schon die Begründung dafür, dass ich noch nie Sex hatte. Wie denn auch, wenn ich schon beim Händchenhalten und Küssen Gefühle des Ekels empfinde? #heul

      Es gibt tatsächlich mehrere Gründe dafür, weshalb ich Beziehungen gegenüber skeptisch eingestellt bin. Zum einen ist da die Angst davor verletzt zu werden. Mir widerstrebt der Gedanke, mich einem Mann so sehr zu öffnen und mich damit verletzlich zu machen. Dafür bin ich einfach zu misstrauisch. Das zeigt sich auch daran, dass ich sofort Hintergedanken oder sonstige böse Absichten vermute, wenn ein Mann übermäßig nett zu mir ist oder sich um mich bemüht. Ich entwickle da sofort eine Abneigung.

      Mittlerweile wollen mir meine Freundinnen schon gar keine Männer mehr vorstellen, weil ich eh nur alle unglücklich mache und verletze ... Dabei wünschte ich ja es wäre anders, aber das kann ich ja nicht einfach so "beschließen". Wie gesagt, diese Gefühle des Ekels sind echt heftig, sobald sich mir ein Mann in dieser Weise nähert. Aber was kann man dagegen tun? Kann da eine Therapie sinnvoll sein? Und woher kommt überhaupt diese krasse Bindungsphobie?

      Ich wäre für ernstgemeinte Ratschläge sehr dankbar!

      • Warst Du schon einmal verliebt? Falls nicht, wundert es mich gar nicht, wenn Du niemanden küssen willst und Dich das sogar ekelt. Davon solltest Du auch zukünftig absehen, man muss nicht zwangsweise mit 23 Jahren geküsst haben, Sex gehabt haben oder eine Beziehung geführt haben. Sag Deinen Freundinnen, sie sollen das nicht übel nehmen, aber Kuppeleien funktionieren in den seltensten Fällen. Wo die Liebe hinfällt lässt sich nicht so ohne Weiteres beeinflussen.

        Dann ist es möglich, dass Du gar nicht auf Männer stehst. Nein, das muss man auch mit 23 noch nicht wissen, ich kenne Frauen, die haben das erst mit über 30 oder gar 40 und nach Ehe und Kindern gemerkt. Ein Freund von früher hat mit über 20 erst gemerkt, dass er schwul ist.

        Und zuletzt kann es sein, dass Du schlechte Erfahrungen in der Kindheit gemacht hast.

        Mein sehr ernstgemeinter Ratschlag ist derselbe, auf den Du auch gekommen bist: Ein Fachmensch kann Dir helfen, herauszufinden, was hinter der Sache steckt. Aber nur, wenn Du das auch wirklich wissen willst, wenn Du als Single glücklich und zufrieden bist und nichts vermisst, dann steh zu Dir und mach keine weiteren Beziehungsversuche. Auch das ist völlig in Ordnung.

        • (3) 17.08.17 - 18:25

          Hallo,

          das ist ein guter Punkt, den ich in meinem Post erwähnen hätte sollen. Ich war bereits verliebt, häufig nur Schwärmereien, aber vor drei Jahre, da war es wirkliche richtige Verliebtheit. Oh mann, hat mich der Typ verrückt gemacht ... aber da war es dasselbe wie immer, als er den nächsten Schritt gehen wollte, hab ich mich zurückgezogen und den Kontakt abgebrochen :-( das bereue ich noch heute. Bei allen anderen Typen war es mir letztendlich dann relativ "egal", weil es wohl doch nicht die wirkliche Liebe war, aber bei diesem einen, da wünschte ich wirklich es wäre anders gelaufen.

            • (5) 17.08.17 - 19:51

              Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich nicht sicher bin, ob es mich wirklich so belasten würde, wenn der Druck von Außen nicht wäre. Ich bin gerne in Gruppen und alleine unterwegs, nach einer Zweierbeziehung verspüre ich kein dringliches Bedürfnis. Ab und an denke ich mir zwar schon, dass es ganz nett wäre, einen Mann an meiner Seite zu haben, aber der Gedanke verfliegt jedesmal nach einigen Sekunden wieder.

              Außer eben bei meinem "Angebeteten" von vor drei Jahren, das ist der einzige, um den ich trauere und bei dem ich mir wirklich wünschte, es wäre anders gelaufen und ich hätte mich normal verhalten.

              • Auch das kannst Du in Gesprächen heraus finden. Entweder bist Du tatsächlich lieber alleine, dann lernst Du, Dich da auch abzugrenzen. Oder Du findest über Dich heraus, dass Du aus lauter Angst lieber alleine wärst, weil das unkomplizierter ist. Und dann kannst Du die Angst bearbeiten.

                Und das solltest Du in Erfahrung bringen, bevor der nächste "Angebetete" kommt, denn das kann durchaus wieder passieren. :-)

                Lass das mal sacken, eilt ja nicht.

      Ich möchte Dir raten, keine Männer mehr zu daten und dir einen Therapieplatz zu suchen.
      Das hat sicherlich seine Ursachen, deshalb ist Dein Verhalten sicherlich therapeutisch zu behandeln.

      • (8) 17.08.17 - 19:48

        Danke für deine Antwort.

        Ich bin nur immer davon ausgegangen, dass mir ein Therapeut wohl einen Vogel zeigen würde, wenn ich mit dem Problem ankäme. Weil es ja wirklich schlimmere Dinge gibt. Wie verhält sich das denn überhaupt mit Therapieplätzen, Wartezeiten etc.?

    (9) 17.08.17 - 20:42

    Hallo,

    wenn du unter der Situation leidest, würde ich auch Gespräche mit einem Therapeuten empfehlen.
    Aber wenn du einfach nicht das Bedürfnis nach Intimität haben solltest, heißt das noch lange nicht, dass mit dir "etwas nicht stimmt".
    Hast du schon von Asexualität gehört?
    Daran musste ich spontan bei dir denken.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Asexualität

    Oder ist dir nur emotionale Nähe "zuviel"?
    Am Wichtigsten finde ich die Abgrenzung zu deinen Wünschen und Bedürfnissen, sprich: Wenn du selber glücklich bist und dich so akzeptierst, damit gut leben kannst etc. - dann ist alles gut.
    Lass dich gesellschaftlich nicht unter Druck setzen, was alle für "normal" halten.

    Wenn du selber unglücklich bist und Leidensdruck spürst, dann such dir Hilfe.

    Denk nur immer dran:
    Du musst dich nicht verbiegen, um einem theoretischen Gesellschaftsideal zu entsprechen.
    Es gibt so viele unterschiedliche Bedürfnisse, was Sozialkontakte, Nähe und Sexualität angeht.

    Ich wünsche dir alles Gute

    • (10) 17.08.17 - 21:07

      Hallo,

      An Asexualität dachte ich auch bereits. Allerdings verspüre ich durchaus Lust, mache also auch Selbstbefriedigung (oh Gott, darf man hier sowas schreiben? #hicks) und habe da auch Fantasien und so ... Nur der Gedanke daran, dass bein richtigen Sex noch eine weitere Person dabei wäre, macht mir Angst. Wie du schreibst, es ist vor allem diese emotionale Nähe, die mir Angst macht. Jemandem Zugang zu meiner Gefühlswelt zu gewähren etc.

      • (11) 17.08.17 - 21:58

        Vielleicht musst du dich nur noch mehr damit beschäftigen, Asexuelle haben durchaus auch eine Libido und Selbstbefriedigung gehört da auch zu

        Aus dem Wikipedia Link:

        "Asexualität sollte auch nicht mit dem Fehlen einer Libido im Sinne des spontanen Auftretens von sexueller Erregung oder dem Bedürfnis nach Masturbation verwechselt werden. Diese allgemeine Libido kann bei Asexuellen wie bei jedem anderen Menschen stark oder schwach ausgeprägt sein. "

        Ich hab mich damit bißchen intensiver beschäftigt, weil ich einen Bericht gesehen hatte und das Thema mir vorher unbekannt war.

        Ach Mensch, egal, wie es bei dir weitergeht:
        Ich wünsche dir alles Gute

Hallo Angsthäschen

Erstens darfst Du Dir kein schlechtes Gewissen einreden, weil Du mit 23 noch keinen Sex hattest. Ich z.B. hatte mein erstes Mal mit 25 - so what #liebdrueck

Zweitens kommt mir der Gedanke - entschuldige, falls ich absolut falsch liege - dass Du womöglich sexuell misshandelt worden bist. In der Kindheit etwa? Sorry, ich habe das jetzt einfach mal in den Raum geworfen, weil ich starke Selbstschutzreaktionen bei Dir erkenne. Du gehst in Deckung, ekelst Dich usw., sobald es klar in die "Richtung" geht.

LG und ich hoffe, dass Du das Problem lösen kannst.
mindgames

  • (13) 17.08.17 - 21:17

    Danke für deine liebe Antwort #liebdrueck

    Soweit ich weiß ist da nichts vorgefallen, also sexueller Missbrauch o.ä. Wobei ich da auch schon manchmal drüber nachgedacht habe, weil ich mit Körperkontakt schon immer Probleme hatte. Aber wie gesagt, mir fällt da kein konkretes Erlebnis ein #kratz

    • Hallo!

      Ich muss gestehen, das war auch mein erster Gedanke. Deine Reaktionen sind schon sehr extrem und gehen dabei deutlich über normale "Oh Gott, ich will mich nicht festlegen"-Angst hinaus. Dass du dich einmal nach einem Kuss übergeben musstest, ist schon eine krasse Reaktion deines Körpers, die ich mir eigentlich nur mit einer Panikattacke erklären kann.

      Jetzt ist die Frage: Woher kommt das? Du warst einmal sogar verliebt und hast dennoch so reagiert. Meiner Meinung nach gibt es da eine tiefere Ursache. Da kann dir aber wirklich nur ein Therapeut weiterhelfen. Es gibt auch Fälle, in denen alles mit Missbrauch in der Kindheit erklärt wurde, obwohl da gar nichts war. Letztlich wurde den Frauen aber so glaubhaft eingeredet, dass da was gewesen sein MUSS, dass sie schließlich komplett davon überzeugt waren, falsche Erinnerungen aufbauten etc. Von daher solltest du DEFINITIV einen Profi ranlassen, damit da kein Humbug betrieben wird!

      Ich wünsche dir alles Gute!

(15) 18.08.17 - 07:51

Hallo!

Es hört sich schon so an, als hättest du eine Bindungsangst. Jedoch scheinbar eine sehr ausgeprägte. Mein Freund hat(te?) das auch, aber bei weitem nicht so schlimm, wie es sich bei dir zeigt. Er hat mich verlassen, ohne zu wissen warum, hat Dinge getan, von denen er wusste, dass mich das ärgert, hat mich verletzt, ohne dass er es wirklich wollte, aber er hat es getan und deshalb irgendwann auch den Kontakt abgebrochen. Trotz dem Wissen, dass er mich liebt. Ein halbes Jahr später (in der Zeit hatten wir eigtl nur 2-3 Wochen gar keinen Kontakt) stand er vor meiner Tür, hatte begriffen, was mit ihm ist und wir gingen zur Paarberatung. Mittlerweile haben wir einen Neustart geschafft, wohnen wieder zusammen, sind glücklich. Für ihn war es harte Arbeit. Für mich natürlich auch. Aber: Man kann es schaffen, sobald man sich eingestehen kann, dass es einem nicht gut geht.

Du hast es dir eingestanden, das ist gut! Wie gesagt, denke ich, dass es bei dir schon sehr extrem ist. Ich denke, mit dem Gang zu einer Therapeutin wirst du nix verkehrt machen. Wer weiß, wo der Ursprung liegt. Ich wünsche dir viel Kraft für die bevorstehende Zeit!

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