Es ist viel schwerer, als ich dachte, meinem eigenen Rat zu folgen.

    • (1) 23.08.17 - 17:09
      Sinnundunsinn

      Hallo liebe Leser,

      normalerweise schreibe ich hier nicht in schwarz und auch nur als antwortende nicht als Fragesteller.

      Heute geht mir aber mal einiges im Kopf rum, das ich gern raus lassen will, damit ich mir vielleicht etwas Klarheit und hoffentlich nicht neutrale, sondern eure Meinungen dazu bekomme.

      Zu mir generell:

      Ich bin 35, verheiratet, ein Kind (10) und arbeite seit fast 10 Jahren in dem gleichen Büro mit dem gleichen Chef.

      Ich verdiene so viel, dass es reicht. Mein Mann verdiente immer Mindestlohn, jetzt seit 3 Monaten endlich mehr, sodass die finanzielle Lage generell viel entspannter ist.

      Ich achte(te) immer sehr auf mich, da ich an einer Stoffwechselkrankheit erkrankt war und dadurch bis 2014 sehr damit zu kämpfen hatte. Beruflich bin ich immer gut vorwärts gekommen, erhielt Gehaltserhöhungen, bessere und forderndere Arbeitsbereiche usw. Ich machte freiwillig Home Office statt Kinderkrankentage, um mein Büro zu unterstützen und keine Kinderkrankentage zu nehmen. Ich arbeitete erst seit 2 Jahren "normal", also 40 h die Woche - davor immer viel zu viel, weil so viele Probleme anfielen, für die ich Ansprechpartner war und mir die Arbeit als Lebensinhalt sehr am Herzen lag.

      Zuletzt:

      In den vergangenen 2 Jahren seit Erkennen meiner Stoffwechselerkrankung habe ich viel umgestellt. Ich treibe besser Sport, esse ganz anders, lebe insgesamt besser und gesünder - die Arbeit wurde zunehmend weniger wichtig in meinem Leben (außer finanziell natürlich, aber das geht ja wohl allen so, sonst würden wir nicht arbeiten).

      Ich fühlte mich aber zunehmend ausgebrannt, wurde häufiger krank (Erkältungen, Viruserkrankungen usw.), ich brach im Alltag immer wieder ein.

      Seit 20 Jahren leide ich periodenweise unter Depressionen. Diese wird man nie so ganz los, aber ich hatte sie immer gut in Schach und mich immer wieder gefangen.

      In den vergangenen 7 Wochen wurde es ganz schlimm.

      Ich litt unter einer Grippeerkrankung. Dadurch wurden meine wenigen Kraftreserven komplett verbraucht. Ein Wochenende reicht schon lange nicht mehr, um die Reserven aufzufüllen.

      Zudem muss ich mich um alles immer alleine kümmern, da mein Mann auf Montage ist (einkaufen, Kind krank, alles was mit der Arbeit zu tun hat, Haushalt, mich selber ...).

      Ich bin so richtig abgestürzt, habe teilweise tagelang nicht mehr geduscht, nur auf dem Sofa geschlafen, hatte Alpträume, wusch meine Haare nicht mehr. Zähneputzen war teilweise auch ein Fremdwort.

      Haushalt wurde das nötigste gemacht, aber nicht mehr mit Leidenschaft und Freude im Leben.

      Um mein Kind habe ich auch nicht wirklich gekümmert, ist ja auch nicht mehr so klein.

      Ständig bin ich nachmittags eingeschlafen, weil ich so k.o. war, teilweise sogar auf Arbeit (wenn keiner da war).

      Ich habe nicht mehr gekocht, nur noch das nötigste eingekauft, mich zur Arbeit geschleppt und alles versucht zu überspielen - aufgrund der Urlaubszeit gelang das auch gut.

      Sport habe ich auch nicht mehr gemacht und oft sehr ungesund gegessen.

      Aktuell:

      Ich habe seit letzter Woche Urlaub. Die erste Woche habe ich nur verschlafen, egal ob tags oder nachts. Ich war so k.o. und müde, dass ich nur gepennt habe.

      Wenigstens habe ich die grundlegende Körperhygiene wieder aufgestellt - es ist zwar schlimm, wie es war, aber ich war einfach massiv fertig.

      Die meiste Zeit im Urlaub bin ich gar nicht erst aus dem Bett aufgestanden.

      Nichts - absolut gar nichts - macht mir Spaß. Museum - doof. Zoo - doof. Spielplatz - superdoof. Gesellschaftsspiele - doof...

      Jetzt in der zweiten Woche habe ich etwas mehr Energie, verschlafe aber immer noch fast alles und bin sehr lustlos.

      Ich weiß gar nicht, wo meine Lebensfreude hin ist - ich hab wirklich Angst, dass ich mich quasi "kaputt gearbeitet" habe und jetzt meine Leistungsfähigkeit weg ist.

      Ich habe immer so viel gemacht, so viel Spaß gehabt und immer den Weg nach vorne gefunden.

      Immerhin ist man nur was wert, wenn man leistet/leisten kann.

      Beim Arzt war ich letztens wegen einer Panikattacke. Die Antwort des Arztes: Denken Sie einfach nicht mehr an das, was Sie beschäftigt. Dann legt sich das.

      So, jetzt zu meinem Dilemma:

      Wäre ich nicht ich, sondern eine antwortende Person und würde die Lage kennen, würde ich wie folgt antworten:

      Das ist ja schlimm, wie es Dir geht. Das wichtigste in Deinem Leben bist Du selber. Dir muss es als aller erstes gut gehen.

      Dein cholerischer, fordernder Chef tut Dir nicht gut - das weißt Du ja schon seit Jahren. Wahrscheinlich ist Dein dickes Fell langsam löchrig.

      Du hast auch viel zu viele Aufgaben, gib etwas ab - spann die Familie mit ein und lass Dich auch mal fallen.

      Wenn Du Dich um Dich selbst schon nicht mehr kümmerst und nicht mehr lachen kannst, wird es höchste Zeit zum Arzt zu gehen und sich gründlich durchchecken zu lassen. Den Arzt, den Du da erwischt hast, würde ich auch sofort wechseln. Von Kompetenz keine Spur.

      Geh zum Arzt und schildere da alles, wie Du es hier auch geschrieben hast, druck Dir das notfalls aus. Und dann lass Dich erst einmal krank schreiben, damit Du zur Ruhe kommen kannst und wieder neue Kraft tankst. Je nachdem, was Blutuntersuchungen usw. sagen, hilft Dir vielleicht eine therapeutische Therapie oder auch Antidepressiva - das muss dann der Therapeut entscheiden.

      Kümmere Dich erst um Dich - für alles folgende gibt es eine Lösung, wenn es soweit ist.

      Ja, das würde ich demjenigen wohl raten.

      Aber ich bin verzweifelt. Ich traue mich nicht zum Arzt, weil bei einer längeren Krankschreibung mein Job definitiv weg wäre - dafür sind wir ein zu kleines Unternehmen und ich habe so hart für meine aktuelle Stellung und Gehaltsschein gearbeitet.

      Ich kann einfach nicht mehr und wünsche mir ein anderes Leben.

      Von euch Forumsgemeinde wünsche ich mir eure Meinung - so offen und ehrlich, wie Ihr sie mir nur geben könnt. Denn mir selber vertraue ich aktuell nicht.

      Anfeindungen, die möglicherweise kommen könnten, würde ich aber überlesen. Dafür habe ich aktuell keine Kraft.

      Ich hoffe auf ein konstruktives Gespräch, dass mir vielleicht verschiedene Möglichkeiten aufzeigt und Kraft gibt.

      Danke schon mal!

      Viele Grüße

      sinnundunsinn

      • Ich würde dir raten, dringend einen Arzt aufzusuchen. Für mich liest sich das, als wärst du an einem Burnout Syndrom erkrankt.
        Warum sollte dein Arbeitgeber dich gleich kündigen?

        Du solltest schnell reagieren. Viel Glück!

        (3) 23.08.17 - 17:43

        Hallo,
        mach geistig nicht so viele Baustellen auf:
        Du brauchst ganz schnell einen Psychologen/Psychiater.
        Du MUSST nicht krankgeschrieben werden, wenn du davor Angst hast, wichtig ist nur, dass du am Besten sofort anfängst, den Ärzten auf Band zu sprechen, damit du möglichst schnell in Behandlung kommst.

        Ich wünsche dir alles Gute!
        Bitte zögere nicht, deine Hauptpriorität sollte deine Depression sein, wenn du deswegen in Behandlung bist, kannst du weitere Schritte planen.

        Ohne diese Behandlung fehlt dir das Fundament - ich kenne das selber.
        Der Rest ist sicher wichtig und kann in Angriff genommen werden, aber nicht alles gleichzeitig!
        Wenn du es nicht schaffst, allen auf Band zu sprechen, bitte deinen Mann oder einen Freund/Freundin um Hilfe.

        Deine Kontaktdaten hinterlassen und um Rückruf bitten, können diese auch.
        Es gibt da ja echt zum Teil lange Wartelisten, also gleich anfangen (lassen).
        Gibt es ein Frauenzentrum in der Nähe?
        Die hatten auch mal einen psychiatrischen Notdienst o.ä (evtl. auf Google gucken).

        "Ich traue mich nicht zum Arzt, weil bei einer längeren Krankschreibung mein Job definitiv weg wäre - dafür sind wir ein zu kleines Unternehmen und ich habe so hart für meine aktuelle Stellung und Gehaltsschein gearbeitet."

        Ein Arzt kann Dich krank schreiben, aber Du musst die Krankschreibung ja nicht benutzen. Niemand kann Dich zwingen, sie abzugeben, selbst wenn sie Dir ein Arzt gegen Deinen ausdrücklichen Willen ausstellt. I.d.R. reicht es aber, dem Arzt zu sagen, dass man nicht krank geschrieben werden möchte.

        Meine offene und ehrliche Meinung: Du kannst weiter durchhalten, bis Du irgendwann zusammenbrichst. Dann fällst Du aber bestimmt richtig lange aus und es hat sowohl Konsequenzen im Arbeits- als auch im privaten Umfeld. Im Übrigen tippe ich auch auf Burn Out, die Symptome passen. Google mal selbst.

        Also bitte, geh zu einem kompetenten Arzt, der oder die tatsächlich daran interessiert ist, Dir zu helfen. Man soll Dich erst einmal gründlich auf den Kopf stellen, sämtliche Blutwerte untersuchen und falls hier nichts zu finden ist, Dich an einen Neurologen mit psychiatrischer Ausbildung überweisen.

        Und falls Du das nicht alleine schaffst: Mach den Mund auf und rede mit Deiner besten Freundin, die begleitet Dich doch sicher und steht Dir bei! :-)

      • Deine Schilddrüse ist ok?
        Könnte auch eine Unterfunktion sein

        Hey, google mal Fatigue-Syndrom nach einer Virusgrippe, das ist gar nicht mal so selten.

        Du brauchst Ruhe und viel Schlaf, Vitamine und auch mal einen Check-Up durch den Arzt, vielleicht ja wirklich die Schilddrüse und/ oder Eisenmangel.

        Auf eine Depression würde ich mich nach so einer Erkrankung jetzt mal nicht versteifen, du bist ja hauptsächlich erschöpft und warst sehr krank.

        Gute Besserung!!!

        • (7) 23.08.17 - 20:58

          Sie kämpfte aber vorher bereits viele Jahre mit Stoffwechselstörung, depressiven Episoden und scheint generell nicht so belastbar, wie sie es sich aus beruflichen Gründen wünscht. Der aktuelle Zustand kommt nicht von ungefähr.

      Hallo

      jetzt aktiv zu werden ist schwer ,das kann ich mir vorstellen.
      Trotzdem:

      <<<<<Beim Arzt war ich letztens wegen einer Panikattacke. Die Antwort des Arztes: Denken Sie einfach nicht mehr an das, was Sie beschäftigt. Dann legt sich das.<<<<<

      Hausarzt wechseln, gr. Blutbild incl. Schilddrüdenwerte machen lassen.
      Was war das für eine Stoffwechselerkrankung die du hattest ?
      Zeitgleich Psychologen ( als Notfall ) suchen.
      Hol dir Hilfe.
      Jetzt.

      #klee

      L.G.

      Ich habe den Eindruck, dass du dir jetzt wo etwas Ruhe eingekehrt ist, den Zusammenbruch erlaubst. Es war wohl alles zu viel für dich in den letzten Jahren und du reagierst jetzt mit Burnout, d.h. mit einer Depression.

      Ich würde gezielt einen Psychotherapeuten aufsuchen, um Hilfe zu suchen. Dafür musst du nicht krank geschrieben werden.

      Kriegst du alles wieder in den Griff während du weiterarbeiten wirst?

      Falls nicht, ist es sowieso nur eine Frage der Zeit bis du dich krankschreiben lassen musst. Du verschiebst nur das Problem auf später.

      Alles andere hast du ja schon selbst sehr gut analysiert und ich denke, dass du da keinen weiteren Rat benötigst.

      Hallo meine Liebe, du kennst selbst die richtige Antwort- geh zum Arzt und zwar zu einem Psychiater. Wahrscheinlich hast du ein Burnout oder eine akute Depression und du musst medikamentös eingestellt werden. Dazu vielleicht eine Kur und eine Psychotherapie. Keine Ahnung. Ich bin kein Arzt.

      Was ist deine Alternative, wenn du nicht zum Arzt gehst ? So weiter machen wie bisher und dann richtig zusammenbrechen? Vielleicht sogar auf der Arbeit ? Glaubst du, dein Kind merkt nicht, das etwas nicht stimmt mit Mama ? Wenn du noch länger wartest, machst du alles nur noch schlimmer. Also zögere nicht und mache morgen direkt einen Termin ! Das musst du dir selbst wert sein - Karriere ist nicht alles ! Kennst du den Spruch: "Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts!? " Ich finde, da ist was Wahres dran ! Mein Papa hat damals vor 24 Jahren meine Mutter zwangseinweisen lassen, weil es nicht mehr anders ging. Da war ich 12 und werde es bis heute nicht vergessen. Also glaub ja nicht, dein Umfeld bekommt nichts mit!

      Alles Liebe und viel Kraft!

      (12) 23.08.17 - 21:48

      Guten Abend,
      welche Stoffwechselerkrankung hast du wenn ich fragen darf?

      Es wurde schon weiter oben angeregt, die Schilddrüse untersuchen zu lassen. Das würde ich dir, sofern noch nicht geschehen eindringlich raten. Bevor du dich mit Antidepressiva vollstopfen lässt, lass dich durchchecken. Oft steckt auch ein heftiger Mangel dahinter. Vitamin B, D......würde auch sehr gut zu den Symptomen passen.

      Wenn du magst, melde dich gerne über PN.

      LG#winke

      Ich möchte Dir kurz und knapp antworten. Bekomm Deinen Hintern hoch und begieb Dich in eine Therapie. Du vernachlässigst nicht nur Dich, sondern auch Dein Kind und schon darum würde ich alles daran setzen, daß mir geholfen wird!

    Eines ist mir durchlesen sofort aufgefallen:

    "Immerhin ist man nur was wert, wenn man leistet/leisten kann"

    Ich frage mal: Ist das so???

    Das scheint Dein Glaubenssatz zu sein, da kannst Du ansetzen, am Besten mit therapeutischer Hilfe.

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