Ich kann mich nicht ändern ..

    • (1) 26.08.17 - 11:57

      Guten Morgen,

      ich weiß nicht, an wen ich mich wenden soll für konstruktive Meinungen und Ideen, daher versuche ich es jetzt so:

      Ich bin unzuverlässig, undankbar, sprunghaft, naiv, egoistisch und kritikunfähig und bekomme das nicht raus.

      Ich lese Bücher zu der Thematik, denke darüber nach, aber wenn es zu einem Fall kommt, ist es, als würde in meinem Kopf ein Automatismus abgespielt, den ich nicht kontrollieren kann.

      Es sind Kleinigkeiten, aber diese Kleinigkeiten machen gerade so ziemlich alles kaputt.
      Ich kann keine Kritik einstecken, weil ich mich sofort verteidige (ich will das nichtmal. Ich denke: "Du hast Kacke gebaut. Bleib ruhig, entschuldige dich einfach und damit ist die Sache vom Tisch."). Aber dann kommt ein Spruch und dieser Automatismus läuft ab und es sprudelt einfach aus mir raus. Ich möchte mich kontrollieren, aber habe das noch nicht im Griff und meine Beziehung leidet sehr darunter.

      Ich bin an einem Tag von etwas felsenfest überzeugt und fange an - aber ich bringe nichts zuende, weil ich zwei Tage später nicht mehr überzeugt bin.

      Ich kann mich nicht mehr richtig über Dinge freuen. Kurz schon - aber nach kurzer Zeit ist es für mich normal und ich kann keine weitere Dankbarkeit empfinden.

      Manchmal bin ich so glücklich, dass ich platzen könnte (so stelle ich mir das unter Drogeneinfluss vor) und manchmal so traurig, dass ich mich nur noch verkriechen und nichts mehr hören und sehen möchte.

      Ich weiß nicht, was mich zufrieden macht. Ich bin dauerhaft unzufrieden (außer in diesen "Hochs").

      Keiner meiner Jobs hat mir wirklich Spaß gemacht.

      Momentan bin ich zuhause, und abwechselnd sehr zufrieden und unzufrieden.

      Ich habe bald einen Termin beim Therapeuten und weiß abwechselnd nicht, ob ich das brauche und denke, ich sollte absagen, weil alles gut ist und dann denke ich wieder, dass es sehr sinnvoll ist.

      Ich will nicht rumheulen, aber ich habe das langsam alles nicht mehr in Griff.

      Mein Freund sagt "Du musst einfach deine Einstellung zu den Dingen ändern", aber ich falle immer wieder zurück.
      Ich bremse ihn und dessen bin mir auch noch voll bewusst.

      Ich schätze, ich brauche wirklich Hilfe.

      Vielleicht hat ja jemand eine Idee dazu und kennt das Problem.

      Danke schonmal vorab.

      • (2) 26.08.17 - 12:41

        hallo,

        du kannst dich nicht ändern.
        du kannst dich nur annehmen, wie du bist.

        das klingt erst mal schräg... aber erst, wenn du dich annimmst, wie du bist, kannst du dich komplett, mit allem, was du bisher erlebt hast, mitnehmen und Veränderungen in Gang bringen.

        Veränderungen würde ich immer kleinschrittig nehmen und erst mal nur eine Sache, damit nicht immer wieder das Erlebnis des Misserfolgs vor dir steht und dich eher demotiviert.
        ... und Tagebuch schreiben, deine Erfolge notieren.
        ... und kleine Zwischenbelohungen....
        ... und ein Armband oder etwas, was dich immer wieder daran erinnert, wohin du möchtest
        ... und alles aufschreiben, wie du gerne in einem Jahr sein möchtest, was du umgesetzt hast und wie du dafür Unterstützung gefunden hast, etc... und spüren, wie es sich anfühlt, wenn du es schaffst.

        ... das fällt mir so spontan ein.
        ;-)
        lg

        Bist Du schon mal auf ADHS getestet worden?

        Schau mal hier http://www.adhs-ratgeber.com/25-hinweise-auf-adhs.html gibt es eine Liste möglicher Symptome bei Erwachsenen.

        Hey Du,

        Dein Beitrag hört sich für mich so, als wüßtest Du nicht, was Du mit Dir und Deinem Leben anfangen sollst - als hättest Du Dich selbst noch nicht gefunden. Vielleicht solltest Du da anfangen. Heraus finden was Dir Spaß macht und was nicht, was Dein Intresse und vielleicht sogar Deine Neugier weckt. Was Du gut kannst und was so gar nicht geht.

        Ich finde zum Beispiel erstaunlich, dass Du trotz all Deine beschriebenen Macken - objektiv und ehrlich Dir selbst eingestehst, dass das und das gar nicht geht und Du auch merkst, wann es wieder los geht. Vielleicht gelingt es Dir irgendwann, wenn es wieder los geht, einzuhalten und dem ersten Impuls nicht nachzugeben, sondern etwas völlig anderes zu machen, zB einfach nichts. Es aushalten, dass es in Dir brodelt und beobachten, was in diesen Momenten mit Dir geschieht.

        Ich glaube mit Hilfe eines Therapeuten kann es Dir bestimmt gelingen. Und letztlich hast Du nichts zu verlieren, wenn Du den Tetmin wahrnimmst - obwohl Dein Impuls dagegen spricht.

        Ich wünsche Dir alles Gute!

      • Hallo,

        dass dein Freund mit im Boot ist und dir helfen kann, ist doch schon mal super!!

        Ich würde erstmal mit Kleinigkeiten anfangen und dann langsam steigern. Also: sich für Kleinigkeiten entschuldigen, bei denen es nicht so schwer fällt. Du schreibst "und dann kommt da so ein Spruch..." versuch mal, herauszufinden, was für "Sprüche" es sind, die solche Automatismen bei dir auslösen. Vielleicht kann dein Freund dir helfen, indem er - zumindest vorübergehend - seine Wortwahl gezielt steuert.

        Wenn es dann im Kleinen und Zuhause klappt, kann man auf größere Probleme und das Leben "draußen" zugehen.

        Das betraf jetzt alles die Kritikfähigkeit - mit anderen Dingen würde ich aber ähnlich vorgehen: klar, solange man Zuhause ist (du schreibst nicht warum: Arbeitslos, Elternzeit...?) ist es oft schwierig, konsequent Pläne umzusetzen. Man hat ja so viel Zeit... Aber wenn es dich stört, nimm dir erstmal nur Dinge vor, die innerhalb eines Tages erledigt sind. Oder innerhalb einer Stunde. Und dann langsam steigern.

        Zum Therapeuten kann ich nur sagen: ein guter Therapeut würde dich sicher auch wieder wegschicken, wenn es keine Baustellen gibt, die in seinen Zuständigkeitsbereich fallen ;-) Schaden wird es sicher nicht. Also würde ich das in jedem Fall machen. Ist ja in jedem Fall eine spannende Erfahrung. Und wann und wo hat man schon mal Gelegenheit, soviel über sich selbst zu reden, ohne als egozentrisch hingestellt zu werden? ;-) Würde ich sofort tun ;-)

        LG!

        (6) 26.08.17 - 13:01

        Zunächst einmal solltest du mal eine Bilanz ziehen. Du schreibst hier von deinen Unzulänglichkeiten. Die hat aber jeder Mensch. Es gibt keine perfekten Menschen. Du hast daneben sicher auch ganz viele positive Eigenschaften. Auch dererer solltest du dir bewusst werden und dich erst mal so annehmen, wie du bist.

        Mit Kritik können viele Menschen nicht gut umgehen. Wenn du in dem Moment überreagierst, ist es sinnvoll später noch mal auf das Thema zurückzukommen, wenn du die Zeit hattest darüber nachzudenken und dich ggf. später entschuldigen. Schließlich geht es bei Kritik nicht um die Reaktion, sondern um die Einsicht und die kommt manchmal erst etwas später.

        Du solltest nicht versuchen nicht von grund auf umzukrempeln. Das geht meist in die Hose. Wenn man Eigenschaften hat, die einem im Leben im Weg stehen, dann sollte man sie nach und nach angehen. Nimm dir immer nur eine Sache vor und konzentriere dich darauf. Wenn du also unzuverlässig bist, dann nimm dir vor Absprachen einzuhalten. Führe einen Terminplaner, stell dir Erinnerungen im Handy, nimm keine Termin oder Aufgaben an, von denen du im Voraus schon ahnst, dass du sie nicht wahrnehmen oder einhalten kannst. Rechne Puffer mit ein. Irgendwann automatisiert sich das und wird selbstverständlich für dich. Und versuche das ganze nicht als riesengroßes Problem anzusehen, sondern als eine Herausforderung, die man meistern möchte zu betrachten.

        Das gute ist, dass wenn man nur eine Sache ändert, dann löst das eine Kettenreaktion aus. Wie der erste Dominostein der fällt und du wirst feststellen, dass sich auch andere Dinge zum Positiven verändern.

        Ich würde dir darüber hinaus auch Achtsamkeitstraining wie Yoga oder noch besser Feldenkrais empfehlen. Die Feldekraismethode basiert auf der Aufmerksamkeit durch Bewegung, lässt neue Synapsen im Gehirn entstehen und beeinflusst und verändert somit auch enorm unsere Denkstrukturen.

        Und zu guter Letzt solltest du dir einige Fehler und Rückschläge zugestehen. Niemand ist perfekt und jedem passieren Fehler. Es ist nicht schlimm hinzufallen, man muss nur wieder aufstehen.

      • (7) 26.08.17 - 13:37

        Für mich klingt das etwas manisch-depressiv. Das sollte behandelt werden, deswegen, ja geh zum Arzt.

        Danke ihr Lieben für eure Meinungen,

        ich bin zuhause, weil ich auf Depressionen krankgeschrieben bin seit 2 Monaten, aber so richtig diagnostiziert wurde da noch nichts.
        Das kommt ja jetzt hoffentlich, damit ich weiß, was los ist und wie ich handeln kann.

        Ich versuche wie gesagt schon eine Weile, damit zurechtzukommen.

        Ich habe Freunde und Familie gefragt, was sie an mir schätzen, was mich ausmacht, was an mir positiv ist, aber es ist für mich nicht greifbar.
        Ich freue mich dann zwar schon, aber sobald ich eine negative Sache bemerke, reißt es mich wieder komplett runter. Ich kann mich nicht an den positiven Dingen festhalten.

        Ich lese Bücher über positives Denken, und kurzfristig motiviert mich das auch sehr.
        Ich habe immer wieder "helle Momente" wo ich denke "Jetzt hab ich das endlich verstanden."

        z.B. dass man Dinge zuende machen sollte, wenn man sie beginnt.
        Dass Geben einem sehr viel mehr gibt, als zu Nehmen.
        Dass es nichts schlimmes ist, sich Zeit für sich selbst zu nehmen.
        Dass man nicht alles auf einmal machen muss.
        Dass manche Dinge objektiv betrachtet wichtiger sind als andere.

        Ihr seht, ich fang da echt bei Null an.

        Und manchmal bricht das komplett über mir zusammen. Dann bin ich in meinem Film und komm nicht raus. Es ist, als würde ich mich an allem, was ich mal war, festhalten.

        Ich will nicht mehr so sein, wie ich mal war und ich mache, glaube ich, auch Fortschritte, aber ich hab immer wieder diese wahnsinnigen Phasen, in denen ich absolut tief sinke.
        Und diese Phasen muss man doch irgendwie wegbekommen können, oder?

        Sie gehen mittlerweile schon schneller vorbei, glaube sie sind zwar schon kürzer, aber dafür intensiver geworden.

        Vorhin wars wieder katastrophal schlimm, jetzt geht's wieder einigermaßen.

        Und ich hab so seltsame Grenzen in meinem Kopf, die ich noch nicht öffnen kann.
        Mein Denken ist so unfassbar beschränkt. Ich glaube nicht, dass ich wirklich dumm bin, mein Denken ist nur unglaublich beschränkt.

        Auch das sollte man doch irgendwie öffnen können.

        Danke euch auf jeden Fall schonmal für eure Meinungen und Ideen, einiges kann ich sicher gut umsetzen.

        • (9) 01.09.17 - 20:26

          Ich habe mir jetzt nicht alle Antworten durchgelesen... wollte lediglich mal wissen, ob du neben deinen "psychischen" auch gesundheitliche Probleme hast?

          Ganz liebe Grüße
          Saskia

      Hallo,

      zum Therapeuten zu gehen, ist eine sehr gute Idee! Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass du vielleicht Borderliner sein könntest?

      Leider schilderst du zu wenig und es sollte auf jeden Fall eine umfassende Diagnostik stattfinden!
      Geh auf jeden Fall zum Therapeuten, allein kommst du so oder so nicht weiter.

      Alles Gute!

      Man kann seinen Charakter nicht komplett verändern. Man kann Verhaltensweisen verändern, oder auch seine Einstellung ändern. Und vielleicht verändert man sich in Nuancen im Laufe der Zeit.

      Aber der Charakter an sich lässt sich nicht komplett umkrempeln.

      Deshalb wäre es besser für dich, wenn du dich selbst erstmal so akzeptierst wie du bist. Nimm Dich selbst an. Verzeihe es dir und akzeptiere es.

      Dadurch löst du bestimmt das eine oder andere Problem von ganz alleine.
      In dem Moment, wo man nicht mehr gegen etwas ankämpft, wird es kleiner und vielleicht verschwindet es auch.

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