Unterschiedliche politische Meinungen belasten...

    • (1) 06.09.17 - 09:31
      Verheiratete42

      Hallo!
      Mein Mann und ich sind seit bald 20 Jahren ein tolles Team. Wir haben zwei Kinder, zwei Jobs, Wohnung, Katze und leben ein gutes Leben.
      Wie in jeder Beziehung gibt es Hochs und Tiefs, auch muss ich zugeben, dass wir uns in den letzten Jahren verändert haben. Auseinandergelebt.

      Was mich aber zunehmend verunsichert, ist die unterschiedliche politische Einstellung, die wir entwickeln. Ich bemerke seit längerer Zeit, dass wir da in zwei völlig gegensätzliche Lager orientiert sind.
      Nun darf er meinetwegen jede politische Meinung haben, die er will. Ich kann aber seine Standpunkte absolut nicht nachvollziehen. Er meine ebenso wenig.
      Leider gibt das immer wieder Anlass zu Diskussionen (gerade jetzt vor den Wahlen). Ich versuche diese Themenbereiche zu vermeiden. Aber es nimmt Einfluss auf unser Leben, die Schulwahl/ Erziehung unserer Kinder, ...

      Mit der Situation, so wie sie jetzt ist, kann ich zwar leben. Aber ich befürchte, dass wird sich noch verstärken. Wisst ihr, was ich meine?

      Kennt jemand diese Situation? Wie geht man als Familie damit um?

      LG

      • Hallo,
        das ist tatsächlich eine dicke Belastungsprobe für eine Beziehung. Ich stell mir gerade vor, mit einem potenziellen AfD-Wähler zusammenzuleben, und wüsste, dass ich das nicht könnte. Mir reicht es schon, einmal im Jahr meinen Bruder zu treffen, der diesen ganzen Verschwörungstheoretikern auf den Leim gegangen ist und auch dem Reichsbürgermist sehr nahe steht. Ich vemeide Gespräche, die in diese Richtung gehen, aber er ist so infiltriert, dass man von jedem noch so belanglosen Thema ganz fix auf der politischen Schiene ist. Zum kotzen. Ich würde als Frau Reißaus nehmen. Das hat sich auch so langsam gesteigert, bis es immer bestimmender war für unsere Gespräche. Und wie blöd ist das denn, immer auf der Hut sein zu müssen vor Themen, die in politische Grundsatzdiskussionen führen. Das strengt mich schon an, wenn ich meinen Bruder mal ein paar Tage sehe. Im täglichen Umfeld bräuchte ich das sicherlich nicht.

        20 Jahre sind ne lange Zeit, da kann man sich entweder gut zusammen in die gleiche Richtung entwickeln oder jeder geht in eine andere Richtung. Und eine politische Grundrichtung geht sehr weit ins Private rein. Da sind Diskussionen einfach unumgänglich. Manche können das mit Kompromissen, tolerant und ruhig lösen, aber das sind eben auch so Grundsätze und -werte, die man durch seine politische Denkweise lebt. Sei es Mülltrennung, Ehrenamt, Schulform, Freizeitgestaltung, auf welche Seite der Demo gehen wir heute, tralala. Ich kann deinen Zwiespalt sehr gut verstehen. Keine Ahnung, ob ich das ausblenden könnte in einer Beziehung. Wahrscheinlich eher nicht. Kommt drauf an, wie extrem diese Unterschiede sind. Links/Rechts ginge ziemlich sicher schief.
        LG; palomita

        - akzezptieren, dass man auch selbst die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen hat, also sich irren könnte.

        - sich bewußt sein, dass es (fast) keine unabhängigen Medien mehr gibt, folglich auch die "Informationen" gefärbt sind

        - tolerant und respektvoll sein

        - geduldig zuhören und lernen fair und sachlich zu diskutieren

        - die Themen meiden

        - auch die eigene Einstellung kritisch beleuchten

        Wenn ich merke, dass jemand eine krass andere politische Meinung als ich habe, dann besinne ich mich auf das was uns verbindet und diskutiere nicht mit ihm, aber ich oute mich auch nicht. Man macht den Wert eines Menschen nicht an seiner politischen Einstellung fest. Allerdings hat das auch Grenzen. Ich könnte nicht mit einem Menschen verheiratet sein, der bei seinen politischen Aktivitäten gegen das Gesetz verstößt, und z.B. Polizeiautos anzündet und Steine auf Polizisten wirft.

        • (4) 06.09.17 - 10:47

          Rein interessehalber:
          Könntest du mit einem Menschen zusammenleben, der eine Partei wählt, die politische Aktivitäten duldet, die gegen das Gesetz verstoßen?

          #winke Die Alltagsprinzessin

          • Das hatte ich doch geschrieben! Nein. Ich selbst habe ich klares Bekenntnis zum Grundgesetz und das würde ich auch von meinen Angehörigen erwarten.

            Im übrigen hat jeder im Öffentlichen Dienst und jeder Beamte sich zum Grundgesetz vereidigt.

            • (6) 06.09.17 - 12:23

              Nö, ganz so hattest du das nicht geschrieben. Du hast zunächst nur ausgeschlossen, mit jemanden liiert sein zu können, der selbst aktiv gegen das Grundgesetz verstößt.

              Ich frag mich das halt für mich selbst, z.B. nach den G20-Tumulten, ob ich mit jemanden zusammen sein könnte, der zwar nicht selbst aktiv Steine wirft, aber sehr links wählt mit dem Argument, dass die Inhalte der Partei ja gut sein und eine Partei nichts für das Verhalten all ihre Mitglieder kann.

              Und ich frage mich das bei allen, die mit der Idee liebäugeln bei der nächsten Wahl die AfD zu wählen, die in ihren Reihen ja Menschen duldet, die gegen das Grundgesetz verstoßen.

      Politik hat ganz viel mit Werten zu tun.

      Bei den etablierten Fraktionen im Bundestag zzgl. der FDP sind sicher einige dabei, deren Entscheidungen ich nicht gut finde, aber abseits der Debattenkultur im Bundestag gibt es da doch einen Konsens was gegenseitigen Respekt und Toleranz angeht oder ganz einfach den menschlichen Anstand.

      Sicher fallen da auch Mal Einzelpersonen raus aber es sind Profis.

      Was für mich gar nicht geht, sind politische Strömungen egal auf welcher Seite, die eben diesen Anstand und Respekt missen lassen und deren ganzes Konzept auf Abgrenzung zu einem bestimmten Thema beruht. Das ist keine Politik sondern Polemik.

      Mein Mann und ich sehen auch sehr vieles unterschiedlich. Wir würden beide Parteien wählen die wahrscheinlich nie miteinander koalieren. Aber wir können ruhig und respektvoll darüber sprechen und auch jeder für sich kann Punkte in den "eigenen" Parteiprogramme kritisch sehen.

      Wenn meinem Mann seine neue politische Meinung wichtiger ist als ein respektvoller Umgang mit mir, dann soll er das gerne ausleben, aber ohne mich.

      Hm.... vielleicht hilft es dir, dich mal mit seinen politischen Ansichten zu beschäftigen?

      Ich hab "früher" auch immer auf meinen politischen Standpunkten beharrt. Nun hatte ich ein paar Semester Politik, VWL und Soziologie an der Uni und muss sagen, dass mir dies wirklich einen "Weitblick" geschaffen hat. Es gibt eben nicht nur "die Politik", nur eine Sichtweise,nur einen Weg und eine Richtung. Das alles verschwimmt miteinander. Ich bin auch lange nicht mehr so frustriert wir vorher, da ich mitlerweile verstehe, warum bestimmt Dinge sein müssen um genauso zu leben, wie ich hier leben darf.

      Wenn jemand mit einem Tunnelblick durch die Welt geht, würde ich mit dieser Person Gespräche vermeiden. Denn es bringt eh nix.
      Du könntest also im Falle deines Partners meiner Meinung nach nur an deiner Sichtweise arbeiten. Deinen Mann wirst Du nicht ändern können.

      Liebe Grüße

      (9) 06.09.17 - 11:41

      Ach komm, wieder so ein Troll, der "Stimmung" machen will.
      Glaubst doch nicht im Ernst, dass jemand seine Gesinnung so extrem ändert. Quatsch. Und geh ins Bett.

      Es ist ja doch sehr schwer vorstellbar, dass ihr beide so sehr gegensätzlich seid, das aber 15 Jahre lang nicht mitbekommen habt.
      Also nehme ich an, dass Dein Mann relativ plötzlich seine vorherige Einstellung zur Politik und dem sozialen Leben geändert hat?
      Woran liegt das? Einfluss von neuem Freundes/Arbeitskreis?

      Wie macht sich das in eurem Leben bemerkbar?
      Dass beide Eltern unterschiedliche politische Ansichten haben, finde ich erstmal nicht weiter schlimm, auch nicht, dass man miteinander diskutiert. Das gehört zu einer Partnerschaft ja auch dazu und erweitert durchaus auch den eigenen Horizont.
      Voraussetzung ist natürlich: es ist eine politische Gesinnung, die nicht strafbar bzw. stark bedenklich (AfD, NPD,...) ist.
      Mit letzterem hätte ich so große Probleme, dass ich Ehe nicht fortführen wollen würde.

      Inwiefern haben denn eure unterschiedlichen politischen Einstellungen Auswirkungen auf die erziehung/ schulauswahl?

      Wenn ich mich nur noch mit Leuten umgeben würde, die meine politische Sicht teilen, dann ständ ich bald alle da.
      Ich gestehe meinem Partner zu, daß er wählen kann, was er für richtig hält.
      Überleg einfach, wie es für dich wäre, wenn dein Partner sich von dir trennen würde, nur weil es eine andere politische Meinung ist als seine.

      Ne, also sowas muß eine gute ehe aushalten können

      Hallo!

      Mit einem politischen Spektrum von den Linken bis zur CSU könnte ich problemlos leben. Bei der FDP wäre es schon wieder schwieriger, weil da wenig bleibt, was verbinden würde.

      Aber weder mit einem Marxisten noch einem AfD-Anhänger. Einfach weil da Normen und Werte nicht mehr zu mir passen. Ich will weder einen Mann an meiner Seite, der bei G20 Autos in Brand stecken toll findet, noch einen, der gegen die Asylbewerberunterkunft um die Ecke protestiert.

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