Liege ich so falsch?

    • (1) 07.09.17 - 10:34

      Guten Morgen

      ich habe ein paar Fragen bzgl. meiner Ehe, da ich das Gefühl habe, da läuft was schief. Allerdings sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht und brauche ein wenig Feedback von außen. Kann ja sein, dass ich völlig daneben liege und alles so ist, wie es sein soll - nur ich bin zu empfindlich?

      Mein Mann und ich sind seit 23 Jahren zusammen, seit 17 Jahren verheiratet. Wie haben zwei Söhne, einer davon ist schon selbstständig und wohnt nicht mehr bei uns, der andere ist knapp 16.

      Als der Große noch im Kindergarten war, habe ich halbtags gearbeitet. Als der zweite mit Beeinträchtigungen geboren wurde, musste ich meinen Job an den Nagel hängen, da er viele Therapien brauchte. Ich habe aber immer nebenher auf 450 € gearbeitet. Als er dann keine Therapien mehr brauchte und auch ganz normal zur Schule gehen konnte, hab ich in meinem alten Beruf den Fuß nicht mehr in die Tür bekommen und hab halt immer irgendwelche Minijobs gemacht.

      Während ich also immer für die Familie zurückgesteckt habe (ist ja auch in Ordnung, der Junge hat die Therapien wirklich gebraucht), hat mein Mann fleißig an seiner Karriere gebastelt, ist inzwischen Projektleiter, Bauleiter, durch Ausnahmegenehmigung seines Chefs sogar Sicherheitsfachkraft. Diese Weiterbildung dauerte 2 Jahre, er war immer mal wieder für 1 Woche weg von zu Hause. Ich hab ihm beim Lernen geholfen, hab seine Projektprüfung für ihn abgetippt, akzeptiere selbstverständlich seine unzähligen Überstunden und Telefonate während Wochenende, Urlaub usw. Schließlich zahlt sich das ganze ja aus. Wir profitieren natürlich davon, dass er mehr verdient und ich bin dafür sehr dankbar. Deshalb habe ich mich nie beschwert, wenn nachts um eins das Telefon klingelt, weil es auf einer Baustelle Probleme gibt.

      Nun ist es so, dass wir uns überlegt haben, unser viel zu großes Haus zu verkaufen. Wie gesagt, der Große ist schon ausgezogen, beim Kurzen liegt das auch nicht mehr in allzu ferner Zukunft. Unser (dachte ich zumindest) Traum wäre es, uns hier eine kleinere Wohnung zu suchen und uns vom Verkaufserlös ein Häuschen an der Nordsee zu kaufen. Darüber haben wir in den letzten Jahren immer wieder gesprochen und uns sogar schon potenzielle Immobilien angesehen. Auch jetzt erst wieder, als wir im Urlaub oben waren, haben wir uns zwei Häuser angeguckt, die unseren Vorstellungen am nächsten kämen. Am selben Abend haben wir uns über alle möglichen Themen unterhalten und er meinte dann, dass er sich nächstes Jahr nach langer Zeit wieder ein Motorrad zulegen will. Eins von der teuren und schnellen Sorte. Ich hab ihn dann gefragt, ob das mit dem Hauskauf dann hinfällig ist. Er meinte dann: "Jetzt bin erst ICH mal wieder dran!" Hä?

      Ich weiß, ich bin in die typische Hausfrauenfalle getappt. Immer zurückstecken zum Wohle der Familie. Ich hätte schon vor längerer Zeit die Bremse ziehen müssen. Aber irgendwie hab ich die Kurve nicht gekriegt oder verpasst, keine Ahnung. Jetzt steh ich da mit diesem Satz und bin reichlich geplättet. Selbst schuld, würde ich sagen. Aber wie hätte ich damit rechnen sollen? Er hat nie gesagt, dass er sich zurückgesetzt fühlt oder dass ihm was fehlt. Wir waren immer ein gutes Team, das Probleme besprochen hat. Und jetzt auf einmal so?

      Was meint ihr? Soll ich das jetzt auch schlucken?

      • Das eine schließt das andere doch nicht aus. SO teuer ist ein Motorrad auch wieder nicht, als das für das Häuschen am Meer keine Kohle mehr da wäre..

        Gruss
        agostea

        • Hi, agostea

          es geht weniger um die Kohle (wobei eine Harley auch schon mindestens 30.000 kostet) sondern mehr um diesen einen Satz, den er losgelassen hat. Ich hatte da mal kurz nen Reset im Kopf, weil sich mir beim besten Willen nicht erschließt, worauf er in den letzten Jahren hat verzichten müssen. Ich bin bei all seinen Entscheidungen hinter ihm gestanden. Als er vor 10 Jahren nebenher noch seinen Online-Handel gestartet hat (hab ich vergessen zu erwähnen) und halbe Nächte im Büro verbrachte, bis es läuft. Und ich hatte auch nicht erwähnt, dass er seit neuestem in der Handwerkskammer im Prüfungsausschuss sitzt UND dass er seit kurzem eine Trainerfunktion im örtlichen Kartverein übernommen hat.

          • Ich möchte deine Leistung nicht in Frage stellen. Aber meinst du für dein Mann hat all die Überstunden, Weiterbildungen, das Büffeln bis spät in die Nacht nur aus Spaß gemacht? Er hatte immerhin die alleinige finanzielle Verantwortung für eine 4-köpfige Familie.

            Ich kann schon verstehen, dass er sagt, ich bin jetzt auch mal dran.

    Nicht "schlucken", aber vorwurfsfrei ansprechen. Wenn sich bei Dir was angestaut hat, wieso nicht auch bei ihm? Während Du die ganze Verantwortung für die Familie hattest, hatte er die ganze Verantwortung fürs Geld - wenn ihr darüber nie gesprochen habt, woher soll der andere wissen wie unwohl man sich evtl gefühlt hat?
    wichtig wäre aber imho, dass du nicht zurück schiesst, sondern lieber signalisierst, dass Du Dich gerne mal in Ruhe unterhalten magst. Viel Erfolg dabei :)

    Hallo,

    ich kann dich verstehen, aber bevor du voreilige Schlüsse ziehst, solltest du nochmal mit deinem Mann sprechen. Dass er sich ein Motorrad zulegen will ist ja grundsätzlich legitim, wenn dann jedoch nicht mehr das nötige Geld für euer Häuschen an der Nordsee vorhanden sein sollte, müsst ihr drüber sprechen.

    Du hast in den letzten Jahren der Familie zurückgesteckt und nur weil dein Mann sich nun ein Motorrad kaufen will, heißt das nicht, dass du in die Hausfrauenfalle getappt bist. So wie ich es rauslese, arbeitet dein Mann sehr viel, mit dem Motorrad hätte er (theoretisch täglich) einen Ausgleich. Dies bedeutet doch aber nicht, dass euer Hauskauf damit hinfällig ist,

    Eine gesunde Portion Egoismus sollte in jeder Partnerschaft/Ehe vorhanden sein!

    Lg Annika

    Hallo,

    hat dein Mann denn den Hauskauf klar ausgeschlossen?

    Ich sehe es wie agostea, ein Motorradkauf schließt einen Hauskauf nicht aus.

    Im Übrigen ist mein Mann früher auch Motorrad gefahren und schaut immer mal nach bestimmten Typen. Ich weiß, dass es sein großer Wunsch, wieder eines zu besitzen.
    Allerdings haben wir am Haus noch ein paar Sachen, die gemacht werden sollen. Ich bin mir sicher, dass er sich danach eines zulegen wird. Soll er, ich gönne es ihm. Er ist Schichtarbeiter und zu Hause ein fleißiger Handwerker, kocht sogar, bügelt, wenn es sein muss, unterstützt mich, wo er kann. Ich bin sogar der Meinung, dass er dringend einmal etwas für sich tun sollte.

    Ebenso tue ich die Dinge, die mir wichtig sind. Mein großes Hobby sind meine Tiere, da lass ich mir von keinem reinreden. Von wegen Geldverschwendung, zu viel Arbeit etc. (meine Eltern haben das mehrmals versucht).

    Ich bin der Meinung, du solltest dringend etwas für dich selbst tun. Dein Sohn ist 16 Jahre, du musst wahrscheinlich nicht mehr ständig um ihn herumwuseln. Vielleicht solltest du dich intensiv darum bemühen, wieder beruflich Fuß zu fassen und dir ein Hobby zulegen, für das du brennst. Dein Mann bzw. dein Sohn werden sich daran gewöhnen, dass du nicht mehr die Mutti bist, die für alle jederzeit greifbar ist.

    LG

    Nici

    Mein Mann und ich waren auch ein gutes Team, aber oft genug hab ich auch zugunsten seines Nebengewerbes zurückgesteckt, welches auch sein Hobby war und sein Ein und Alles. Wenn es mir aber zuviel wurde, habe ich es GLEICH gesagt - Stop, jetzt hast du genug für dich angeschafft, nun möchte ich da und dahin in Urlaub. Klappte auch.....meistens...#cool
    In Deinem Fall würde ich mich in Ruhe mit dem Mann zusammensetzen und durchrechnen, ob nicht beides möglich ist. Ein Motorrad und ein Häuschen? Ich kann euch beide verstehen, ohne Wenn und Aber. Er hat ja wirklich auch viel gearbeitet, dass Du zuhause bleiben kannst, klingt hart, ist aber so, denn viele Frauen gehen ja auch trotz Kinder irgendwann wieder arbeiten - ich z.B. konnte nie zuhause bleiben trotz zweier Kinder.
    Wenn er ein paar Abstriche am Motorrad macht und Du am Haus, könnte beides klappen und keiner hat das Gefühl, "wieder mal" zu kurz zu kommen. LG Moni

    Hast du diesen Satz denn später nochmal aufgegriffen und ihn konkret gefragt, warum er meint, dass ER jetzt mal dran ist? Welche Versäumnisse glaubt er denn in den letzten Jahren gehabt zu haben? Und wenn er 30 TEUR für ein Motorrad verschleudert, stehen dir dann auch 30 TEUR für DICH zu?

    Wir Frauen sind ja leider Perfektionisten darin, aus einer Stunde Gespräch einen einzigen Satz rauszupicken und diesen vielleicht völlig über zu bewerten. Eventuell war es auch einfach nur so ein daher gesagter Satz?

    Ich würde nich groß Mutmaßen, sondern ihn einfach mal fragen und dann gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Ich finde es schon immer sehr speziell, wenn die Herren erwarten, dass ihnen die Frau jahrelang die Kinder, den Haushalt und alles andere vom Hals hält und dann wollen die Herren IHR Geld für SICH ausgeben...

    Andererseits kann es ja auch sein, dass er denkt, das Motorrad fahren könnte sich auch zu eurem gemeinsamen Hobby entwickeln und vielleicht könnt ihr euch das Haus an der See dann trotzdem noch leisten. #kratz Das Motorrad muss ja nicht zwingend neu sein.

    Hallo,

    ich denke, du hast diese Aussage etwas zu sehr als "Angriff" gewertet. Nach dem Motto, du hättest ihm nicht den Rücken freigehalten, damit er sich weiterbilden kann.

    Atme mal tief durch. Es ist doch so: Weil ich Lust auf meinen Job habe, ehrgeizig genug bin, um mich weiter- / fortzubilden und mehr zu erreichen, schließt das ja nicht gleichzeitig aus, dass man privat für sich nichts mehr braucht.

    Du hast für deinen Sohn deine Arbeit aufgegeben - du hast das gerne gemacht, es war notwendig und gut, aber jetzt hättest du gerne ein Haus am Meer. Für dich und deinen Mann. Als Erholung. Auszeit. Entspannung.

    Merkst du was?! Es ist theoretisch das gleiche. Er hat sich für seine Arbeit aufgeopfert, du dich für die Familie. Vielleicht ist für ihn das Motorrad das, was für dich das Haus ist. Sprecht in Ruhe miteinander und schaut, dass ihr beides realisiert bekommt.

    Ich glaube, du reagierst etwas über angesichts seiner Aussage.

    Ihr habt beide viel geleistet - jeder auf seine Weise. Dein Mann hat gearbeitet wie ein Verrückter und auch kaum Freizeit gehabt. Dass er nun ein Motorrad kaufen möchte (wenn es den Hauskauf nicht beeinträchtigt), ist völlig legitim.

    Ich denke, er wollte damit nicht sagen, dass du nichts geleistet hast und dir deshalb kein Anspruch auf die Verwirklichung eines deiner wunschträume zusteht. Ich bin für "gleiches Recht für alle" in einer Partnerschaft. Was wünschst du dir?

    Sollte er dann sagen: "Ne, du darfst dir keinen Hund zulegen oder ein Cabrio kaufen", dann ist es Zeit sich über eine Schieflage Gedanken zu machen. Aber so weit seid ihr ja noch nicht.

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