Jetzt beantragt er das gemeinsame Sorgerecht

    • (1) 16.09.17 - 18:53
      Geht das

      Hallo,

      ich habe folgendes Problem. Ich bin Mutter einer vier Monate alten Tochter. Sie ist war nicht geplant. Mit dem Vater hatte ich nur eine sehr kurze Beziehung. Nicht ganz fünf Monate. Als ich erfuhr, dass ich schwanger bin, war die Beziehung bereits beendet. Als ich ihn informiert habe, dass ich schwanger bin, meinte er, er sei nicht der Vater und wollte nach der Geburt auch nicht die Vaterschaft anerkennen. Die Vaterschaftsfeststellung wurde gerichtlich angeordnet und er musst zum Vaterschaftstest antanzen. Es stellte sich natürlich raus, dass er der Vater ist und muss Unterhalt zahlen, was er auch macht. Das muss ich ihm zu gute halten. Am Freitag bekam ich Post vom Jugendamt, dass er einen Antrag auf das gemeinsame Sorgerecht gestellt hat. Kann er das überhaupt ohne, dass ich zustimme? Ich will nicht das er das Sorgerecht hat. Er hat bisher auch keinen Kontakt zu der Kleinen, wohl auch weil er weiter weggezogen ist. Ich will auch nicht das er Kontakt zu ihr hat. Ich habe seit 8 Monaten einen neuen Partner und er liebt die Kleine, wie sein eigenes Kind. Er ist ihr ein guter Papa und kümmert sich rührend um sie. Kann ich dagegen vorgehen, dass er das Sorgerecht bekommt? Ich werde natülich am Montag morgen beim JA anrufen und nachfragen, aber es bereitet mir schlaflose Nächte und ich kann an nichts anderes mehr denken.

            • Interesse am Kind heisst aber, dass man es regelmäßig sieht und sich darum kümmert. Ich denke mal, ein Richter würde ihn auch fragen, warum er sein Umgangsrecht nie wahrgenommen hat.

              Und ja, sie schrieb, sie möchte das nicht, das ist heftig. Sie schrieb aber nicht, dass er Umgang wünscht und sie ihn aktiv verhindert. Das sind ja zwei Paar Schuhe.

              Vielleicht hat er auch schon mehrmals gefragt, ob er sein Kind treffen darf und sie hat immer verneint. Das wäre natürlich der Gipfel und dann wäre auch klar, dass er das jetzt über das Sorgerecht versucht. Sie schrieb aber in einem Nebensatz "wohl auch weil er weiter weggezogen ist". Was für mich irgendwie implizierte, dass das von ihm ausgeht.

          "Äh sorry, aber sollte er nicht bevor er Sorgerecht bekommt überhaupt mal sein Umgangsrecht wahrnehmen? "

          Nein, eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass ein Vater bei der Vaterschaftsfeststellung oder Anerkennung automatisch auch das Sorgerecht bekommt.
          Es ist doch traurig, dass MANN das erst beantragen muss.

          • Das steht ausser Frage, ich meinte nach aktuellem Stand des Rechtes zu dieser Geschichte. Wobei ich halt sagen muss, dass ich gerade bei solchen Fällen dann schon wieder Zweifel bekomme, ob gemeinsames Sorgerecht ab Geburt sinnvoll ist. Wie kann ein Vater denn sinnvoll wichtige Entscheidungen mittragen, wenn er sein Kind und die Umstände gar nicht kennenlernen will? Und ich rede jetzt nicht davon, dass er irgendwelche Unterschriften verweigert, weil er die Mutter ärgern möchte.

            • Ob es sinnvoll ist? Das steht außen vor. Es ist ein Menschenrecht. Wo kämen wir denn hin, wenn wir jede Mutter und jeden Vater erst auf seine Tauglichkeit prüfen Süden?

              • Erstmal hat das Kind das Recht, von seinen beiden Elternteilen gleichwertig und verantwortungsbewusst aufgezogen zu werden. Das steht über dem Sorgerecht, finde ich, weil es noch viel mehr ein Menschenrecht ist.

                Und ein Vater oder eine Mutter, die ihrem Kind nicht einmal dieses Recht zugestehen wollen sollten auch keine Entscheidungen treffen dürfen wenn es um gewisse wichtige individuelle Belange geht. Es geht ja nicht um eine Tauglichkeitsprüfung, sondern um Interesse und sehr wohl betrifft das Vater UND Mutter. Wenn ich die Umstände nicht kenne dann kann ich auch nicht wissen, ob eine OP sinnvoll ist oder nicht. Da bin ich nämlich der Meinung, auch eine Mutter, die sich längere Zeit nicht angemessen um ihr Kind kümmert braucht das Sorgerecht nicht mehr ausüben.

                Da spreche ich übrigens aus eigener Erfahrung. Von mir und meinem Vater. Nicht von denen meiner Kinder (die übrigens beide nie das Sorgerecht haben wollten).

                • Ja, aber die Mutter bekommt das Sorge recht trotzdem von Geburt an. Man kann doch gar nicht wissen, ob sie sich kümmert. Man setzt es voraus. Und so sollte es bei Vätern auch sein. Wer das Recht hat, hat auch die Pflicht. Und wenn diese Väter von Beginn an das Sorgerecht haben, müssen sie sich zwangsläufig mit dem Kind beschäftigen, allein schon deswegen, weil sie für viele Dinge ihr Einverständnis geben müssen. Das fängt schon mit der Namenswahl an.

                  • Eben, eine Frau bekommt das Sorgerecht automatisch, sollte es aber entzogen bekommen, wenn ihr die Kinder egal sind. Meine Meinung, sorry. Man geht davon aus, dass sie sich um ihre Brut kümmert und wenn wir mal ehrlich sind, dann ist das in der Regel auch so. In meinem persönlichen Umfeld gibt es keine alleinerziehenden Väter, früher kannte ich mal einen Einzigen.

                    Und was die Namenswahlt betrifft: Wäre das in meinem Fall so, dann würde meine Tochter nun möglicherweise "Amiga" heissen, weil ein Richter das so entschieden hätte. Grusel.

                Die Gesetzgebung macht es den Vätern, die sich kümmern wollen schwer und denen, die es nicht wollen leicht. Es sollte doch eigentlich umgekehrt sein.

                • Deshalb sollte ein Vater, der ein Umgangsrecht wahrnimmt und sich um sein Kind kümmert, es kennt und liebt eben auch ohne Gerichtsurteil das Sorgerecht bekommen. Also, falls sich die Mutter querstellt. Da müsste mal eine unkompliziertere Vorgehensweise her. Aber nicht, wie in diesem Fall, wenn er sich nicht einmal bei der Mutter meldet. So einen Vater hat meine Tochter übrigens leider auch.

                  Ich wundere mich nämlich, dass hier das Jugendamt gleich ein Schreiben wegen Sorgerecht aufsetzt und nicht erst einmal ein Treffen zwischen den Eltern zur generellen Kontaktaufnahme anberaumt. Da könnte man nämlich der TE auch erklären, warum ihre "der soll mich in Ruhe lassen" Einstellung fatal ist.

                  Gemeinsames Sorgerecht heisst nicht, einer sorgt und der andere bekommt das Recht, Unterschriften zu leisten.

                  • Jeder Vater sollte von Geburt an das Sorgerecht erhalten. Genauso wie es die Mutter bekommt. Das Problem ist doch, dass Mütter immer die Pflicht haben sich um die Kinder zu kümmern, weil ihnen von Geburt an die Sorge für dieses Kind auferlegt ist. Väter nimmt man von Beginn an aus der Verantwortung, sofern sie nicht mit der Mutter verheiratet ist. Wer sich kümmern will, der kann das beantragen, wer nicht, der eben nicht. Die Last liegt dann allein bei der Mutter. Es ist ja nicht nur eine moralische oder gesellschaftliche Pflicht. Es ist eine gesetztliche. Und ich bin mir sicher, dass viel Väter sich wesentlich mehr und intensiver kümmern würden, würde man sich von Anfang mit in die Pflicht nehmen.

                    Dass es in unserer gesellschaft so viele alleinerziehende Mütter gibt ist sicher auch zu einem großen Teil der Gesetzgebung geschuldet. Männer waren aus der Nummer immer fein raus. Und wenn das Gesetz das so sieht, dann toleriert die Gesellschaft das auch.

                    Ich will gar nicht behaupten, dass es dann keine Väter mehr gebe, die sich ihrer Verantwortung entziehen, aber sie wären ja erstmal in der Pflicht. Schlechte Väter und Mütter wird es immer geben.

                    • "Und ich bin mir sicher, dass viel Väter sich wesentlich mehr und intensiver kümmern würden, würde man sich von Anfang mit in die Pflicht nehmen."

                      Die Erfahrung kann ich nicht teilen, eher dann diejenige, dass die Mütter den Vätern wegen jeder Unterschrift hinterherlaufen müssen, weil das mangelnde Interesse am Kind auch das beinhaltet. Manchmal so, dass es vor Gericht landet, weil der Vater einfach nur den Wisch nicht unterschreiben will.

                      Ich bin mir sehr sicher, dass irgendwann auch diese Unterscheidung gekippt wird und jeder Vater per Geburt das Sorgerecht bekommt. Da habe ich auch schon gesagt, dass ich gespannt bin, wie das insgesamt den Umgang mit dem Kind verändert. Allerdings gebe ich auch zu, dass ich es dann besser fände, wenn es einfacher wäre, Teile des Sorgerechts wieder abzukoppeln und auf einen Elternteil zu übertragen. Nämlich wenn sich einer der Beiden als unverantwortlich in diesem Teilbereich gezeigt hat, wie bspw. Impfverweigerung der Mutter oder eben grundlose Unterschriftverweigerung des Vaters.

                      Und ansonsten kümmern sich nach wie vor mehr Mütter als Väter um die Kinder, weil sie gezwungenermaßen die Schwangerschaft monatelang miterleben, eine hormonelle Umstellung erleben und sich halt auf die Babys freuen. Ich bin da ganz pragmatisch und glaube, dass das mehrheitlich bei Säugetieren in der Natur der Sache liegt.

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