Woher weiß man, was man will?

    • (1) 21.09.17 - 18:54

      Ihr Lieben, dass ich nur sehr schwer Entscheidungen treffen kann, weiß ich, aber im Moment weiß ich gar nicht mehr weiter...

      Ich bin nun fertig mit meinem Master-Studium und hab einen Job in einem Unternehmen angefangen, indem ich auch schon während des Studiums gejobbt habe. Hier habe ich nun ein ganz ordentliches Gehalt und vielseitige, interessante Aufgaben bei flexibler Arbeitszeit, kann auch mal Homeoffice machen... Auch identifiziere ich mich mit dem Unternehmen und freue mich ein Teil davon zu sein. Meine Chefin schafft es allerdings nicht Arbeitsstrukturen und -prozesse einzuführen, hat keinen Respekt vor Urlaub, Feiertagen, Wochenenden oder Feierabenden und folglich bin ich ständig auf Abruf erreichbar und dies wird auch erwartet. Ich habe auch schon oft angesprochen, dass die Kommunikation schlecht ist und ich so keinen "guten" Job machen kann. Dazu kommt, dass ich momentan total überarbeitet bin. Ich weine jeden Tag heimlich im Büro, was auch ein Warnsignal sein sollte, dass sich bald etwas ändern muss.

      Dann kommt mein Freund, mit dem ich nun schon einige Jahre eine Fernbeziehung führe und sagt mir, er will nächstes Jahr ein Kind... Was ich eigentlich auch möchte, wenn ich da nicht im gleichen Gedankengang unsere Beziehung in Frage stellen würde: Kann das funktionieren? Solange wir eine Fernbeziehung geführt habe und meine WG beispielsweise hatte, lief es sehr gut mit uns. Aber mit ihm allein wohnen kann ich mir nur schwer vorstellen. Ich brauche Menschen um mich herum, er ist ein Einzelgänger (= ein Beispiel). Zu ihm nach Nürnberg zu ziehen, kommt für mich nicht in Frage (Fühl mich in Bayern nicht Zuhause). Er wäre bereit (zu mir) nach Wiesbaden zu ziehen, aber:

      - Was mache ich mit meinem Job? Kündigen und etwas Neues suchen? Und wenn ja, wo? Denn, wenn meine WG nicht mehr ist, will ich vielleicht nicht mehr zwingend in Wiesbaden bleiben...
      - UND: Macht es Sinn, überhaupt meinen Job zu wechseln, wenn wir bald (max. 1 Jahr) ein Baby wollen?

      Wie man an meinem wirren Text leicht rauslesen konnte, ich bin verwirrt!
      Danke für's Lesen!

      Sara

      • Hallo!

        ich würde Dir dringend raten, erst eine Weile mit Deinem Freund zusammen zu wohnen, bevor ihr ein Kind bekommt. Das ist ja eine ganz neue Situation für euch und ihr seid da sehr unterschiedliche Typen, das muss sich erst finden.

        Da dann gleich innerhalb weniger Monate schwanger werden, das würde eure Beziehung zu sehr belasten, noch bevor ihr in Sachen zusammen leben einen gemeinsamen Weg gefunden habt. Ihr wechselt dann ja gleich wieder eure Rollen - erst Studentin in WG, dann Freundin und Freund zusammen in kleiner Wohnung, dann Eltern die sich um ein Baby kümmern müssen - sorry, aber man darf sich für jede neue Rolle 2 Jahre geben um sich da rein zu finden.

        Nachdem Du damit etwas mehr Zeit hast, kannst Du Dir dann auch jetzt neue Arbeit suchen und da eine Weile arbeiten, und dann ohne Eile, wenn es in Arbeit UND mit dem Freund gut läuft, an die Kinderplanung gehen.

        Hängt irgendwas wichtiges an diesem einen Jahr? Nein, oder?

        • Ja, das klingt sehr vernünftig und wahrscheinlich wird es so auch passieren. Mein Freund und ich sind beide ziemlich Schlafmützen was das Treffen von Entscheidungen angeht. Wir hätten schon viel früher zusammenziehen können oder ich hätte mich schon viel früher für ein anderes Studium/Ausbildung oder einen anderen Job entscheiden können. Ich glaube auch, ich habe gerade einfach nur Sorge, dass ich "mein Leben vertrödel". Wahrscheinlich auch, weil meine beste Freundin nun einen neuen Freund hat (<6 Monate) und gleich schwanger geworden ist...

          • "Wahrscheinlich auch, weil meine beste Freundin nun einen neuen Freund hat (<6 Monate) und gleich schwanger geworden ist... "

            Das habe ich auch zweimal geschafft und bin ein Paradebeispiel dafür, dass solche Beziehungen dann nicht unbedingt auch halten. Also nicht traurig sein, das heisst noch gar nichts.

          • Hasipferdi hat komplett recht, kann ich mit reichlich Lebenserfahrung nur so unterstreichen!
            LG Moni

            Nur weil Deine Freundin etwas arg überstürzt schwanger geworden ist, musst Du das aber wirklich nicht nachmachen. Deine Freundin wird auch noch merken, dass es um so schwieriger wird, sich als Paar zu finden, wenn man sich gleichzeitig auch als Eltern in die neue Rolle einfinden muss. Das ist nicht unmöglich, aber es sind schon erschwerte Bedingungen.

            Und gerade weil Du und Dein Freund relativ unterschiedlich seid, könnt ihr die Zeit brauchen. Wer macht was im Haushalt, wie oft Besuch und Unternehmungen zu zweit oder alleine ist ok, wie kommt ihr finanziell klar und wie wohl fühlt er sich bei Dir in der Gegend?

            Noch dazu der Jobwechsel, der ansteht - eine Firma, bei der es Beschwerden gibt, wenn Du dein Handy jeden Abend einige Stunden stumm schaltest und dann eben nicht erreichbar bist, ist wirklich eine Belastung, und das muss auch nicht überall so sein. Es gibt auch Firmen, die Dir die Chance lassen, durch Pausen und Ruhe erst richtig kreativ zu sein.

            Für einen richtigen Berufswechsel bist Du jetzt schon reichlich spät dran, das stimmt. So viele Jahre in Ausbildung und Studium stecken, und dann nur weil die momentane Firma dich total frustriert alles hinwerfen wollen - liegt das wirklich am Beruf selbst, den Du ja schon vor dem Studium gut kanntest, oder eher an der Mitarbeiterführung und Unternehmesstruktur?

      "Meine Chefin schafft es allerdings nicht Arbeitsstrukturen und -prozesse einzuführen, hat keinen Respekt vor Urlaub, Feiertagen, Wochenenden oder Feierabenden und folglich bin ich ständig auf Abruf erreichbar und dies wird auch erwartet."

      Das geht ja wohl mal gar nicht und ist gegen das Arbeitsschutzgesetz, wenn Du mich fragst. Urlaube und Wochenenden sind zur Erholung da und wenn Dein Arbeitsvertrag das nicht hergibt, dann kann Deine Chefin erwarten, was sie will, sie hat aber kein Recht dazu.

      Bist Du Arbeitsrechtschutz versichert? Das solltest Du sofort erledigen, falls nicht!

      Ein Jobwechsel macht definitiv Sinn, denn wer garantiert Dir, dass Du in einem Jahr sofort schwanger bist?

      (8) 21.09.17 - 19:21

      Ich verstehe deine Angst und finde sie auch gerechtfertigt

      Ich bin damals zu meinem Freund (jetzt Mann mit bald zwei Kindern) gezogen und es hat nur so gekracht. Manchmal war es nicht auszuhalten weil die Umstellung für uns beide schwer war.
      Habe ihn damals sogar gefragt ob wir es vielleicht besser sein lassen sollen und uns im guten trennen da es nur krachte (obwohl ich ihn da schon Hals über Kopf liebte wäre ich gegangen)

      Haben uns dann aber räumlich einigen können das dauerte aber etwas. Und dann noch ein Kind dabei? Das wäre bei uns damals nichts geworden so wie wir aufeinander geprallt sind mit verschiedenen Einstellungen und wünschen.

      Erst Mal zusammen ziehen und eine gewisse Zeit zusammen leben. Vielleicht passt es vielleicht passt es nicht das muss man schauen

      Viel Glück ;)

      Wie lange arbeitest du schon in deinem ersten Job?
      Wenn du nicht gerade eine extrem gesuchte Spezialisten bist, solltest du im ersten Job mind. drei Jahre bleiben (außer du bist z.B. Köchin. Aber es hat sich so angehört als machst du irgendetwas im Büro). Sonst macht es sich nicht gut im Lebenslauf. Man muss schon ein bisschen sich beweisen.

      Im Job wird es nie immer nur Happy Hollywood sein. Du musst dich auch durchsetzen und auch viel aushalten können.
      Und im Laufe der Jahre lernen die Dinge nicht emotional an dich heranzulassen, sondern rational die Probleme zu bearbeiten. Arbeit ist nun mal was anderes als Privatleben.

      Dein Partner kann ja erstmal zu Dir ziehen. Bevor ihr überhaupt über Familie nachdenkt, solltet ihr schon mal zusammen gewohnt haben. Ansonsten wird das eine totale Katastrophe.

      Wie alt bist du? Was hast du für Ziele beruflich? Wenn du noch etwas erreichen willst im Job, solltest du nicht gleich direkt nach dem Studium ein Kind bekommen. Wenn du aber auch mit einer - sagen wir mal - Sachbearbeiterposition langfristig glücklich bist, dann steht dem Kinderwunsch nichts im Wege.

      Was ich damit sagen will, wenn du in deinem Job auch mal etwas zu sagen haben willst, solltest du schon ein gewisses Fundament legen bevor du Kinder bekommst.
      Aber wenn du auch mit einer Position zufrieden bist, wo du nur Dinge abarbeitest, dann ist es eigentlich egal, wann du Kinder bekommst.

      Aber wie gesagt, erstmal zusammenziehen und das Zusammenleben testen.

      • Ich habe vor meinem Studium schon 3 Jahre Vollzeit in einer Werbeagentur als Werbekauffrau gearbeitet und jetzt nach einem BWL-Studium im Bereich Marketing und Projektkoordination (aber eben mit mehr Verantwortung und mehr gestalterischen Spielräumen). Ich bin 30, mein Freund 32.

        Eigentlich wusste ich schon vor meinem Studium, dass ich viel lieber etwas "Praktisches" beruflich machen würde: ein Handwerk. Das war natürlich damals mit super Abi, Ausbildung und Berufserfahrung nicht wirklich mehr für mich vorstellbar. Heute bereue ich es, dass ich mich für den Weg entschieden habe, der zwar mehr Karrieremöglichkeiten bietet, mich aber langfristig nicht glücklich machen wird. Gern würde ich die Zeit nochmal zurückdrehen und ein Handwerk z.B. Restaurateurin für Möbel oder Keramiken oder Buchbinderin lernen und mich selbstständig machen...

        • Das hört sich für mich so an, als bist du noch nicht ganz in der Realität angekommen. Auch ein Handwerker hat es nicht einfach. Du stellst dir das so toll vor. Er wird die gleichen Probleme im Beruf haben wie du. Nur anders. Kein Job ist ein Zuckerschlecken ohne Pause. Es gibt immer Probleme und man muss sich diesen stellen.

          • Hm.. Jeder lebt in seiner eigenen Realität und die sagt mir, dass ich in einem praktischen Job besser aufgehoben wäre. Das ist das, was ich gut kann und gerne tue. Arbeit ist Arbeit, da gebe ich dir recht. Aber ich mach mich nicht kaputt, nur weil der Lebenslauf danach glänzt.

            • Na dann mach es doch. Wenn du dir mit der Entscheidung sicher bist, dann ergreife einen praktischen Beruf.

              Jetzt mal ganz realistisch gesehen:

              Du bist 30 Jahre alt. Ich sage dir ganz ehrlich... Meiner Meinung nach ist der Zug für dich schon abgefahren. Sich mit 24 oder 25 noch einmal neu zu orientieren, eine neue und andere Ausbildung zu beginnen, ist noch irgendwie vertretbar.

              Aber du bist schon in deinen dreißigern angekommen, hast einen Kinderwunsch und willst noch die nächsten 3 Jahre in Ausbildung sein, mit einem kleineren Gehalt auskommen müssen? Und wann erfüllst du dir dann deinen Kinderwunsch? Mit 45? Denn die Selbstständigkeit in einem Handwerksberuf erfordert neben einer abgeschlossenen Ausbildung auch oft noch einen Meisterbrief. Der kostet Geld und ist auch nicht in 3 Monaten erledigt. Und auch als Selbstständige im Handwerk musst du dir erst deinen Kundenkreis erarbeiten und vor allem auch HALTEN KÖNNEN.
              Das Handwerk lebt von zufriedenen Stammkunden.

              Dass du Entscheidungen gerne vertagst und dein Leben verträumst.. ja, da muss ich dir wohl Recht geben. Du hättest viel früher aufwachen müssen.

              Nichtsdestotrotz wünsche ich dir noch viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung und hoffe, dass du einen guten Weg für dich findest. #klee

        Gern würde ich die Zeit nochmal zurückdrehen und ein Handwerk z.B. Restaurateurin für Möbel oder Keramiken oder Buchbinderin lernen und mich selbstständig machen...

        Auch für mich hört sich das ziemlich verträumt an. Das handwerkliche macht vielleicht Spaß aber bringt wenig Geld ein. und ohen Geld gehts nun mal auch nicht gut.

        Ihr seid 30 und 32, und ihr müßt tatsächlich mal ans Kinderkriegen denken, bevor die biologische Uhr nicht mehr mitmacht. Also überdenkt eure Entscheidungen und findet einen Weg.

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