Sex ohne Kondom // Vertrauensbruch

    • (1) 01.10.17 - 07:43
      nurmitgummi

      Hier gab es gestern Abend einen mittelgroßen Vorfall, und ich weiß gerade nicht so recht wie es weitergehen soll.

      Zu mir: ich bin seit 4 Jahren alleinerziehend und mit meinen beiden Kindern weitgehend ohne Unterstützung vom Vater. Ich komme gut zurecht, habe mich gut aufgestellt, bin gut organisiert und sehr stolz darauf, aber natürlich ist das alles kein Zuckerschlecken mit Arbeit etc.

      Ich war lange Zeit allein, was völlig ok war, hatte dann eine lange Affäre und nun seit ca. 3 Monaten das erste mal so etwas, was man Beziehung nennen könnte. Es ist wirklich sehr schön und ich hatte ihn (kinderlos) bisher als sehr verantwortungsvoll eingeschätzt. Bis gestern.

      Es ist so, dass es beim Sex von Anfang an Probleme mit den Kondomen gab. Er wird praktisch sofort schlaff, wenn er das Wort nur hört. Wir haben ein paar mal darüber geredet, sind die Sache ohne Stress angegangen und hatten trotzdem super viel Spaß mit Händen, Mündern etc. Ein paar Versuche sind gescheitert, aber durch Ausprobieren haben wir uns langsam rangetastet, und mit viel Geduld hat es gestern Abend geklappt und es war sehr slow, aber sehr gefühlvoll und fantastisch.

      Allerdings hat er in den Wochen bis dahin auch ein paar mal versucht, sich ohne „reinzuschleichen“, was für mich echt gar nicht geht. Das habe ich immer deutlich gesagt. Er sagt dann tatsächlich er zieht rechtzeitig raus, ist nichts passiert blabla. Aber ich war dazu sehr deutlich. Und gestern Abend hat er es nach unserem ersten Versuch, bei dem er nicht gekommen ist, wieder gemacht - ist einfach ohne rein.

      Klar, ich hätte gleich schreien können hör sofort auf. Natürlich hat es sich für mich aber auch super angefühlt, und ich fand es die Male vorher schon schwer, ihn so abzuwehren, weil ich ja weiß er hat da ein Problem. Also habe ich es geschehen lassen und ärgere mich mindestens genauso über mich selbst.

      Er hat rechtzeitig rausgezogen, ja toll, aber für mich war danach erstmal der Ofen aus und ich habe ihn nach Hause geschickt. Er war sehr zerknirscht und hat sich mehrfach entschuldigt. Aber ich denke noch immer drüber nach wie ich mich dazu verhalten soll.

      Wie kompliziert mein Leben ist, das hat er in den letzten Wochen eindrucksvoll erlebt. Es war zum Beispiel ein Problem für ihn, dass ich so selten rauskomme abends, dass er erstmal nicht über Nacht bleiben kann, weil ich die Kinder langsam ranführen will, und so weiter. Er sieht auch, was ich täglich zu leisten habe. Und ich fühle mich massiv gekränkt dadurch, dass er trotzdem bereit ist, durch sein Verhalten mein ohnehin schon so schwieriges Leben vollends in die Katastrophe zu stürzen. Ich darf gar nicht daran denken, was eine Schwangerschaft (oder was sonst alles passieren kann) für mich jetzt bedeuten würde - das darf einfach nicht passieren! Und das habe ich ihm gesagt und das muss er doch auch sehen. Trotzdem ist ihm sein Vergnügen ohne Gummi wichtiger. Und das finde ich unfassbar respektlos. Irgendwie empfinde ich es als Vertrauensbruch.

      Außerdem frage ich mich, ob ich mit jemandem, der anscheinend so derartig kein Gefühl für Verantwortung hat, überhaupt etwas ernsthaftes starten will. Ich wünsche mir in einer neuen Partnerschaft (natürlich neben vielem anderen) Unterstützung und brauche jemanden, auf den ich mich verlassen kann. Und das klappt anscheinend im Bett schon nicht.

      Ich bin geneigt die Sache zu beenden. Aber ich weiß nicht ob ich übertreibe. Wie seht ihr das?

      • Ich finde, eine Schwangerschaft wäre schlimm, aber viel schlimmer ist es doch, dass du dir auch jede Menge Krankheiten holen kannst! Ohne Aidstest habe ich niemals mit jemandem ohne Kondom geschlafen.
        Du warst mindestens genauso verantwortungslos wie er! Ich würde auf seine Entschuldigung warten und dann alle Tests machen.
        Und die Verhütung auch von deiner Seite verantwortungsvoll planen.
        Deine Kinder haben nur dich - denke bitte an deine Gesundheit!!

        • (3) 01.10.17 - 09:39

          Klar, ich habe mitgemacht und insofern nicht ohne Verantwortung für die Situation, und ich ärgere mich im Nachhinein so sehr darüber.

          Aber das ganze hat eben auch eine emotionale Ebene. Es ist natürlich nicht so einfach dieses Problem anzugehen ohne ihn unter Druck zu setzen, für jeden Mann ist es doch ein Riesending nicht richtig hart zu werden, und es ist mir wichtig gewesen ihn da nicht bloßzustellen. Ich mag ihn einfach sehr, ich wollte ihn einfach nicht verletzen. Und so habe ich mitgemacht. Ich stand da einfach selbst auch emotional unter Druck.

          Unglaublich blöd von mir, ich weiß, denn jetzt bin ich selbst verletzt worden.

          • Hallo

            warum bist du verletzt worden?
            Klingt recht theatralisch.
            Kümmere dich um eine sichere Verhütung, es gibt noch mehr Möglichkeiten.
            Wir waren nicht dabei, aber sicherlich hättest du es abbrechen können.

            L.G.

      In Schweden wäre das schon eine Vergewaltigung, da gegen ausdrückliche Absprache.
      Von HIV & co ganz zu schweigen

      • (6) 01.10.17 - 09:42

        Ja, klingt krass aber es fühlt sich ein bisschen so an. Meine Grenzen sind nicht respektiert worden. Und ich stand emotional unter Druck.

      • In dieser Hinsicht ist das schwedische Straftrecht auch schon sehr erstaunlich.

        Würdest Du das denn im Ernst als Vergewaltigung bezeichnen?

        • Ja, würde ich. Sie hat eingewilligt in Sex MIT Kondom. Wenn er trotzdem ungeschützt eindringt, dann ist das ausdrücklich gegen den Willen der TE geschehen. Handlungen, die den Willen des Partners oder der Partnerin misshachten, sind nach meiner Definition Missbrauch bis hin zu Körperverletzung. Stichwort sexuell bertragbare Krankheit oder Schwangerschaft.

          • Sie hat aber, schreibt sie, mitgemacht und das unterscheidet das Ganze dann doch wesentlich von einer Vergewaltigung. Sie schrieb ja selbst von einem Vertrauensbruch und das ist es auch, aber die Pferde sind ja beiden durchgegangen.

            • (10) 02.10.17 - 13:54

              "Allerdings hat er in den Wochen bis dahin auch ein paar mal versucht, sich ohne „reinzuschleichen“, was für mich echt gar nicht geht. Das habe ich immer deutlich gesagt. "
              Er sagt dann tatsächlich er zieht rechtzeitig raus, ist nichts passiert blabla. Aber ich war dazu sehr deutlich. "

              Ich bin keine Richterin, schon gar keine schwedische. Aber für mich ist das bereits jenseits der Grenze. Sie sagt nein, er machts trotzdem - Vergewaltigung.

              Schau es mal so an: Wenn ich dir ständig versuche, das Portemonnaie zu klauen und du erwischst mich dabei, bleibt es ein versuchter Diebstahl.
              Ich klaue dir das Portemonnai, du kriegst das zwar mit aber ignorierst es, weil du es satt hast: ist des dann noch Diebstahl? Du wolltest dir dein Geld eigentlich nicht klauen lassen...

              Vielleicht ist es im letzten Fall ein Grenzfall, weil sie resigniert hat. Trotzdem hat er seinen Willen durchgesetzt mit bewusster Ignoranz ihres früher geäusserten Willens.

              Für mich zählt auch das zur Vergewaltigung.

              Sorry.

              • (11) 02.10.17 - 14:04

                Guter Punkt, wenn man die Vorgeschichte mit einbezieht, die ich so nicht auf dem Zettel hatte. Ich wäre zwar noch immer mit verbaler Aufrüstung vorsichtig -- und der Begriff der Vergewaltigung ist da schon sehr eskalierend --, aber dass er ihren dezidiert geäußerten Willen schon vorher missachtet hat und das auch noch wiederholt, das geht natürlich gar nicht.

                • (12) 02.10.17 - 14:05

                  Was, wenn nicht der dezidiert geäusserte Wille macht den Unterschied zwischen einvernehmlich und nicht einvernehmlich?

                  • (13) 02.10.17 - 14:10

                    Naja, neben dem dezidiert geäußerten Willen sicher auch das tatsächliche Verhalten. Das war ja bejonas Punkt, warum sie es denn nicht abgebrochen hat? Und da ist natürlich auch etwas dran.

                    Ich kann das letztlich von beiden Seiten nicht wirklich nachvollziehen: Weder, dass er es nach einer eindeutigen Ansage überhaupt wieder versucht, noch dass sie ihn beim wiederholten Versuch nicht sofort auf Entzug setzt.

                    • (14) 02.10.17 - 14:13

                      Womit wir uns wieder im Kreise drehen...

                      (15) 02.10.17 - 14:29

                      Das verstehe ich gut. Es ist sehr schwer zu beschreiben.
                      Ich glaube ich wollte ihn einfach nicht durch erneute Zurückweisung verletzen. Ich mag ihn wirklich sehr, und es tut mir für ihn leid, dass es dieses Problem gibt. Es war nicht schön, ihn immer wieder darauf stoßen zu müssen.

                      Natürlich hätte ich das tun müssen, klarer Fall. Wobei ich glaube, dass es wahrscheinlich ein häufiges Phänomen ist, dass Frauen Sachen mitmachen, die sie eigentlich nicht wollen, um den Partner nicht zu verletzen. Oder gegen sich aufzubringen. Wo fängt da Gewalt oder - das ist wahrscheinlich der passendere Begriff - Nötigung an?!

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