Grenzverletzungen im Alltag

    • (1) 03.10.17 - 06:39
      bishierher

      Ich habe hier vor einigen Tagen gepostet, weil mir mit meinem Partner etwas passiert ist, dass ich seither versuche einzuordnen: https://m.urbia.de/forum/16-partnerschaft/4970988-sex-ohne-kondom-vertrauensbruch

      Was da vorgefallen ist empfinde ich als eine Art Übergriff. Ich habe eine Grenze gezogen und das deutlich kommuniziert. Trotzdem musste ich wieder und wieder erleben, dass versucht wurde, diese Grenze zu missachten, bis genau das irgendwann passiert ist. Meine persönliche Grenze wurde nicht respektiert.

      Ich habe darüber in den letzten Tagen viel nachgedacht. Eigentlich ist das nämlich nicht das erste mal, dass mir das widerfährt. Und ich bin entsetzt und wütend darüber, wie alltäglich es offenbar noch heute ist, dass Frauen in ihren Grenzen verletzt werden.

      Ich berichte Euch mal von den Grenzverletzungen, die ich erlebt habe:

      Als ich dreizehn war hat der Trainer meines Sportvereins, in dem ich zu der Zeit leistungsmässig aktiv war, angefangen, mich anzufassen. Er hat immer wieder unbeobachtete Momente provoziert und ist dann mit dem Finger in mich rein oder hat meine Brüste angefasst. Natürlich durfte ich nichts verraten, weil sonst “etwas schlimmes” passiert. Und weil ich ihn sehr mochte und auch seine Frau sehr gut kannte und ihn nicht in Schwierigkeiten bringen wollte, habe ich lange den Mund gehalten. Irgendwann ging das nicht mehr und ich habe mich anderen anvertraut. Das Ergebnis war leider, dass ich als Lügnerin hingestellt wurde, die nur Aufmerksamkeit wollte.

      Vor ungefähr einem Jahr habe ich eine Affäre begonnen. Bereits beim ersten Treffen wäre der Typ damals sehr weit gegangen - ich aber nicht. Ich war einfach nicht soweit, aus welchen Gründen auch immer, und habe deutlich Stop gesagt. Das Ergebnis waren tagelange Diskussionen. Immer und immer wieder musste ich erklären, warum wieso und weshalb ich nicht weiter machen wollte. Und tatsächlich habe ich auch das als Grenzverletzung erlebt und als sehr unangenehm empfunden. Denn auch hier wurde eine von mir gezogene Grenze nicht einfach respektiert.

      Wichtig erscheint mir dabei, dass es in keinem der Fälle um irgendwelche fiesen Typen ging. Darunter waren ein angesehener Familienvater, ein Geschäftsführer eines großen Unternehmens, und zuletzt ein Politologe und Linksaktivist.
      Von allen dreien würde man so ein Verhalten nicht erwarten, und ich glaube alle drei Männer würden sich auch selbst als moderne und aufgeklärte Menschen beschreiben, die ja nie eine Frau verletzen würden.

      Und dennoch passiert es immer wieder, und sicher nicht nur mir. Bestimmt gibt es Millionen Frauen da draußen, die Geschichten über Grenzverletzungen erzählen können, und das macht mich so wütend. Wie kann es sein dass es heutzutage immer noch so ein Kampf ist, seine eigene körperliche Integrität zu bewahren?!

      Ich möchte gerne von Euch wissen, ob ihr ähnliches erlebt habt. Was sind Eure Geschichten? Wo wurden Eure Grenzen überschritten oder nicht respektiert? Ich würde mich freuen wenn ihr sie hier teilt.

      • Also wenn man nicht bekommt, was man erwartet, zu diskutieren, empfinde ich nicht als Grenzverletzung. Und ich finde, es offenbart deutlich, wie sehr du dich in der Opferrolle siehst, dass du das so empfindest und auch, dass du glaubst, das würde typischerweise Frauen passieren.

        Ich kann mir jede Menge Frauen vorstellen, die von einem (potentiellen oder tatsächlichen) Partner nicht bekommen, was sie möchten und dann diskutieren, manipulieren oder es sich einfach nehmen.

        Was dir mit deinem Trainer passiert ist, ist schlimm und auch wenn du es weder damals noch heute so siehst, so war dieser Typ ein super Arschloch, egal wie gut er das getarnt hat. Ein 'angesehener Familienvater' zu sein ist doch kein Garant für einen guten Charakter. Steckt doch in dem Wort 'angesehen' schon drin, dass man zwar gut angesehen wird, aber ob die Ansehenden wirklich bis ins Innerste gucken können, ist doch nicht gesagt.

        Meine Grenzen wurden tatsächlich überraschend wenig verletzt in meinem Leben. Ich hatte ein einziges Mal einen schmierigen Verkäufer von Gürteln, der mir den Gürtel zum Maß nehmen umgehalten hat und beim Abnehmen sich extra bemüht hat, dass er schön an meinen Brüsten entlangstreifen kann ... Da war ich aber zugegebenermaßen auch echt perplex. Brauchte so lange, um einordnen zu können, ob das nun Absicht oder Versehen war, da ich einem Fremden jetzt nicht einfach Unrecht tun wollte, dass ich dann gar nichts unternommen habe. Nichtmal böse geschaut oder irgendwas.

        Ich glaube aber bei meinen Freunden und Bekannten wirke ich recht rigoros und selbstbewusst, die trauen sich gar nicht, meine Grenzen zu verletzen. Bei meinem Partner ist das Höchste, dass er meine Süßigkeiten wegisst oder mir verschweigt, wenn er irgendwelche wichtigeren Dinge nicht geschafft hat zu erledigen. Obwohl ich ihm das mit dem Kondom durchaus auch zutrauen würde. Wohl aber nur einmal, wenn ich ihm nicht deutlich genug gemacht hätte, wie wichtig es mir (in deinem Fall) ist. Wenn mir etwas sehr wichtig ist, erwarte ich von den Menschen in meinem Umfeld, dass sie das auch respektieren. Ich würde da wohl sonst recht konsequent aussortieren. Und ich denke, das strahle ich auch aus.

        Ich verletze übrigens ebenfalls gelegentlich die Grenzen meines Partners. Er ist z.B. ein Typ, der Fremdes oft kategorisch ablehnt, sich dann aber doch schnell damit arrangieren oder gar anfreunden kann. Deswegen stelle ich ihn manchmal vor vollendete Tatsachen, obwohl ich weiß, dass er bei direktem Nachfragem 'Nein' gesagt hätte.

        Wir sind alle nur Menschen und in Situationen, wo wir zwischen unseren eigenen Wünschen und denen anderer abwägen müssen, kommt es eben mal zu Grenzverletzungen. Ich denke, das passiert vor allem da, wo Leute Grenzen setzen, die sie dann gar nicht besonders verteidigen. Und zwar sowohl bei den Leuten, die ihre Grenzen sehr weit stecken, so dass es wirklich schwer ist für andere, diese zu umschiffen als auch bei Leuten, die eben nie so richtig gelernt haben, wie man seine Grenzen verteidigt.

        Es tur mir leid,dass deine Grenzen schon öfter verletzt wurden. Gerade die Geschichte mur dem Trainer ist bitter.

        Ich habe auch deinen anderen Beitrag dazu gelesen und finde, dass du diese Überschreitungen selber zulässt. Du zeigst ein Opferverhalten. Anschliessend bist du unglücklich, diskutierst und machst Vorwürfe.

        Was aber viel effektiver wäre: diese Grenzüberschreitungen nicht mehr zuzulassen. Man kann deine körperliche Integrität, solange keine Gewalt im Spiel ist - und das war bei dir nie der Fall - nur so weit verletzen, wie du es zulässt. Lerne also, diesen Menschen ein klares, entschiedenes und lautes NEIN entgegen zu setzen und bleib dabei. Egal, was der andere dann von dir hält.

        Mein Mann hat auch manchmal Dinge mit mir gemacht, die ich ganz furchtbar fand. Ich habe sie dennoch zugelassen und ihm höchstens anschliessend gesagt, dass ich das nicht mag. Nebenher habe ich mich gedemütigt gefühlt und immer mehr Wut aufgebaut. Schliesslich habe ich mich getrennt. Bei meinem jetzigen Partner verhalte ich mich ganz anders. Wenn mir etwas auch nur ansatzweise nicht gefällt, stoppe ich es sofort. Ganz souverän. Und dabei ist es mir egal, was er davon hält.

        Du musst lernen, dass du kein kleines wohlerzogenes Mädchen bist, das allen gefallen muss. Sondern eine selbstbestimmte Frau, die genau weiss, was sie will und den Ton angibt. Dann werden solche Grenzüberschreitungen einfach nicht mehr stattfinden.

        "Ich möchte gerne von Euch wissen, ob ihr ähnliches erlebt habt. Was sind Eure Geschichten? Wo wurden Eure Grenzen überschritten oder nicht respektiert? Ich würde mich freuen wenn ihr sie hier teilt. "

        Mich schauderts gerade.

        Was gäbe es Dir, wenn hier tatsächlich jemand seine Geschichte erzählen würde? Was gewinnst Du für Dich? Macht es Dich glücklich zu wissen, dass es Menschen gibt, denen schlimmes widerfahren ist? Was könntest Du für diejenigen denn tun?

        Ich habe Dir im ersten Thread geglaubt und geantwortet.
        Mittlerweile ist das Kopfkino an und ich möchte nicht wissen, wer Du wirklich bist.

      • Ich denke, du bist durch deine Erfahrungen wachsamer und sensibler geworden.

        Mein Fokus liegt auf den Menschen, welche Grenzen akzeptierten. Die gab es deutlich mehr.

        LG

        Hi
        Also ganz ehrlich .... ich finde du übertreibst das ganze !
        Wenn ich kein sex ohne Kondom will hab ich das auch nicht, du hättest das ganze jeder Zeit abbrechen können.
        So auch in deinem anderen Fall !
        Das mit dem Lehrer als du 13 warst ist Missbrauch und gehört in eine andere Kategorie.
        Vielleicht solltest du mal an dir arbeiten und nicht die Fehler bei den Männern suchen .,,
        Sorry aber das musste ich loswerden

        • Opfer von Kindesmissbrauch senden oft nonverbal falsche Signale an ihre Umwelt, oft auch weil sie in pressenden Situationen "gelähmt" sind. Ihr "Kampf- oder Flucht"-Reflex ist häufig verkrüppelt.

          Dann einem Opfer so einfühlsam wie Stacheldraht klar zu machen, dass sie das Problem ist, macht keinen Sinn. Für ein Opfer bist Du dann auch nur Täter #zitter.

          Manchmal hilft es in so einem Fall ein bisschen "Beiss"-Hemmung zu zeigen und die eigenen Gedanken eben nicht "mal rauslassen". Das hilft Dir vielleicht, Deinen Ärger loszuwerden (warum überhaupt?), aber dem Opfer nicht.

          LG

          (8) 03.10.17 - 10:28

          Mir geht es einfach darum, dass ich finde es sollte selbstverständlich sein, dass eine einmal gezogene Grenze akzeptiert wird. Ich habe Fälle erlebt in denen das nicht der Fall war. Einmal musste ich mich rechtfertigen, ein anderes mal wurde wieder und wieder versucht die Grenze zu übertreten. In beiden Fällen war ich sehr deutlich und habe sehr genau gesagt was ich nicht will. Es wurde nicht akzeptiert. Was danach passiert ist muss hier ja noch nicht einmal Thema sein. Es gab ein deutliches Nein und das wurde missachtet bzw. nicht akzeptiert. Und ich habe den Verdacht dass das nicht nur mir passiert.

          Ich denke das die Gesellschaft da vielleicht doch nicht soweit ist wie sie sein sollte. Deswegen frage ich nach Euren Erfahrungen. Weil es mich wirklich wütend macht.

          • Du suchst Dir vielleicht unbewusst die falschen Kontakte und bist dazu offenbar nonverbal nicht standhaft genug, diese Personen auf Abstand zu halten.

            Denn den meisten Menschen passiert das wirklich nicht.

            LG

            "Ich denke das die Gesellschaft da vielleicht doch nicht soweit ist wie sie sein sollte."

            Willst Du die Gesellschaft dafür verantwortlich machen, dass ein Mann nicht weiss, was eine Grenze ist und was "Nein" bedeutet?

            Ich habe echt schon viel erlebt, was das betrifft, aber noch nie hatte ich das Gefühl, "die Gesellschaft" war schuld, sondern immer diese eine missbrauchende oder übergriffige Person. Denn ab einem gewissen Alter kannst Du ja auch nicht mehr sagen, ein schlechtes Elternhaus ist verantwortlich, wenn sich eine Person nicht zu benehmen weiss. Man kann alles aus eigenem Antrieb lernen.

            Sowas passiert natürlich auch anderen, immer wieder Männern und Frauen. Viktimisierungsprozesse gibt es aber tatsächlich. Täter suchen sich Opfer nach diesen Verhaltensweisen aus. Die Opfer sind natürlich trotzdem nicht schuld, aber wenn man lernt aus diesen Verhaltensweisen herauszukommen, ist es unwahrscheinlicher, dass man zum Opfer einer Grenzverletzung wird.

      Hallo,

      bist Du in psychologischer Behandlung wegen dem Kindesmissbrauch?

      Ich denke, wie auch einige Vorschreiber, dass Du eventuell Deine Grenzen nicht klar non-verbal kommunizierst. Da gibt es eventuell Nachholbedarf auf Deiner Seite, eben wegen Deiner Vergangenheit.

      Denk doch mal darüber nach, ob Dein Leben sich verbessern könnte, wenn Du hier eine Psychotherapie in Anspruch nimmst.

      Alles Gute Dir.

      LG

    Da gibt es einiges. Etwas, das wohl viele als halb so schlimm betrachten würden, war folgendes Erlebnis.

    Ich war ungefähr 18 Jahre alt, als ich mit meinem damaligen Freund anbends unterwegs war. Mein Freund wurde von einem unangenehmen, schmierigen Typen angehauen, ob er Gras wollte. Es entspann sich eine kurze Diskussion, in der mein Freund ablehnte. Nach vielleicht einer Minute gingen wir weiter. Der Typ hatte mich in der ganzen Zeit vollkommen ignoriert. Doch beim Vorbeigehen griff er mir beiläufig an die Brust. Einfach so.

    Ich war über die Massen schockiert und vollkommen passiv. Erst versuchte es mit Selbstbetrug abzutun: Das war Zufall blabla. War es nicht. Es war volle Absicht. Ich hatte ich das Gefühl tagelang an der Brust, fühlte mich klebrig, beschmutzt, dreckig, gedemütigt und war unglaublich wütend. Darüber, dass ich nicht reagiert hatte, darüber, dass ich es hatte geschehen lassen ohne Gegenwehr oder Reaktion.
    Ich hatte objektiv gesehen Schlimmeres erlebt. Einmal wurde ich verfolgt und mit einem Messer angegriffen, was potentiell hätte tödlich enden können. Ein andermal geriet ich in eine Schiesserei. Aber nie zuvor oder nachher fühlte ich mich derart dreckig und beschmutzt wie bei diesem belanglosen Griff.
    Einfach weil mir der Typ das Gefühl gegeben hat, dass ich nicht zähle, es egal ist, was ich will oder was nicht und er tun und lassen kann, was er will.

    • (15) 03.10.17 - 10:23

      Das Traurige ist, ich kenne keine Frau, wirklich keine, die nicht irgendwann sowas in der Art erlebt hat.

      Männer betrachten sich quasi als "normal", der Standard. Frauen sind demzufolge IMMER die anderen, eine Minderheit. Und Frauenthemen werden darum auch von lächerlich bis marginal wahrgenommen. Auch von den Frauen selbst.
      Und darum sind wir noch weit entfernt von wirklicher Gleichberechtigung.

Top Diskussionen anzeigen