Komplizierte (oft fordernde) Bekannte - was tun?

    • (1) 13.10.17 - 17:34
      Kaffeehausliebhaberi

      Guten Abend ihr Lieben,

      mal folgende Frage: Noch aus Studizeiten habe ich eine Freundin, na ja, nun eigentlich eine Bekannte. Also als Studentinnen waren wir sehr eng befreundet, hatten die gleichen Hobbys etc.

      In den letzten Jahren hat die Sache einen komischen Verlauf genommen - sie wird immer exzentrischer und hat in vielen Lebensbereichen wirklich Probleme. Es fing an mit der Arbeit, da kam es wohl immer wieder zu Konflikten, da sie selbst aber hervorragend arbeitet, hat sie einen home office Platz und geht nur sporadisch zu Besprechungen.

      Daheim fällt ihr aber die Decke auf den Kopf. Sie hat versucht, sich beruflich neu zu orientieren, was in die Hose ging. Weil sie wirklich immer schwieriger wird, hat sie nur noch sehr wenige Menschen in ihrem sozialen Umfeld (einer davon bin ich). Ich würde es nicht schaffen, die Freundschaft aufzulösen, aber ....

      Das große Problem sind Männer. Sie richtet alles darauf aus, jemanden kennenzulernen und geht dabei die unglaublichsten Konstellationen in atemberaubender Geschwindigkeit ein. Versucht man, die Stimme der Vernunft zu sein, wird einem durchaus auch "Eifersucht" etc. vorgeworfen und sie zieht sich zurück - bis die neue Beziehung in regelmäßigen Abständen genauso blitzartig explodiert, wie sie begonnen hat. Oft verliert sie auch viel Geld bei der Sache. Dann kommt eine Trauerphase, die z.T. einen stationären Aufenthalt mit sich zieht, jede Menge Selbstmitleid, eine einigermaßen ordentliche Phase und dann ... der nächste (unmögliche) Typ.

      Ich habe ihr nun offen gesagt, dass ich eigentlich nicht mehr zum Ausheulen herhalten möchte, es ist immer das gleiche Muster und der Fehler liegt zum einen in der Partnerwahl und zum anderen in der völlig naiven Ausblendung jeglicher Warnzeichen. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, dieses Mal nicht mehr ... aber nun ist der letzte Typ mit 10.000€ zurück zu seiner Exfrau. All das war abzusehen. Mir tut sie nun wieder leid, weil sie so verzweifelt ist.

      Was macht man mit solchen Menschen? Wir haben sie einmal zu einer Verhaltenstherapie überredet, aber irgendwie war das rausgeworfenes Geld. Es hat gar nichts gebracht. Und jedes Mal, wenn wir das Wort Therapie nun ansprechen, dann lehnt sie ab.

      GLG
      Miss Mary

      (6) 13.10.17 - 18:32

      ... wenn du dich dann mit Usernamen verabschiedest 😬
      Man kann nicht jedem helfen. Ich würde erst mal Abstand von ihr nehmen und beiden so Luft geben. Vielleicht MUSS sie einfach mal spüren dass sie erwachsen ist und nicht immer jemand bedingungslos Händchenhalten kann.

    Ich fürchte, da kannst du nicht viel machen.

    Dann kommt eine Trauerphase, die z.T. einen stationären Aufenthalt mit sich zieht, .....
    ........

    Welcher Art sind denn diese stationären Aufenthalte bzw. wer weist sie denn dorthin ein?

    In dem Zusammenhang verstehe ich nicht, warum sie eine selbst finanzierte Verhaltenstherapie machen sollte. Offensichtlich hat sie ja ein Problem, das irgendwer (der Hausarzt?) auch erkannt hat. Warum gibt es dann nicht eine wöchentliche Therapie im Anschluss an den stationären Aufenthalt? Bring ja nichts, wenn sie sich mit schöner Regelmäßigkeit im gleichen Kreislauf bewegt und nach der Klinik wieder in das gleiche Muster begibt.

    Wie willst du jemandem helfen, an dem sich Fachleute die Hähne ausbeißen? Klinikaufenthalte haben nichts genützt, besonders einsichtig ist sie auch nicht - ergo: machen lassen und dich abgrenzen. Man kann niemandem helfen, der keine Hilfe annehmen will und sein Leben nicht von Grund auf ändern möchte.

    Was hast du eigentlich an dieser "Freundschaft"? Scheint mir sehr einseitig zu sein.
    Dann lautet die für dich relevante Frage m. M. n.: Warum kannst du dich nicht davon lösen und sie einfach ihr Leben leben lassen? Hast du so ein Helfersyndrom? Mitleid ist ein sympathischer Wesenszug, aber entweder man gewährt es, ohne sich selbst darüber zu ärgern und auch nichts zu erwarten oder lässt es lieber sein und grenzt sich ab.

    • (10) 14.10.17 - 07:38
      Kaffeehausliebhaberi

      Hallo,

      du hast vermutlich Recht ... eingewiesen wird sie von sich selbst bzw. irgendwer überredet sie dazu.

      Das läuft praktisch so: Von jetzt auf gleich explodiert die Beziehung. Für sie immer total überraschend, weil sie sich alles schönredet. Sie heult dann stunden- oder tagelang völlig hysterisch und in der Phase ist es schwer (für mich z.B.) sie abzuweisen. Ihre Eltern sind bei sowas natürlich auch Ansprechpartner und weil sie in der Phase ihr ganzes Leben regelmäßig in Frage stellt "was ist ein Leben ohne X noch wert?" haben ihre Eltern (glaube ich gar nicht so unberechtigt) Angst, dass sie sich was antut und überreden sie, sich einweisen zu lassen.

      Die Klinik hat am Anfang eine Nachsorge bzw. -therapie angeleiert, aber das Problem besteht seit einem guten Jahrzehnt. Inzwischen wird sie oft nur medikamentös stabilisiert, die warten, bis die aktue Phase vorbei ist und entlassen sie recht schnell. Der Therapeut ist ihr damals empfohlen worden und ich glaube, er rechnete nicht mit ihrer Kasse ab oder sowas.

      Ich bin so hin- und hergerissen. Einerseits bin ich immer total genervt, v.a., wenn sie wieder ausgenommen wurde, wie eine Weihnachtsgans, sich rausstellt, z.B, , dass der Typ doch verheiratet war und wir eigentlich schon von Anfang an sagten, dass es sowas ist. Andererseits wird sie einer dieser Menschen werden, die völlig verbittert - vereinsamt und so enden.

      Wie gesagt, ich kenne sie anders aus dem Studium, da war alles noch "normal", dann haben wir uns aus den Augen verloren, bis wir dann Arbeitskollegen wurden. Weil das so viel Unruhe in den Betrieb brachte, arbeitet sie nun überwiegend von daheim aus. Ich würde ihr so wünschen, dass sie das "ich", das sie im Studium war, mal wieder trifft und vielleicht ein erfülltes Leben ohne Typen, aber mit Freunden, Hobbys und so findet.

      GLG
      Miss Mary

Hallo,

hast Du schon mal von ihr erzählt?

Ist das die Bekannte, die Dir schon länger Deine offene Tür einrennt und einmal Deine Kids aus dem Bett gescheucht hat, weil sie bei euch ums Haus geschlichen ist? Als der Nachbar abends frierend im Garten stand und euer Haus vor ihr "beschützen" musste?

Oder war das eine psychisch zerrüttete Seele, die sich bei Dir wohl gefühlt hat?

Ich hätte schon längst die Faxen dicke gehabt - Du musst ja Nerven haben. Ich bewundere das immer, wenn ich von Dir lese. Ich schaffe bei weitem nicht so viel - und 3 Kinder habe ich auch nicht.

Du bist bestimmt sehr mitfühlend gibst gern und gute Tipps. Das ist alles ganz toll, aber vielleicht hilft Dir nächstes Mal folgendes Sprichwort:

"Hilf einem Menschen in Not und er wird sich an Dich erinnern ...
... wenn er erneut in Not ist."

Nicht ganz mitmenschlich, aber irgendwann muss man ja die Grenze ziehen - bei solchen Energiesaugern kann man nur überleben, aber nicht leben und bereichernde Freundschaften kann man auch nicht führen.

LG

  • (13) 13.10.17 - 20:45
    Kaffeehausliebhaberi

    Ja, genau diese. Ich habe glücklicherweise nicht so viele Bekannte....

    Ich bin auch gut auf Distanz gegangen, aber sie tut mir immer total Leid. Obwohl sie selbst Schuld ist.

    • Es ist eigentlich total toll, dass Du so viel Mitgefühl hast, das ist eine tolle Eigenschaft.

      Allerdings hab ich noch eine abgedroschene Phrase für Dich (ich bin heute wohl ein Phrasenschwein #rofl):

      Wenn Du Wasser in ein leeres Flussbett gießt, nimmt das neue Wasser immer den Weg des alten.

      Bedeutet:

      Deine Bekannte ist das Flussbett. Solange sie so bleibt und sich nicht verändert, wird Deine Hilfe und Dein Mitgefühl genauso hilfreich sein, wie all die Male davor.

      Du kannst ihr gern helfen, wenn Du möchtest, aber Du musst Dir im Klaren sein, dass trotz all Deiner Bemühungen der Ausgang immer wieder der gleiche sein wird.

      LG

Hi,
Du gute Seele.

Viel Kraft, entweder das weiter durchzustehen, oder es beenden.

Schreib mal auf, so wirklich alles, und wenn du dann in 4-8 Wochen alles hast, geb es ihr mal zu lesen, mit der Frage ob sie mit so einem anstrengenden Mensch befreundet sein will.

Alles Gute Claudia

(16) 13.10.17 - 22:43

Hi,
die Person, von der Du schreibst, ähnelt leider einer sehr nahen Verwandten von mir. Der einzige Unterschied ist, dass sie für ihre Männergeschichten nicht ganz so sehr finanziell blutet, weil sie im Grunde ein sehr geiziger Mensch ist. Ansonsten passt eigentlich alles:
Guter und gutbezahlter Job, aber ständig unzufrieden, weil sie eine schwierige Persönlichkeit ist und sich sicherlich mit jedem anlegt, ständig wechselnde Männergeschichten, die sich (trotz ständiger Ermahnung, es doch MAL langsam angehen zu lassen) dann schnell wieder erledigen und dann ist das Geheule groß. Wir wollen und können uns das nicht mehr ständig antun. Wir haben ihr auch zu einer Therapie geraten, aber sie ist der Auffassung, alle Leute um sie herum seien verrückt, sie sei die einzig normale...
Deshalb haben wir uns mit der Zeit immer mehr von ihr entfernt und den Kontakt stark eingeschränkt. Sie kommt sowieso nur, um sich über ihren Job und ihre dummen Kollegen auszukotzen oder um sich bei uns Trost nach der letzten gescheiterten Männergeschichte zu holen. Absonsten sind wir Luft für sie. Das ist uns zu einseitig. Das birgt auch manchmal Streit in unserer Partnerschaft und da haben wir dann gesagt, dass das so nicht mehr weiter geht.

Ich kann Dir nur raten, Dich zu distanzieren. Deine Bekannte wird sich nicht mehr ändern oder irgendwann mal ein Einsehen haben. Auch, wenn sie Dir noch so leid tut, sie ist erwachsen und weiß, was sie tut. Du kannst ihr tausend gute Ratschläge geben, sie wird sie beim nächsten Kerl sowieso in den Wind schießen und die gleichen Fehler wieder machen.
Lass Dich durch ihre Geschichten nicht herunterziehen. Sie ist selbst für sich verantwortlich!
Alles Gute!

Versuch doch mal, deinen Beitrag mit neutralen Augen zu lesen. Als ob wer anderer den Post verfasst hätte. Was würdest du dem raten? Was würdest du deinem Kind raten, wenn es wegen solch eines Problems an dich herantritt?

Und dann mach genau das.

lg lene

(18) 14.10.17 - 09:25

Hallo,
Wenn du selbst diese Bekanntschaft aufrechthalten willst, dann geht das nur über Abgrenzung. Wer nicht therapiebereit ist, den kriegt man auch nicht dahin getragen. Dann leidet sie einfach noch nicht genug.
Und für dich meine ich mit Abgrenzung, dass du gar nicht mehr zulässt, dass sie sowas mit dir thematisiert.
Freundlich, aber bestimmt das Thema wechseln. Mach das ein paarmal. Und wenn sie darauf nicht eingeht, dann sagst du, du hast dafür jetzt weder Lust noch Zeit.
Man könne sich gerne treffen und unterhalten. Aber nicht mehr über ihre Geschichten.
Momentan zieht sie sehr viel Gewinn daraus, dass du für sie da bist, aber es belastet dich und zieht dir Energie. Also achte da auf dich.
Lg

Du hast ja bereits erkannt, dass sie ein mehr oder minder großes psychisches Problem hat. Dass es Dich nervt, dass sie nicht bereit ist, sich selbst zu reflektieren, um aus ihren Verhaltensmustern auszubrechen. Und dass Du Dich davon abgrenzen musst, weil es Dich Kraft kostet und Du sowieso nicht an sie heran kommst. Eine Therapie hat ihr nichts gebracht, weil sie diese mit Sicherheit abgelehnt hat. Der Leidensdruck ist nicht gross genug. Ich wette, sie hat alle Versuche des Therapeuten, irgend etwas zu reflektieren, einfach abgeschmettert. Und nach wenigen Sitzungen abgebrochen.

Was genau meinst Du wird passieren, wenn Du ihr jetzt wieder beistehst? Was soll das Ziel sein? Um Dir klar zu machen, ob Du ihr nun weiter helfen sollst, musst Du erstmal Dich selbst positionieren.

Warum tust Du Dir das schon so lange an? Wenn jemand derart unbelehrbar ist, kostet es nur DEINE Kraft. Das ist keine Freundschaft.
LG Moni

So eine Freundin habe ich auch. Ihr Problem ist anders gelagert, aber ebenso eine Spirale.
Sie dreht sich seit 20 Jahren im Kreis. Sie kann nichts dafür, doch saugt es Energie.
Irgendwann habe ich verstanden, dass ich ihr nicht helfen kann. Ich bin

  • (24) 14.10.17 - 22:54

    Aargh...

    Ich bin nicht ihre Therapeutin und kann nicht ihre Probleme für sie lösen, auch wenn ich das einige Male getan oder zumindest versucht habe.
    Als Konsequenz beschränke ich den direkten Kontakt auf wenige Treffen im Jahr.
    Mir tut sie leid, aber es geht nicht mehr anders.

    Lg thyme

Fallenlassen! Wer nicht hören will muss fühlen. Das Leben ist zu kurz, um seine Energie unnütz zu verschwenden.
Du hast ihr die Meinung gesagt, sie will das nicht hören, also Haken dahinter.

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