Ausbeuter Nebenjob behalten? Uneinig.

    • (1) 14.10.17 - 22:01
      Sparschweinchen

      Guten Abend,

      folgende Frage: Eigentlich kamen wir finanziell immer super hin und hatten, wie ich finde, auch ein gutes Finanzmanagement. Dann kamen aber ein Haufen völlig ungeplante Ausgaben und wir sind unverschuldet in eine Schieflage gerutscht. Lösung des Problems war, dass mein Mann einen 450€ Job annimmt, davon gibt es hier nicht so viele, eigentlich keine, die mit unseren normalen Arbeitszeiten kompatibel sind.

      Er hat schon davor ab und an samstags in einem Getränkemarkt ausgeholfen. Der Job war sehr witterungsabhängig und mitunter kam samstagnachmittags noch ein Anruf, dass diese oder jene Party auf dem Trockenen saß und dass man dort noch liefern musste. Das brachte viel Stress, aber wenig Geld, da die Lieferung dann nur pauschal bezahlt wurde. Oft wurde kurzfristig angefragt (wenn ein Angestellter krank war) oder abgesagt. Die 450€ hat er nie voll bekommen.

      Er hat auch ab und an in einem großen Hotel mit Restaurant ausgeholfen und wurde dort nun auf 450€ Basis angeheuert. Vorteile: es gibt -zumindest in den Wintermonaten- genug Arbeit für 450€, ihm macht die Arbeit Spaß, braucht er mal frei, ist der Chef sehr unkompliziert. Extra: Ist Samstagabend eine Hochzeit, bei der viel übrig bleibt, dann gibt es ab und an Sonntag kostenloses leckeres Essen für die gesamte Familie. Regelmäßig gibt es auch extra Öffnungszeiten für den Spa & Poolbereich für Mitarbeiter und deren Angehörige. Auch der Fitnessraum kann kostenfrei benutzt werden. Unsere Kinder finden das sehr cool.

      Jetzt aber die Nachteile: Der Chef bezahlt zwar offiziell den Mindestlohn, aber er rechnet nur volle Stunden ab. Ist der Arbeitsbeginn um 18.00 Uhr und das Ende um 21.45 Uhr, dann ist die Stechuhr so programmiert, dass sie nur von 18.00Uhr - 21.00Uhr abrechnet. Ist Arbeitsbeginn 18.00 muss man tatsächlich ab 17.45 verfügbar sein, wird für die 15 Minuten aber nicht bezahlt (viel schlimmer ist der Stundenverlust "hinten raus"). Das Hotel ist ca. 25 Fahrminuten entfernt. Es kann auch passieren, dass er Sonntagmorgens erst mit Sonnenaufgang wieder auftaucht. Dann ging die Hochzeit bis vier, man musste noch putzen und aufräumen, etc. Dann futtern sie oft noch die Reste des Buffets, da könnte er natürlich heimfahren. Unser Sonntag leidet sehr.

      Es gibt auch kein Urlaubsgeld oder Zahlung im Krankheitsfall. Obwohl der Laden super läuft (und vermutlich gerade deshalb), zahlen sie, wann sie gerade Zeit haben, oft erst nach dem 15ten. Offiziell schließt das Restaurant um 1 Uhr - da hört die Stechuhr auf zu laufen, ist eine Hochzeit, kann es mal locker drei Stunden länger gehen. Das ist dann "Pech". Beschwert man sich, kann man sein Zeug packen. Mit den Stunden muss man höllisch aufpassen - kommt man "drüber" zählt die Uhr auch nicht mehr. Trinkgeld bekommen nur die festangestellten Servicekräfte, die sozusagen auf Provisionsbasis arbeiten. De facto liegt der Stundenlohn 30% bis 50% unter dem Mindestlohn. Manchmal (allerdings selten) verkalkuliert sich der duty manager und es fallen nur drei Stunden Arbeit an, da lohnt sich die Anfahrt nicht.

      Wir brauchen das Geld, aber mir stinkt es, dass mein Mann da so ausgenutzt wird, zumal das Hotel eine Goldgrube ist und der Besitzer wirklich die Notlage der Mitarbeiter ausnutzt. De facto schaffen wir es auch kaum jemals, den Pool oder Spabereich zu den Mitarbeiterzeiten zu nutzen, weil wir fast 50 Minuten fahren. Das gesamte Wochenende ist kaputt.

      Mein Mann argumentiert, dass er den Job sehr mag, Gastro genau sein DIng ist, wir zuverlässig 450€ im Monat mehr haben (die wir wirklich dringend brauchen), mitunter eben Sonntag für das Mittagessen in top Qualität gesorgt ist, er es super findet, dass der Dienstplan so flexibel ist (man kann auch kurzfristig absagen, es gibt ein Haufen Leute, die immer gerne nachrücken), wir eben in den Ferienzeiten doch ab und zu den Pool nutzen, was unsere Kinder toll finden und was den Eintritt ins "normale" Schwimmbad spart und viel exklusiver ist (manchmal sind wir dann wirklich alleine drin) - es gibt auch so ein Urlaubsflair, er ab und zu unter der Woche in den Fitnessraum fährt, er die Arbeitsstunden gar nicht merkt und dass das Essen superlecker ist, auch das, was man während der Schicht bekommt.

      Kurz: Für ihn kommt eine berufliche Neuorientierung nicht in Frage.

      • So wie ich das lese, findet dein Mann es toll so... in sofern: ich denke, es ist Wurscht wie die Meinungen hier sind :-)

        • (3) 14.10.17 - 23:04
          Sparschweinchen

          Jo. Das ist einerseits wahr.

          Ich möchte aber schauen, ob ich über das Ziel hinausschieße. Ich denke nämlich, dass er den Job auch behält, wenn die saure Gurkenzeit vorbei ist und irgendwie sehe ich es nicht ganz ein, mein Familienleben mit einem Hotel zu teilen, das auf den maximalen Profit des Chefs zu Lasten der Mitarbeiter ausgerichtet ist. Vielleicht steigere ich mich auch einfach rein ... ich finde es einfach so dreist, nicht mal die ganzen Stunden zu bezahlen, die ja gearbeitet werden, wobei das in der Gastro wohl sehr oft so ist. Ansonsten könnte ich damit leben, aber der Gedanke, dass er für 4,50€ die Stunde arbeitet ...

          Wie gesagt, er sieht das Problem gar nicht. Ich brauche Leute, die mir sagen, ob mein Gedankengang da nachvollziehbar ist oder ob ich ihn einfach machen lassen soll.

            • (5) 14.10.17 - 23:35
              Sparschweinchen

              Nein, er bekommt auch nicht immer nur 4,50€.

              Aber es gibt diese 4,50€ Abende. Da kommt er um 20/ 21 Uhr zur Verstärkung bzw. zur Ablöse und wird bis 1 bezahlt, aber arbeitet bis 4 oder 5. Das ist dann wirklich so, dass er dann für 4,50€ arbeitet. Er arbeitet so zwischen 65 und 75 Stunden, wenn es blöd läuft auch 80 und bekommt davon 50 bezahlt. Manchmal hat er Glück und arbeitet 60 für den Lohn von 50. Kommt immer auf die Gäste und deren Sitzfleisch an.

              Was auch schon passiert ist, dass er um sechs anfangen sollte, aber total tote Hose war. Er muss ja 17.45 vor Ort sein. Da wurde er eine Stunde ins Fitnesscenter geschickt.
              Oft arbeitet er freitags (dann allerdings "kürzer" und samstags), wobei samstag von der Bezahlung schlechter ist als der Freitag. da er sich eigentlich immer in die frühen Morgenstunden zieht.

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          (7) 15.10.17 - 11:53

          Leider ist das ein Problem unserer Zeit.

          Mitarbeiter werden gnadenlos unterbezahlt, dafür wird das Maximum an Leistung gefordert.

          In vielen Branchen ist dies so. Selbst für gelernte Kräfte (z.B. im Einzelhandel)
          Das die Arbeitszeit genau erfasst wird, ist kaum noch irgendwo üblich. Leider.

          Pausen entfallen, werden aber trotzdem abgezogen. Man hat 15 Minuten vor Arbeitsbeginn anwesend zu sein usw.

          Wenn man das Geld benötigt, heisst es tatsächlich "Faust in der Tasche machen und schweigen"

          Überstunden nennen sich "Betriebsinteresse"

          Bei den Vorteilen die du so aufzählst, seid ihr echt noch gut dran.

          Und zum verzichten auf Sonntage mit dem Ehemann und Vater:

          Mein Mann ist in der Pflege, Weihnachten ohne ihn , Feiertage ohne ihn, sind hier Standard.

          Für viele andere ist das ebenso Alltäglich!

    Naja. Es ist der Job deines Mannes. Wenn er mit allem super zufrieden ist und auf seine450 Euro kommt, dann würde ich es akzeptieren.
    Er scheint den job ja wirklich gerne zu machen. Und das zusätzlich zu seinem Vollzeitjob. Das ist bestimmt anstrengend und wenn er gerne zur Arbeit geht ist das unglaublich viel wert.
    Ich kann dich verstehen mit dem abrunden der Stunden und den langen samstagen und ich bin auch durchaus dafür alles gemeinsam zu entscheiden. Aber in diesem Fall würde ich seine Entscheidung akzeptieren. In dieser finanziellen Lage ist es sehr schwer wählerisch zu sein.... Vielleicht kann er sich ja umhören und bei einem besserem Angebot über einen Wechsel nachdenken.

    Hallo,

    Dein Mann will den Job ja nun behalten - da kannst Du im Moment nichts machen. Und so schlecht scheint der ja nicht zu sein.

    Arbeitsrechtlich hast Du zwar vollkommen recht, dass der AG die Mitarbeiter betrügt mit den Stundenberechnungen.

    ABER: Er wird auf der Arbeit verpflegt. Ihr werdet als Familie ab und an verpflegt. Kostenlose Nutzung Fitnessraum und Wellnessbereich.

    Wenn Du das alles so genau gegeneinander aufrechnest, dann rechne mal aus, was das kostet.

    Ich könnte mir vorstellen, dass sich das ausgleicht und Dein Mann sogar noch Naturalien drauf bekommt.

    Für den Moment dürfte es also ok sein. Wenn mein Mann glücklich wäre mit dem Beruf und es insgesamt vom Geben und Nehmen her einigermaßen passt, würde ich das nicht weiter beanstanden.

    Was kommt, das kommt. Spar Dir den Ärger und genieße die Zeit, die Ihr zusammen habt - das scheint aktuell ja nicht viel zu sein.

    LG

    Hallo meine Liebe, dein Mann ist ein erwachsener mündiger Mensch und kann es selbst entscheiden, ob und wie lange er das mitmacht.
    Ich habe 3 Jahre lang neben meinem Hauptjob und Familie bei Tupperware als Teammanagerin gearbeitet. Es hat mir super viel Spaß gemacht, war aber leider auch sehr zeitintensiv. Bei Tupperware arbeitest du auf Provision, d.h. du machst dein Programm, das mit Aufbau, An-und Abfahrt etwa 3-4 Stunden dauert, egal, ob da 3 Leute sitzen oder 30 Leute. An manchen Abenden habe ich echt gut verdient, andere Male habe ich durch Benzinkosten, anteiliges Bezahlen der Gastgeschenke etc. fast draufgelegt. Dazu kamen die zeitintensiven Meetings 1-2x pro Woche und die Zeit, die du für Vorbereitungen der Partys, Tasche packen, Rezepte raussuchen, Partys buchen, Gastgeberinnenvorbereitung, bestellen, packen, abholen und ausliefern der Ware rechnen musst. Es gab zwar viel Anerkennung und tolle Geschenke, Preise und Events, aber letztendlich war es nur ein Hobby mit kleinem Nebenverdienst. Als ich dann zum Schluss etwa 5 Abende pro Woche allein wegen Tupper unterwegs war und meine Familie durchgedreht ist, habe ich selbst die Entscheidung gefällt, aufzuhören. Das ist jetzt 1 Jahr her und ich denke manchmal immernoch sehnsüchtig daran zurück, weil es mir wirklich Spaß gemacht hat, aber meine Familie ist es mir wert, wieder wesentlich mehr Zeit mit Ihnen zu verbringen. Das muss dein Mann ebenfalls selbst erkennen. Bis dahin kannst du nicht viel machen.
    Alles Gute

    Was der AG mit der Abrechnung der Stunden macht, ist absolut unzulässig. Wenn dein Mann von 18:00 bis 21:45 arbeitet, ist auch diese Zeit abzurechnen. Genau wie mit den Hochzeiten. Wenn erst um 3 Uhr Ende ist, dann ist bis 3 Uhr abzurechnen. Warum lasst ihr euch das gefallen? Ich würde bei der nächsten Hochzeit um 1:00 die Arbeit beenden und sagen, dass ich dafür ja auch nur bezahlt werde.
    Der AG zahlt keinen Mindestlohn, das ist Abzocke. Auch im Minijob hat man Rechte wie z.B. Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Das versuchen aber viele zu umgehen, leider gibt es Leute, die sich das gefallen lassen.
    Und Trinkgeld gehört dem, der es bekommen hat, egal ob festangestellt oder Minijob.
    Ich würde mir das nicht gefallen lassen, dann soll der sich doch nen anderen Idioten suchen, der das macht.
    Außerdem würde ich die Zustände dort mal melden, der AG macht ja was er will. Wozu haben unsere Großeltern für mehr Arbeitnehmerrechte gekämpft?

    • (12) 15.10.17 - 11:59

      Wer aber mit Dreck wirft und sich quer stellt kann gehen.

      Der AG sitzt da am längeren Hebel!

      Am Ende hat man eh keine Chance. Recht bekommen aber Job los sein, ist keine Alternative, wenn man das Geld braucht.

      Und ja. Man wird Mitarbeiter los wenn man will. Egal wie!

      (13) 15.10.17 - 20:43

      Das wäre ein Kampf gegen Windmühlen. Vermutlich aussichtslos. Du kannst nur kündigen.

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(15) 15.10.17 - 09:33

arbeitest du denn?
hast du auch einen 450 angenommen oder nur dein mann?

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