Muss man sich für alles rechtfertigen?

    • (1) 15.10.17 - 20:55
      docmontgomery

      Hallo
      Ich habe seit diesem Sommer eine neue Arbeitsstelle. Eigentlich alles super, nette Kollegen usw. Nur mit einer Kollegin werde ich von Anfang an nicht so warm. Nichts dramatisches eigentlich, Arbeitstechnisch gab es bisher keine Probleme und man kann halt nicht mit jedem Menschen dicke sein. Nur wird sie jetzt etwas persönlich.
      Ich habe mich in meiner Jugend eine Zeit lang selbst verletzt. Das ist jetzt einige Jahre her, ich habe es längst verarbeitet und bin drüber hinweg.
      Nun sind auf meinem Arm 2 kleinere Narben zurück geblieben die man sieht wenn ich ein T-Shirt trage. Selbstverletzung kann viele Gesichter haben, diesen Narben sieht man einfach so nicht an wie sie entstanden sind. #sorry ich will nicht zu grafisch werden, aber es sind eben definitiv keine Narben bei denen man denkt "DAS wars".
      Einmal hat sie mich aus dem Nichts ziemlich komisch darauf angesprochen, dann kam aber ein Kunde dazu.
      Das nächste Mal hat sie mich bei einer gemeinsamen Pause vor versammelter Mannschaft angesprochen. "Warum ich denn nicht mal dazu stehe, wenn ich schon SO rumlaufe" #gruebel
      Die anderen haben nicht verstanden worauf sie hinaus wollte, ich sagte ihr klar dass ich nichts zu verstecken habe.
      Seitdem ernte ich regelmäßig doofe Blicke und Kommentare von ihr.
      Ich finde es einfach nur nervig. Hätte sie mich entsprechend angesprochen hätte sie auch eine gescheite Antworte bekommen. Ist sie sich ohnehin so sicher braucht sie nicht ewig darauf rumreiten. Oder bin ich jetzt etwa in der Bringfpflicht einem Menschen aus der Arbeit den ich seit gerade mal 2 Monaten kenne eine ausführliche Erklärung zu liefern? #gruebel

      GLG

      • Krass, ich war neulich mit meinem Freund einkaufen und die Kassiererin hatte auch Ritznarben. Nicht wenige. Und extrem deutlich sichtbar. Ich hab hinterher zu ihm gemeint, dass ich es toll finde, dass sie die nicht versteckt, weil sie sicher dumme Kommentare (von Leuten, die wissen, woher die Narben stammen) und noch dümmere Fragen (von Leuten, die nicht wissen, was das für Narben sind) kommen.

        Eine Erklärung bist Du niemandem schuldig. Und ich würde der Kollegin mal mehr oder weniger freundlich stecken, dass ich es merkwürdig finde, dass sie mit den Narben anscheinend ein größeres Problem hat, als Du.

        Huhu,
        ich würde dir raten, dich von ihr klar zu distanzieren und eine deutliche Grenze zu ziehen. Dafür würde ich deutliche Worte finden (freundlich natürlich). Du kannst ihr ja ganz konkret sagen, dass es sie nichts angeht, woher deine Narben kommen und dass du nicht wünschst mit ihr darüber zu reden und dass du ihr Verhalten unverschämt, grenzüberschreitend und unangemessen findest. Manche Menschen brauchen halt eine klare Ansage. Rechtfertigen würde ich mich nicht, das geht sie nichts an und es gibt auch keinen Grund darüber zu reden. Lass dich nicht ärgern und sieh zu, ihr jetzt gleich ganz klar die Grenze aufzuzeigen, sonst ärgerst du dich womöglich noch länger mit ihren Sprüchen rum.
        Liebe Grüße

        Hallo,

        Ich habe es aktuell auf der Arbeit auch mit einem extremen Fall zu tun.

        Meine Kollegin ist unverschämt, übergriffig, kontrolliert mich ständig und erzählt anderen Kollegen Lügen über mich.

        Morgen werde ich ihre Show ein für alle mal beenden:

        Klare, direkte, sachliche Schilderung dessen was mir an ihrem Verhalten nicht passt mit dem Vermerk, dass wir uns mit dem Betriebsrat beim Chef Wiedersehen werden, wenn sie nicht aufhört.

        Da musst du direkt einen Standpunkt haben, sonst hört es nicht auf.

        LG

      • Ich würde sie wohl ziemlich süffisant fragen, ob das Erlernen von Benehmen in ihrer Erziehung nicht vorkam.
        Es geht die Frau überhaupt nichts an, ob und welche Narben Du hast.
        Ich hatte jahrelang Flecke von einem Jugendblödsinn an den Unterarmen (an Silvester wurde von anderen Jugendlichen Schwarzpulver angezündet und ich bin in der Nähe gewesen). Als mich da mal jemand anmachte, sagte ich nur grinsend und pampig "sind Sie immer so taktlos? Ich spreche Ihre Schönheitsfehler doch auch nicht an" - Ruhe war. Lass Dir das nicht gefallen.
        LG Moni

        • Schade, ich fand deine Antworten eigentlich meist ziemlich wohl überlegt und reif. Diese hier ist reinster Kindergarten. Zu was führt diese Antwort? Zu weiteren Beleidigungen und Zickenkrieg. Helfen tut es gar nichts. Man kann sich das durchaus denken, sagen sollte man sowas nicht.

          Was meinst du, wie viele Leute blöde Sachen fragen? Ich habe eine Narbe an der Hand (hab mir mal was gebrochen, das geschraubt wurde), dazu noch am Arm, weil die Schwester mich beim Entfernen des Gipses geschnitten hat #klatsch. Mein Bub hat einen Blutschwamm UNTER den HAAREN am HINTERKOPF!!! DEN SIEHT MAN NICHT!!! Aber manche sehen es trotzdem und fragen. Dazu Fragen, warum ich so eine Haut- und Haarfarbe habe. Grad dass sie nicht fragen, wer in meiner Familie fremd gegangen ist, dass da so ein "Neger" (ja auch das, Zitat) rausgekommen ist....

          Ich kann da eigentlich nur grinsen. Manche Dinge sind reines Interesse von Leuten, die mich mögen. Da ist es doch legitim zu fragen. Bei anderen Leuten sagt mir die Frage so viel über das Niveau der Personen, dass ich eigentlich gar nicht mehr groß über eine doofe Antwort nachdenken muss. Die Personen sind ob ihres Geisteszustands oder ihrer Erziehung so geschlagen, da muss ich nicht noch mit draufhauen.

          • Sorry, aber wenn jemand derart dumm und taktlos ist, sowas bei einer Fremden anzusprechen (es ist ja nicht ihre Freundin) dann gehört so jemandem auch auf die gleiche Art klargemacht, wie er sich verhält. Manche Menschen brauchen das. Wo ich das gelernt habe? 40 Jahre in einem Männerbetrieb, mal mit mehr, mal mit weniger Übergewicht. Da kommst Du mit vornehmer Zurückhaltung bei dummen Bemerkungen nicht weit.....sondern gehst ganz einfach unter. Ich bin definitiv nicht untergegangen;-), und was sie hinter meinem Rücken sagten, war mir egal. LG Moni

      Ich glaub, du musst jetzt einfach entscheiden, wie du weiter verfahren möchtest. Willst du in dieser Arbeit bleiben, dann musst du wohl auch mit dieser Kollegin eine vernünftige Basis finden. Willst du mit ihr streiten, dann tu es, aber dann mach dir auch bewusst, dass du dann bei dieser Arbeit nicht glücklich werden wirst.

      Es geht NICHT darum, wer im Recht ist, WIE blöd die Frau ist, wie man ihr am schlausten "eins auswischen" kann, WELCHE "Bringpflichten" (ach, was ist das für ein Scheiß-Wort) du hast. Darum geht es nicht. Es geht darum, wie ihr miteinander auskommen werdet, wie du sie in die Schranken weisen kannst ohne sie bloßzustellen.

      Das weißt du doch wohl selbst auch am besten, aber da ist der eigene Schatten, über den du springen musst. Ja, sie ist vielleicht blöd. Ja, du bist vielleicht im Recht. Aber nein, du kannst dir davon nichts kaufen. Also: Sprich sie an, ob du das "musst" oder nicht. Offen und ehrlich: "Ich sehe, dich irritieren meine Narben. Das ist ein Kapitel meines Lebens, auf das ich nicht so stolz bin, das aber genauso zu mir gehört. Ich habe mich einige Zeit selbst verletzt. Es ist kein Modegag oder sonstwas, sondern das Relikt einer Krankheit, die ich überwunden habe. Darauf bin ich auch ziemlich stolz. Jetzt weißt du es. Ich gehe davon aus, dass du meine Offenheit respektierst und das jetzt nicht im Kollegium rumposaunst. Wen es interessiert, der soll mich fragen, ganz offen und höflich. Dann bekommt er gerne eine Antwort."

      Das ist sicher nicht der leichteste Weg, aber der, mit dem du den meisten Respekt ernten wirst. Der ehrlichste, offenste. Geheimnisse, die keine sind, sind sehr schnell fad. Mit dem Betriebsrat drohen oder blöde Antworten geben, das macht nur böses Blut.

      • P.S.: Ich weiß, wovon ich rede. Mein Vater war/ist (?) Alkoholiker. Klar trage ich das nicht dauernd vor mir her und erzähle es bei einer Vorstellungsrunde. Aber wenn ich merke, dass getuschelt wird - und ja, das passiert - dann sage ich offen, was Sache ist. DAS ist dann den Tuschlern sehr peinlich.

        (10) 16.10.17 - 20:51

        Ich finde gerade im beruflichen Umgang gibt es Sachen, die gehen andere einfach nichts an.
        Warum streiten? Man kann doch neugierige Fragen auch elegant ins Leere laufen lassen.
        Ein wie auch immer geartetes Outing finde übertrieben und völlig unnötig.
        Höfliche aber unmissverständliche Abgrenzung, halte ich hier für das Beste.

    diesen Narben sieht man einfach so nicht an wie sie entstanden sind. #sorry ich will nicht zu grafisch werden, aber es sind eben definitiv keine Narben bei denen man denkt "DAS wars".
    -------

    Dann würde ich mich dumm stellen. Du könntest ja genauso gut in Glasscheiben gefallen sein mit diesem Arm o. ä. . Wenn sie wieder davon anfängt, dass du SO rumläufst, dann würde ich sie fragen, was sie damit meint? Du habest als Jugendliche einen Unfall gehabt und trägst seitdem diese 2 Narben. Deswegen müsstest du dich nicht überschminken und auch nicht schämen.

    Denken kann sie was sie will, aber nur du kennst die Wahrheit und nur du entscheidest, wann du etwas preisgibst.
    Bei so einer Person weißt du nicht, was sie mit einer wahrheitsgemäßen Info macht. Dann kannst du es womöglich gleich ans Schwarze Brett im Betrieb hängen. Und anschließend hast du schlimmstenfalls einen Ruf weg, als wärst du irgendwie gaga. Nicht jeder kennt sich mit dieser Erkrankung aus, die dazu führte. Das Risiko würde ich nicht eingehen.

    Sei selbstbewusst und berufsmäßig freundlich zu ihr. Jeder darf seine Geheimnisse haben.

    (12) 16.10.17 - 19:01
    Lass die Leute reden

    Hi. Ich habe auch so eine Vergangenheit mit dem Unterschied, dass man meine Narben sehr deutlich erkennt und sofort sieht dass ich das selber war. Ich verstecke meine Narben nicht. Ich gebe auch Antwort wenn ich darauf angesprochen werden. Mag komisch klingen aber ich trage meine Narben mit "stolz" und kann mir meine arme ohne Narben gar nicht vorstellen. Jedes Jahr nach der sommerbräune verschwinden welche was ich eigentlich schade finde. Es hat für mich einen wichtigen Grund weshalb ich geschnitten habe und sehe darin nichts schlechtes. Ich schneide aber auch seit Jahren nicht mehr. Du musst dich keinesfalls rechtfertigen wenn du das nicht möchtest aber verstecken musst du auch nichts wenn du es nicht willst.

    • Bin da ganz bei dir (LDLR) und auch mein Arm trägt Narben, ich wurde sogar genäht. Ich war Teenager. Es ist MEINE Vergangenheit und alles hatte seinen Grund. Es ist MEINE Geschichte, MEIN Körper und heute sind es MEINE Narben die dazu - zu MIR - gehören.

      Ehrlich gesagt finde ich das Benehmen dieser „Dame“ unfassbar und offensichtlich sucht sie einfach etwas zum lästern und zum Denunzieren. Etwas besseres als alte Wunden/Narben hat sie "hier" offensichtlich (noch) nicht gefunden *rolleyes
      Sicherlich ärgert es sie selber NOCH nichts Besseres gefunden zu haben, heißt zugleich: Sie wird wohl ALLES mitnehmen was sie so findet!

      Ich würde dieser (gelinde gesagt:) "unangenehmen" Person keinen Meter über den Weg trauen und keinesfalls würde ich mich „rechtfertigen“ => für was denn auch Bitteschön? Allein das Wort „Narbe“ beinhaltet ja das es einst mal war und NICHT AKUT/AKTUELL ist - eine Narbe ist das Endstadium einer WundHEILUNG!

      Ich würde dieser Person - sprich: dieser Dame - keinesfalls (zu viel) Beachtung schenken, nur das Nötigste mit ihr sprechen und ihr durchaus vorleben dass sie mir Piepegal ist und dass sie mein Körper 0,0 angeht. Und Ja: bei solchen Bloßstellungsversuchen/Attacken sollte man sie m.M.n. tatsächlich konkret auf ihr Benehmen aufmerksam machen, am Besten in dem man ihr gleichzeitig potentielle Ausflüchte vorweg nimmt und sie anschließend elegant ins Leere laufen lässt und ihr definitiv NULL Aufmerksamkeit (mehr) schenkt.

      Randbemerkung: Mein älterer Sohn war ein ausgesprochener „Cars“ Fan und ich musste die Filme wirklich sehr oft schauen. Ich fand Mater/Hook so toll, als er unbedingt seine „Beulen“ und „Schönheitsfehler“ behalten wollte, weil jede Delle eine eigene Geschichte hat und zu ihm gehört. So ist es auch mit Narben - sie gehören zu uns und sind Teil unserer Vergangenheit. Ich musste bei deiner Antwort daran denken.

      Lg

(14) 16.10.17 - 22:47

Mh....
ich würde mir als erstes überlegen, wie DU damit umgehen willst. Ich selbst hab mich auch jahrelang geritzt. Am ganzen Körper, aber bevorzugt an den Armen. Da ich Linkshänder bin, kann ich mit dem linken Arm gut leben, obwohl man sieht, was da passiert ist. Der rechte Arm sah für mich leider unerträglich aus. Wie meine Mum mal so nett gesagt hat "nicht mehr menschlich". Ich habe ihn mir vor Jahren von oben bis unten zutätowieren lassen, damit ich wieder T- Shirts anziehen kann. (Ja....und manchmal werde ich darauf angesprochen, wie sich doch so ein hübsches Ding mit Tattoos verschandeln kann. 😂😂😂 Wenn die wüssten) Tja.....also laufe ich auf dem linken Arm noch mit offensichtlichen SVV Narben rum. Diese sind aber irgendwie ästhetisch.... deswegen habe ich kein Problem damit. Ich habe mir vor Jahre gesagt, dass ich dazu stehen will. Es gehört zu mir. Natürlich ist es sehr persönlich,aber Herr Gott. Wem ging es schonmal nicht richtig scheiße in seinem Leben? Die einen können damit besser umgehen,die anderen nicht. Ich wurde selbst noch nie von Kollegen angesprochen, außer ich habe das Thema angeschnitten. Dafür aber von den lieben Kunden. Und wenn mich einer gefragt hat, habe ich gesagt, dass es mir in der Vergangenheit nicht gut ging. Dann gab es Antworten, die mir mal weniger und mal mehr gepasst haben. Der Unterschied ist aber, ich habe mich für diese Offenheit entschieden und brauchte das auch ein wenig für meine Verarbeitung.
Wenn ich das aber nicht möchte, unabhängig davon das man deine Narben ihrer Entstehungssituation zuordnen kann,würde ich der lieben Kollegin sagen, dass Du diese Art des privaten Austauschs auf der Arbeit nicht möchtest. Da die Dame sehr neugierig zu sein schein, würde ich mir irgendeinen Spruch überlegen ala' "schon mal klettern gewesen"? ... oder so. Damit gibts du ihr keine wirkliche Antwort, aber sie nervt dich nicht mehr weiter.

LG

Hallo.
Ich habe das gleiche Problem. Allerdings sind das nicht nur zwei Narben. Bei mir sind fast 100% der Unterarme und ca. 30% der Oberarme zerschnitten mit teilweise sehr großen Narben. Ich regel das mit anderen Leuten so:
Fragt mich jemand in einem anständigen Ton nach dem Grund, erkläre ich ihm anständig, wie es dazu gekommen ist.
Wird jemand beleidigend, oder spricht mit mir wie mit nem Deppen, weil sie denken ich bin einer (mit den Armen...), dann behandle ich ihn eben auch so.

Gerade diese Leute, die so unverschämt sind, sind die, die heute nicht so leben würden , wie ich es tue, wenn sie diese Sachen erlebt hätten.
Ich wurde jahrelang sexuell missbraucht von meiner Mutter und meinem Bruder, ich wurde körperlich und seelisch behandelt wie ein Stück Vieh, das das Leben nicht verdient hat.
Ich habe dann insgesamt drei Jahre lang alles bluten lassen an meinem Körper, was bluten kann...
Heute habe ich drei Kinder, bin seit 15 Jahren mit meinem Mann zusammen, seit 12 verheiratet, ich gehe arbeiten, ich kümmere mich um den Haushalt etc.
Ich mache also alles, was auch Frauen machen, die ne normale Kindheit hatten.
Und da meine Mutter starb, als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, hab ich alles alleine geschafft(mit Mann).
Würden diese Menschen das auch so schaffen unter diesen Bedingungen? Vielleicht, einige...aber nicht viele. Wenn niemand stolz ist auf mich...Ich bin es. Und das zeige ich auch.
Sag ihr, was du denkst, am besten auch vor allen anderen.
LG Corinna

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