Verlustsängste?langer Text

    • (1) 18.10.17 - 08:56

      Hallo ihr Lieben,
      mein Mann und ich sind seit 13 Jahren zusammen und seit 2 Jahren verheiratet.
      2009 ist meine Schwiegermama ( pflegefall)plötlich verstorben was ein großes Loch in unser, das seines Papas sowie seiner 2 Schwestern Leben gerissen hat. Der Papa hat nach 1 Jahr eine neue Partnerin gefunden was wir sehr schön fanden. Bis dahin war noch alles okay. Ein weiter es Jahr später hat sein Papa sich komplett von der Familie abgewannt. Er hat eine neue Tel. Nummer, ist umgezogen und kennt auch seine Enkelin (4 1/2) Jahre nicht, obwohl er von ihr weiss. Seit dem ist mein Mann anders. Also er ist lieb und wir lieben uns und unsere Tochter,.Es gibt aber Tage an dem er mich beleidigt und total uneinsichtig ist und provoziert. Er hört nicht drauf wenn wir was nicht möchten und macht so lange weiter bis man auf 180 ist. Vorallem ist es vor geburtstagen und Festen)Ostern/Weihnachten) ganz schlimm.Er möchte aber auch nicht darüber reden, und gibt mir die Schuld für alles.Meine Eltern haben es auch schon mitbekommen und mein Papa hat ihn daraufhin ab und zu mal ins Cafe zum quatschen eingeladen. Da war er so entspannt hinterher und das habe ich ihm auch gesagt. Er hat leider nicht wirklich Freunde mit denen er reden könnte. Ich denke er hat Verlustsängste . kennt das jemand von euch? Hat jemand einen Tip? Sorry das musste mal raus

      • Hallo,

        gerade die familären Feiertage werden für Deinen Mann bedrückend sein. Keine Eltern mehr zu haben, einmal der Todesfall der Mama, dann der Kontaktabbruch des Vaters, werden ihm zusetzen. Dein Mann redet sicher nicht darüber, wie sehr ihn das belastet. Also läßt er es an Dir aus. Das Gesprächsangebot Deines Papas ist super, aber Du solltest Deinem Mann klarmachen, daß Du ihn unterstützt, aber nicht als Sündenbock herhältst. Gibt es gute Freunde oder Kumpels, mit denen er reden könnte?

        LG
        Mistel

        • Hi, ja so sehe ich das auch. Aber er sieht es nicht ein und blockt ab. ich verstehe ihn ja und kann es auch nachvollziehen. Er meint dann ich soll mal zum Psychologen gehen. Die leute die er kennt kennt er alle über mich. Hab schon überlegt den Mann meiner Freundin mit dem er sich richtig gut versteht mit ein zu beziehen das die zwei sich immermal treffen. Die beiden haben es nämlich auch schon mitbekommen das irgendwas ist.

      Wenn Dein Papa einen guten Draht zu ihm hat, sollte er vielleicht mal nett aber doch eindringlich mit ihm reden, unter vier Augen. Es ist nicht leicht, wenn plötzlich nahe Familienmitglieder wegbrechen, mit denen man das Leben verbracht hat. Man steht da vor einem riesengroßen Loch und hat zu tun, dass man nicht reinfällt. Ich weiß sehr gut, wie sich das anfühlt. Im März 2015 starb mein Mann, drei Monate später beschloss mein Sohn(und seine Frau) mit seiner Herkunftsfamilie zu brechen, für immer. Mein Mann, Sohn, Enkel, Schwiegertochter- alles weg. Er zog das auch mit seiner Schwester mit Familie inkl. Patenkind und sonstigen Familienmitgliedern durch. Ja, und bei sonst toll gefeierten Geburtstagen und Feiertagen, wo ich gerne für die ganze Familie gekocht habe usw. bleibt für immer eine Riesenlücke, die sich auch nie schließen wird und die keiner versteht.
      Sag ihm, dass Du ihn verstehen kannst, wie er sich fühlt, sein Verhalten Dir gegenüber aber so nicht akzeptabel ist und er sein Verhalten ändern muss. Männer reden selten über Psychisches und kompensieren ihre Ängste und hilflose Wut dann mit solchen Vorfällen, wie Du sie beschreibst. LG Moni

      • Danke.Ja es ist schwer und ich habe ihm schon so oft gesagt das ich für ihn da bin und das ich ihn verstehe , aber das er es nicht an uns auslassen kann. Er hört nur in diesem Punkt leider auch nicht zu und ich weiss nicht wie ich mich verhalten soll. Es tut mir ja auch weh ihn so zu sehen. Ich denke auch oft das ich mich falsch verhalte und damit alles schlimmer mache das e svielleicht garnicht an ihm liegt.

        • Aber solange er nicht redet, was wirklich los ist, kannst Du nicht "richtig" reagieren. Vielleicht kann das wirklich ein Aussenstehender rausfinden. Ich habe auch manchmal richtig schlechte Tage, aber meine Tochterfamilie oder auch andere wissen dann wenigstens, warum. Und ich bin zu niemandem deswegen eklig. LG

      • Hi,

        ich kenne dieses Muster ein bisschen von meinem Mann und kann da inzwischen meistens gut mit umgehen. Indem ich tiiiiiieeeef durchatme und mir Mantraartig sage: es ist SEIN Problem, nicht meins.

        Ich sage ihm das auch dann einmal, dass ich ihn verstehe, dass ich aber weder der Grund dafür bin und auch nur bis zu einem gewissen Punkt sein Mülleimer bin. Das findet er nicht lustig, das ist aber auch nicht mein Problem. Ich lasse mich weniger provozieren, das hilft ungemein. Klappt aber auch nicht immer ;-)

        Lg

    Das finde ich unfassbar traurig.

    Einen geliebten Menschen sterben zu sehen ist schlimm genug und sehr schwer. Ich weiß das. Aber ich mag mir nicht vorstellen wie es ist, wenn das eigene Kind samt Familie auf einmal den Kontakt abbricht.
    Darf ich fragen, wie es dazu kommen konnte? Ein dauerhafter Kontaktabbruch zur Herkunfts - oder Schwiegerfamilie ist etwas, dass ich nur sehr schwer nachvollziehen kann.
    Und das, obwohl ich als junge Erwachsene allen Grund und volles Verständnis von allen gehabt hätte, hätte ich mit meinem Vater gebrochen. Da sind gravierende Dinge vorgefallen. Heute bin ich froh, dass es nicht getan, sondern mich damals nur zurück gezogen habe. Er ist als Vater zwar immer noch nicht doll, aber er ist ein guter Schwiegervater und überraschenderweise eine lieber, toller Opa, den meine Kinder lieben. Er macht es mir immer noch nicht leicht, aber wir kommen klar und haben über die Jahre eine Basis gefunden, auf der wir miteinander zurecht kommen und sogar miteinander auch mal tiefgreifender reden können. Und das Wichtigste: Es gibt inzwischen eine Vertrauensbasis. Die war früher nicht da.
    Zu lesen wie Eltern oder Kinder den Kontakt abbrechen, tut mir wirklich weh. Manchmal mag das wohl tatsächlich die beste und einzige Lösung sein, aber in vielen Fällen frage ich mich, ob so was wirklich nötig war.

    Es tut mir auf jeden Fall sehr, sehr leid für Dich!

Hallo!

Das ist sicher eine schwierige Situation für Deinen Mann. Der Tod der Mutter ist immer ein schwerer Schlag und dann verliert er auch noch den Vater, aber auf eine ganz andere Art und Weise. Eine Weise, die vielleicht noch schwieriger zu verkraften ist, als ein Todesfall, der zumindest irgendwie natürlich und mit der Zeit anzunehmen ist.
Wie konnte das denn passieren? Kam der Kontaktabbruch durch Einfluss der neuen Partnerin zustande?
Das erklärt vielleicht ein Stück weit mehr das Verhalten Deines Mannes. Da dürfte neben Traurigkeit auch eine Portion Wut in ihm kochen. Immerhin wurde ihm etwas weggenommen und zwar nicht durch da Leben selbst sondern durch einen realen Menschen.

Mein Mann hat auch beide Eltern verloren. Seine Mutter vor einigen Jahren sehr plötzlich, ohne Vorwarnung und viel zu jung und dann, zwei Jahre später, ist der Vater gestorben, für den der Tod allerdings eine (abzusehende) Erlösung war.
Insbesondere nach dem Tod meiner Schwiegermutter war es wirklich sehr schwierig mit ihm umzugehen.
Ich bin eher ein Mensch, der Trauer größtenteils mit sich selbst ausmacht und versucht einen Weg zu finden, höchstens in Gesprächen mit meinen engsten Freunden. Mein Mann hingegen trauert "laut" und sehr emotional. Ich sage dazu gern, dass er eine arabische Art hat zu trauern, mit vielen Tränen, Reden, Wehklagen. Er war nach dem Tod seiner Mutter sogar eine Weile krank geschrieben.
Ich werte das nicht, aber die Unterschiede haben natürlich auch das Potential für Konflikte in der Partnerschaft.

Dein Mann scheint auch eben eine eigene Art zu haben, mit seinen Gefühlen umzugehen. Ich denke, da helfen Gespräche. Wenn er keine engen Freunde hat, aber den guten Draht zu Deinem Vater, wäre das vielleicht eine Option. Es hilft ihm sicher auch weiter wenn er sieht, dass er trotz seines Verlustes immer noch eine Familie außerhalb seiner selbst gegründeten Familie hat. Geschwister, liebe Schwiegereltern usw.

So war es bei uns. Mein Mann versteht sich gut mit meinen Eltern, ist voll in meine Seite der Familie integriert. Er nennt meine Großeltern sogar selbst Oma und Opa. Umgekehrt haben mein Schwager und ich ein so enges Verhältnis, dass es manche Leute regelrecht verblüfft. Wir stehen uns näher als viele Blutsgeschwister. So hat mein Schwager (alleinstehend, kinderlos) auch noch eine Familie.
Ich denke, dass ist viel wert.

Alles Gute

  • Vielen Dank für all die Antworten und Lieben Worte.Ich hoffe das wir es auf die Reihe bekommen und sich alles zum bessern wendet .Ich wünsche ich allen viel Glück und eine tolle Familie an eurer Seite.Dnake nochmal ihr habt mir ein Stück last genommen .

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