ich hasse Männer

    • (1) 22.10.17 - 17:14
      Aurora05

      Hallo zusammen,

      Mir ist bewusst, dass die überschrift sehr provokant klingen mag. Aber leider ist es wirklich so - ich scheine Männer zu hassen. Und dafür wiederum hasse ich mich selbst.

      Früher, als Jugendliche bzw. junge Erwachsene war dieses Gefühl noch nicht so stark ausgeprägt. Allerdings war ich damals schon sehr wütend auf Männer, aber auch auf Frauen. Ich hatte das Gefühl, dass man als Frau überall als Opfer angesehen wird. Meine Mutter, meine Freundinnen, unsere Lehrer ... Sie alle haben mir den Eindruck vermittelt, als Frau sei man schwach und müsse in permanenter Alarmbereitschaft leben, um nicht verprügelt oder vergewaltigt zu werden.
      Meine Mutter war da besonders schlimm. Wenn ich nachts alleine nachhause laufen wollte, hat das für hitzige Diskussionen gesorgt. "alleine heimlaufen ... UND DAS ALS FRAU!" Dieses "und das als Frau" oder auch "Mädchen in eurem Alter", das sind so Sätze, die ich einfach nicht hören kann. Ich werde schon beim schreiben wütend.

      Ich war damals bereits sehr abweisend Männern gegenüber. Für mich waren sie einfach keine vertrauenswürdigen Wesen und eine Beziehung stellte in meinen Augen eine Gefahr dar.

      Irgendwann habe ich mich dann doch mal mit einem Typen verabredet - dieser Abend endete in einer Vergewaltigung.

      Hinterher verspürte ich mal wieder Hass auf mein Umfeld. Von allen Seiten war stets zu hören gewesen, wie gefährlich man als Frau lebte, wie schwach man sei, dass man ständig auf der Hut sein müsse ... Aber nur vor fremden Männern. Partnerschaften bzw. Typen, die man näher kennen würde, seien ja was ganz anderes, da könnte man vertrauen. Tja, ich habe leider die umgekehrte Erfahrung gemacht.

      Ich hatte seitdem keine "Romanze" mehr. Männer sind für mich einfach nur verabscheuungswerte Menschen. Sobald ein Typ Interesse an mir bekundet, nutze ich ihn aus und will ihn verletzen. Ich genieße es zu sehen, wie ein Mann um meine Aufmerksamkeit und Zuneigung kämpft und sich dabei von einer völlig schwachen verletzlichen Seite zeigt. Weil ich mir damit selbst beweise, dass nicht ich als Frau die schwache bin. Es ist einfach ein Gefühl von Macht und es erfüllt mich mit Schadenfreude zu sehen, dass Männer nicht schalten und walten können wie sie wollen und die Dinge nicht unter Kontrolle haben.

      Aber ich hasse nicht nur Männer, sondern auch die Frauen, die sich mit dieser Opferrolle so sehr identifizieren können. Von allen Ecken sind solche Sprüche zu hören wie "ich als Frau war da lieber vorsichtig" o.ä. Ich könnte jedesmal kotzen!

      Ich begebe mich sogar manchmal absichtlich in "gefährliche" Situationen, wie diese anderen Frauen sie meiden. Z. B. setze ich mich nachts in der U-Bahn extra neben eine Gruppe Männer oder gehe Wege durch zwielichtige Straßen. Einfach um mir zu beweisen dass ich nicht schwach bin und mir nichts passiert.
      Ich meide auch Dinge wie Frauenparkplätze konsequent, weil ich sowas einfach schrecklich finde ... Mal wieder ein Signal für die Schwäche der Frauen.

      Problematisch ist aber natürlich vor allem mein Verhalten gegenüber Männern. Ich habe kein schlechtes Gewissen dabei sie benutzen und auszubeuten, einfach weil ich sie schwach und gedemütigt sehen will. Und weil ich sie insgeheim dafür hasse, dass sie sich nicht von der Gesellschaft als "Opfer" betiteln lassen müssen.

      Ich ertappe mich manchmal bei dem Gedanken daran, dass ich mir wünsche, ich könnte einfach normal mit Männern umgehen, sie achten und respektieren. Und vor allem ihnen vertrauen. Aber das ist überhaupt nicht möglich. Für mich sind Männer einfach dumme, primitive Wesen (es tut mir leid, ich weiß dass meine Wortwahl sehr unschön ist), mit denen ich mich niemals intimer als nötig abgeben will.

      Was ist nur los mit mir? Ich habe bereits einmal eine Therapie gemacht, aber ich bekomme diese Einstellung einfach nicht weg ...

      • >>>aber ich bekomme diese Einstellung einfach nicht weg ... <<<

        Du WILLST diese Einstellung doch gar nicht wegbekommen, du kultivierst sie doch geradezu.
        Es gäbe eine Menge zu deinem Beitrag zu schreiben, aber ich spare mir das.

        Was mit dir los ist, wird dir ein Forum nicht sagen können.

        • (3) 22.10.17 - 17:28

          "Es gäbe eine Menge zu deinem Beitrag zu schreiben, aber ich spare mir das"

          Bitte sag es, du darfst mir gerne den Kopf waschen. Oder geht's dir darum, dass du es für "Zeitverschwendung" hältst?

          • >>>Oder geht's dir darum, dass du es für "Zeitverschwendung" hältst?<<<

            Nein, nicht unbedingt, dein Beitrag ist so komplex, dass ich nicht wüsste, wo ich anfangen sollte und keinen Roman schreiben möchte.
            Und, wie ich schon anmerkte, halte ich ein Forum nicht kompetent genug für deine Geschichte.

        Ging es noch etwas weniger einfühlsam #aerger?!

        DAS ist genau der Grund, warum Leute wie die TE gar nicht erst zum Psychologen gehen, nämlich aus Angst, dass einer sagt "DU bist ja selber schuld!"

        Mit solchen Aussagen würde ich mal dezent zurückhalten. Wer an einer Erkrankung leidet, und bei der TE sieht es ja so aus, als ob sie das aus Zwang macht, kann nicht aus seiner Haut, solange die Erkrankung nicht behandelt wird.

        Diese Schuldzuweisungen führen ganz sicher nicht dazu, dass die TE den Mut fasst, einem echten Menschen von Angesicht zu Angesicht ihre Probleme zu berichten.

        Dein Beitrag ist ekelhaft!

    Du brauchst dringend Hilfe würde ich sagen. Da kann dir ein Forum nicht helfen. Vielleicht probierst du nochmal einen zweiten Versuch einer Therapie. Da scheint was sehr tief zu sitzen.
    Alles gute wünsche ich dir

    Dass du ein Problem hast, ist dir ja selbst klar.

    Das dürfte ganz viel mit deiner nicht aufgearbeiteten Vergangenheit zu tun haben.

    Und hier kann man eigentlich nur sagen: lege dieses Problem in die Hände eines Profis, also (erneute) Therapie. Da muss man auch bedenken: nicht jeder Therapeut oder Arzt passt zu jedem Patienten bzw dessen Problemen. Also durchaus einen neuen Versuch wagen, und genau hinschauen ob es zu dir passt. Im Zweifel wechseln und weiterer Versuch.

    Als vorläufigen Denkanstoß könntest du folgendes mitnehmen: du empfindest die eine Hälfte der Menschheit als negativ, nur aufgrund des Geschlechts. Ist doch genau das, was du den Männern vorwirfst, sie sehen nur Frauen als was auch immer. Ist doch beides sexistisch, oder?

    LG

    Hallo,

    Dein Verhalten liest sich schwer wie eine posttraumatische Belastungsstörung.

    Dein extremes Verhalten (sich in vermutete gefährliche Situationen begeben) kann ein ganz typisches Anzeichen sein, dass Du mit dem Trauma, das Dir widerfahren ist, nicht umgehen kannst.

    Das merkst Du ja selber.

    Hast Du mal über eine tiefenpsychologische Therapie nachgedacht - dauert lange, ist emotional schwer und anstrengend, aber auch gut und kann in solchen Fällen guten nachhaltigen Erfolg erzielen.

    Hier im Forum kannst Du zwar Anstöße finden, aber helfen wird Dir nur, wenn Du darauf auch reagierst und Hilfe in Anspruch nimmst.

    Ich wünsch Dir jedenfalls alles Gute.

    • (11) 22.10.17 - 18:20

      Hallo und danke für deine nette Antwort.

      Mein Problem ist, dass ich irgendwie das Gefühl habe, meine Erlebnisse seien "nicht schlimm genug" für eine Therapie. Im Prinzip gab es ja "nur" diese Vergewaltigung, derentwegen ich bereits in Therapie war. Und ich weiß nicht ob dieses eine Erlebnis wirklich der einzige Grund für meine gestörten verhaltensweisen sein kann. Aber was sonst? Diese Sprüche meiner Mutter und anderen Personen meines Umfelds, die mich bereits in meiner Jugend so sehr genervt haben, sind ja nun wahrlich kein traumatisches Erlebnis.
      Kann all das wirklich nur von der Vergewaltigung kommen? Ich habe eigentlich nie viel über dieses Ereignis nachgedacht und habe es als "unseligen Zwischenfall" abgetan.

      • Natürlich reicht ein Ereignis aus - insbesondere, wenn Du bereits empfänglich warst für das Grundmuster.

        PTBS entsteht ja gerade nach EINEM traumatischen Erlebnis.

        Ich hatte selber eine schlimme Kindheit - nicht extrem in der Einzelheit der Ereignisse, aber in der Gesamtheit grausam und gewalttätig.

        Eine tiefenpsychologische Behandlung hat mir geholfen, zu Lebensfreude und einer positiven Grundeinstellung zu finden, ich aufgrund meiner Herkunftsfamilie einfach nicht hatte.

        Ich dachte auch immer, dass "das" nicht reicht für eine Therapie - erst als ich in Therapie war, habe ich festgestellt, wie tiefgreifend mein Leben davon beeinflusst war, und das noch 20 und 30 Jahre nach den Vorfällen selbst.

        Man richtet danach sein Leben in die eingeschlagene Richtung aus und kommt so "immer weiter weg" vom Normalsein. Kein Therapeut wird Dich deswegen auslachen, Dich nicht ernst nehmen oder sagen "Kneif die Arschbacken zusammen - anderen geht es viel schlechter".

        Eine Therapie ist dazu da, dass es Dir besser geht. Was andere Leute aushalten müssen, interessiert da nicht.

        Such Dir einen Tiefenpsychologen und mach einen Kennenlerntermin. Am besten und schnellsten geht das, wenn Du Deinen Hausarzt bittest, Dir eine Dringlichkeitsüberweisung auszustellen. IdR hat man dann innerhalb einer Woche einen Termin.

        Du kannst es ein paar Sitzungen ausprobieren. Wenn es nichts bringen sollte (was ich nicht glaube), geht es Dir auch nicht schlechter.

        Viele Grüße

Ich finde Deine Einstellung sehr interessant, denn sie deckt sich überhaupt nicht mit meiner. Mir ist auch noch nie in den Sinn gekommen das man das am Geschlecht festmachen könnte.

Meiner eigenen Erfahrung nach gibt es dumme, brutale Männer ebenso wie dumme, brutale Frauen. Manchmal hatte ich sogar vor einer hinterhältigen Frau mehr Angst als vor einem brutalen Mann. Andererseits gibt es in meinem Universum kluge, sensible und warmherzige Männer ebenso wie kluge, warmherzige Frauen. An welchen konkreten Taten ich das festmache würde jetzt für diesen Beitrag wohl zu lange dauern. Aber so in etwa ist es für mich.

Hast Du Angst davor das Dich ein Mann aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit dazu zwingen könnte etwas zu tun das Du nicht möchtest oder ablehnst? Warum sollten es "die Männer" denn generell darauf abgesehen haben "den Frauen" zu schaden oder sie zu unterdrücken? Oder andersherum? Meiner Erfahrung nach sind solche "Beziehungen" -und die gibt es- niemals liebevoll, leicht, spielerisch und (gegenseitig) erfüllend. Und ich kenne in meinem Umfeld niemanden der eine Beziehung mit Zwang, Druck oder Schmerz leben möchte (weder Männer noch Frauen).

Dir alles Gute

  • (14) 22.10.17 - 18:35

    Hm, ich kann es nur schwer beschreiben ... Denn irgendwie ist es ja so, dass ich auch Frauen nicht sonderlich gerne mag. Jedenfalls nicht jene, die sich in dieser Opferrolle so wohlfühlen bzw sie einfach annehmen.

    Es gibt durchaus auch Unterschiede - ich habe ein paar wenige männliche Bekannte, die ich sogar als Freunde bezeichnen würde. Die finde ich "okay". Und auch bei völlig Fremden lasse ich mir meinen Hass nicht anmerken. Ganz schlimm ist es vor allem bei Männern, die entweder Sex oder Liebe von mir wollen. Wobei ich diejenigen, die auf Gefühle aus sind, fast noch schlimmer finde.

Top Diskussionen anzeigen