Werden Beziehungen zu schnell aufgegeben oder war es doch zu viel?

    • (1) 24.10.17 - 04:02
      Beziehungsretterin

      Der Hintergrund: verheiratet seit Ende 2016, Baby im Herbst 2017 bekommen.

      Anfang 2017 erfuhr mein Mann, dass seine Mutter unheilbar an einer Muskelschwäche erkrankt ist. Seither benahm er sich unmöglich mir gegenüber. Er machte nichts im Haushalt, lies alles stehen und liegen. Er ging arbeiten und er ging seinen Hobbys nach. Zur gleichen Zeit wurde ich schwanger und die Schwangerschaft war kein Zuckerschlecken. Bin alleine da durch. Bin eh eher eine Einzelkämpferin, schon immer gewesen.
      Es gab regelmäßig Ärger, weil ich mich vernachlässigt fühlte. Es gab keine Wertschätzung, keine Anerkennung, für nichts.
      Für alle anderen hatte er immer Zeit und nette Worte und auch nette Gesten übrig. Gleichzeitig erzählte er überall, was ich für eine fantastische Frau sei.
      Es gab einige Vorfälle, die schon hart waren. Beispiele: mit einem Freund geht er Schwimmen, war er mit mir nie, obwohl ich es so gerne mache. Einer Freundin hat er Pralinen und Blumen gebracht, als es ihr schlecht ging. Da hat er mir auch direkt welche mitgebracht. Ständig kommt er später als angekündigt, ohne kurz Bescheid zu geben. Es waren einige Vorfälle. Immer wieder habe ich ihn drauf angesprochen und er gelobte Besserung. So ging es bis zum letzten Wochenende.
      Da fand ich durch Schnüffelei heraus, dass er mit einer anderen Frau (die mit den Pralinen) sich ziemlich eindeutige, anzügliche Nachrichten schickt (Whatsapp- Sex), ich habe ihn noch in der Nacht zur Rede gestellt. Ich habe ihm den ganzen Tag Vorwürfe gemacht und meinen ganzen Frust abgelassen, aber so richtig. Dennoch habe ich mich nicht getrennt, denn wir haben einen kleinen Sohn.
      Am Tag darauf haben wir noch lange und viel Gesprochen und ich habe ihm noch mehr Vorwürfe gemacht. Da brach er irgendwann zusammen und erzählte, dass er einfach mit der Krankheit und dem Tod seiner Mutter nicht klar kommt und ihn das so lehme.
      Da ist die Kurzform von der Geschichte. Ich habe mit Sicherheit viele auch wichtige Details vergessen.

      Ich habe unabhängig voneinander mit zwei Freundinnen gesprochen und keine kann verstehen, wieso ich ihn nicht sofort rausgeschmissen habe.
      Es war einfach alles so heftig viel in der Zeit, dass ich nicht einfach Schluss machen kann. Uns verbindet so viel. Aber die Masse an Vorfällen und die Eskalation am Ende lähmen mich total. Ich bin weder sauer noch traurig oder enttäuscht. Ich nehme es so hin und versuche einfach, alles wieder in richtige Bahnen zu lenken. Ich vertraue ihm nach wie vor bedingungslos.

      Bin ich so blind oder kann mich irgendwer verstehen?!

      • Huhu,
        also grundsätzlich kann ich dich verstehen. Auch ich würde für meine Ehe kämpfen.
        Die Frage die du dir stellen musst, ist ob du ihm das wirklich vollkommen verzeihen kannst. Wenn ja könnt ihr an der Situation arbeiten.
        Ich muss jedoch auch anmerken, dass ich nicht ganz nachvollziehen kann, warum man quasi aus Trauer um die Mutter fremdgeht. Klingt für mich etwas seltsam bzw. vorgeschoben.
        Allerdings bin ich auch kein Mann.
        Ich denke nicht, dass dir da jemand die richtige Antwort geben kann, da nur du mit ihm und eurer Beziehung lebst.
        Liebe Grüße und alles Gute

        • (3) 24.10.17 - 06:16

          Es kommt wohl noch eine weitere Komponente hin zu.
          Er hat derzeit massiv Ärger auf der Arbeit, sein Chef kritisiert täglich an ihm herum und meckert. Er arbeitet seit dem Tod seiner Mutter unkonzentriert und langsam, weil er oft in Gedanken ist. Das hat wohl schwer an seinem Ego genagt.

          Er sagte, seit dem er aber drüber reden kann, geht es ihm viel besser. Da ich mit seiner Mutter nicht klar kam, hatte er immer Angst, mit mir darüber zu sprechen und war mit seiner Trauer und Hilflosigkeit sehr alleine. Für seine Familie musste erst der Stärke sein, weil die allesamt nicht klar kommen. Weder mit ihrer Trauer noch mit ihrem alltäglichen Leben.

      Macht eine Eheberatung/Ehetherapie oder sprecht zumindest jetzt sehr viel miteinander. Ihr habt den Kontakt zueinander verloren und die Hintergründe müsst ihr aufdecken und euch wieder annähern. Er sagt es selbst, er konnte mit Dir nicht über seine Probleme sprechen. Das müsst ihr jetzt ändern.

      Ja, es kann sein, dass Menschen sich einer (sexuellen) Ablenkung hingeben, wenn sie sich in einer emotionalen Krisensituation befinden. Das ist alles andere als ungewöhnlich. Es ist aber wichtig, dass ihr das beide gleichermaßen versteht, damit die nächste Krise euch nicht wieder verbal "lähmt", wie Du selbst schreibst.

      Was Du nicht tun solltest ist, jetzt einen auf Normalität machen und wieder nicht mit ihm darüber sprechen. "Schwamm drüber" ist in solchen Fällen nur ein Pflaster, aber die Wunde muss schon auch heilen.

      • (5) 24.10.17 - 21:35
        Beziehungsretterin

        Ich kann gar nicht zur Normalität übergehen. Ich habe immer wieder diese Worte vor Augen. Das merkt er mir auch an.
        Leider benimmt er sich dann, wie ein getretener Hund und sitzt da, woe ein Häufchen Elend, weil er ein schlechtes Gewissen hat, weil er schuld daran ist, dass es mir schlecht geht. Da könnte ich wahlweise ausrasten oder noch mehr heulen...

    Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass sowas nur der Anfang einer in sich schon gestorbenen Beziehung ist.

    Sobald man anfängt mit anderen Intimitäten real oder virtuell auszutauschen ist der Drops beziehungsmäßig schon gelutscht denn das Interesse am Partner ist dann schon gestorben.

    Er ist nur noch Beiwerk oder Inventar.

    Sobald ich merken würde, dass ich oder mein Partner Interesse an anderen in dieser Art bekundet, gäbe es keine Diskussion mehr und die Koffer stehen vor der Tür. Egal ob mit Kindern oder ohne.

    Durch Bleiben verlängert man nur die Zeit des Leidens und es kommen dann noch viel unschönere Dinge auf einen zu.

    Wozu die Zeit dann mit so jemanden verschwenden? Nein. Dazu ist das Leben zu kurz!

    Soll sich jemand anderes von der Person verarschen oder ausnutzen lassen.

  • (7) 24.10.17 - 08:41

    ...weil es deine Herzensentscheidung ist und nicht die Verstandesentscheidung einer Person, die Distanz zu deinem Mann, deinen ursprünglichen Visionen und Wünschen usw. hat... deswegen hast du nicht gehandelt wie deine Freundinnen.

    Das bedingungslose Vertrauen in ihn, nehme ich dir nicht ganz ab. Du hattest viel Frust erlebt und bist gewohnt, alleine zu kämpfen. Ich vermute, dass du ih gerne bedingungslos vertrauen möchtest und es jetzt vielleicht auch tust. Das Gefühl der Ungewissheit könnte aber noch eine Weile auftauchen. Ihr habt eure Probleme jetzt nicht gelöst.
    Du hast nur (wieder?) Verständnis für seine Situation aufgebaut.
    Und du bist die, die versucht alles in Bahnen zu bekommen, oder?

    Mein Gefühl sagt, dass die Lösung nicht darin besteht, dass du wieder alles ordentlich und sauber machst und es dadurch für alle etwas erträglicher und zwischendurch auch wieder richtig schön wird. Ich denke, die Lösung liegt mehr auch in seiner Verantwortung, die du (vielleicht täusche ich mich auch) ihm ein Stückweit zu viel abnimmst.
    Verständnis für ihn, für seine Situation - das ist das eine. Aber du kannst ihm seine Trauer, seine Lähmung nicht abnehmen. Das darfst du nicht... wenn ihr eine gleichwertige Beziehung haben wollt.

Ich würde wahrscheinlich um meine Ehe genauso hart kämpfen wie du. Dennoch sind auch die härtesten Kämpfe irgendwann ausgefochten.

Ihr seid nun an einem Scheideweg angelangt denke ich. Du hast aus ihm heraus bekommen, was der Grund für sein Verhalten sein soll.

Nach meinem Empfinden müsste er nun aber auch bereit sein, das Ruder herum zu reißen. Wenn er tatsächlich "einfach nur" mit der Krankheit und dem Tod seiner Mutter nicht zurecht kommt, sollte er psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Vielleicht helfen ihm schon ein paar Gesprächstermine oder auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe.

Er muss bereits sein, eine Änderung herbei zu führen. Mir erschließt sich auch nicht, warum er anscheinend für alles und jeden zeit und liebe Gesten übrig hat - für dich jedoch eher weniger. Energie ist bei ihm ja offensichtlich vorhanden, nur leitet er diese nicht in die richtige Richtung.

Ich kann Dich verstehen.

Aber wenn ihr es beide wirklich ernst meint und an eurer Beziehung festhalten wollt solltet ihr Hilfe in Anspruch nehmen und eine Eheberatung machen. In meinen Augen müsst ihr lernen, richtig miteinander zu kommunizieren. Meiner Meinung nach hätte man von Beginn an mit Reden die Situationen klären können.

Du hast soviele Widersprüche in Deinem Text. Du schreibst Du bist eine Einzelkämpferin, aber es gab regelmässig Ärger, weil Du Dich vernachlässigt gefühlt hast.
Du schreibst Du vertraust ihm nach wie vor bedingungslos.... schnüffelst aber in seinem Handy und deckst Dinge auf.

Sucht euch jemanden, damit ihr all das richtig miteinander (auf-)klären könnt.

Lichtchen

Ehrlich gesagt, ich verstehe IHN nicht. Zumindest nicht die Gründe, die er dir da auftischt.

Er sei so gelähmt, frustriert.............. Aber für andere Leute reißt er sich ein Bein aus und bringt die Energie auf, sein Techtelmechtel mit der anderen abzuwickeln und geheim zu halten. Im Gegenzug dazu hat er die Nähe zu dir verloren und die Kommunikation eingestellt.

Man bekommt ein wenig Angst, wenn nach wenigen Monaten Ehe und eher harmlosen Krisen (ich weiß, das ist immer relativ. Aber noch nicht einmal ihr seid direkt betroffen sondern seine Mutter. Das ist tragisch, aber was passiert, wenn mit dem Kind mal etwas sein sollte oder einem von euch etwas passiert? Da seid ihr noch näher dran und das gemeinsame Leben ist noch lang. Wartet ab, was da noch alles kommt) gleich so ein existenziellen Problem daraus gemacht wird.

Ihr könnt das bewältigen, wenn ihr lernt, miteinander im Dialog zu bleiben und er nicht wegen jeder Unpässlichkeit sein Heil in der Flucht nach außen sucht. Manchmal muss man erst lernen, dass der Partner auch der beste Freund und Vertraute ist.

(13) 24.10.17 - 14:28

Ich verstehe dich durchaus. Andere können immer leicht Reden schwingen in Richtung- ich hätte ihn sofort rausgeschmissen..#bla

Wenn man selber in der Situation ist sieht das ein bisschen anders aus. Man müsste tatsächlich mit den Folgen einer Trennung leben und muss auch erstmal den Schock verdauen.

Man ist es sich selbst schuldig zu versuchen die Beziehung zu retten. Und wenn es nur versucht wird um sich nicht mal fragen zu müssen ob die Trennung ein Fehler war.

Ich war noch nie in deiner Situation- aber ich würde auch zuerst mal eine Eheberatung in Anspruch nehmen bevor ich einen Anwalt suche und die Scheidung einreiche.

  • (14) 24.10.17 - 14:43

    ...Andere können vielleicht "leicht" diese Reden schwingen weil sie wirklich so handeln würden!

    Man sollte vielleicht auch mal unterscheiden können und bei der TE ist es der Anfang vom Ende....
    Man kann Reden, aber es sollte auch Reden sein und nicht ein Labern bzw. rausreden oder in Selbstmitleid schwimmen und genau das macht dieser Mann und dann ist es nur ein aufschieben bis das man sich trennt, da nützt auch keine Therapie mehr was.Für wenige Monate ja, aber nbicht auf langer Sicht...

    Jemand der kämpfen möchte, der handelt nicht wie ihr Mann und genau so wie er sich jetzt benimmt, genau das wird das Verhängnis in ein paar Monate sein.Die TE wird ihn in ihrem Herzen immer mehr verlieren und dann hält nur noch das Kind sie zusammen und auch das wird vergehen und sie trennt sich.

    • Und was wäre daran schlimm? Gehen kann man immer noch, aber ein Zurück ist selten sinnvoll.

      Du schreibst mit so einer Überzeugung, was passieren wird, ob eine Therapie Nutzen bringt, ob sie sich entliebt und was kommt, als würdest du das Paar kennen. Woher willst du das alles so genau wissen?
      Wenn man in der Situation steckt, dann weiß man selbst nicht mal genau, in welche Richtung es gehen wird oder ob sich diese in x Monaten nochmal ändert. So lange man bei sich selbst bleibt, sich nicht verliert, verbirgt oder zu sehr und zu lange leidet, dann schadet es doch auch nicht, wenn man diverse Möglichkeiten ausschöpft.

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