Ungewollt Kinderlose und ihr Neid...

    • (1) 31.10.17 - 18:42
      Voll daneben

      Hallo,
      Meine Freundin ist ungewollt kinderlos meine Schwester konnte aus gesundheitlichen Gründen nur ein Kind bekommen.
      Ich habe drei Kinder wobei das letzte nicht geplant war.
      Immer soll ich Rücksicht nehmen, darf nie darüber klagen wie stressig es ist mit drei Kindern, wie schwer mir die Einschränkungen fallen?
      Ständige bekomme ich gesagt wie glücklich ich sein soll.
      Heute ist mir dann raus gerutscht, dass meine Freundin doch glücklich sein soll keine Kinder zu haben.
      Sie kann machen was sie will und soll doch ihre Freiheiten genießen und froh sein dass ihr der Ganze Stress erspart geblieben ist.
      Jetzt ist sie sauer und verletzt.
      Als ich dann sagte ,dass ich das auch bin weil sie immer sagt wie glücklich ich zu sein habe, hat sie es nicht verstanden und gemeint das sei was anderes.
      Auch meine Schwester neidet mir meine Kinder und kann nicht sehen, dass ein EinzelKind durchaus Vorteile hat.
      Das Problem ist das geht seit Jahren so.
      Meine Freundin ist mittlerweile Ende 40 und ich frage mich wann schließt sie das Thema mal ab?
      Sobald ich das anspreche, gibt es Tränen.
      Muss man ungewollt Kinderlose den Rest ihres Lebens schonen?
      Was kommt da noch wenn ich mal Oma werde?
      Leiden die ungewollt Kinderlosen dann wieder?

      • (2) 31.10.17 - 19:00

        Du hast keine Ahnung wie tief die Verletzung bei ungewollt kinderlosen Menschen ist!

        Sie idealisieren Kinder sehr, für sie sind Kinder der Inbegriff des Glücks!
        Da hört man auch nur die schönen Dinge, stellt sich Elternzeit als durchgehende 3 Jahre Freizeit vor, während man selbst Vollzeit (im ungeliebten) Job hängt.

        Kurz gesagt. Man leidet Höllenqualen. Schon deshalb, weil man Kindern ja nun nie komplett aus dem Weg gehen kann. Kinder sind überall! Man beobachtet so viele Szenen im täglichen Leben. Und jedesmal legt sich eine Tonnenlast aufs Herz.

        Ich selbst kann das genau nachvollziehen. Lebte ich doch 12 Jahre mit der Diagnose steril zu sein.

        Dann wurde ich doch schwanger. Gleich 2 mal. Ich habe heute 2 Kinder die mich schaffen. Täglich geh ich an meine Grenzen mit den beiden. Sie sind 4 und 1 1/2 Jahre alt - das ist eine Zeit, wo du jeden Tag nur hinterher rennst und das Chaos aufräumen musst, wo du ständig erklären musst, Nein sagst und die Kinder aus Gefahrenzone bringst, wickelst, wäscht, putzt und kochst (und nach jedem Essen den Boden wieder sauber machen musst!)

        Das schlaucht und hat so ÜBERHAUPT NICHTS mit dem Idealbild zu tun, das kinderlose von Elternschaft haben!

        Genau da liegt das Problem

        Du trauerst der ungebundenen Zeit nach. Sie würde gerne mit dir tauschen.

        Ich habe damals auch gesagt das die Mütter mal nicht jammern sollen - denn die haben doch alles!

        Es ist immer eine Frage des Blickwinkels!!!!

        Sie KANN nicht nachvollziehen was du erlebst
        Und du KANNST nicht ersparen wie sie leidet

        Ihr könnt versuchen miteinander zu reden. Ob das allerdings klappt, fraglich.

        Es ist nicht schön, dass du mit deinen Sorgen und Nöten bei deiner Freundin und deiner Schwester kein offenes Ohr findest. Und genau deswegen solltest du einmal vorsichtig das Thema dort ansprechen.

        So einen Ausbruch wie du ihn beschreibst geht aber gar nicht. Du hattest die Wahl, mehrmals, die beiden aber nicht.

        Ich glaube dass die Erkenntnis dass sich ein Kinderwunsch nie erfüllen wird sehr sehr schwer ist. Dir ist wohl selber klar, dass das Arguemnt, dass man ja dann so viele Freiheiten hätte ziemlich lahm ist. War für dich ja auch keine Alternative.

        Nein, meine Liebe, wenn du hier wirklich in den vergleich gehen möchtest, ist Die Situation für Freundin und Schwester sicher schwerer als für dich mit Kindern und ein paar anstrengenden Tagen.

        Schön, wäre, wenn ihr einen Weg findet, dass man offen miteinander sprechen kann. Dazu musst aber auch du dich öffnen und ncith genervt warten, bis die beiden mal klarkommen mit ihren unerfüllten Kinderwunsch.
        Warum bietest du nicht deine Hilfe an, hast Verständnis für ihre Situation und auch ihre Tränen?

        Und was meinst du mit "schonen"?

        Du hast dich bewusst dazu entschlossen mit Kindern zu leben.

        Für deine Freundin hat das Schicksal entschieden, nicht sie selbst!!! Sie muss damit leben.

        Das ist in meinen Augen ein gewaltiger Unterschied.
        Vielleicht kannst du versuchen es ihr etwas nach zu empfinden und vielleicht versteht sie auch deine Sichtweise... Es wird in jedem Fall schwierig werden.

      • Muss man ungewollt Kinderlose den Rest ihres Lebens schonen?
        Was kommt da noch wenn ich mal Oma werde?
        Leiden die ungewollt Kinderlosen dann wieder?
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        Es ist IHR Schicksal, das sicher bedauerlich ist, aber nicht deine Baustelle. Jeder muss sein Leben leben, wie er es kann und muss sich nicht rechtfertigen.

        So ein Geschiss wird irgendwie nur bei dem Thema Kinder gemacht. Was machen all die Kranken und Menschen mit Handicap sowie deren Umfeld? Darf da aus dem Freundes- oder Familienkreis auch niemand sagen, dass er gerade Inliner skaten war, weil es den Querschnittgelähmten im Rollstuhl betrübt? Oder muss man immer den Fahrstuhl nehme und darf nicht unbedacht sagen "ich nehme die Treppe, das geht grad schneller", weil der Rollifahrer das niemals kann?

        Jeder hat sein Schicksal zu tragen und nicht alles ist Rosarot - egal in welcher Position man ist - aber ich finde nicht, dass man ständig umeinander herschleichen muss und ständig nur Rücksicht nehmen muss.
        Das hieße ja in deinem fall, du dürftest NIE Probleme haben und hättest dort nirgends ein offenes Ohr, weil du dich mit Kindern ja bitteschön nur glücklich zu schätzen hast. Finde ich vermessen und egozentrisch.

      Ungewollt kinderlos zu sein, kann ein Paar sehr stark belasten.

      Umgekehrt können Kinder ein Ehepaar sehr stark fordern, so dass man an seine Grenzen kommt. Und dann jammert man gerne mal. Der Stress dauert schließlich viele Jahre, und man hat wenig Schlaf und viele andere Einschränkungen.

      Ich glaube nur, dass ein kinderloses Ehepaar definitiv der falsche Gesprächpartner ist, um sich über den Stress mit Kindern auszukotzen. (Den Stress hätten sie liebend gerne wenn sie nur ein Kind bekommen könnten.)

      Umgekehrt ist eine Familie mit vielen Kindern wohl der falsche Gesprächspartner um sich über Kinderlosigkeit und die damit verbundenen Zweifel, Ängste, Nöte, den Kummer auszuheulen. Das könnt ihr kaum nachvollziehen.

      Warum tut ihr euch das gegenseitig an? Ich kann jetzt nicht deiner Schwester und deiner Freundin ins Gewissen reden, nur dir, weil du nun mal die Frage gestellt hast.
      Dein Jammern über den Stress mit den Kindern ist Salz in die Wunden deiner Freundin. Du kannst von ihr schwerlich Empathie für deine Situation erwarten. Sie ist die letzte, die das nachvollziehen kann, wie sich das für euch anfühlt. Dann kotz dich doch einfach bei deiner Mutter und bei anderen Bekannten aus, die das schon aus eigener Erfahrung kennen.

      Du versuchst Empathie von ihr zu erzwingen. Das verletzt.

      Solange sie nicht explizit fragt, würde ich das Thema meiden und ihr im Gegenzug deine Freundlichkeit erweisen und über Themen reden, die ihr vielleicht/hoffentlich gemeinsam habt. Dann vermeidet ihr die gegenseitigen Verletzungen.

      Was du tust ist so, wie jemandem mit einer Behinderung zu sagen, immerhin könne er in der ansonsten völlig zugeparkten Innenstadt die privilegierten Behindertenparkplätze benutzen und hätte den Stress mit der Parkplatzsuche nicht, dem du dich immer aussetzen müsstest. Es ist geschmacklos und zynisch.

      • Aber wenn die kinderlose Partei so reagiert.

        ...."Immer soll ich Rücksicht nehmen, darf nie darüber klagen wie stressig es ist mit drei Kindern, wie schwer mir die Einschränkungen fallen?
        Ständige bekomme ich gesagt wie glücklich ich sein soll."...........

        Dann nehmen sich m. E. alle beide nichts.
        Wenn ein Mensch ohne Handicap mit dem Fahrrad stürzt und sich den Arm bricht und Schmerzen hat, dann darf man diesem aber völlig zu recht sagen, er solle nicht jammern, immerhin KÖNNE er Rad fahren, was dem Gelähmten nicht vergönnt ist?

        Finde ich genauso absurd - generell das Aufrechnen, wen es im Falle der TE schlimmer getroffen hat.

    (12) 31.10.17 - 19:40

    Du bist voll daneben...

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