Bin ich zu streng?

    • (1) 02.11.17 - 09:20

      Hallo an alle,

      habe mich gerade angemeldet weil ich unbedingt Rat von Außenstehen benötige.
      Ich bin 31 und wir sind in unserem 8. Beziehungsjahr, verheiratet und haben ein Kleinkind. Mein Mann und ich kommen aus geschiedenen Elternhäusern. Seine Eltern hatten keine Streitkultur und überhaupt ist seine Familie sehr oberflächlich was Gefühle angeht. Keiner fragt wie es dem anderen geht, es wird nur über Allgemeines gesprochen und wenn es jemanden sichtlich schlecht geht wird nicht groß nachgehakt. Zudem sind die Familienmitglieder recht schnell beleidigt und bekommen schnell was in den falschen Hals.
      Meine Familie ist exakt das Gegenteil. Sehr sensibel für andere, immer auf Frieden aus, Gefühle werden ausgesprochen und Streit... Es gab Gewitter aber es wurde sich schnell versöhnt. Beleidigt war nie groß jemand. Und jeder hatte die Chance sich zu entschuldigen.
      Nun zu meiner Beziehung:
      Wir hatten ein schweres Jahr. Mein Mann hat sich beruflich verändert, arbeitet in drei Schichten, unregelmäßig und wirklich sehr viel, er hatte kaum Urlaub und ist oft müde und kaputt und macht auch noch seinen Meister (Schule am Wochenende). Unser Streitverhalten war zu heftig, wir waren bei einer Beratung und schafften es aus unserer Krise. Vor der Beratung standen kurz vor der Trennung. Wir wissen um unsere Fehler und arbeiten daran. Er flipt manchmal unvorhersehbar aus und ich habe ihn dann zu oft bedrängt weil ich Frieden wollte. Er fühlte sich eingeengt und wurde laut, ist weggefahren, sucht tausend Fehler an mir und haut auch alles raus, was ihm einfällt. Sein Vater war auch so, ohne Punkt und Komma redete er auf meinen Mann ein und er hatte keine Chance dazwischen zu kommen. So geht es nun mir, wenn mein Mann sauer ist.
      Bei mir sitzen die Narben unserer Krise tief, erstens weil ich ein sensibler Mensch bin, zweitens weil mein Mann mir zeitweise Angst gemacht hat, dass ist aber Jahre her. Trotzdem sitzt es.
      Jetzt war alles super. Seit Mai ist alles schick und auch kleine Streits konnten wir super austragen. Ich war so glücklich, verliebt und wir planten ein Baby.
      Gestern war alles anders. Ein falscher Satz meinerseits und ab ging es. Er hörte nicht auf, meinte mit mir könnte man keine Gespräche führen, ich nerve ihn...
      Ich wollte ihm sagen das es wirklich nicht böse gemeint war, war es auch nicht. Aber er hörte nicht zu. Wir hatten einen Termin und mussten los. Er fuhr etwas rupig Auto und später, an der Tanke, stieg er aus. Ich fragte noch zweimal ob er mit will. Sobald er einstieg ging sein Gerede weiter. Dann stieg er doch aus und ich fuhr alleine. Beim Termin ist er trotzdem aufgetaucht, gab mir einen Kuss, wollte Frieden. Ich war relativ in mich gekehrt und traurig über uns und das wir quasi einen Rückfall hatten, dass unser Streitverhalten diesmal nicht gut war.

      Zuhause schoben wir uns die Schuld hin und her und er machte nebenbei den Herd sauber. Er macht immer irgendwie was, anstatt sich zu mir zu setzen.

      Jetzt zu meiner Frage. Bewerte ich das zu stark, würdet ihr es als kleinen Rückschlag ansehen und einfach nach vorne schauen, Es nächstes Mal besser machen? Sehe ich zu schwarz auch weil ich Angst habe das wir wieder in eine Krise stürzen, ich evtl. schwanger bin und dann allein dastehen? Mein Mann hatte sich entschuldigt und meinte er sei einfach überarbeitet und daher der Rückfall. Im Streit besteht er aber darauf das ich meine Fehler zugeben auch wenn ich es getan habe, reicht es nicht. Und danach, lange nach dem Versöhnen nimmt er die Schuld auf sich und es tut ihm leid.

      Ich weiß es ist sehr lang. Bitte antwortet mir, wenn ihr es komplett gelesen habt... Danke euch fürs Lesen

      • Hallo,

        bitte nicht falsch verstehen, aber rein vom Lesen her meine ich, Dein Mann hat Stress und Du stresst noch mehr mit eventuell unwichtigen Dingen. Ihr plant ein Baby in der stressigsten Zeit Eures Lebens. Ich habe nebenberuflich auch einen 2-jährigen Kurs an der IHK belegt und glaube mir, das ist mit Kind, Arbeite und Nebenjob ein Balanceakt, ABER, mein Mann stand hinter mir und hat mir den Rücken frei gehalten. Als alles vorbei war konnten wir Beide aufatmen und genießen alle die Zeit, die wir miteinander haben.
        Man muss nicht jeden Pups ausdiskutieren.

        LG

        • Ich habe nicht diskutiert. Ich habe einen Scherz gemacht, er hat ihn falsch verstanden und ist abgegangen. Ich wollte ihm erklären daß es Spaß war und er hat mich dazu nicht gelassen. Tut mir leid aber ich bin wirklich kein Mensch der kein Verständnis hat. Nehme ihm wirklich alles ab und habe selbst nie Pause

          • (4) 02.11.17 - 10:43
            schlechter scherz

            >> Ich habe nicht diskutiert. Ich habe einen Scherz gemacht, er hat ihn falsch verstanden und ist abgegangen. <<

            Für dich war das ein Scherz, für ihn aber nicht, wenn das zum Streit führt.
            Bleibt die Frage, ob du das vorher in einer gewissen Weise hättest wissen können/müssen.
            Das können wir nicht beurteilen, wenn wir nicht wissen, um was es bei dem "Scherz" ging...

            • Da hast du Recht. Ich finde man darf ja auch sauer sein. Aber darf man sein Gegenüber sofort in Grund und Boden reden auch wenn es sich entschuldigt. Darf man alles rauskramen und an den Kopf werfen? Ich habe wirklich Verständnis und bin echt immer liebevoll und fürsorglich und nehme jeglichen Stress und alle schlaflosen Nächte auf mich.
              Das mit dem Baby ist so eine Sache. Wir wollen nicht das die Kinder so weit auseinander sind und wüssten vor dem ersten Kind nichts von dem Meister. Das hatte sich erst dann ergeben. Ich will mich nicht verteidigen. Ich will eigentlich nur wissen ob Rückschläge nach einer Krise dazugehören und ich das nicht so arg bewerten sollte. Ich habe wirklich ein Problem das Alte zu vergessen. Mein Mann hat mir manchmal Angst gemacht und ich frage mich manchmal warum ich geblieben bin. Man gibt aber nicht so schnell auf zumal er ja an sich arbeitet und diesem Charakterzug selbst nicht mag

              • (6) 02.11.17 - 11:18
                schlechter scherz

                >> Ich finde man darf ja auch sauer sein. Aber darf man sein Gegenüber sofort in Grund und Boden reden auch wenn es sich entschuldigt.<<

                Das kommt auf den "Scherz" an und auch auf die Umstände, in die er sich gerade (oder noch) befindet. Stress hat er ja offenbar schon genug und die Kinderplanung macht das sicher auch nicht besser, auch wenn er es möchte.
                Da kann "ein kleiner Scherz am Rande" schon mal zu so etwas führen.

                Aber die andere Baustelle ist, dass du die Vergangenheit nicht ruhen lassen kannst.
                Ohne dir etwas unterstellen zu wollen - und ich bin ja auch kein Psychologe - aber vielleicht forderst du ihn unbewusst heraus für die eigene Bestätigung.
                Denk mal drüber nach ... vielleicht solltet ihr auch weiterhin prof. Hilfe in Anspruch nehmen - oder macht ihr das noch?

                • Hallo, habe mir die Antworten gerade nochmal durchgelesen. Wir sind nicht mehr bei der Beratung! Wir wurden quasi entlassen und sie meinten dort das wir das hinbekommen. Ich kann es tatsächlich nicht ruhen lassen. Aber wie denn...?Er lässt ja immer Mal wieder durchleuchten, dass diese Art, die mir Angst macht, noch da ist.

                  • (8) 09.11.17 - 09:25
                    schlechter schwerz

                    >> Ich kann es tatsächlich nicht ruhen lassen. Aber wie denn...?Er lässt ja immer Mal wieder durchleuchten, dass diese Art, die mir Angst macht, noch da ist. <<

                    Natürlich ist die Art noch da. aber er kontrolliert sie. Mal mehr und mal weniger gut.
                    Er ist ja nicht automatisch ein anderer Mensch nach eurer Therapie. So einfach ist das nicht.
                    Er arbeitet offensichtlich ja auch an sich, da es ja nicht mehr so oft vorkommt wie früher - DAS solltest du auch sehen! Alles braucht seine Zeit.

                    Wenn du das aber nicht kannst und die Angst dominiert, dann solltest du eine Trennung in Erwägung ziehen.

              Hm...schwierig. Schwierig von außen zu entscheiden, wie tief diese Verhaltensmuster in ihm verwurzelt sind, wie sehr sie ihn und dich belasten, wie stark er an sich selber arbeitet, und ob er das allein überhaupt schaffen kann.
              Wie so oft wird dir hier niemand die Entscheidung abnehmen können. Natürlich gibt es auf einem guten Weg auch immer mal wieder Rückschläge. Es gibt aber auch Verhaltensmuster die, gerade in Stresssituationen immer wieder auftreten. Das weißt du denke ich selber.
              Unbedingt abraten würde ich dir aber von einem 2. Kind zum jetzigen Zeitpunkt. Du schreibst selber, dass du selbst keine Zeit für dich hast. Da ist ein größerer Altersunterschied auf jeden Fall das geringere Übel als das, was eine SSW zum jetzigen Zeitpunkt für Nachteile mit sich bringen würde.

        In so eine kaputte Beziehung würde ich garantiert kein weiteres kind planen. Sorry für meine Ehrlichkeit

" arbeitet in drei Schichten, unregelmäßig und wirklich sehr viel, er hatte kaum Urlaub und ist oft müde und kaputt und macht auch noch seinen Meister (Schule am Wochenende)."

Hast Du die geringste Ahnung, wieviel Stress das für Deinen Mann ist? Gehst Du arbeiten?

"und ich habe ihn dann zu oft bedrängt weil ich Frieden wollte. "

Genau DAS braucht er dann auch noch. Diskussionen, bis man so richtig die Schnauze voll hat. Sorry für den etwas ruppigen Ton - aber ich kenne sowas sehr gut von Soldaten(ich arbeitete beim Bund), die parallel zum Dienst ihre Ausbildung für die Zeit nach Dienst machten - und dann eine Frau hatten, die dauernd rumstresste, sie hätten zu wenig Zeit für sie. Aber das Geld, was die dann gut verdienenden Männer heimbrachten, das war schon recht.

Dein Mann kann etwas mehr Verständnis von Dir erwarten. Ob ich in dieser Stressphase ein Kind planen würde, weiß ich auch nicht. Durch "die Hormone" erwartest Du dann noch mehr Zeit von ihm, die er einfach nicht hat. Ihr habt doch noch Zeit, entspannt euch, es wird ja auch wieder ruhiger. LG Moni

  • Ich erwarte keine Zeit, darum ging es nicht. Ich erwarte das er sich auch an die versprochenen Streitregeln hält. Und mehr nicht. Ich nehme ihm alles ab und gehe arbeiten. Mache alleine den Haushalt und kümmere mich ohne Hilfe von außen um unser Kind.
    Mein Mann wünscht sich ein Baby

Hallo,

wenn ich mich gerade über etwas richtig ärgere und dann kommt einer und macht auf "ist doch wieder gut", "nun sei doch wieder lieb" usw. macht, platze ich erst recht. Sowas triggert mich dann total.

Ich bemühe mich dann um eine Vorwarnung im Sinne von "lass das jetzt bitte", aber wenn ich dann mit meinem Bedürfnis in Ruhe gelassen zu werden ignoriert werde, springt mir dann auch eine Feder.

Außerdem finde ich es auch ganz schwierig, mit Harmoniesüchtlern klar zu kommen. Natürlich muss dein Mann dann auch lernen, nicht wie wild verbal um sich zu schlagen. Da sollte er mal für sich forschen, was ihm das in dem Moment gibt, dass er meint, das tun zu müssen. Und wie er das besser gelöst bekommt.

LG

  • Ich habe auch dazu gelernt und lasse ihn in vielen Situationen in Ruhe. Aber wenn er mich ohne Pause über Minuten zusammenstaucht, dabei maßlos übertreibt und meine persönlichen Grenzen überschreitet...was soll ich dann machen? Ich bin in dem Moment sogar mega klar im Kopf und versuche die Situation zu retten und verhalte mich kontrolliert. Ich kann in solchen Momenten umschalten und mich auch vertragen. Er nicht. Er ist kalt,auch wenn ich anfange zu weinen. Er zeigt mir wie schlecht ich bin, mauert und geht in eine Position die über meiner steht. Wir sind also nicht mehr auf Augenhöhe. Er hat dann in der Hand wann sich vertragen wird und wenn er mich extrem enttäuscht hat,es merkt und dann auf mich zukommt sitzen bei mir tiefe Wunden. Wenn ich ihm dann nicht um den Hals Falle und die Entschuldigung sofort annehme dann geht alles von vorne los und er rastet wieder aus und prügelt verbal auf mich ein

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