Midlife crisis? Was kann ich tun?

    • (1) 04.11.17 - 08:58

      Hallo,
      ich bin momentan sehr verzweifelt und hoffe hier gibt es jemanden, der mir weiterhelfen kann.
      Seit 10 Jahren lebe ich (36) mit meinem Mann (42) zusammen. Wir haben eine gemeinsame Tochter (4). Es gibt zwei große Herausforderungen:
      1. er möchte nur Sex, mich aber sonst nicht berühren
      2. er spamt mich mit seinen Problemen zu und lässt mir keine Gelegenheit etwas zu
      erzählen

      Zu 1: Mein Mann wollte mich schon am Anfang unserer Beziehung nicht in der Öffentlichkeit berühren, er tat sich damit sehr schwer. Das habe ich akzeptiert, das ist für mich kein Problem. Sonst wollte er auch nicht viel kuscheln. Jedoch seit über einem Jahr fasst er micht nicht mehr an, es sei denn er möchte Sex. Keine Umarmung, nichts. Mehrmals habe ich ihn darauf angesprochen, nichts passierte. Danach versuchte ich ihn zu bitten: "Nimmst du mich bitte in den Arm?" Anfangs funktionierte es, doch dann lehnte er meine Bitte immer häufiger ab. Ich sehne mich ab und zu nach körperlicher Nähe auch ohne Sex. Dann versuchte ich es mit viel Sex, weil ich dachte: "Ok, du willst Sex, ich will kuscheln. Ich tue dir etwas gutes und du tust mir etwas gutes." Das half auch nichts.
      Da ich erst 36 bin, möchte ich nicht die nächsten 50 Jahre Eheleben auf Zärtlichkeiten verzichten. Ist das gestört von mir? Könnt ihr das nachvollziehen? Was kann ich tun, um das zu ändern?

      Zu 2: Seit mehreren Monaten redet nur mein Mann. Er hat drei große Probleme, die gerade sein Leben bestimmen. Ich kann ihm dabei nicht helfen, er kann diese Dinge nur allein lösen. Ich kann nur zuhören. Das habe ich auch eine Zeit lang gemacht. Mittlerweile sind unsere Gespräche nur noch Monologe meines Mannes, er referiert nur noch über diese drei Probleme. Wenn ich das "Gespräch" auf ein anderes Thema lenken möchte, fällt er mir ins Wort und schwups sind wir wieder bei seinen Themen. Eine Vielzahl an Kommunikationstechniken habe ich bereits ausprobiert, nichts half. Er spamte mich weiter zu. Ich bat ihn damit aufzuhören. Beleidigt zog er ab, sagte nichts, doch am nächsten Tag erzählte er noch länger, immer wieder dasselbe. Dabei ist er nicht lösungsorientiert, sondern jammert nur rum. Deshalb habe ich es direkt angesprochen und meinte, dass wir nur noch über seine Probleme sprechen. Er meinte darauf, dass ja nur er gerade Probleme hätte. Ich würde ja nichts erzählen und er hätte sich da schon seine Gedanken gemacht, warum ich nicht mehr mit ihm spreche. In diesem Moment wusste ich nicht, ob ich lachen oder heulen sollte. Mein Gefühl ist: er ist auf einem absoluten Egotrip. Ich fühle mich, als wenn ich im nicht mehr wichtig wäre. Ich kann auch seelisch nicht mehr. Es ist, als würde er mir jede Kraft aussaugen und ich habe keine Möglickeit, Kraft zu tanken. An das letzte Mal, dass wir zusammen gelacht haben, kann ich mich nicht mehr erinnern. An das letzte Mal, dass wir einfach nur zusammen gesessen haben und über Gott und die Welt geredet haben, kann ich mich auch nicht mehr erinnern. Ich bin sehr verzweifelt, was kann ich tun?

      Vieln Dank, liebe Grüße
      Hoffnung.1234

      Habt ihr ähnliches erlebt? Wie habt ihr diese Probleme gelöst. Ich würde mich sehr über Anregungen von euch freuen.

      • Erstens solltest Du ihm offen und ehrlich mitteilen, was Du hier beschrieben hast. Dass Du emotional verhungerst und es nicht Sinn einer Ehe ist, wenn nur die Bedürfnisse einer Person erfüllt werden. Dieses Problem trifft ja sowohl Euer Sex- bzw. körperliches Eheleben als auch seine drei Probleme. Er nimmt nur, gibt aber nichts zurück.

        Zweitens glaube ich, dass er selbst auf die Frage, wie er sich da eine Lösung/Besserung auf Augenhöhe vorstellt, keine Antwort weiss. Ich vermute, er steckt da gerade ziemlich fest und ist sehr ichbezogen. Vielleicht hat er sogar eine depressive Verstimmung (das ist keine Diagnose), es klingt nämlich ein wenig danach. Da würde ich auf jeden Fall Fachpersonen ins Boot holen und falls er nicht einsieht, eine Einzeltherapie zu machen, solltet ihr eine gemeinsame Eheberatung in Anspruch nehmen.

        Auf jeden Fall ist der erste Schritt, ihm mal freundlich aber schonungslos zu sagen, wohin sein Verhalten führt bzw. wie es Dir damit geht und zu schauen, inwiefern das überhaupt noch an ihn herankommt. Kann er überhaupt nachempfinden, wie Du Dich fühlst?

        • Hallo witch71,

          vielen Dank für deine Worte. Es hilft sehr zu hören, dass meine Bedürfnisse "normal" sind. Vielleicht ist es jetzt wirklich wichtig ihm klar zu machen wohin es führen kann, wenn sich nichts ändert.

          Vielen lieben Dank.

      Hallo,
      da verstehe ich dich, das wäre für mich auch nicht mehr zu ertragen.
      Zu 2.: Ich frage mich, was hat er denn bisher erlebt, daß er so negativ, missmutig eingestellt ist? Wurde es ihm seit seiner Kindheit so vorgelebt?
      Ich erkenne ähnliches Verhalten seit geraumer zeit bei meinem Vater - aber der ist fast 80, da hängt es meiner Meinung mit der einschleichenden Altersdemenz zusammen.
      Bei einem 42. jährigen kann das aber m. M. nach keineswegs die Ursache sein. War er immer schon eher negativ eingestellt?
      Ich würde ihm da, wenn alles Reden nicht hilft, knallhart wohl vorhalten wie gut es ihm doch geht...
      zu 1.: daran "verhungert" man als Partner ja. Da würde ich ihn bitten, endlich für sich selber herauszufinden, woran es liegt -- auch wenn ich evlt. irgendwie "Angst" davor hätte, was er da dann wohl rausfinden wird. Da sollte er dringend mit jemanden darüber sprechen...
      Hatte er vor deiner Zeit Beziehungen zu anderen Frauen?
      LG

      • Hallo neppas,

        danke für deine schnelle Antwort. Ja , er war bereits schon einmal verheiratet. Seine Ex-Frau meinte, dass sie zu dieser Zeit psychische Probleme hatte und er irgendwie nur sein Leben gelebt hatte. Wahrscheinlich hat sich diese Situation in all den Jahren langsam angebahnt und ich war nicht aufmerksam genug, das zu sehen.

        Deine Idee, im knallhart zu sagen, wie ich die Situation empfinde, werde ich schnellst möglich umsetzen. Das finde ich gut.

        Vielen lieben Dank
        Hoffnung.1234

    (7) 04.11.17 - 09:56

    Mit fast 30 Ehejahren auf dem Buckel glaube ich fest an die Möglichkeit einer lebenslangen Ehe. Allerdings ist dafür die Voraussetzung, daß beide Partner gewillt sind an der Ehe zu arbeiten und es sollte immer ein Nehmen und Geben sein, ein Anerkennen der Bedürfnisse des Anderen.

    Das ist bei dir im Moment nicht gegeben. Natürlich gibt es immer wieder mal Phasen in denen ein Partner zurückstecken muss, und Einer mehr nimmt als gibt. Das darf aber nicht zur Dauereinrichtung werden.

    Dein Mann hat dich aus den Augen verloren. Du bist da. Fertig. Er ist so verstrickt in sich und seine Bedürfnisse bzw Problemen, dass er vergessen hat, daß du noch da bist.

    Das Einzige was du tun kannst, ist versuchen das zu durchbrechen, damit er dich wahr nimmt. Dazu wird es sicher mehrere Anläufe brauchen. Versuche bei diesen Gesprächsansätzen ein entsprechendes Umfeld zu schaffen, also Kind bei Oma bzw. Babysitter, dann nettes Abendessen (ob auswärts oder zuhause ist egal) und dann eben immer wieder ansetzen. Wenn er dich wieder zutextet, sag ihm klipp und klar, daß DU jetzt etwas mit ihm zu besprechen hast. Falls er nach kurzer Zeit wieder abschweift, wieder den Hebel ansetzen.
    Zur Not schreibst du alles auch in einem Brief und gibst ihm den.
    Fruchtet alles nicht, dann wirst du in letzter Konsequenz auch einfach mal ausziehen und eine Auszeit aussprechen. Manchmal ist das genau der Schock, den es dann braucht.

    Ich hatte nach 8 Ehejahren ein ähnliches Problem. Ich war einfach da, aber ich wurde nicht mehr wahrgenommen. Ich hätte genauso gut ein Möbelstück sein können. Als alles Reden nichts gefruchtet hat, hab ich eines Tages einen Koffer gepackt und war weg. Da viel es meinem Mann plötzlich wie Schuppen von den Augen, und plötzlich merkte er, daß er mich durchaus auch verlieren konnte. Wir waren ca 3 Wochen getrennt und haben in dieser Zeit mehr geredet als in den 3 Jahren davor.
    Uns hat diese "Keule" geholfen und es war in fast 30 Ehejahren das einzige Mal das ich soweit gehen musste.

    ALLERDINGS !!! WENN du diese "Waffe" auspackst, dann mußt du auch absolut dazu bereit sein, im Fall der Fälle dann auch die Trennung durchzuziehen! Ich hätte es getan, wäre er nicht aufgewacht.

    Alles Gute

    • Hallo,

      vielen Dank für deine Antwort. Es tut gut zu hören, dass es auch ein "Happy End" geben kann. Das gegenseitige Nehmen und Geben finde ich auch wichtig. Und für mich ist es auch ok, wenn ein Partner in schwierigen Zeiten mal weniger gibt, als nimmt. Es scheint jedoch sich zu einem Dauerzustand auszuwachsen. Vielleicht hätte ich schon viel früher reagieren müssen. Ich denke schon, dass mein Mann in einer depressiven Phase steckt und ich bin mir nicht sicher, ob den Warnschuss, als solchen wahrnehmen würde. Letztendlich muss ich jetzt entscheiden, ob ich die letzte Kraft investiere zu kämpfen und alles versuche meine Ehe zu stabilisieren. Das ist mir gerade bewusst geworden.

      Ich dank dir vielmals. Viele Grüße
      Hoffnung.1234

      (9) 05.11.17 - 08:34

      Da gibt es ein schönes (nicht aus dem persönlichen Umfeld) Beispiel:

      Ein über 90jähriger, der die Scheidung von seiner ähnlich alten Frau einreichte, mit der Begründung "she took me for granted.."

      Hochachtung vor diesem Mann.

(10) 04.11.17 - 11:17

"Wenn das Herz voll ist, geht der Mund auf ..."

Bei so einem Verhalten würde ich von meinem Partner verlangen, dass er sich professionelle Hilfe in Form einer Gesprächstherapie sucht.

Anders wird das sicher nix. Und da ist Dir und ihm mit geholfen.

Für mich hört sich das danach an, dass er dich nicht mehr liebt. Und durch das Reden über seine Probleme hält er dich auf Abstand.

Willst du gelten, mach dich selten. Er will Abstand? Dann gib ihm Abstand. Mehr als ihm lieb ist. Und dann wirst du sehen, ob er noch um dich kämpfen wird.

Hey,

ich glaube, so wie du ihn hier beschreibst ist er zur Zeit ein sehr unglücklicher Mensch. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern es hilfreich ist, ihn jetzt zu konfrontieren mit "wenn du so weiter machst dann passiert xy..."
Ich glaube kaum, dass er grade anders kann!
Auf seinen Gemütszustand würde ich ihn natürlich ansprechen, ihm sagen, dass du das Gefühl hast, er hätte aufgrund seiner Probleme eine depressive Verstimmung und dass du dir wünschen würdest, er würde eine Gesprächstherapie beginnen, weil du ihm eben nicht helfen kannst. Alles was du tun kannst ist Zuhören und das zieht dich eben langsam MIT in den Abgrund. Es ist auch DEINE Last die du mitträgst. Das muss er verstehen!
Eine Ehe ist etwas, was nur funktioniert wenn man auch mal akzeptieren kann, dass man grade der stärkere Part sein muss wenn der andere so schwach ist. Natürlich, wenn man an seine Grenzen kommt muss man auch mal Stop sagen. Und das ist eben grade bei dir der Fall. Auch das würde ich ihm so sagen, dass du schon sehr viel für ihn mitgetragen hast aber dass du jetzt eben am Limit bist.
Will er keine Hilfe annehmen, wird es sehr schwierig. Aber dann ist der Leidensdruck auch nicht groß genug...
Was auch immer sein konkretes Problem ist, er muss es allein lösen. Du kannst da nur unterstützend zur Seite stehen.

Ich wünsch euch alles Gute!

(13) 05.11.17 - 14:49

Hallo!

Ja, ich kenne das! Zumindest Punkt 2, den dafür von verschiedenen Menschen: Von meinem Mann, von meiner Mutter, von meiner Oma (da habe ich es allerdings verstanden, da sie meinen Opa pflegte und der nur noch sie in seiner Pflege zuließ und sie wirklich an einer - absehbaren - Grenze war), und manchmal bin ich selber wohl auch ein bisserl so. Das ist für die "Energiegeber" sehr, sehr anstrengend, das verstehe ich voll und ganz.

Bei meinem Mann - und auf den beschränke ich mich jetzt einfach - kommt es immer wieder mal vor. Es sind wohl depressive Episoden, würd ich jetzt mal meinen. Er hat(te) gelegentlich körperliche Probleme (Bandscheibe, Knie, ...) und da kotzt ihn dann - irgendwie auch verständlich - die ganze Welt an. Das letzte Mal hatte ich keinen Nerv mehr dafür, weil es - wie du treffend beschreibst - einen aussaugt. Ich habe ihm klipp und klar gesagt, was ich meine, habe ihm "empfohlen", das seinem Hausarzt zu schildern. Dessen Reaktion war allerdings auch himmelschreiend. Er hatte nichts besseres zu tun als ihm starke Psychopharmaka zu verschreiben. ABER das hat meinen Mann hochgerüttelt. Ich habe ihm auch hier wieder gesagt, dass ich nichts davon halte, dass er sich quasi "ausschaltet" und dass er damit nicht mit unserer kleinen Tochter (sie war grad mal 5 Monate alt) im Bett schläft - ich hatte ehrlich Angst, dass er sie erdrückt oder sowas. Dann habe ich ihm meine "Verordnung" präsentiert: Vitamin D (grad im Winter so wichtig), Vitamin B, Johanniskraut-Tee und gegen die nächtliche Unruhe eine Tasse Beruhigungstee (Hopfen-Baldrian-bla, ist wohl auch wurscht, da geht's eher ums Ritual denk ich), dazu täglich einen Waldspaziergang mit dem Kinderwagen (er hatte Elternzeit) und raus an die Sonne, sobald diese scheint. Mag sich jetzt sehr danach anhören, dass ich das Heft in die Hand genommen habe. Ja, mag sein. Es hat aber geholfen und war jedenfalls die harmlosere Variante im Vergleich zu den Tabletten.

Laienhaft würde ich jetzt mal raten, dass dein Mann auch eine Depression oder depressive Verstimmung hat. Auch das mit der fehlenden Zärtlichkeit hört sich danach an.

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