Sprachbarriere - bilinguale Beziehungen - Hat jemand Erfahrung?

    • (1) 06.11.17 - 11:56

      Hallo ihr Lieben,

      ich mache mir natürlich mal wieder viel zu viele Gedanken für einen Montag Morgen, aber vielleicht hat ja jemand von euch Erfahrung mit meiner "Problemstellung".

      Über ein Online-Dating-Portal (bitte keine Verurteilung des Mediums, ich arbeite viel und finde kaum Zeit auszugehen) habe ich einen Briten kennengelernt. Ich fand ihn zwar auf Anhieb sehr attraktiv, aber reagierte auf seine Nachrichten eher mit der Idee mein Englisch mal wieder aufzufrischen, da ich seit bestimmt 7 Jahren nicht mehr auf englisch kommuniziert hatte.

      Es stellte sich allerdings ziemlich schnell heraus, dass wir uns gegenseitig sehr attraktiv finden und etliche Gemeinsamkeiten haben. Wir denken ähnlich, haben die gleichen Ideen, kochen beide gerne, interessieren uns beide für Psychologie, spielen beide mehrere Musikinstrumente usw.

      Irgendwie läuft es auch anders als mit den anderen Männern, die ich in letzter Zeit so kennengelernt habe. Er meldet sich regelmäßig und fragt auch nach, wie es bei mir läuft (kann natürlich auch britische Höflichkeit sein). Er wirkt interessiert und ist interessant. Er macht schon Pläne - kann natürlich auch Masche sein - für die Zukunft; beispielsweise, dass ich ihm Deutsch beibringe, dass ich ihn in die vegetarische Küche einführe, dass er mir Gitarre spielen beibringt, usw. Natürlich ist das etwas komisch, weil wir uns ja noch gar nicht getroffen haben "in echt".

      Er lebt seit 7 Jahren in Deutschland aber kann laut eigenen Angaben kein Deutsch sprechen. Das lass ich jetzt mal kommentarlos so stehen... ;-) Er sagt, dass seine "schlechte Entschuldigung" dafür ist, dass bei ihm auf Arbeit alles auf Englisch läuft. Mein Englisch hingegen ist auch recht dürftig. Ich habe zwar grundsätzlich ein Gefühl für die Sprache und hatte Englisch als Leistungskurs zu Abiturzeiten, aber Abi liegt über 12 Jahre zurück und mein beschränkter Wortschatz macht mir sehr zu schaffen.
      Bis gestern abend hatten wir ausschließlich schriftlichen Kontakt. Doch dann habe ich mich überwunden und ihm auf seine Sprachnachrichten auch mit Sprachnachricht geantwortet. Der Unterschied zu einem Telefonat oder Treffen ist jedoch, dass ich vor Aufzeichnung die Zeit habe mir meine Worte und Sätze in Ruhe zurecht zu legen.

      Für den kommenden Freitag sind wir verabredet und ich bin so nervös, dass ich absagen möchte...

      Mich beschäftigt allerdings eine viel grundlegendere Frage.
      Die Frage, in was man sich bei einem anderen Menschen eigentlich verliebt.
      Ich möchte, dass mich ein Mann für mein vielleicht etwas verrücktes Wesen, meine Ideen und Gedanken, meinen Charakter, ja für mein Herz liebt. Nicht für mein Gesicht oder meinen Po oder wer weiss was. Wenn ich aber aufgrund der Sprachbarriere gar nicht imstande bin wirklich zu offenbaren, wer ich bin, dann kann das doch niemals der Fall sein. Andersherum natürlich genauso... Ich befürchte, dass das sehr hart werden würde. Wenn zwei intelligente und intellektuelle Menschen aufeinander treffen, die sich so viel zu sagen hätten, aber nicht richtig verständigen können. Ich frage mich wie das andere Paare geschafft haben, die mit unterschiedlichen Muttersprachen und begrenzten fremdsprachlichen Fähigkeiten aufeinander trafen. Hat man sich dann hier der Optik halber verguckt und sich mit der Zeit aneinander gewöhnt? Hat hier jemand irgendwelche Erfahrungen?

      Vielleicht auch zum ersten Date? Ich habe einfach Angst, dass er sich danach zurückzieht, wenn er merkt wie schwer die Kommunikation zwischen uns ist. Andererseits könnte man natürlich erwarten, dass er nach 7 Jahren Leben in Deutschland sich einigermaßen verständigen kann. Aber selbst, wenn ich erwarten würde, dass er sich auf Deutsch mit mir unterhält, würde das nichts am Ergebnis ändern. Ich habe Angst, dass wir voreinander sitzen und nicht miteinander reden können. Und das leider nicht deswegen, weil wir uns nichts zu sagen haben, sondern uns nicht verstehen können, obwohl wir es vielleicht sehr gerne wollen.

      Ich bin dankbar für jeden Input und wünsche euch einen schönen Tag #blume

      • Wie schreibe ich es, ohne herablassen zu wirken? Hmmm. Das geht wohl nicht. Ist aber nicht böse gemeint, was jetzt kommt:

        Ich muss jetzt wirklich lachen, denn es handelt sich um die englische Sprache, die man ganz schnell lernen kann und die dem Deutschen sehr ähnlich ist. Von der man auch in der Schule zumindest die Grundlagen erlernt hat, so dass ein Gedankenaustausch möglich ist. Und: er lebt hier, also wird er auch ganz schnell Deutsch lernen können, wenn er will.

        Bei deiner Überschrift hatte ich erwartet, dass du von Chinesisch sprichst oder einer anderen sehr schweren Sprache und dass der Mensch weit weg lebt.

        Fazit: hier gibt es keine wirkliche Sprachbarriere, mach dir keine Gedanken :-)

        • Herablassend finde ich das jetzt gar nicht...
          Ich stelle mir trotzdem die Frage nach der Motivation.
          Wenn man liebt, dann kann man natürlich viele vermeintliche Grenzen überwinden und ist bereit vieles zu tun für den geliebten Menschen. Da ist die Sprache die "leichteste Übung".
          Aber wie soll man sich verlieben, wenn man das Innerste des Anderen nicht kennengelernt hat, weil man erstmal die Sprache lernen muss?
          Was genau soll hier Auslöser/ Motivation sein sich "diesen Stress anzutun"?
          Das ist doch ein Teufelskreis?!

          • Man verliebt sich ja nicht nur in das Gesagte, sondern auch in den Geruch, die Gesten, Augen, einfach alles zusammen. Du musst dich ja auch nicht schon beim 1. Treffen festlegen, sondern schaust einfach mal, ob er dich überhaupt anspricht. Ganz normal also.

            Du warst doch bestimmt schon einmal im Ausland? Da konntest du dich sicherlich auch verständigen. Wenn er dir gefällt, kannst du ja ein paar Vokabeln pauken. Und den Google translator auf deinem Handy anschmeissen für den Fall, dass du etwas nicht ausdrücken kannst.

        Ohne herablassend klingen zu wollen... obwohl ich das eh tun werde:

        Es ist ein Unterschied, ob man die Sprache spricht - mehr oder weniger flüssig - oder ob man die Sprache wirklich spricht, auf Muttersprachenlevel, Mehrdeutigkeit von Worten und Sätzen erkennen und nutzen kann, hinter die Worte spürt, damit spielen kann...

        Zudem überschätzen die meisten ihre Englischkenntnisse.

        Ja, es macht einen Unterschied.
        Ich spreche Englisch in etwa wie meine Muttersprache, es ist aber nicht exakt dasselbe. Wenn ich dann noch mein eher lausches Französisch dazunehme, dann sind Unterschiede auch auf Beziehungsebene in jeder Sprache spürbar.

        • Ich war viele Jahre mit jemanden verheiratet, der kein Deutsch konnte. Wir haben uns erst in einer gemeinsamen Sprache verständigt, nach ein paar Jahren in seiner Muttersprache. Unsere Kinder sprechen alle drei Sprachen. Wir haben in drei unterschiedlichen Ländern gelebt.

          Ich weiß also, wovon ich rede, weshalb deine Herablassung ins Leere geht....

          • Ein Erfahrungswert entspricht jedoch nicht der allgemeinen Situation.

            Wenn rudimentäres Englisch aussreichen würde, um den emotionalen Kontext gleichermassen zu formulieren, wie in der Muttersprache, dann wäre die ganze Diskussion über die Spracherziehung bei Kindern obsolet. Ist sie aber nicht, weil das grundlegende Gefühl, die Variationen zur Sprache fehlt.

            Natürlich kann man eine Beziehung auch mit Händen und Füssen führen - das war aber nicht der Punkt.

    Hallo!

    Ich glaube, du machst dir viel zu sehr einen Kopf! Du kannst englisch, zumindest die Grundlagen. Vermutlich kannst du auch so ziemlich alles verstehen, was er dir sagt, nur beim Selber sprechen hapert es. Ich hatte immer eine Art Scham, englisch zu sprechen. Weil ich dachte, das wäre falsch usw. Nun musste ich zwangsläufig bei der Arbeit des Öfteren englisch sprechen und schreiben und ich merke: So schlecht bin ich gar nicht. Die Gewohnheit macht's. Schau dir eine Serie auf englisch an - du wirst merken, nach kurzer Zeit verstehst du das Meiste.

    Und: wer sich viel zu sagen hat, der schafft das auch :)

    Nun mach aber mal halblang! Du hattest Englisch-LK, da würde ich nicht von einer Sprachbarriere sprechen. Keine Angst, die Vokabeln, die kommen von selber wieder, wenn man die Sprache wieder spricht. Es gibt Leute, die haben auf Deutsch nicht den Wortschatz, den man mit nem Englisch-Abi hat ;-).

    Ich gebe zu, ich sehe es auch schwierig, wenn sich zwei Leute gar nicht "verstehen", aber ich kenne auch funktionierende Partnerschaften, wo sich beide anfangs in einer Drittsprache (also z.B. ein Deutscher, eine Thai, die Englisch sprechen) unterhalten haben. Ich empfinde das als schwierig, aber ich kenne mehr solche Fälle und die Leute machen dennoch einen glücklichen Eindruck.

    Wenn du intelligent bist (und er auch) und den Eindruck macht ihr mir beide, dann wird da keine echte Sprachbarriere sein. Also, ich würde mir jetzt theoretisch locker zutrauen, dass ich nach "intensivem" Kontakt mit einem Briten wieder so Englisch sprechen kann, dass ich mich auch über Gefühle, Philosophie, tagespolitische Ereignisse, etc. unterhalten kann - noch dazu mit einem Menschen, den ich liebe. Hallo, ich habe im LK Shakespeare gelesen, das muss doch wohl genügen!

    Wie das mit dem Verlieben geht, nun, das ist ja sowieso ein bisserl ein Geheimnis, gell? Glaub, mit der Optik hat es nicht so viel zu tun, eher mit dem "Gesamtpaket". Auch wenn man noch ein paar Grammatikfehler einbaut oder ein paar Wörter sucht, kann man ja doch aufmerksam sein, zuhören, über gleiche Dinge lachen, dem anderen die richtigen Blicke zuwerfen, die richtige Mischung aus Nähe und Distanz hinbekommen, etc. pp. Oder genauso können einen eine schrille Stimme, ein peinliches Lachen an der falschen Stelle, schlechte Manieren, etc. abstoßen.

    Brauchst also keine Angst haben. Du beschreibst den Mann sehr liebevoll und ich glaub, du bist schon ein wenig verliebt. Lass es auf dich zukommen. Und denk dir bloß nicht, wenn er dich wiedersehen will, dass es (nur) an der Optik liegt.

    Wir waren z.B. letztes Jahr in Serbien und ich konnte vor Abfahrt null Komma null. Wegen des Reisegrundes lernten wir sehr schnell viele Leute kennen. Auch haben wir einige ungarische Bekannte - und mein ungarischer Wortschatz ist wirklich mehr als rudimentär (Zählen, Begrüßen, minimale Floskeln, ein paar Begriffe für Straße, Brücke, ... - also NIX eigentlich). Gut, ich war da jetzt nicht auf Partnersuche, aber dennoch konnte ich sehr gut entscheiden, wen ich sympathisch fand und wen nicht. Ich konnte sogar rausfinden, auf welchem Niveau sich die Leute bewegten, würde mir sogar zutrauen, nach einiger Zeit rauszufinden, ob sich die Leute politisch eher links, rechts oder mittig bewegen, ob sie eher kulturaffin sind oder nicht so, etc.

    (12) 06.11.17 - 12:32

    Hallo
    Schulenglisch, wenn auch LK, muss wirklich nichts heißen. Aber es ist nie zu später weiter/wieder zu lernen. Mit englisch wäre das ja auch eine Sprache die gut machbar ist, dir vertrauerte Buchstaben, Kurse gibt es an jeder Ecke,...
    Ich wäre jedoch etwas vorsichtig. Wieso ist er in Deutschland? Ist es realistisch dass er in einer Blase lebt? Wirklich kein bisschen deutsch bei angeblich 7 Jahren hier würde mich doch stutzig machen. Selbst Expats die nur für 2,3 Jährchen weg sind eignen sich doch meist etwas von der Landessprache an #gruebel
    Englisch ist eine weitverbreitete Sprache, nicht dass du da am Ende auf jemanden reinfällst!
    Pass auf dich auf dich auf!

    LG

    • Er ist des Jobs wegen in Deutschland. Er arbeitet inzwischen für das zweite Unternehmen hier in Deutschland. Und er arbeitet wirklich für die Firma, die er angegeben hat, weil ich einen Imagefilm der Firma gefunden habe, in dem er interviewt wird. Es ist ein guter Job. Klar, ansonsten hätte er sein Land vermutlich nicht verlassen. Da es sich um ein großes internationales Unternehmen handelt mag es wirklich sein, dass dort auch viele andere Engländer arbeiten und Englisch gesprochen wird. Dennoch finde ich es auch sehr merkwürdig, dass er nach 7 Jahren noch kein Deutsch spricht. Würden wir von einer Übergangsphase von 2 Jahren oder so reden, in denen er absehen konnte, dass er ohnehin wieder zurück nach England möchte, würde ich es verstehen. Aber so...?! Ich werde das noch etwas ergründen ;-)

      • (14) 06.11.17 - 13:22

        Also generell gibt es schon Menschen die tatsächlich Jahrelang in ihrer Blase leben. Aber,als jemand der selbst im Ausland wohnt(e) und einen Ausländer als Mann hat, dessen AG zwar deutsch ist, aber weltweit tätig mit Beschäftigung Menschen vieler Nationen im In- und Ausland, wundert es mich dennoch etwas. Ein Leben abseits der Arbeit hat ja aber jeder und meiner Meinung nach fallen in Deutschland für die meisten (ausgeschlossen die US Army zB. mit komplett eigener Infrastruktur) einige Optionen weg die es im Ausland vielleicht gäbe. So gar keinen Bezug zur Landessprache finde ich also wirklich komisch.
        Aber das kann ja noch werden. Vielleicht ist er sprachlich nicht so begabt und die Sache ist ihm unangenehm. Da würde ich jedenfalls nachhaken. Richtig problematisch wäre es für mich, sollte sich etwas entwickeln, jedoch wenn er einfach keine Lust hätte der Sprache näher zu kommen.
        Wegen der Identität wäre ich nach wie vor noch etwas vorsichtig. Ich habe gerade die Tage von einem Fall gelesen in der die Frau reingelegt wurde, Bilder usw. wurden gestohlen und der Mann hat sich als dieser Mensch ausgegeben.
        Aber ich denke dass weißt du selbst, so wie du hier schreibst hast du noch die rosarote Brille auf :-)
        Bist du weiter vorsichtig hast du nichts zu verlieren! Viel Glück!

        • Also im Ernst. Ich habe seinen Namen und das Unternehmen gegoogelt. Es handelt sich, wie gesagt, um ein großes Unternehmen. Er taucht mit seinem Gesicht und seinem Namen im Imagefilm auf. Ich kenne sein Facebook Profil. Er wollte mit mir skypen.
          Ich denke ich werde schon merken, wenn statt des Engländers am Freitag plötzlich ein anderer Typ vor mir steht ;-)
          Man muss bei Treffen mit Onlineflirts immer etwas vorsichtig sein. Das hat aber nichts mit der Nationalität zu tun.

          Das mit der deutschen Sprache sehe ich allerdings ähnlich wie du. Er sagte mir eingangs, dass es auch cool wäre einfach mal Leute außerhalb der XY-Blase kennenzulernen (wobei XY für den Namen seines arbeitgebenden Unternehmens steht). Am Freitag Abend war er auf einer Feier eines Kollegen. Wo? Natürlich in einem englischen Pub. Ich finde es aber krass sich so abzuschirmen von dem Land, in dem zu leben man sich entschieden hat. Vielleicht ist sein Deutsch auch gar nicht so schlecht wie er sagt... Ich bin gespannt :-)

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