Vertrauen ist besser

    • (1) 28.11.17 - 02:01
      aber wie...

      Hallo zusammen,
      wie das Leben so spielt: es läuft nicht immer alles kerzengerade... Auch in Beziehungen nicht... Vertrauen kann enttäuscht werden und auch verloren gehen...
      Mitunter nur zeitweise... Hoffe ich...
      Auf meine Geschichte möchte ich verzichten, denn ich möchte nicht hören, dass x Menschen an meiner Stelle die Partnerschaft verlassen würden...
      Ich weiß, was ich tatsächlich zu verlieren und zu gewinnen habe, aber ich suche den Weg...

      Was hat euch jemals geholfen, erschüttertes Vertrauen wieder zu stabilisieren?
      Wie habt ihr an euch gearbeitet? Was habt ihr für euch getan?
      Konnte der Partner euch helfen? Wie?
      Wie lief der ganze Prozess ab, wie lange hat diese Lebensphase gedauert?
      Fragen über Fragen...
      Ich freue mich, wenn ihr berichtet. Vielleicht hilft es mir, meinen Weg zu finden!?
      Danke und Gruß

      • Mein Partner konnte nur bedingt helfen... klar, er musste genauso wollen, aber erstmal waren da halt jede Menge Scherben auf beiden Seiten - Vorwürfe, missbrauchtes Vertrauen, Enttäuschungen, mit Sicherheit auch Schuldgefühle - jeder hat also erstmal seine ganz eigenen Wunden geleckt - und dann hat man sich langsam wieder angenähert. Natürlich mit schlechtem Gefühl, teilweise war Ekel dabei, zumindest meinerseits - weil da ein ganz fieser Film im Kopf abgelaufen ist - aber es war da eben auch das Gefühl der Liebe und dass wir zusammen gehören und dass wir es beide schaffen wollen und dass Fehler auch passieren können.
        Dann kamen die ersten schönen Momente ohne diese Hintergedanken und darauf aufbauend konnten wir auch miteinander reden - gemeinsam unsere Wunden lecken und schauen, dass das eben nicht nochmal passiert - also was wir beide ändern können, damit das nicht nochmal passiert. "Zu Gute" kam uns dann ein furchtbarer Schicksalsschlag, der all die Querelen hat in den Hintergrund treten lassen und dafür das füreinander einstehen wieder in den Vordergrund. Insgesamt hat die schlimme Phase 6 Monate gedauert, das semitolle nochmal 6 Monate - seitdem läuft es wieder bei uns beiden und zwar besser als vorher - hat also doch auch alles ein Gutes :)

      Vielleicht haben "x Menschen" halt auch einfach Recht.
      Aber die meisten TE hier wollen die Wahrheit ja nicht hören/lesen...

          • (7) 01.12.17 - 13:32
            Vertrauen ist besser

            Ich stimme dir zu, dass man von außen einen sachlichen und distanzierten Blick hat.
            Und es gibt natürlich Fälle von Gewalt, Unterdrückung, psychischer Abhängigkeit etc...
            Das liegt auch für mich außerhalb jedes (Er)duldungsbereiches.
            Aber ganz ehrlich: Hier überschätzen sich viele:
            Aufgrund von ein paar Zeilen, ohne Menschen direkt zu kennen, ohne sich richtig Zeit und Mühe gemacht zu haben, ein Urteil über eine Beziehung zu sprechen... Das finde ich (auch wenn es gut gemeint ist) anmaßend und fahrlässig!
            Auch für das online hin geworfene Wort sollte man die Verantwortung übernehmen können...

            Grüße #blume

    Im Endeffekt hast du nur 2 Optionen:

    1) Du verzeihst/vergibst zu 100% (auch innerlich) und bist dir im Klaren, dass jeder Mensch mal Fehler macht. Wenn dein Partner (der dein Vertrauen verletzt hat), ehrliche Reue zeigt, redet darüber ausführlich. Aber danach musst du die Sache ruhen lassen und akzeptieren, dass es passiert ist und darauf vertrauen, dass dein Partner es ehrlich meint.
    Falls du deinem Partner dennoch nach spionierst, dich fragst, ob er es in diesem Moment gerade wieder tut, oder du ihm den Vertrauensbruch bei jedem Streit (womöglich gar als Rechtfertigung für eigene Taten) erneut vorhältst, dann bringt es nichts mehr.

    2) Daraus ergibt sich Möglichkeit 2. Du siehst ein, dass du den Vertrauensbruch nicht verzeihen kannst und beendest die Sache.

    Wenn du dich für keine der beiden Optionen entscheidest, wirst du die Partnerschaft noch für einige Monate/Jahre unter ständigen Qaulen (für dich selbst) aufrecht erhalten können. Nur zu welchem Preis?

    Möglichkeit 1 musst du aus innerer Überzeugung und Selbstreflektivität jeden Tag bewusst leben, auch mit der Gefahr hin, dass du am Ende trotzdem enttäuscht wirst. Dann geht es auch ganz schnell, dass das Vertrauen wieder kommt.

    Für mich läuft es auf eine entscheidende Frage hinaus: Kannst du besser damit leben, in einem Jahr festzustellen, dass dein Vertrauen erneut missbraucht wurde (und du halt einfach nur Zeit vergeudet hast) oder dass du deinem Partner keine zweite Chance gegeben hast (weil er vielleicht doch der Richtige ist). Stell dir diese Frage und die bewusste Entscheidung für eine der beiden Optionen ist ganz einfach.

    • (9) 28.11.17 - 14:04
      Vertrauen ist besser

      Danke für deine Antwort!

      Die für dich entscheidende Frage sehe ich auch als zentral an. Und vielleicht kann man das eingangs zu wenig heraus lesen: diese Frage habe ich für mich entschieden.

      Ich bin auf der Suche nach dem richtigen Weg, um zu Akzeptanz, neuem Vertrauen etc. zu finden...
      Und ich gebe zu, es ist hart für mich, sonst hätte ich hier nicht geschrieben...
      Gruß

      • Ja das ist schwierig und rational kaum beschreibbar. Bei meinem damals ersten Freund hatte ich eine ähnliche Situation und ich beschloss ihm wieder zu vertrauen. Solange wie du beim Zweifeln und Grübeln bist, hast du den bedingungslosen Schritt zum Verzeihen noch nicht gemacht.

        Ganz ehrlich, ich habe mir damals ganz bewusst gesagt: "Jetzt kein Grübeln, kein nachspionieren, keine übertriebene Fragerei" ... vielleicht habe ich einfach nicht mehr darüber nachdenken wollen und mir gedacht, wenn ich bleiben will, muss das aufhören. Es war sozusagen ein Sprung ins Vertrauen und dem Wunsch wieder glücklich zu sein. Von da an ging es dann auch, Zweifel kamen dann nur sehr selten auf.

        Soweit ich weis, gab es danach auch keinen Grund, das Vertrauen in ihn zu hinterfragen, die Beziehung ist dann an anderen Dingen zerbrochen.

        • (11) 28.11.17 - 20:17
          Vertrauen ist besser

          Danke für deine Offenheit!
          Du gibst mir ganz schön was zum Nachdenken... Danke!
          Ja, der Schritt zum bedingungslosen Verzeihen, du hast Recht. .. Hier sitzt der Schlüssel...
          Danke!!!
          Grüße#blume

Ich antworte dir, auch wenn ich selbst diesen Prozess noch längst nicht abgeschlossen habe.. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die mir bisher auf meinem Weg geholfen haben...
Mein Partner kann mir sehr helfen, indem er mein noch fehlendes Vertrauen akzeptiert (und nicht etwa ständig einfordert: Du musst mir doch jetzt vertrauen!), absolut offen und ehrlich mir gegenüber ist und mir damit zeigt, dass ich ihm wirklich vertrauen kann. Aber auch wenn er jetzt 100% alles richtig machen würde (und wer macht das schon?), wäre das Vertrauen nicht auf Knopfdruck wieder da.
Deshalb mein erster und wichtigster Ratschlag: Gib dir Zeit! Erwarte nicht zu viel von dir. Die Grundvoraussetzung ist natürlich, dass du die Entscheidung triffst, Vertrauen wagen zu wollen (das hast du offensichtlich getan). Aber es ist nicht realistisch, dann sofort wieder komplett vertrauen zu können. Ich bzw wir arbeiten seit fast einem Jahr daran, und es ist schon wesentlich besser geworden. Ich versuche, die guten und unbeschwerten Tage zu genießen und als meine Basis zu sehen. Es kommen auch immer wieder schlechte Momente oder Tage voller Frust und Misstrauen, das versuche ich zu akzeptieren und sie gehen vorbei. Die guten Tage werden immer häufiger und die schlechten seltener. Die schlimme Erfahrung gehört aber jetzt zu meinem Leben dazu, deshalb werden diese Rückschläge wohl auch in Zukunft immer mal wieder auftreten. Aber wenn das irgendwann nur noch ganz selten in besonderen Situationen vorkommt, ist das für mich in Ordnung...
Ich denke auch manchmal: Warum dauert das alles so lange? Warum ist das alles so ein Auf und Ab? Aber dann erinnere ich mich daran, wie ich mich zu Anfang gefühlt habe und sehe, was für einen Weg wir da schon zurückgelegt haben. Das gibt mir weiter Kraft.
Nach einem schweren Unfall würde ich auch nicht erwarten, dass sofort alles wieder funktioniert. Je nach Schwere der Verletzung kann es sehr lange dauern, mit Phasen der ermutigenden Fortschritte, Phasen des Stillstands und auch Rückschlägen. Vielleicht weiß man nicht, ob man wieder komplett gesund wird, aber man sollte sich davon nicht entmutigen lassen.
Übrigens kann ich total verstehen, dass du keine Lust mehr auf negative Kommentare hast. Wie oft habe ich mehr oder weniger deutlich zu hören bekommen, dass die anderen ja so was NIE mitmachen würden. Das impliziert, dass man nicht ganz bei Trost ist oder sich nicht genug wert (und die anderen würden das alles besser lösen). Bist du zu schwach zum gehen oder stark genug, zu bleiben? Viele sehen nur ersteres, aber zu bleiben kann durchaus der schwerere, aber auch lohnendere Weg sein... Wenn du fest daran glaubst, dass du und dein Partner zusammengehören, und für eure Beziehung kämpfen willst, steht es niemandem zu, das abfällig zu beurteilen!
Was mir übrigens auch sehr geholfen hat, gerade am Anfang: Bücher zum Thema lesen. Ich habe Amazon nach Literatur durchforstet und alles, was mir hilfreich erschien, verschlungen. Das hat mir viele neue Sichtweisen eröffnet und Hoffnung gegeben.
Und ich hatte eine Vertraute, mit der ich immer reden konnte, wenn es mir schlecht ging. Eine, die mir nicht ständig versucht hat, meine Ehe madig zu machen, und die in der Lage war, vorurteilsfrei Aspekte zu beleuchten, die mir vielleicht nicht klar waren. Gespräche mit Menschen, die mich destabilisiert haben, habe ich eher gemieden.
Ich wünsche dir alles Gute!!!

  • (13) 28.11.17 - 20:25
    Vertrauen ist besser

    Danke für den langen Text, die Einblicke und die offenen Worte!
    Es kommt mir vieles so bekannt vor bzw. es scheint direkt vor mir zu liegen...
    Es ist tatsächlich so, dass ich überzeugt bin, dass mein Partner und ich zusammen gehören... So eine Beziehung kann nicht immer nur Sahnetorte sein...
    Hm und irgendwie bin ich jetzt total ergriffen von deinem Text...Es ist doch auch schön, dass es Menschen gibt, die entdecken können, dass sie eine durchaus tragfähige Beziehung geknüpft haben...
    Ich wünsche euch -und besonders dir -alles Gute auf eurem weiteren Weg!
    Grüße#blume

Top Diskussionen anzeigen