Depressive Partnerin

    • (1) 01.12.17 - 09:25
      amenderderkraft

      In guten wie in schlechten Tagen, hab ich versprochen. Ich glaub, mir war nicht klar, was das heißt.

      Meine Frau war immer schon depressiv, es gab immer schon Phasen, in denen die Depression so stark war, dass sie quasi handlungsunfähig war. Allerdings waren das Phasen. Mittlerweile ist das so, dass es eher kurze Phasen scheinbarer Normalität gibt. Und in diese Phasen achte ich angstvoll auf jedes Anzeichen des Rückfalls in die tiefste Depression, unbeschwert sind auch diese Phasen nicht.

      Ich weiß, dass sie krank ist. Ich weiß, dass es nicht ihre Schuld ist. Aber von ihrer Persönlichkeit ist nichts mehr übrig. Da ist nichts Liebenswertes mehr. Um euch ein Bild zu machen: Sie steht dann morgens nicht auf. Sie steht vielleicht mittags auf. Sie duscht nicht, sie putzt sich vielleicht mal die Zähne, wenn's nicht ganz so arg ist. Ich komm irgendwann von der Arbeit nach Hause, mach den Haushalt, so gut es geht, sie geistert als fleischgewordener Vorwurf durch die Wohnung, schaut so, als könnte sie mich und meine Aktivität nicht ertragen. Meine Abwesenheit erträgt sie aber auch nicht.

      Sie ist in Behandlung, allerdings hat sie schon so oft den Therapeuten gewechselt, dass sie die Krankenkasse querzustellen beginnt. Niemand ist ihr gut genug, alle wollen ihr nur schaden.

      Gestern ist es passiert: Ich hab es nicht mehr ertragen. Ich bin gegangen, einfach raus, und bin dann noch mal wiedergekommen, hab mir ein paar Sachen genommen und bin in ein Hotel. Und das Schlimmste: Ich hab gesagt: "Dann bring dich endlich um, wenn dir so wenig an deinem Leben liegt." Ich weiß, wie falsch das war. Aber ich bin am Ende meiner Kräfte. An sich hindert mich nur noch die Angst vor ihrem Suizid, die mich bei ihr hält. Aber wo endet Liebe zu einem Menschen, und wo beginn Eigenverantwortung für mich.

      Heute hab ich frei, und heute morgen hatte ich fünf Nachrichten von ihr, ob wie was unternehmen sollen zusammen. Ich weiß gar nichts mehr, fühle mich auch irgendwie veräppelt, weil nun nach meinem Ausbruch das gehen soll, was seit Monaten nicht mehr geht. Ist das dann doch nicht alles nur die Krankheit sondern auch etwas, über das sie doch noch entscheiden kann.

      Daran geh ich kaputt. Nicht zu wissen, wie viel Mensch und wie viel Krankheit ich da vor mir habe.

      • Hast Du Hilfe von außen? Therapeut? Angehörigen-Selbsthilfegruppe? Seelsorger?

        • (3) 01.12.17 - 09:47
          amendederkraft

          Ich bin in einer Selbsthilfegruppe, die von einem Therapeuten mitbetreut wird.

          Aber auch da sagen mittlerweile viele, dass bei meiner Frau auch jede Bereitschaft fehlt, an sich zu arbeiten. Es kann doch nicht sein, dass ich von ihr gar nichts mehr erwarten kann? Doch, es kann so sein, ich weiß das, und trotzdem ertrage ich es nicht.

          Sie will keine stationäre Aufnahme, sagt, dann würde sie sich direkt umbringen.

          Stand jetzt (bin NICHT nach Hause gegangen, weil sie die gemeinsame Unternehmung wegen "Unterleibsschmerzen" schon wieder abgesagt hat) ziehe ich erstmal zu meiner Schwester, muss nur irgendwie an ein paar Sachen kommen, das wird fürchterlich.

          Ganz ehrlich: Mir ist es fast egal, was sie tut. Ich hasse sie gerade regelrecht. Ich weiß, dass das ungerecht ist, aber ich tu mir das seit fünf Jahren an, es wird immer schlimmer, der letzte gemeinsame Urlaub ist vier Jahre her, das letzte Mal ausgehen locker zwei Jahre.

      Hi.
      Das hört sich für mich ganz stark danach an, dass sie nichts ändern will oder kann. Kannst du sie nicht “zwingen“ als Ehemann , eine stationäre Behandlung zu beginnen?
      Ambulant kannst du das vergessen.
      Dein Spruch war wahrscheinlich auch nicht gerade hilfreich,aber ich kann das verstehen. Und wenn sie ja danach gefragt hat, ob ihr was zusammen unternehmen wollt, hat sie es ja auch nicht so ernst genommen...
      Also, Tipp von mir:
      1. Hilf ihr (du bist ihr Mann)
      2. Achte darauf, dass du deine eigene (positive) Lebens Einstellung nicht verlierst.
      3. Unbedingt eine stationäre Aufnahme.
      Alles Gute

    • Hallo,

      habt ihr schon mal über eine stationäre Behandlung nachgedacht? Bekommt sie neben der Therapie auch Medikamente?

      Ich kann Dich gut verstehen, Du musst auch dringend die Verantwortung für DICH und Deine Gesundheit übernehmen, anders geht es nicht, das ist ein Kreislauf in dem ihr euch befindet, aus dem Du (denn sie kann es nicht!) ausbrechen musst. Hierbei geht es vordergründig nicht um eine Trennung/Scheidung, sondern schlicht um Eigenschutz.
      Vielleicht kann sie es nicht verstehen, wenn Du nun wirklich professionelle Hilfe einschaltest, aber es ist wohl das Mittel der Wahl in meinen Augen.

      Viele Grüße
      coffea

      (6) 01.12.17 - 09:48

      Fühle dich mal virtuell umarmt.

      Depressionen sind furchtbar, keine Frage. Aber keine Beziehung ist es wert dass man sich selber kaputt macht. Du bist schon weit über deine Grenzen gegangen, das hast du mit deinem Auszug ins Hotel gezeigt. Geißle dich nicht für deinen Satz, so etwas kann einem in so einem emotionalen Moment nach so langer belastender Zeit schon einmal rausrutschen.
      In guten wie in schlechten Zeiten- klar. Aber nicht bis hin zur Selbstaufgabe.
      Ich würde es jetzt durchziehen und mich trennen, damit du noch was von deinem restlichen Leben hast. Zeitgleich eine Psychotherapie, damit du deine Schuldgefühle loswirst.
      Deine Frau kann sich nicht ändern, das scheinen die letzten Jahre gezeigt zu haben und diese Krankheit ist einfach furchtbar.
      Selbst wenn Ihr jetzt mal zusammen was unternehmt, wird das nicht lange anhalten. Klar tut Sie jetzt alles um dich zu halten, aber das wird nicht von Dauer sein.
      Wenn du jetzt noch keinen Schlussstrich ziehen willst/ kannst: Wie sieht es denn mit einer Einweisung aus? Dann hättest du mal Zeit für dich und wüsstest das Sie versorgt ist?

    • "Heute hab ich frei, und heute morgen hatte ich fünf Nachrichten von ihr, ob wie was unternehmen sollen zusammen. Ich weiß gar nichts mehr, fühle mich auch irgendwie veräppelt, weil nun nach meinem Ausbruch das gehen soll, was seit Monaten nicht mehr geht."

      Das ist komplizierter. Jetzt verliert sie vielleicht alles, was sie noch hat - Dich. Du kennst den Spruch? Erst wenn Du etwas verloren hast, merkst Du, wie wichtig es Dir war. Das spürt sie jetzt..

      ..und genau das ist Eure Chance!

      Bleib einige Tage im Hotel, zum Nachdenken. Das brauchst Du jetzt und dabei denkst Du mal bitte nur an Dich. Aber dann triff Dich ruhig zum Reden mit ihr, natürlich nicht zu Hause, sondern an einem neutralen Ort. Und dann sag ihr einfach ganz ehrlich, wie Du Dich fühlst.

      Vielleicht entscheidet sie sich dann tatsächlich für eine stationäre Therapie, die auch ich eigentlich als noch einzige Möglichkeit für sie sehe.

      (8) 01.12.17 - 10:05

      Es tut mir so leid für dich und ich verstehe dich. Mein Mann ist zwar nicht schwer depressiv, aber all das kenne ich.. mittags erst aufstehen, ihm ist alles zz viel, arbeitslos, ab und zu mal ein Kurs aber keine fixe Anstellung, nun hat er auch stark abgenommen. Das sxhlimmste aber ist dass wir zwei kleine Kinder haben und ich für alles alleine zuständig bin. Das zehrt an den Nerven und ich habe nun schon mkt Trennung gedroht. Bei ihm ist es aber nur eine leichte Depression, wie muss es dann erst bei dir sein..schrecklich.
      Und immer soll man Verständnis haben da es der andere ja so sxhwer hat.. man selbst rackert sich ab.
      Hätte ich das vor der Ehe gewusst hätte ich ihn nicht geheiratet. Wir lebten früher im Ausland zusammen und da war er total anders. Hat sogar viel gearbeitet, war fröhlich, aber hin und wieder mal hatte er ne komische Anwandlung die ich aber nicht ernst nahm, schließlich ist jeder mal sxhlexht drauf.
      Wir planen wieder ins Ausland zu gehen und das ist iwie mein Hoffnungsschimmer.
      Gibt es denn bei euch einen Hoffnungssxhimmer? Denn so kanns ja nicht ewig gehen dass du Krankenhelfer bist. Natürlich soll man eine Ehe schätzen und dem Partner helfen, aber was du erzählst geht über das normale Mass, und zumindest früher konnte man sich wegen Geisteskrankheit scheiden lassen. Weil eine normale Ehe so nicht funktionieren kann. Leider. So liebenswert der Mensch sonst auch sein mag. Es ist schade, aber es zerstört eure Liebe und Ehe. Wollt ihr denn Kinder? Stell dir mal vor wie es dann erst wäre, auch noch Kinder versorgen zu müssen.
      Ich denke dein Impuls abzuhauen war richtig. Ob sie sich das Leben nimmt , das darf kein Grund sein zu bleiben, es ist ihre Entscheidung, finde ich, so hart es klingt. Ich sage das weil ich sokche Drohungen kenne, aber in Wahrheit entspringen sie purem Egoismus , es ist ein Mittel den anderen unter Druck zu setzen ohne Rücksicht darauf wie der andere dabei fühlt.
      Noch ein Denkanstoß: auf gewisse Art unterstützt du ihre Krankheit da du ihr alles abnimmst, sie muss lernen selbst in die Gange zu kommen.
      Du hast auch ein Rexht auf ein schönes Leben. Alles gute

      Von Selbstaufgabe war im Gelübte aber keine Rede, oder? Ich glaube, ihr braucht beide Hilfe. Sie stationäre, weil es ambulant nicht mehr geht. Du in Form von Beratung und Unterstützung von Fachleuten.

      Ich bin keine Expertin, aber ich denke, dass da neben der Depression auch noch anderes im Busch liegt. Borderline käme mir da in den Sinn.

      Da sie von sich aus sich selbst nicht helfen kann, musst du das übernehmen. Sprich mit deinem Hausarzt oder, falls vorhanden, mit dem Notfallpsychiatrischen Dienst. Lass sie einweisen und sorge dafür, dass sie in Therapie bleibt, bis sich ein Gleichgewicht einspielt und bis du dir selber darüber klar wirst, was du leisten kannst und willst.

      lg thyme

      (10) 01.12.17 - 10:25

      Hallo!

      Ich kann dich sehr gut verstehen.. habe leider so etwas auch mitgemacht.. ca. 3 Jahre lang.

      Es kam eher schleichend und ich dachte mir er ist einfach nur "faul".. hat kein Bock mehr arbeiten zu gehen usw. Na ja, irgendwann kam dann die Diagnose Depression.. zusätzlich kam bei ihm dann noch Alkohol ins Spiel.

      Er hat alles probiert, immer mit meiner Unterstützung.. ich habe mich sozusagen für ihn aufgegeben, weil ich unbedingt wollte das es ihm wieder besser geht und somit auch uns. Zuerst Psychiater und Suchtberater.. dann Klinikaufenthalt.. richtig gebracht hat es irgendwie trotzdem nicht.

      Wir haben eine sehr schwierige Zeit hinter uns.. und auch mir ist schon mal der Satz rausgerutscht, dann schmeiss dich vor einen Zug! Ich glaube niemand kann das verstehen wenn man selber es nicht erlebt hat. Natürlich meint man es nicht so wie man es sagt.. aber irgendwann kann man nicht mehr, es ist die Wut, Hilflosigkeit die spricht.

      Wir leben momentan getrennt, wie und ob wir wieder zueinander finden steht noch in den Sternen.. mir hat es enorme gut getan wieder Ruhe in meinem Leben zu haben und mich um MICH zu kümmern.. ohne diese ständige Angst was der Tag heute wohl bringen wird.

      Schade kann ich dir keine PN machen..

      Wünsche Dir alles Gute und ganz viel Kraft! #klee

      Hi,

      also das ist wirklich eine komplizierte Sache. Mit einem depressiven Menschen eine Ehe zu führen stelle ich mir schwierig vor.

      Aber dennoch denke ich das du für Sie da sein solltest und noch ein mal das Gespräch mit Ihr suchen solltest, vielleicht am besten wenn du auch etwas runter gefahren bist und die Emotionen nicht so schnell hoch kochen können.

      Klar das was du zu Ihr gesagt hast war nicht richtig und hätte bei einem depressivem Menschen nach hinten los gehen können, aber es bringt jetzt nichts dir über die Vergangenheit Vorwürfe zu machen.

      Du musst dir einfach klar darüber werden das du für 2 Menschen positiv denken musst. Ich finde du solltest jetzt nicht einfach die Flinte ins Korn werfen und sie hängen lassen. Sie braucht ganz eindeutig Hilfe und einen Menschen der bedingungslos hinter ist steht. Ich weiß das ist nicht einfach in solch einer Lebenssituation positiv zu bleiben, aber so wie es sich für mich an hört ist das bei ihr ein Misch Masch aus Krankheit und in die Krankheit rein steigern.

      Vor allem solltest du Ihr aber sagen das du dir jetzt erst ein mal eine Auszeit gönnst um die Dinge wieder klarer sehen zu können und nicht einfach deine Sachen packst und zu deiner Schwester gehst, ich denke das wird sie erst Recht runter ziehen und in ein Depri Loch rein drücken.

      Ich wünsche euch ganz viel Kraft diese schwierige Zeit durch zu stehen und hoffe ihr könnt eure Ehe noch retten.

      Liebe Grüße

      • (12) 01.12.17 - 11:52

        Mit "für zwei positiv denken" ist es leider nicht getan. Davon geht die Hausarbeit nicht weg und ihr Mundgeruch, wenn sie sich mal wieder tagelang nicht die Zähne putzt, auch nicht.

        Ich weiß eben auch nicht mehr, ob das alles die Krankheit ist. Oder eben doch auch ein Teil Charakterschwäche. Wenn ich alles, was sie tut und nicht nicht tut nur als Symptome der Krankheit sehe, dann hat sie ja quasi gar keinen Charakter mehr, den ich liebe könnte, dann ist sie nur noch Krankheit. Das finde ich am schwierigsten im Umgang mit Depressiven: Man kann eben nicht beurteilen, welcher Teil von ihnen Krankheit ist und welcher Wesen.

        Ich bin bei meiner Schwester, hab das Nötigste gepackt. Ich hab den sozialpsychatrischen Dienst angerufen, da kommt im Laufe des Tages jemand bei ihr vorbei (dem sie nicht öffnen wird). Als ich da war, hat sie auf der Couch gelegen und ihre "Unterleibsschmerzen" gepflegt und mich mehr oder minder ignoriert, außer dem Satz, ich würde ja sehen was ich davon habe und ich würde mal wieder den Weg des geringsten Widerstandes gehen.

        Letzteres hab mir die Wut gegeben, die ich noch gebraucht habe. Meine Schwester hat eine freie kleine Wohnung oben im Haus, da bleib ich erstmal.

        Resturlaub hab ich auch noch, vielleicht fahr ich mal weg, um mir über einiges klar zu werden.

        • (13) 01.12.17 - 11:55

          Ich finde es gut, dass du dich jetzt abgrenzt.

          Gib acht auf dich! Und mach das ruhig mit dem Urlaub und erlaube dir da, nicht nur zu grübeln, wie es weiter geht...

          Sondern hab mal wieder richtig Spaß und mach es dir SCHÖN.

          LG

          Es ehrt Dich, dass Du so lang probiert hast, mit ihr und der Krankheit zu leben. Ehe und das damit verbundene Versprechen sind wichtig, aber keine Einbahnstraße. Wenn sie keine Einsicht in ihre Behandlungsbedürftigkeit hat, kannst Du ihr nicht helfen, auch mit aller Selbstaufgabe nicht. Sie saugt Deine Energie und macht Dir noch ein schlechtes Gewissen.

          Wenn sie "ernst" macht, hinterlässt sie vermutlich einen Abschiedsbrief, in dem sie Dir die Schuld an ihrem Elend gibt. Dein Schritt ist mutig, aber konsequent. Ich wünsch Dir viel Kraft (und Deiner Frau die Einsicht, dass sie für ihre Gesundheit verantwortlich ist).

          Das hast du gut gemacht. Gib auf dich acht.

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