Online-Freundschaft zwischen Mann/Frau - Erfahrungen?

    • (1) 11.12.17 - 09:49

      Hallo zusammen,

      zu meiner Person: Ich bin 39 und seit 12 Jahren verheiratet, wir haben zusammen 3 Kinder (7, 9 + 12). Unsere Ehe ist gut / beständig, nur der normale Alltag ist halt eingekehrt. Mein Mann hat einen fordernden Full-Tima-Job, ich bin Zuhause, weiß mich aber gut zu beschäftigen - habe z.B. einen kleinen Onlinehandel mit eigenen Handarbeiten laufen.

      Nun habe ich seit ca. 2 Monaten Kontakt zu einem ehemaligen Schulfreund über XING geknüpft. Wir schreiben uns inzwischen so gut wie täglich, eigentlich jede freie Minute. Er ist auch in einer festen Beziehung mit Kindern. Eigentlich kamen wir nur in Kontakt, WEIL keiner von uns Single ist, denn keiner von uns ist an einer Affaire oder einem Flirt interessiert.

      Nun ist es aber so, dass ich merke, dass ich doch anfange, ein bisschen Herzhüpfen zu bekommen, wenn er mir schreibt. Wir schreiben uns ganz harmlos, es ist nicht flirtig, aber wir haben denselben Humor, dieselbe Meinung zu vielen Dingen und auch Gespräche mit Tiefgang hinterlassen Spuren... Ich merke, dass er anfängt, mir ans Herz zu wachsen als Mensch, der er ist, ich muss aber auch dazu sagen, dass ich ihn nicht unattraktiv finde.

      Es würde mir schon schwer fallen, den Kontakt wieder abzubrechen. Meint Ihr, man kann das hinkriegen als Mann/Frau, virtuell befreundet zu sein, wenn man sich sehr mag? Es ist und bleibt rein virtuell, da wir sehr weit auseinander wohnen, d.h, die Gefahr, sich mal über den Weg zu laufen oder zu treffen, ist ausgeschlossen. Habe trotzdem ein bisschen schlechtes Gewissen meinem Mann gegenüber, dass mir halt jetzt doch hin und wieder schon bedauernde Gedanken kommen, dass er nicht auch ein bisschen so ist...

      Hat jemand Erfahrungen mit sowas? Wäre über Rat froh!

      Lieben Gruß
      Ela

      • Geniess es, solange es anhält. Der Schulfreund ist eine hervorragende Projektionsfläche, grade weil er sich perfekt präsentieren kann und keine offensichtlichen Makel vorhanden sind. Vielleicht gelingt es Dir, die guten Emotionen und Gefühle mit in den Alltag zu nehmen, dann hat die ganze Familie was davon.
        Solange Du damit klar kommst... nützt ja nichts, wenn Du ein paar schöne Minuten hast und dann vor lauter schlechtem Gewissen der restliche Tag kacke ist. Unsere Beziehung ist nicht wirklich geschlossen, aber selbst da trenne ich meist Emotionen und Sex und wenn ich mal in die Verlegenheit von kleinem Herzhüpfen komme, dann geniesse ich es. Sind ja meist nur ein paar Wochen und von meiner guten Laune profitieren alle... wir haben da mittlerweile schon einen Namen für "new toy effect", weil dieses Herzhüpfen auch was anderes als ein Mensch auslösen kann.
        Mein Mann und ich reden da offen drüber - er hat solche Gefühle nicht, er tickt aber auch anders und das ist genauso in Ordnung.

        (3) 11.12.17 - 10:32
        InteraktivesTagebuch

        Ich kann das gut nachvollziehen, weil ich auch eine virtuelle Freundschaft, nur schon deutlich länger. Wir schreiben uns meist täglich, oft auch mehrfach, mal kurze Lebenszeichen, mal mehrere Seiten über Gott und die Welt und ja, das ist nicht nur reizvoll, sondern eine enorme Bereicherung. Es ist ein unvergleichliches Gefühl jemand zu haben, mit dem man wirklich über alles schreiben kann, eine Art interaktives Tagebuch, dass den eigenen Gedanken nicht nur zuliest, sondern sie aufnimmt, weiterentwickelt und wieder zurückspielt. Gegenseitig empfundene Attraktivität macht die Sache natürlich noch reizvoller, weil dann zur inneren Anziehung die äußere hinzukommt.

        Das schlechte Gewissen kommt immer mal wieder, zumal der Austausch ja sehr, sehr persönlich ist, inkl. von Themen, von denen der Partner nichts weiß oder auch Probleme in der Partnerschaft selbst. Zugleich kann das Partnerschaft auch nützen, weil man durch den Austausch stabiler und reflektierter wird, selbst wenn der Partner eher nicht davon erbaut wäre, wenn er davon wüsste...

        Lies mal den Roman „Gut gegen Nordwind“, dort findest Du manches wieder, und sehr unterhaltsam geschrieben dazu.

        • (4) 11.12.17 - 11:30

          Ich pflege genau so eine "Brieffreundschaft", auch schon seit deutlich längerer Zeit und kann absolut nachvollziehen, in welchem emotionalen Zwiespalt du bist. Das schlechte Gewissen klopft auch hier immer mal wieder an die Tür, auf der anderen Seite hat diese Brieffreundschaft meine Partnerschaft enorm stabilisiert, einfach weil der Brieffreund und ich ganz viele Dinge, die unseren Alltag belasten, reflektieren und entweder allein durchs Aufschreiben oder durch die Unterhaltung darüber lösen können. Auch kann ich in Diskussionen mit meinem Mann mich deutlich besser artikulieren, weil ich schriftlich schon mal dran langs gedacht habe.
          Sicher, wir flirten auch immer mal wieder, aber auch das finde ich sehr bereichernd und es hat dann oft auch wieder eine belebende Wirkung auf die Partnerschaft.
          Außerdem ist diese Brieffreundschaft in so vieler Hinsicht inspirierend, weil wir wirklich über sehr unterschiedliche Themen diskutieren. Wir hüpfen fröhlich twischen Musik, Politik, Philosphie, Beziehungsdingen, Literatur etc. und ich liebe es einfach, mich auszutauschen.
          Kurzum: ich finde, die Vorteile überwiegen ganz klar und ich möchte diese Art der Beziehung nicht missen, weil ich sie als ungemein bereichernd empfinde.

          Du solltest dir zudem bewusst machen, dass dein hüpfendes Herz vermutlich auch durch ganz viel Projektion entsteht. Schreibend sind wir einfach manchmal die besseren Menschen. Alltagsmarotten spielen keine Rolle auf dem Holodeck. Und wem schadest du schon mit einem hüpfenden Herzen? Außerdem wirst du vermutlich zunehmend Übung darin gewinnen, mit dem Feuer zu spielen, ohne dich dran zu verbrennen....

      Du würdest Dir niemals Gedanken machen, wenn es sich um eine Frau handeln würde (und Du an Frauen emotional und sexuell nicht interessiert wärst). Du bedauerst auch, dass Dein Mann "nicht auch ein bisschen so ist".

      Scheint mir so, als ob Dir gerade klar wird, dass Du unter Umständen in etwas hineinrutscht, was irgendwann schmerzhaft enden wird.

      • (6) 11.12.17 - 14:52
        InteraktivesTagebuch

        Auch bei einem Freund des gleichen Geschlechts kann man sich Gedanken machen, was man z.B. über die eigene Partnerschaft erzählt oder nicht. Was aber fehlt ist natürlich das Flirten oder das Gedankenspiel Was-wäre-wenn.

        Ich finde es aber nicht unnormal, sich mal vorrübergehend in bestimmte Eigenschaften von anderen Menschen zu vergucken und auch zu bedauern, dass der eigene Partner nicht so ist - schließlich kann kein Mensch alles sein, jedem Partner fehlt ein paar Sache, die andere haben, denen dafür wieder etwas anderes fehlt.

        • Alles kein Thema, stimme Dir zu. Die Frage ist hier nur, ob man mit dem Feuer spielen kann ohne sich zu verbrennen oder ob man sich in Gefahr begibt und darin umkommt. Nicht jeder ist so verkopft, dass er sich nur auf bestimmte Zeit in Menschen, deren Eigenschaften oder sogar in einen lockeren Flirt vergucken kann.

          Darauf bezog sich meine Frage an die TE. Sie klingt nämlich so, als ob sie befürchtet, das nicht wirklich trennen zu können.

    (8) 11.12.17 - 16:31
    Kanndichverstehen

    Hallo,
    Ich kann Dich voll verstehen.
    Ich habe auch so eine "Flirtfreundschaft" mit einem Bekannten.
    Wir sind beide verheiratet und keiner möchte seine Ehe aufs Spiel setzen.
    Aber wir mögen uns halt und chatten halt manchmal und es ist erstaunlich, was man der "Chatfreundschaft" doch so offenbart .
    Auch in unserem Fall ist es unwahrscheinlich, das da mehr draus wird weil wir unsere Ehepartner auf keinen Fall verlieren möchten. Ein Treffen nur wir zwei ist ziemlich unmöglich.
    Aber es tut sehr gut, wenn man wertgeschätzt wird und Komplimente bekommt.
    Ich bin schon sehr lange verheiratet, und da bleibt das doch ein "wenig auf der Strecke".....
    Also, ich geniesse meine kleine Heimlichkeit sehr, da ich ja auch nicht mehr so ganz jung bin. Es tut meiner Seele gut......und das kann ja nicht schlecht sein.
    Also horche in Dich rein und entscheide, ob es Dir mit der Situation gut oder schlecht geht. Dann wirst Du wissen, ob es okay für Dich ist oder nicht.

    LG von
    Kanndichverstehen

    (9) 11.12.17 - 19:27
    Liebernicht1112

    Ich hatte solche Art von Freundschaften, allerdings bevor ich meinen Mann kannte. Und ich muss sagen, ich persönlich würde mich mit so etwas nicht wohlfühlen, wenn ich verheiratet wäre. Auch, wenn es nichts mit Flirten oder ähnlichem zu tun hat.

    Aus dem einfachen Grunde, dass man eben nicht weiß, wie weit man sich damit von seinem Partner wegbewegt, emotional gesehen.

    Ich kann gut verstehen, dass man sich mit jemandem, der die gleiche Wellenlänge hat, austauschen möchte. Es ist aber was anderes, wenn es die beste Freundin ist, die man zweimal die Woche zum Kaffeeklatsch trifft. Dein Brieffreund" hat selbst Familie. Wie findet es denn seine Frau, dass er dauernd mit dir schreibt, anstatt ihr?

    Ich finde, wenn man in einer Partnerschaft ist, gibt es da eine gewisse Exklusivität. Man bespricht nicht alles mit jemandem, der nicht der Partner ist. Und schon gar nicht in jeder freien Minute.

    Gerade, wenn du jetzt anfängst, deinen Partner kritischer zu sehen, weil er nicht so ist wie dein Bekannter, ist das ein Warnzeichen. Wenn du weiter machst, findest du eventuell noch mehr Punkte, die dich nerven. Es ist auf der anderen Seite leicht, jemanden zu idealisieren, den man nicht im Alltag erlebt.

    Mein Rat wäre, den Kontakt abzubrechen auch wenn es noch so schwer fällt.

    (10) 11.12.17 - 19:33

    Hallo,
    ich glaube dass du da zuviel rein interpretierst. Du sagst du freust dich, wenn eine Nachricht von ihm in deinem Posteingang liegt. Würdest du das bei der Nachricht einer alten Freundin nicht auch?! Ich freue mich über Nachrichten aller Menschen, die mir sympathisch sind und mit denen ich auf einer Wellenlänge schreiben kann.
    Versuchs mal rational zu betrachten: ist es die Vorfreude auf Neuigkeiten, die Nachricht aufzumachen?
    Oder fehlt dir in deiner Ehe etwas, das du nun auf ihn projizierst (er ist auch nicht perfekt!)?
    Ich glaube, du lässt dich von eurem angenehmen Geschreibsel und seinem ansprechenden Äußeren fehlleiten und du versuchst so, dein Herz zu beflügeln.
    Nimm die positiven Gefühle mit in den Alltag und deine Familie wird davon ebenso profitieren, das ist doch super!

    (11) 11.12.17 - 19:58

    Ich finde es erst einmal grundsätzlich nicht schlimm.

    So lange du deinem Mann nichts wegnimmst - sprich dich fast nur noch mit dem virtuellen Partner austauschst und für die Kommunikation innerhalb der Ehe bleibt nichts mehr übrig, weil du eben schon alles und täglich jemand anderen mitgeteilt hast. Schlimmstenfalls kann es ja dazu kommen, dass die Unterhaltungen in der Ehe fast ganz zum Erliegen kommen oder sich nur nicht auf Kinder und aktuelle Spritpreise reduzieren. Denn wer will schon täglich alles zweimal erzählen?

    Bei mir wäre die Grenze erreicht, wenn ich mir vorstelle, wie ich so eine virtuelle Freundschaft im umgekehrten Fall finden würde (vorausgesetzt man tickt recht gleich als Partner) und mich würde es bedrücken, wenn der Mann so agiert. Also nach dem Motto: "Was du nicht willst, das man dir tu'.................."

    Es gibt übrigens auch den Begriff der emotionalen Affäre.
    http://www.businessinsider.de/darum-koennen-emotionale-affaeren-schlimmer-sein-als-koerperliche-2017-6

    Wenn dir der andere mehr im Kopf rumschwirrt, als es eurer Ehe guttut, dann zieh' die Reißleine. Dein Mann KANN nicht erfüllen, was der andere dir ausschließlich bietet. Rundum Aufmerksamkeit mehrmals täglich, immer ein offenes Ohr, ständig dir zugewandt etc..pp.

    Liebe Ela,

    Auch ich hatte vor 2 Jahren Kontakt zu den Trainer meines Sohnes! Wir haben täglich geschrieben , obwohl ich verheiratet war! Es war ein schönes Gefühl, von jemanden umschwärmt zu werden ! Nur leider habe ich auch recht schnell gemerkt , dass ich mehr für ihn empfinde! Ich wollte eigentlich nur eins, ich wollte meinen Spass mit ihm, das habe ich ihm auch mitgeteilt! Er blockte sofort ab, aber er war der jenige der wieder ankam! Es war schön so mit jemanden zu schreiben, ich habe auch meine Ehe beendet nicht wegen ihm , sondern weil es schon längst fällig war! Er mein Schwarm war immer an meiner Seite auch wenn es nur online war! Dann ist seine Frau dahinter gekommen, und von heute auf morgen war alles weg!

    Es tut heute noch weh, er wird immer mein Schattenmensch bleiben, inzwischen bin ich neu verheiratet doch Volker so heisst er, wird immer in meinen Herzen sein! Ich kann dir nur raten , ein Mann der verheiratet ist, wirft sein Leben wegen einer Affäre nicht weg! Die die leiden werden sind wir! Beendet es egal wie schwer es fällt!

Top Diskussionen anzeigen