Ist das noch normal?-Wutausbrüche

    • (1) 16.12.17 - 07:57
      Sunpowder

      Guten Morgen,
      ich bin mit meinem Mann 4 Jahre verheiratet und insgesamt 7 Jahre zusammen.
      In den ersten Jahren ist mir die Systematik hinter seinen Wutausbrüchen nicht aufgefallen, nun bemerke ich aber immer mehr, wie sowas abläuft.

      Kurze Erläuterung: über Wochen frisst er Dinge in sich hinein, über die er sich ärgert (in Bezug auf mich), sei es gerechtfertigt oder nicht nachvollziehbar. Er redet darüber nicht, ich merke nur wie sein Verhalten mir gegenüber unfreundlicher wird. Das wiederum macht mich wütend und so schaukelt sich das Ganze auf, bis er platzt und mich psychisch fertig macht. Er beleidigt mich und versucht mit allen Mitteln mir wehzutun, d.h. Bohrt in meinen Schwächen herum und macht mein Selbstbewusstsein damit kaputt. Es ist verbal wirklich grausam.
      Ich kann mich dabei nicht verbal verteidigen, er wird immer nur gehässiger und macht mich mehr fertig. Weil ich das psychisch nicht aushalte und damit er aufhört (wenn ich die Situation verlasse, rennt er mir hinterher, ich komme da nicht raus), haue ich ihn oder kneife ihn in die Seite, weil ich ihn dann einfach hasse! Wenn ich das so lese, hört es sich wirklich schlimm an und es ist es auch.

      Nun meine Frage: ich habe ihn schon häufiger gebeten, mir zu sagen was ihn stört, sei es Aussagen von mit oder Dinge die ich tue. Aber er schafft es einfach nicht, mit mir darüber zu sprechen, sondern frisst wieder alles in sich hinein. Man kann es mit einem Thermometer vergleichen, das immer mehr ansteigt und bei 100 Grad platzt.

      Egal wie ich mich anstrenge, es passen ihm einige Dinge nicht an mir. Ich bin natürlich nicht immer unschuldig, kann schnell pampig werden.

      Aber ich kenne das so gar nicht von mir. Wenn er mich nervt, sag ich es und gut ist. Ich sammel nicht die ganzen Ärgernisse und lasse es dann irgendwann raus.

      Mir kommt das alles nicht mehr normal vor. Was denkt ihr über diesen Wutanstieg mit anschließendem Plätzen? Normal oder nicht?

      • (2) 16.12.17 - 08:22

        Hallo.

        Nein, das ist nicht normal so. Und wie du sagst, es ist schlimm, was dann zwischen euch geschieht.

        Sowohl mein Mann und ich kommen aus unterschiedlich kaputten Elternhäusern, wobei wir das beide nicht so gesehen haben.

        In unserer Beziehung lief es schon immer verkehrt. Er hat verschiedene Verhaltenstendenzen wie Cholerie, Nazissmus, manische Depression...

        Was es nun auch immer ist. Es kam rein rechtlich gesehen sehr häufig zu häuslicher Gewalt gegen mich, manchmal, wenn ich es nicht aushielt auch wechselseitig. Überwiegend ist es erhebliche psychische Gewalt, manchmal leichte körperliche. Mir geht es wie dir, es liest sich schrecklich. Wirklich bewusst war mir das aber nie. Das wurde es leider erst, als ich meine Kindheit aufgearbeitet habe. Das ging über gut 2 Jahre. In dieser Zeit wurde mir das Ausmaß der Katastrophe bewusst und der dringende Wunsch nach einer respektvollen Beziehung wuchs. Leider waren wir da bereits verheiratet und Eltern.

        Wir arbeiten nach einer zeitweisen Trennung hart daran und er ist mittlerweile in Therapie. Es wird auch besser, aber es ist wirklich sehr harte Arbeit und es ist nicht klar, wie erfolgreich es sein wird.

        Rückwirkend würde ich ihn nicht mehr heiraten. Also falls ihr keine Kinder habt, würde ich dir davon dringend abraten. Die Chance, dass sich alles zum Positiven ändert ist doch meist deutlich kleiner, als das es wirklich besser wird.

        LG

        • (3) 16.12.17 - 08:31

          Danke für deine Antwort. Mir geht es ähnlich, wir haben bereits ein Kind und erwarten unser zweites. Ich habe wirklich keine Ahnung, warum mir erst jetzt die ganze Grausamkeit dahinter auffällt. Er hat mich so oft psychisch fertig gemacht und ich dachte immer es sei meine Schuld. Arbeite nun seit Jahren an mir, dass ich so bin wie er es gerne hätte, vor allem in Bezug auf das Soziale. Ich brauche nicht viele Freunde, 1-2 gute Freundschaften und meine Familie reicht mir. Er dagegen ist sehr extrovertiert und braucht viele Menschen um sich herum. Ich habe mich angepasst und jahrelang jedes WE mit Freunden Usw... verbracht. Es reicht aber nicht. Ach ich könnte Romane schreiben und bemerke dabei, dass wenn es jemand anderes schreiben würde, ich sofort an Trennung denken würde. Aber ich halte es kaum im Herzen aus, meine Kinder hier herauszureißen.

          • (4) 16.12.17 - 08:35

            P.S.:

            Und gerade, weil bei euch Kinder im Spiel sind, solltest du gehen. Es ist verantwortungslos, sie sowas auszusetzen. Wenn du das bereits kaum ertragen kannst, warum sollten sie es ertragen müssen? Eine Wahl haben deine Kinder nämlich nicht.

          • (5) 16.12.17 - 08:52

            Ach scheisse, sorry...

            Was soll ich dir jetzt sagen. Ich habe wirklich sehr lange gewartet, bis ich es geschafft habe, mich zu trennen. Eine letzte Chance nach Monaten der Trennung gab es wirklich nur, weil wir uns noch immer sehr liebten, die Kinder ihn sehr lieben und vermissten und weil er eben deutliche Therapieerfolge hatte und eben selbst endlich einiges eingesehen hat, was bei ihm falsch läuft und, dass das eben nicht normal ist.

            Allerdings ist hier auch ganz klar definiert, dass es nicht mehr soweit kommen darf und dass er sofort rausfliegt, sollte er gewisse Grenzen nochmals überschreiten. Nochmal werde ich mir das nämlich nicht antun.

            Wie gesagt, es ist harte Arbeit. Aber solange er uneinsichtig ist, hast du keine Möglichkeit. Also musst du auf die Kinder und dich schauen und dich wirklich trennen, wenn es so weitergeht.

            LG

            "Aber ich halte es kaum im Herzen aus, meine Kinder hier herauszureißen."

            Dir ist aber schon klar, dass Deine Kinder später nicht sagen werden, dass sie dankbar sind, die ganzen schrecklichen Situationen miterlebt haben zu dürfen? Kinder sind extrem feinfühlig, spüren, wenn zwischen den Eltern etwas nicht stimmt und die meisten Kinder sind selbst geschädigt oder brechen gar mit den Eltern als Erwachsene, wenn sie mitbekommen, dass die Erwachsenen sich nicht mehr liebevoll behandeln.

          • (7) 16.12.17 - 13:48

            "Aber ich halte es kaum im Herzen aus, meine Kinder hier herauszureißen."

            Aber du hältst es aus, die Kinder einer gewalttätigen Beziehung ihrer Eltern auszusetzen?!

            Muss man nicht verstehen.

      definitiv nicht normal. ich könnte so nicht leben.

      kommuniziert er denn in anderen lebenslagen besser? also gehts ihm nur mit dir so oder hat er solche wutausbrüche auch in der arbeit oder mit seiner familie? sieht er denn selbst ein problem?

      ziemlich refelktiert oder kommunikativ klingt er ja mal nicht. ist er gewillt an diesen festgefahrenen muster zu arbeiten?

      • (9) 16.12.17 - 08:33

        Er weiß schon, dass er jedes Mal eine Grenze überschreitet, sieht aber nur in mir die Schuld, da ich ihn dazu bringen würde.
        Er ist schon mal jähzornig auf der Arbeit, aber nur mit Leuten mit denen er es machen kann, vor denen er keinen Respekt hat.
        Und schon merke ich, dass ich wohl auch dazu gehöre.

        • ojeoje. wies scheint hat er auch vor dir keinen respekt. das zu realisieren muss weh tun.

          wenn für ihn immer nur DU schuld bist sehe ich das problem eindeutig bei ihm. ein reflektierter erwachsener weiss, dass streit meist irgendwo in der mitte entsteht und beide dran beteiligt sind. ihr habt euch in sehr destruktiven mustern festgefahren, die zu brechen halte ich für sehr unrealistisch.

          sieht er selbst änderungsbedarf? macht ihm diese dynamik zu schaffen? oder ist er zufrieden so wies ist? habt ihr schonmal in einem ruhigen, liebevollen moment (gibts die?) versucht eine lösung zu finden oder da etwas auszusprechen?

          und zuletzt: sind kinder involviert?

          (11) 16.12.17 - 10:12

          https://www.re-empowerment.de/

          Lies dich mal ein, ich denke du wirst ihn ziemlich sicher darin wiederfinden.

          Gerade wegen der Kinder würde ich dringend eine Trennung in die Wege leiten. Sie haben ein Recht auf eine gewaltfreie Umgebung.

          Solange dein Mann dir die Schuld an allem gibt, solange er keine Einsicht und keine Bereitschaft an sich mittels Therapie zu arbeiten hat, gibt es keine Hoffnung auf Besserung.

          Willst du wirklich dass deine Kinder solche Erfahrungen machen müssen? Dass sie damit aufwachsen und lernen, dass eine Beziehung/Ehe so sein soll?

        (13) 26.12.17 - 06:49

        So ist das auch bei uns!
        Ich muss mich bei ihm entschuldigen. Obwohl er die Grenze überschritten hat.

        Der Link von Tralala hat mir eben die Augen geöffnet.

(14) 16.12.17 - 08:33

Hallo,

ihr lebt in einer von gegenseitiger Destruktivität geprägten Gewaltbeziehung. Denn auch das, was du machst, ist nun einmal Gewalt - ob du sein Verhalten als Auslöser siehst oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Dir blieben durchaus immer noch andere Handlungsoptionen als handgreiflich zu werden.
Wenn du ernsthaft mit ihm zusammen bleiben möchtest, dann werdet ihr an therapeutischer Hilfe nicht vorbei kommen. Wobei ich mich wirklich frage, welchen Sinn das haben soll. Ggf. bekommt ihr eure Kommunikationsmuster sowie eure Destruktivitäten aufgelöst, aber meiner Erfahrung nach wird das Vertauensproblem bestehen bleiben.
Von daher empfehle ich dir eher den Ausstieg aus dieser ungesunden Beziehung und eine Aufarbeitung bei dir selbst, was zu solchen handgreiflichen Mechanismen bei dir geführt hat, damit sich das nicht in der nächsten Beziehung wiederholt.

LG

Oh Gott, das liest sich eklig.

Streit hat jeder mal, inkl. unschöner Worte.

Aber die Art, die er tut ist physische Gewalt.

Dadurch dass Du bei ihm bleibst, zeigt, dass er es mit Dir machen kann.

Das musst Du alleine ändern!

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