10 Jahre später

    • (1) 16.12.17 - 21:33
      Nachtrag

      Hallo,
      Vor 10 Jahren hatte ich hier geschrieben, weil ich ungeplant schwanger war und total fertig.
      Mein Mann war nach dem.ersten Schock positiv gestimmt, aber ich war skeptisch.
      Wir waren mit 2 Kindern, Kranken Eltern, Selbständigkeit bzw. Vollzeit Jobs schon sehr am Limit.
      Kurz, ich setzte die Schwangerschaft fort, und hoffte das Beste. Wir waren beide schon Ü40.
      Nach der Geburt war natürlich erst mal alles neu und sehr anstrengend, die Nächte haben mich extrem geschlaucht und nach 8 Wochen bin ich zusammen geklappt.
      Ich kam dann in eine Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik, für 12 Wochen.
      Unser Kind blieb bei meinem Mann, der aber auch völlig am Limit war.
      Wir hatten Glück und bekamen Unterstützt vom Jugendamt, es kam jemand ins Haus täglich für 6 Stunden, unser Sohn war auch zeitweise in Pflegefamilien untergebracht.
      Ich muss sagen, wir haben alle einen hohen Preis bezahlt, unsere Ehe ist schon seit Jahren zu Ende, die großen haben sehr gelitten und lebten mal bei mir, mal beim Vater.
      Ich kann wirklich nicht sagen, ob ich nochmal so entschieden hätte.
      Und unser Sohn....ja er verdient Eltern die für ihn da sind, aber das können wir kaum noch leisten.
      Mir ist damals hier auch zu geraten worden , dass ich das sicher schaffe und später froh sein.werde , dieses Kind bekommen zu haben.
      Nun, ganz so ist es nicht und geschafft habe ich es auch nicht.
      Zur Zeit geht es...aber er kommt bald in.die Pubertät, das traue ich mir mit Ü 50 nicht mehr zu, mir fehlt die Kraft.
      Wollte das nur mal los werden, als späte Rückmeldung sozusagen.
      Schöne Weihnachten euch allen.

      • (2) 16.12.17 - 21:48
        Sehr fesselnd...

        Hallo,

        Vielen Dank für deine Geschichte und deine Rückmeldung, wie es dir ergangen ist.
        (Auch, wenn ich deinen ursprünglichen Beitrag nicht kenne...)

        Ich wünsche dir und deiner Familie von Herzen alles Gute! #herzlich

        Hallo,

        Dein Beitrag macht mich auf so vielen Ebenen wütend. Das tut mir natürlich leid für Dich, weil man Deine Resignation beim lesen schon spüren kann.

        Ich weiß auch nicht, warum ich Dir gerade schreibe. Hilfreich ist mein Beitrag wahrscheinlich nicht.

        Sorry.

        nebelschnee

        (4) 17.12.17 - 10:08

        Hallo.

        Es tut mir leid, dass du so fühlst. Es tut mir leid, dass ihr alle irgendwie unter der Einwicklung leidet und, dass es überhaupt so gekommen ist.

        Allerdings hätte es das auch unter besseren Umständen so laufen können.

        Ich lese aus deiner Andeutung natürlich heraus, dass du ggf lieber die Schwangerschaft abgebrochen hättest. Wenn ich damit etwas falsches hineininterpretiere, mlchte ich dafür entschuldigen. Aber ganz allgemein formuliert finde ich es furchtbar, dass meine Meinung, ein Kind lieber zur Adoption freizugeben, anstatt eine Schwangerschaft zu beenden, so absolut gegen den Mainstream geht und oftmals sogar angefeindet wird. Schließlich geht es um das Leben eines Menschen.

        Ich führe das jetzt nicht weiter aus. Ich hoffe nur, dass sie mehr Menschen für eine Schwangerschaft entscheiden als für eine Beendigung.

        Ich hoffe, es geht euch irgendwann allen besser.

        • (5) 17.12.17 - 10:15

          Ich hatte schon eine Abtreibung und kann sagen, dass ein Austragen keine Optionen gewesen wäre.
          Auch Freundinnen von mir hatten Abbrüche und die Möglichkeit das Kind zur Adoption frei zu geben war für keine von ihnen denkbar.
          Im Übrigen habe ich psychisch nie unter dem Abbruch gelitten, davor wird ja hier schon mal gewarnt und quasi als “Strafe“ für diese Entscheidung in Aussicht gestellt.
          Ich bin eher dafür im Zweifel ein Kind nicht auszutragen.
          Denn es ist das Kind was leidet wenn es nicht funktioniert.

      Dein Beitrag erschüttert mich wirklich sehr und es tut mir leid, dass ihr durch das dritte Kind so viele Probleme bekommen habt. Ich habe auch den Eindruck, dass du es bereust, dass du dich damals für das Kind und gegen einen Abbruch entschieden hast. Wahrscheinlich ist es immer besser, wenn man auf sein Bauchgefühl hört, anstatt den Ratschlägen anderer Menschen zu folgen. Diese mögen es manchmal gut meinen, aber sie können eben doch nicht beurteilen, ob man mit einem weiteren Kind zurechtkommt. Insgesamt bestätigt mich dein Beitrag, dass man nicht vorschnell zur Fortsetzung der Schwangerschaft raten sollte. Manche sind diesbezüglich wirklich naiv und denken, dass man mit Mutterliebe alles erreichen kann. Das stimmt aber natürlich nicht, weil nicht jeder Mensch gleichermaßen belastbar ist.

      Meiner Meinung nach solltest du jetzt aber versuchen, euer Problem baldmöglichst zu lösen. Besteht die Möglichkeit, dass du weiterhin Hilfe vom Jugendamt bekommst? Wäre es eine Option für euch, dass dein Sohn dauerhaft in einer Pflegefamilie lebt?

      • Ich war kürzlich an einer Schulung. Dort hat man mir erzählt, dass bei Leuten, die aus ihrer Sicht überfordert mit der Situation sind, in Burnoutgefahr sind usw. gut gemeinte Standardsätze wie "Du schaffst das schon", "irgendwie wird's schon gehen" u.ä. absolutes Gift sind. Es impliziert, dass andere die gleiche Situation meistern würden, während man selbst versagt.

        Als einer, der Abtreibungen nicht verteufelt, sondern als möglichen Weg in einer schwierigen Situation ansieht, macht man sich nicht nur Freunde. Ich denke mir halt, dass es nicht sinnvoll ist, Menschen um jeden Preis auf die Welt zu bringen. Blöd gesagt: Besser, es geht einem Menschen gut als dreien schlecht.

        • Ich finde es sehr interessant, was du in deinem ersten Absatz geschrieben hast. Meiner Erfahrung nach ist da was Wahres dran, da ich selbst auch schon von Burn out betroffen war. Ansonsten teile ich deine Meinung ebenfalls zu 100 %.

    Als Mann, der ich vielleicht weniger Mitgefühl an den Tag lege als andere, möchte ich Dir trotzdem einen kleinen Hinweis geben:
    - plane nur auf den nächsten Tag und wenn es ausnahmsweise mal länger sein sollte auf 3 Tage
    - wenn die Gedanken kommen wie: ich sollte, ich hätte damals, ich müsste noch usw. dann stelle Dir einen großen Flußstrom vor, dem Du das alles mitgibst und wenn die Gedanken wiederkommen, wieder in diesen Strom hineingeben.
    Du musst nämlich erst Mal gar nix und dann siehst Du weiter.......

    worüber ich mich bei Deinem Beitrag, trotz aller Resignation gefreut habe ist, daß Du grundehrlich bist, vllt. ein wenig zu hart zu Dir selbst.
    In dieser Ehrlichkeit sehe ich den Samen für viel Neues und Schönes.

    Fühl Dich gedrückt.

Dein Kind tut mir sehr leid :-(
Wenn man doch im Vorfeld schon weiß, daß es absolut nicht geht, warum bekommt man diesen unerwünschte Kind? Ich bin fassungslos :-(

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