Woanders neu anfangen - kann das klappen?

    • (1) 18.12.17 - 21:53
      alias...

      Hallo Zusammen,

      Ich muss etwas ausholen, aber ich hoffe der ein oder andere der ähnliche Erfahrungen hat, kann mir helfen bzw. davon berichten.
      Ich bin 29, verheiratet, 1 Kind und das 2te ist unterwegs. Ich bin psychisch angeschlagen, leide seit meiner Kindheit u.a. an Depressionen die mal besser und mal schlechter werden.
      Meine Familie ist ziemlich zerrüttet durch mehrere Schicksalsschläge aber auch teilweise einfach nur durch Sturheit. Im Moment ist es wieder sehr extrem. Ich bin nicht direkt betroffen aber in einer Familie wird man ja nun mal mehr oder weniger dazu gezwungen sich für eine Seite zu entscheiden und das immer wieder.
      Dieses hin und her tut mir nicht gut und es geht mir sehr schlecht zur Zeit. Die Familie meines Mannes ist quasi in ganz Deutschland verteilt und der Kontakt ist gut aber halt eher sporadisch. Mein Mann möchte mit mir 'neu anfangen', er möchte dass es mir endlich besser geht und wir als Familie wieder glücklich sind. Er ist bereit mit mir weg zu ziehen, ziemlich weit weg um genau zu sein.
      Grundsätzlich bin ich von der Idee nicht abgeneigt wären da nicht die Ängste es so ganz alleine ohne Familie und Freunde nicht zu schaffen. Meine Mutter wohnt bei uns in der Nähe und ist im Prinzip die einzige hier mit der es gut läuft und die uns unterstützt, vor allem wenn es um unser Kind geht, sei es nur wenn ich Termine habe kurz aufzupassen.
      Ich kann mir im Moment nicht vorstellen wie das klappen soll, ich alleine mit 2 Kindern (Mann berufstätig), ohne Unterstützung, ohne Freunde...Ich habe Angst damit genau das Gegenteil zu bewirken und die nächste schwere depressive Phase auszulösen. Zudem würde ich ja auch meinen Kindern alles nehmen (also Omas und Opas und der ganze Rest)
      Andererseits denke ich wenn nicht jetzt, dann nie, ich möchte nicht so lange warten bis sich die Kinder hier einen festen Freundeskreis usw. aufgebaut haben und schon mit der Schule angefangen haben.
      Daher meine Frage, wer hat es gewagt alle Zelte abzubrechen und neu wo anders anzufangen? Würdet ihr es wieder tun? Oder bereut ihr es?
      Ich wäre dankbar für eure Erfahrungen und Antworten

      • Ich habe nicht den gleichen Hintergrund wie du daher kann ich dir nicht zu 100% sagen wie es für dich mit einem Neu Anfang ist aber ich kann dir von meinen Erfahrungen berichten.

        Ich hatte in meiner Kindheit/Jugend einige traumatische Erlebnisse (Gewalt, Missbrauch..) wodurch ich schwer depressiv geworden bin und auch ein sehr ungesundes Verhalten mir selber gegenüber an den Tag gelegt hab. Ich hab viel versucht um mich selber aus der Depression zu ziehen, war in Therapie, einige Wochen in einer Klinik etc, wirklich gebracht hat es aber nichts.
        Das erste Mal einen Neustart gewagt habe ich als ich mit der Realschule durch war. Ich bin alleine (!) in eine mir völlig unbekannte Stadt gezogen, ca 2 Stunden Autofahrt von meiner eigentlichen Heimat entfernt und mit quasi nicht existenter Bahnverbindung.
        Dieser Neustart hat mir extrem geholfen da zum einen Abstand zur Familie da war und zum anderen musste ich nicht mehr jeden Tag an Orten vorbei fahren mit denen ich sehr negative Erfahrungen verbunden hab. Dadurch konnte ich mich mehr auf mich selbst konzentrieren und es fiel mir leicht neue Freundschaften zu schließen - es kannte mich schließlich keiner und niemand hatte eine vorgefertigte Meinung. 3 Jahre bin ich dort geblieben und hab mich auch sehr wohl gefühlt.
        In der Zwischenzeit ist meine Mutter zusammen mit meiner Schwester von Süddeutschland nach Hamburg gezogen was mich dazu bewogen hat nach diesen drei Jahren hinterher zu ziehen (anderer Stadtteil, eigene Wohnung). Abgesehen von den beiden kannte ich da auch niemand und auch da ist es mir sehr leicht gefallen wieder neuen Anschluss zu finden. In Hamburg geblieben bin ich für sieben Jahre.
        2014 bin ich nun zu meinem Mann gezogen und seit Anfang 2015 leben wir gemeinsam in Osnabrück also wieder 300km zwischen meiner Mutter/Schwester und mir und alle Freunde sind mindestens genau so weit weg (eine Hälfte in Stuttgart, die andere in Hamburg).
        Freundschaften musste ich mir wieder neu aufbauen und dieses Mal ist es mir schwerer gefallen da die Leute hier einfach nicht ganz so offen sind. ABER ich habe mit der Zeit ganz liebe Menschen kennen gelernt und seit ich hier wohne bin ich psychisch und emotional endlich angekommen. Nachdem ich vorab schon zweimal komplett die Stadt gewechselt hab, habe ich nun endlich das Gefühl zuhause zu sein. Ich bin angekommen! Ich vermisse mein Mutter und meine Schwester an manchen Tagen wirklich sehr aber seit ich hier wohne geht es mir endlich richtig richtig gut. Ich hätte nie im Leben gedacht das ich nochmal so glücklich werden könnte.
        Ich hatte jedes Mal große Angst vor diesem Schritt, schließlich ist es ein Aufbruch ins unbekannte. Aber ich bin sehr froh das ich ihn gewagt habe denn sonst würde ich, vor allem psychisch, nicht da stehen wo ich jetzt bin. Ich würde es immer wieder genauso machen denn das beste was ich für mich und meine eigene Gesundheit tun konnte war, mir die Chance auf einen Neuanfang zu geben

        Klingt nach Flucht, ich würde es nicht machen.

        Wenn überhaupt, müsste der Mann vor gehen.
        Erstmal Job und Einkommen sichern, dann Hütte suchen, dann nachziehen.
        Alles andere wäre Hals über Kopf ... wie auf der Flucht.

        Hallo,

        Dein Mann möchte Dich von Deiner Familie distanzieren.

        Nicht, weil er ein böser Mann ist, der Dir schaden möchte, sondern wahrscheinlich weil er - viel objektiver als Du - erkennen kann, dass große Teile Deiner Familie Dir und Deinem Zustand schwer schaden.

        Er ist emotional nicht so involviert, wie Du, weil es nicht seine Familie ist und erkennt daher besser, was an diesem zerütteten Familienkonstrukt Dir schadet. Dein Partner möchte Dich schützen und das ist eine wunderbare Intention. Aber dass er das, offenbar sehr dringende, Bedürfnis hat, Dich zu schützen, zeigt sehr deutlich, wie belastend die Situation für Dich wirklich sein muss.

        Ich wette, wenn Du Dich traust, ganz ehrlich zu sein, würde Deine Schilderung über Deine Familie viel düsterer und bedrückender ausfallen. Ein bisschen hast Du es ja schon anklingen lassen.

        Unter diesem Aspekt würde ich, wenn ich Du wäre, auch über die gesamte Situation nachdenken.

        Zuerst einmal löst ein Umzug Deine Depression nicht in Luft auf. DU NIMMST DICH SELBST BEI EINEM UMZUG JA MIT! Das heisst, dass Du - völlig allein - ein gesamtes Leben, Routine, Freunde usw. NEU aufbauen musst.

        Ich war vor 10 Jahren an diesem Punkt (depressiv, sehr weit weg gezogen, neuer Kindergarten, neue Arbeit, neue Wohnung, neue Stadt - also ALLES komplett neu) und habe bis heute nicht die Kontakte, die ich gern hätte. Ich war über viele Jahre sehr isoliert (die Depression hat da sicherlich sehr zu beigetragen). Erst langsam und mit Hilfe einer Therapie zur Aufarbeitung meiner früheren Situation in meiner Herkunftsfamilie konnte ich mich langsam öffnen.

        Aber es ist immer noch nicht meine Heimat - und das, obwohl mein Kind hier aufwuchs und ich noch nie so lange an einem Ort gelebt habe (ich bin insgesamt über 20 Mal umgezogen, bevor ich hier her zog).

        Von daher ist ein Umzug möglicherweise eine gute Idee, aber nur, wenn Du Kraft und Ihr auch Geld genug habt, dass Du Dir ein gutes Netzwerk und Kontakte Deiner Wahl aufbauen kannst (Kurse besuchen, Sportvereine, Schwimmverein usw. für DICH, damit Du auf gleichgesinnte Leute treffen kannst).

        Viel wichtiger ist wohl, dass Du erkennen lernst, welche Familienteile Dir Dein Leben wirklich schwer machen und anfängst, Dich aus deren Affären raus zu halten. Ich hasse Familien, in denen einer dem anderen die Butter auf dem Brot nicht gönnt #zitter.

        Und nein, es ist nicht normal, dass unbeteiligte Familienangehörige gezwungen werden (Deine Wortwahl weist auch hier darauf hin, wie passiv Du in Deiner Familie agierst), eine "Seite" zu wählen.

        Eine Familie hat keine "Seiten" - wir sind ja nicht im Krieg #aerger!

        Und wenn es bei euch andauernd Krieg ist, dann ja, würde ich zu meinem eigenen Schutz eventuell weit genug weg ziehen, dass mir nicht dauernd die Tür eingerannt wird, ich aber meinen positiven Freundes- bzw. Familienkreis nicht aufgeben muss.

        Mit Depressionen kann man gut leben, das weißt Du bestimmt - aber man muss auch viel mehr auf sich acht geben, weil man viel eher wieder zusammen bricht, wenn man sich in guten Phasen zu viel zumutet.

        Wenn Du kannst, mach am besten eine Liste, was Dich am meisten stört und was Du gern magst in Deinem Leben. Dein Mann könnte ebenfalls eine solche Liste machen und Dir da auch ein bisschen objektive Perspektive geben. Sei ruhig einmal schonungslos ehrlich zu Dir selbst: WIE GUT tun Dir Deine streitenden Verwandten? Machen diese sich überhaupt Gedanken darum, wie es Dir dabei geht?

        Und dann könntet Ihr überlegen, welcher "Umzugsradius" wäre sinnvoll, wenn Ihr denn umziehen wollt.

        Zusätzlich, und vor allem auch ohne Umzug, solltest Du Dich viel mehr aus diesen Tieraden heraus nehmen. Nur weil jemand streitet, musst Du da nicht mit einsteigen. Es geht bei Familie nicht darum, zu allem eine Meinung zu erzwingen und zu dem zu halten, den ich lieber mag und so die Familie in zwei zu spalten.

        Es geht um Zusammenhalt, sich unterstützen, wenn es nötig ist, den Kopf waschen, wenn es nötig ist und glücklich miteinander zu sein.

        Wenn Deine echte Familie Dir das nicht geben kann, dann kannst Du immer noch beste Freunde "adoptieren" ;-). Familie heißt nicht, ich muss mit der Person verwandt sein #aha.

        Ich bin ehrlich, mir macht Deine Schilderung Deiner Familiensituation - so zurückhaltend sie auch ist - viel, viel mehr Sorgen als der ganze Rest Deines Posts.

        Ich wünsche Dir alles, alles Gute!
        nebelschnee

        • (5) 19.12.17 - 07:31

          Vielen Dank für eure lieben Antworten.
          Über Kontaktabbruch zu denen, die das ganze zu verantworten haben, habe ich auch schon nachgedacht. Nur leider ist es dann so, dass automatisch die, die auf dessen 'Seite' sind einen auch ignorieren und den Rest so lange bearbeiten bis die es auch tun. Ja, so krank läuft das bei uns...Entweder du siehst es genauso oder du hältst deinen Mund, mit Kritik löst man wirklich einen Krieg aus. Und ich weiß, dass ich diesem Psychoterror nicht standhalten könnte und noch viel wichtiger es (schwanger!) nicht möchte. Also bleiben mir im Prinzip nur 2 Möglichkeiten, gehen oder bleiben und so weiter machen wie bisher.
          Mein Mann ist recht offen, er findet überall Anschluss aber ich bin halt eher zurückhaltend, nicht zuletzt durch meine Krankheit, ich bin hier lediglich in Kursen angemeldet, weil eine Freundin mitkommt. Alleine bin ich da einfach nicht der Typ für, einzige Ausnahme waren die Kurse als unser Kind noch ein Baby war, da ging es irgendwie und ich habe auch recht schnell Kontakte geknüpft. Vielleicht will mein Mann deshalb gerade jetzt umziehen.
          Ich denke von heute auf morgen werde ich das nicht entscheiden können aber eure Erfahrungen und Tipps haben mir schon sehr geholfen.
          Vielen Dank

          • Wer sich auf diese Weise gegen dich stellt, hat keinen Platz in deinem Leben. Es ist einfach Zeit für eine Lebensinventur. Wer Energie frisst und keinen seelischen Nährwert hat, fliegt raus.

            Du musst dringend an dieser Stelle Egoismus entwickeln und Grenzen setzen. Aktiv handelnd und nicht passiv flüchtend. Außerdem kann man auch über 500km eine Stellungnahme bei dir einfordern.

            Man muss auch Verwandte nicht zwangsläufig im Leben behalten, nur weil sich irgendwo ein Stückchen DNA geteilt hat.

            Du brauchst keine Menschen, die dir schaden. Und wenn dann nur deine Mutter übrig bleibt, ist das eben so.

            Versuche den Mut zu finden, Menschen aus deinem Leben zu weisen, die dir schaden.

            LG

          • (7) 20.12.17 - 08:42

            Ich kann von meiner älteren Schwester berichten.
            Sie ist psychisch angeschlagen, sehr depressiv. Mit ca. 21 Jahren hat einen Suizidversuch unternommen (Tabletten), meine Eltern haben sie gefunden. Ich habe davon erst ca. 15 Jahre später erfahren. Ich habe in einer weit entfernten Stadt studiert und niemand hatte mir von diesem tragischen Ereignis erzählt, erst meine Schwester selbst, wie gesagt, Jahre später. Sie war schon in Therapie, erfolglos.

            Vor 5 Jahren ist sie mit der Familie (Mann, 2 Kinder) in die Schweiz gezogen. Quasi auch eine Flucht, sie kannten dort niemanden. Flucht, um neu anzufangen. Aber sie ist tot unglücklich. Ich bin der Meinung, dass man nicht fliehen kann, um neu anzufangen, da man sich selbst immer mitnimmt. Du bist der gleiche Mensch, ob du hier bist oder woanders. So denke ich darüber.

            Meiner Schwester ist nicht zu helfen, da sie sich nicht helfen lassen will.
            Wir haben kaum Kontakt, aus mehreren Gründen. Einer davon ist, dass sie mein "Glücklichsein" nicht ertragen kann...

            Viele Grüße

            Hallo alias,

            gerne möchte ich dir dazu was sagen! Ich glaube nicht, dass die räumliche Distanz das Problem lösen würde. Aus meiner Sicht räumst du den Familienmitgliedern eine viel zu große Macht ein, dein Leben auf sehr negative und manipulative Art zu beeinflussen.
            Ich denke, dass es durchaus auch die Wahlmöglichkeit gibt "bleiben und nicht so weitermachen wie bisher". Ich würde meiner ganzen Familie ein Ansage machen, dass ich auf diese Art Familiendynamik keine Lust mehr habe und den Kontakt nicht mehr wünsche. Ich würde alle Kontaktversuche abblocken und mit Mann und Kindern meine eigene Familie sein. Man muss nicht flüchten, kann aber Grenzen ziehen. Das stärkt eher.

            Was für eine Art Terror befürchtest du denn genau? Was tun entsprechende Familienangehörige? Anrufen? Vorbei kommen? Vor allem kann man sich versuchen zu schützen. Wichtig wäre, dass es dir egal wird, was irgend jemand von Ihnen von dir denkt! Wichtig ist, dass du deine Zeit mit Menschen und Kontakten verbringen kannst, die dir was geben. Auf alle anderen kannst du bestimmt verzichten. Warum solltest du für "die" das aufgeben, was positiv in deinem jetzigen Leben und am jetzigen Wohnort ist? Ich glaube, das "Problem" würde dich wieder einholen. Hau auf den Tisch, Wehr dich und distanzier dich vor allem innerlich und mit klaren, unmissverständlichen Signalen nach außen! Du schaffst das bestimmt! Wenn du deinen Mann hinter dir hast, hilft der dir bestimmt auch beim Abblocken und Distanz halten!

            Viel Mut und Kraft wünscht dir

            Judith

      (9) 19.12.17 - 07:24

      Bedenke: Sich selbst nimmt man überall hin mit. Ich habe auch schwierige Verhältnisse in meiner Herkunftsfamilie und bin weiter weg gezogen. Da ich aber außerhalb meiner depressiven Phasen ein sehr kontaktfreudiger Mensch bin, der schnell Anschluss findet, hat mir der räumliche Abstand gut getan.

      Bei dir ist aber wenigstens noch ein "Rest" an Familie intakt und da. Ich würde es dann glaube ich nicht machen, es sei denn es wäre beruflich nötig. Mein Mann und ich haben seit zwei Jahren den Plan, in den Norden zu ziehen. Aber so lange meine Schwiegereltern noch leben, werden wir das nicht tun.

      Mit dem Umzug möchte dein Mann das bewirken, was du emotional nicht hinbekommst: Distanz zu Leuten herzustellen, die dir nicht gut tun.
      Sein Vorschlag ist womöglich ein Hilferuf. Wenn du es nicht hinbekommst, diese Distanz zu schaffen, könntest du deine eigentliche Familie (Mann und womöglich Kinder) verlieren.

      Was wäre mit der Alternative dich in Therapie zu begeben und die "Zelte" mental abzureissen? Indem ihr den Kontakt zur ganzen Bagage ausser deiner Mutter abbrecht?

      • (11) 19.12.17 - 08:12

        Danke für deine Antwort. Ich war eine gefühlte Ewigkeit in Therapie, ob Gesprächstherapie, stationäre oder medikamentöse Therapie...Habe ich alles durch und als ich das erste mal schwanger wurde habe ich alles abgebrochen zum einen weil ich die Medikamente eh nicht mehr hätte nehmen dürfen und zum anderen weil ich mir dachte, was jetzt über 10Jahre nichts gebracht hat, bringt jetzt auch nix mehr. Alle Themen waren durchgekaut.
        Dass ich meine eigene Familie verliere, davor habe ich am meisten Angst, denn die ist es, die mich durchhalten lässt.
        Ich weiß dass mein Mann es schwer mit mir hat, er würde es niemals sagen, aber so ist es und ich denke mir bei jedem Gespräch warum er überhaupt noch da ist. Jetzt bin ich wohl mal an der Reihe und muss überlegen wie es weiter geht, mehr Hilfe kann er mir glaube ich nicht mehr anbieten.

    Wir - mein Mann und ich - sind vor 18 Jahren aus beruflichen Gründen aus unserer Heimat Sachsen weggezogen. Wir wohnen in Baden-Württemberg. Als wir hier her kamen, kannten wir niemanden. Unser Sohn war gerade mal 10 Monate alt.

    Der "Hit" war: Wir haben die ersten 10 Jahre hier in einem Dorf gelebt, in dem wir "Fremde" waren und immer auch "Fremde" geblieben sind.

    Am Anfang war das gerade für mich als junge Mama nicht so einfach. Aber ich habe die Gabe, über mich selbst lachen zu können. Außerdem sind wir Christen - und so betete ich eines Tages: "Herr, bitte schenke mir Humor und hilf mir, dass ich mich selbst nicht zu ernst nehme". 😊 Ab diesem Zeitpunkt sah ich die "Besonderheiten" unserer neuen Lebenssituation als eine Chance, für mich selbst neue Strategien im Umgang mit anderen Menschen und mit mir selbst zu entwickeln.

    Inzwischen sind wir hier in Baden-Württemberg schon zwei Mal umgezogen - und ich habe den Eindruck: Mit jedem Umzug wird es leichter, neu anzufangen 🌻

    • Ich möchte mal noch einen Gedanken ergänzen:

      Ob ein Neuanfang weit weg vom bisherigen Umfeld eine Lösung für Dich sein kann, hängt m.E. von der Frage ab, was genau Deine Depressionen auslöst oder beeinflusst.

      Ich selbst war früher sehr depressiv, weil ich mich wie in einem Netz gefangen fühlte. Es gab so viele "Erwartungen", die andere an mich hatten, die ich aber gar nicht erfüllen konnte. Und da war es für mich existenziell sehr wichtig, erst einmal Abstand in alle Richtungen zu schaffen.

      Inzwischen habe ich meine seelischen / psychischen "Baustellen" zu ungefähr 95 Prozent erfolgreich bearbeitet. Ohne die Veränderungen in der Gestaltung unseres Lebens hätte ich das aber sicher nicht so bewältigen können.

Hallo,

grundsätzlich glaube ich schon, dass ein Umzug helfen kann.

Ist es euch möglich in die Nähe eines Familienteils deines Mannes zu ziehen? Gerade mit einer chronischen Krankheit (gelten Depressionen als chronisch?) fände ich es gut und beruhigend für mich, wenn ich Plan B nicht erst mühsam suchen und kennenlernen müsste. Und Termine, bei denen es praktisch ist, kein Kind dabei zu haben, hat man immer mal wieder.

Alles Gute für euch!

(15) 19.12.17 - 09:19

Ein Umzug ändert nichts an euren Problemen, egal wo ihr hingeht ihr nehmt euch selber immer mit. Davonlaufen (und danach klingt es für mich) war noch nie eine Lösung.

Und wenn du jetzt noch den Kontakt zum einzigen Familienmitglied (deiner Mutter) kappst, bzw. durch wegzug erschwerst wird es mit Sicherheit auch nicht leichter werden. Im Gegenteil, dann bist du noch isolierter.

Bist du derzeit wegen deiner Depressionen in Behandlung? Wenn nein, dann würde ich das als erstes in Angriff nehmen. Auch wäre vl eine Familientherapie nicht schlecht, denn auch dein Mann scheint ziemlich am Limit zu sein. Wenn dir der Umgang mit den zerstrittenen Familienmitgliedern nicht gut tut, dann musst du dich abgrenzen und den Kontakt einstellen.

Konzentriere dich auf deine eigene kleine Familie, auf das was dir gut tut.

Alles Gute

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