Nervliches Wrack, was tun?

    • (1) 18.01.18 - 14:53
      Miramora

      Ich möchte bitte anonym bleiben - danke.

      Meine Mum hat ihren Mann verloren und ist mittlerweile neu liiert. Sie behauptet, er wäre das Beste, was ihr je passiert ist - ich bin der Meinung, er ist ein Depp, der ihr nicht gut tut, behalte aber meine Meinung für mich.

      Fakt ist: sie war schon in der Ehe depressiv und hatte suizidale Tendenzen. Nach dem Tod meines Vaters brauchte sie quasi rund-um-die-Uhr-Betreuung, die sie auch von mir und meiner Schwester bekommen hat. Nach viel gutem zureden ist sie dann endlich auch mal zu einem Psychater, der ihr Antidepressiva verschrieben hat und zu einer Psychologin - dort hat sie aber nur die 5 probatorischen Sitzungen wahrgenommen, weil sie der Dame erzählt hat, alles wäre tutti. Die AD hat sie auch nur ein Jahr genommen und dem Doc danach erklärt, dass alles wieder gut ist und deshalb durfte sie ausschleichen.

      Aber es ist nichts gut. SIe ist verbittert, sie ist mir gegenüber bösartig, feindselig und ich hab im letzten dreiviertel Jahr nicht ein nettes Wort gehört. Wenn sie über sich selbst spricht, dann jammert sie stark und droht immer wieder damit, dass sie so am Ende sei, dass sie sich am liebsten was antun würde - immer in so einem wagen Konjunktiv verwurschtelt. "wenn ich den Hund nicht hätte, hätte ich schon längst Tabletten genommen." - ihr nervliche Belastung ist bei null. Sie ist 60, nicht berufstätig und sie bekommt nichts mehr auf die Reihe, was über den normalen Haushalt und Bürokram hinaus geht - selbst wenn im Garten ein Grashalm umknickt kriegt sie Heulkrämpfe, sie stapft zu jeder Dorfbeerdigung und hat meiner Auffassung nach keine Freude mehr im Leben - selbst ihr neuer Partner (den ich für einen Teil des Problems halte) wird immer nur als Suizid-Hindernis hervorgehoben.
      Und ihre Hirnleistung lässt immer weiter nach... ihre Sätze wirken wie auswendig gelernt und sie kann mir in mehreren Telefonaten immer wieder wortwörtlich das selbe erzählen, gute Hinweise nimmt sie überhaupt nicht mehr an, selbst bei Alltagssachen. Neulich wollte ihr die Werkstatt unerhört viel Geld (sie hat wirklich wenig) für Radzierblenden berechnen und ich hab ihr erklärt, dass ihr Neuer oder meine Schwester oder ich ihr andere, billige, einfach bestellen können... "jaja" - und nichts passierte, selbstverständlich hat sie die aus der Werkstatt zum 10fachen Preis genommen.

      Sie wohnt am anderen Ende Deutschlands, ich bin vor einem guten Jahr weggezogen.... meint ihr es gibt irgendwas, was ich tun kann? Was würdet ihr an meiner Stelle machen?

      Meine Schwester hält ihr Händchen, würde aber niemals etwas anderes als genau das tun, selbst wenn sie daneben sitzen müsste, wenn sie Tabletten schluckt - auf sie darf ich also nicht zählen.

      • (2) 18.01.18 - 16:16

        ... das klingt nach Depression mit anfangender Demenz (oder so ähnlich...)
        Ich würde in dem Fall immer Fachleute hinzuziehen, weil ich als Laie da so und so überfordert bin, und da nachfragen, wie weit Unterstützung Sinn macht.

        Gibt es eine Vorsorgevollmacht? Wer wäre für sie zuständig, wenn es ihr schlechter gehen würde?

        In einem ähnlichen Fall hier kann man nur akzeptieren, dass sie ihren Weg so gehen möchte. Wenn Unterstützung verweigert und als unnötig angesehen wird, kann man nicht wirklich helfen. Aufklären, ja - aber wenn sie es gar nicht hören möchte?
        Und das Geld, das sie ausgibt, kannst du nicht regulieren, solange sie geschäftsfähig ist...

        Vielleicht könntest du mir ihr noch besprechen, dass es einen Topf gibt, der angelegt wird und den ihr dann verwenden dürft, wenn sie mehr Unterstützung benötigen sollte. Aber auf solch einen Deal wird sie sich vermutlich nicht einlassen...

        in erster Linie gilt für Helfende immer: Grenzen wahrnehmen und akzeptieren. Du hilfst ihr nicht, wenn es dir deswegen schlecht geht. Sie macht eh ihr Ding. Im Zweifelsfalle würde ich mir selbst Unterstützung holen, bei jemanden, der da einen guten Durchblick hat, was machbar ist und wo Grenzen sind...

        es ist nicht schön... aber ich befürchte, wirklich viel kannst du nicht tun. Und wenn sich jemand umbringen will, macht er das. Und wenn jemand viel darüber spricht, fehlt meistens der Mut, etwas an der Situation zu ändern oder es durchzuziehen... es bleibt beim Gerede.

        Achte mehr auf dich... es ist nicht nur dein Recht, sondern auch deine Pflicht, dir selbst gegenüber!

        Wie ich das sehe, hat sie einen Partner an der Seite, Deine Schwester betüddelt sie und Du wohnst weit weg. Was Du tun kannst? Nichts, garnichts. Wenn man der Frau überhaupt helfen kann (offenbar bricht sie ja alles wieder ab) dann sind die in der Verantwortung, die um sie sind. Kleinigkeiten wie ihre Einkäufe wären mir sowieso egal. Soll sie machen. Allerdings würde ich mir sicher auch keine Jammertiraden mehr anhören, da hab ich bei meiner Mutter nach x Jahren der Geduld dann auch aufgegeben, weil sinnlos. Ich sehe leider garnichts, was Du im Moment tun kannst. Wenn Suizidandrohungen laufend kommen, würde ich ihr wohl sagen, dass ich das nun nicht mehr verantworten kann und dafür sorge, dass sie eingewiesen wird. Dann evtl. dem Hausarzt den entsprechenden Hinweis geben. Wenn der auch untätig bleibt, tja dann......LG Moni

        (4) 19.01.18 - 11:34

        Du hast jetzt eine lange Abhandlung über deine Mutter geschrieben. Du hast von ihr ein Dreivierteljahr kein gutes Wort mehr gehört. Aber in deinem Text steht auch kein einziges gutes Wort von dir über sie. Demnach ist die Beziehung wohl eher beidseitig schlecht. Nur dass du eine Generation jünger bist als sie.

        Es geht deiner Mutter offensichtlich nicht gut. Wie wäre es, wenn du deinen Blick auf das Positive an ihr richtest und anfängst sie und ihre Entscheidungen zu akzeptieren und dankbar zu sein für das Gute, das es auch gibt, das sie dir vielleicht früher mal zukommen lassen hat?

        Du schreibst über sie, als wäre sie nicht ganz zurechnungsfähig, eine dumme leicht demente vorzeitig gealterte Frau die beinahme schon einen Vormund braucht. Einige Wort in deinem Text sind sehr abwertend. Wenn meine Kinder das eines Tages über mich schreiben würden, würde mich das wirklich sehr treffen.

        • (5) 19.01.18 - 13:31

          vermutlich lebst du jetzt aber schon eine ganz andere Beziehung zu deinen Kindern, bist reflektierter und mehr in deiner Mitte als es die Mutter der TE in ihren jüngeren Jahren sein konnte...

          ich kenne leider genau solche Fälle wie die TE beschreibt, wo man mit den eigenen Möglichkeiten nichts erreichen kann
          und das akzeptieren zu können, ist verdammt schwer...
          ... und mir hilft dann genau dieses Bewusstsein, dass die Frau schon früher sich für ein besseres Leben hätte entscheiden können und alle Unterstützung abgeblockt hat. Und solch ein Verhalten wird im Alter oft intensiver...

          Wenn ich deine Worte lese, vermute ich sehr, dass du nicht in solch eine Situation kommen würdest...

          • (6) 19.01.18 - 15:11

            Es ist immer schlecht, wenn die "Unterstützung" (gute Ratschläge) von denen kommt, die ein Teil des Problems sind.

            Die Mutter lebt, nachdem sie Witwe geworden war, in einer neuen Beziehung und die sollte von den Kindern genauso akzeptiert werden, wie die Kinder von der Mutter erwarten, dass sie die Parter der Kinder akzeptiert. Und bitte nicht denken, sie hätte einen Deppen ausgesucht. Das Denken (die Ablehnung, die Abwertung) kommt zu allen Knopflöchern heraus, auch wenn man mit Worten "nichts gesagt hat".

            Die TE fragt was sie tun kann: nicht besserwissen wollen, nicht Ratschläge erteilen, nicht abwerten, nicht verurteilen, sondern akzeptieren und wertschätzen.

            • (7) 19.01.18 - 15:17

              ja aber was, wenn sie sich wirklich einen Deppen geangelt hat?
              Es gibt Typen, die einen anderen Menschen nur ausnutzen und für eigene Zwecke gebrauchen und dann gibt es diese, die da mitmachen.

              Wie soll man das wertschätzen?

              Da kann man doch nur akzeptieren, dass sich die Mutter einen Trottel ausgesucht hat und sich so verhält...

              mir ist das, was du schreibst, bisschen zu heilig und fern der Realität...

              • (8) 19.01.18 - 17:17

                wie abwertend du schreibst!!#contra

                Was würdest du sagen, wenn deine Kinder oder deine Angehörigen deinen Partner einen Deppen nennen würden?

                Ich weiß was ich tun würde - den Kontakt zu denen abbrechen, die meine Partnerwahl so betiteln. Natürlich, nachdem ich ihnen vorher gründlich "den Kopf gewaschen hätte".

                Meine Familie ist sehr groß und niemand hat jemals jemandes Partner so betitelt. Hätte ich einen Deppen zum Partner genommen, dann wäre ich ja quasi auch ein Depp.

                Niemand ist perfekt - mit Fehlern und Schwächen müssen wir alle leben. Aber so eine krasse Abwertung geht gar nicht.

                • (9) 19.01.18 - 17:33

                  vermutlich ist das Wort bei euch nie gefallen, weil ihr immer mit Menschen zu tun hattet, die - wie wir alle - so manche blinde Flecken und Schwachpunkte haben... das meine ich damit auch nicht.

                  aber einen Typen, der eine Schwäche eines anderen Menschen so ausnutzt und diesen Menschen so manipuliert hat, dass der den angeblichen geliebten Menschen klein macht, erniedrigt, sich an seinem Geld bedient usw... wenn du giftige Beziehungen, Narzissmus, empowerment etc googelst, dann findest du viele Beispiele, da fallen dir die Ohren ab
                  und dann sag zu so einem Menschen noch ein freundlicheres Wort? Da ist der Depp ja schon mehr als freundlich...

                  das meine ich mit zu heilig... du hast nur einen Ausschnitt "Mensch" im Kopf, wo man mit Wertschätzung und Respekt viel bewegen kann und viel Sonnenlicht in die Beziehungen bringen kann
                  aber es gibt andere Menschen, da gilt es erst mal die Betroffenen zu schützen
                  und wenn sie sich mit Händen und Füssen wehren und es nicht einsehen, dann komm du mir mit Wertschätzung, da kann man nur Akzeptieren - oder im besten Falle anzeigen, wenn es konkret greifbar wäre...

                  ... krasse Abwertung, da könnte ich lachen...

                  • (10) 19.01.18 - 17:40

                    Ich kenne leider auch ein paar narzisstische Paarbeziehungen. Es ist eigentlich immer ein Narzisst, der sich einen komplementären narzisstischen Charakter ausgesucht hat. Einer der ausnutzt und bewundert werden will und eine die sich ausnutzen läßt und diesen "starken Typen" an ihrer Seite braucht. Beiden haben ein geringes Selbstwertgefühl, das sie vom jeweils anderen aufputschen lassen.

                    Ändern kannst du das nicht! Dazu ist das Bedürfnis viel zu tief in der Seele eingegraben.

                    Deppen würde ich diese Menschen nicht nennen.

                    • (11) 19.01.18 - 17:43

                      wo ich herkomme, ist Depp wahrlich nicht das Schlimmste Schimpfwort

                      okay, es sind arme Seelen oder so...
                      dennoch, ganz ehrlich: ab und zu muss man auch mal richtig schimpfen und böse Worte benutzen
                      es ist nicht gesund für mich, immer mit Vernunft und Verständnis rumzulaufen...

        (12) 20.01.18 - 12:35

        Mit ganz vielem was Du schreibst, hast Du in der Tat recht. Grade als ich es nochmal gelesen habe, klang es in der Tat sehr abwertend... ich war aber auch extrem frustig, weil wir kurz vorher wieder mal "so" ein Telefonat hatten.
        Korrekt ist auch, dass unsere Beziehung früher nicht die beste war, aber... ich hab aber wirklich mehrere ehrlich gemeinte Anläufe gemacht, ihr und ihrem neuen Lebensgefährten freundlich und offen gegenüber zu treten und hab jedes Mal einen verbalen Arschtritt dafür bekommen.
        Umgekehrt gab es das nicht, ihre ganze Welt dreht sich nur noch um sie und um ihr Leiden, selbst an meiner Hochzeit konnte sie nicht über die eingeladene und gewünschte Zeit (48h) bleiben oder sie gar mit mir verbringen. Am Vorabend der Hochzeit wollte sie sich lieber im Hotel erholen und entspannen und nicht meiner Schwiegermutter begegnen, statt mit uns zu essen und am Tag nach der Hochzeit wollte sie nach dem Frühstück gleich wieder heim zu ihrem neuen Lebensgefährten - geplant war noch ein gemeinsamer Tag zusammen und die Rückfahrt hat sowieso meine Schwester gemanagt, die auch abends/nachts fährt. Die Beziehung zu ihrem neuen Partner war damals wenige Wochen alt, ich kannte ihn noch nicht und wollte ihn auch nicht an der Hochzeit dabei haben, zumal wir auch nur im engsten Familienkreis gefeiert haben.
        Sie verwendet mir gegenüber Worte für meine Taten wie "Blöd, bescheuert, Du spinnst, Du hast sie nicht mehr alle" und sie meint das ganz ernst. Wann immer ich versuche, sie in mein Leben einzubinden, endet es mit Beleidigungen.

        Und ja, ihre Worte treffen mich - und ich kann es ihr nicht mal sagen, weil jegliche Kritik mit besagten Suiziddrohungen beantwortet wird, schon im Voraus, es sind Sätze wie "ich kann so froh sein, dass ich den XY habe, sonst wäre ich schon längst nicht mehr da." oder "bei all dem was passiert kann ich gar nicht mehr klar denken und ohne XY gäb es mich schon nicht mehr"
        wobei XY meine Schwester, der neue Partner, eine Freundin oder sonstwer sein kann. Sämtliche semioptimale Handlungen werden mit völliger Überforderung begründet und landen dann wieder in obiger Argumentationskette...

        Es fällt mir schwer, da jedes Mal wieder aufs Neue was nettes zu sagen oder sie in mein Leben zu lassen - um genau zu sein wächst der Frust jedes Mal ein bisschen mehr und ich bin froh, wenn ich mal ne Woche lang nichts höre, weil es entweder aggressives Austeilen oder passives Leiden ist - so wie in den letzten 15 Monaten.

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