Unglückliche Ehe mit Kleinkind

    • (1) 17.02.18 - 16:21

      Hallo Ihr Lieben,

      wahrscheinlich keine ganz untypische Frage für dieses Forum, aber ich bin echt verzweifelt und vor allem habe ich riesige Schuldgefühle. Mein Mann und ich sind seid 4 Jahren verheiratet und es läuft schon recht lange gar nicht gut. Ich muss dazu sagen, wir hatten immer eine sehr explosive Beziehung (waren davor auch 9 Jahre zusammen), aber irgendwie haben uns unsere Gemeinsamkeiten und der Wille zusammenzubleiben zusammengehalten. Mit einem Kind in der Gleichung (wird im Mai 3), sieht das ganze aber anders aus. Obwohl ich mir jedesmal vornehme es zu vermeiden, schaffen wir es irgendwie immer wieder vor dem Kind zu streiten. Mein Mann wird dabei auch laut. Überhaupt spürt man denke ich das nicht mehr viel Liebe und Respekt da ist. Ich würde mich eigentlich schon gerne trennen, aber ja, wie das so ist, oft fällt es schwer den letzten Schritt zu tun. Um ehrlich zu sein denke ich aber das es darauf hinauslaufen wird und ich glaube ich könnte auch damit leben. Ja, alleinerziehend sein ist sicherlich extrem schwer und ich habe höchsten Respekt davor aber ich traue es mir schon zu. Ausserdem: eine schlechtere Mutter als jetzt kann ich wohl kaum werden. Das bring mich zu meinem eigentlichen Leid: meine Tochter. Ich könnte streben vor Schuldgefühlen nach jedem Streit den sie mitkriegt. Es tut mir so unendlich leid für sie, und ich ärgere mich das ich diese Situationen nicht besser unter Kontrolle habe. Ich glaube auch das unsere Beziehung darunter leidet. Oft wir meine Kleine ablehnend wenn man wieder Stress war, was ja völlig verständlich ist. Ich bin so traurig das ich ihr nicht die Mutter und das Vorbild sein kann was ich möchte. Meine Frage: ausser weiter an mir zu arbeiten, was würdet ihr noch tun um den "Schaden" einer unglücklichen Ehe beim Kind zu vermindern? Ich habe überlegt ob ich mich einfach mal mit ihr hinsetzen und reden soll, ganz offen. Natürlich in einfacher Sprache aber schon ehrlich nach dem Motto "Schatz, Papa und ich streiten uns viel und ich möchte mal mit dir darüber reden.". Meint ihr das macht Sinn oder ist totaler Quatsch in dem Alter? Vielen Dank schonmal...

      Hallo!

      Bitte zieh das Kind nicht mit rein, solange nichts beschlossen ist. Sonst fühlt sich die Kleine nur hin und her gerissen. Dieses Gespräch kann warten, bis zwischen euch Erwachsenen alles geklärt ist.

      So weitergehen macht es nicht besser. Das haben meine Eltern versucht, und nein, es war kein Stück besser als eine Trennung. Eigentlich verlängert das diese unerträgliche Situation auf viele Jahre, in denen niemand gerne nach Hause kommt, weil entweder schlechte Stimmung oder Streit herrscht - und es gibt ja auch keine Lösung, der Streit kann ja nicht enden, wenn die Differenzen so groß sind.

      Klärt bitte erst mal die Rahmenpunkte: wer behält die Wohnung? Wie regelt ihr dem Umgang (bitte dem Kind zuliebe eher mehr als jedes zweite Wochenende, 2 Wochen einen geliebten Menschen gar nicht treffen ist schon für Erwachsene hart!)? Wer bekommt was an Hausrat und wie sieht es mit Unterhalt aus?

      Erst danach sprecht ihr GEMEINSAM mit dem Kind. Erklärt, dass manchmal Erwachsene sich nicht mehr liebhaben und sich deswegen nicht mehr dauernd sehen wollen, aber ihr weiter beide für sie da seid.

      Kinder fragen bei solchen Gesprächen immer eher konkrete Fragen - wo schlafe ich dann? Kann ich mein Puppenhaus behalten? Wo schläft dann der Papa? Da braucht ihr vorher Antworten.

      • Danke für deine Antwort. Vor dem Schritt der Trennung gebe ich dir absolut recht. Was ich eher dachte: wie kann ich konkret den "Schaden" begrenzen nachdem wir uns mal wieder nicht zusammenreissen konnten und uns gestritten haben vor der Kleinen. Natürlich sollte die Antwort erstmal sein: begrenzt den Schaden in dem ihr euch zusammenreisset aber manchmal schaffen wir es einfach nicht. Meinst du man kann die Situation für das Kind besser machen in dem man direkt danach das Gespräch sucht? Also nicht: "mama und papa trennen sich" sondern "mama und papa verstehen sich im Augenblick nicht so gut und das mit dem Anschreien war blöd" oder so? Ja ich kann mir eine Trennung vorstellen aber noch haben wir uns ja nicht dazu entschieden...und was kann ich in der "Zwischenzeit" tun?

    (6) 17.02.18 - 18:41

    Ich habe das zwar im Zuge meiner Trennung gelesen, aber einen wichtigen Satz behalten: immer nur Fragen beantworten, aber keine aufwerfen.
    Ich denke nicht, dass man sich proaktiv hinsetzen sollte.

Hi
Wir haben uns getrennt da war mein Sohn 2,5 jahre. Wir haben zwar nicht oft gestritten aber mein Sohn merkte wohl schon lange dass die liebe ausgezogen ist ( haben wir im Nachhinein bemerkt).

Ich habe vorher nichts erklärt. Als nein Mann seine Sachen nahm und auszog hätte ich meinen Sohn auf den Arm und hab ihm erklärt was gerade passiert. Das das gar nicht schlimm ist und er seinen Papa ganz oft sieht und auch zu ihm kann wenn er das möchte. Er sagte seinem paps dann tschüss und das Thema war für ihn erledigt. Er freut sich riesig wenn ich ihm sage dass Papa ihn heute Abend holt. Er hat nie darunter gelitten ganz im gegenteil. Er hat jetzt viel exklusivere Zeit mit seinen Papa als vorher.

Du kannst nach Streitereien für Dein Kind nicht wieder gut machen.
Meine Tochter (damals noch 12) hat das sehr drunter gelitten und mich gebeten, mich zu trennen. Sie hat das nicht mehr ausgehalten.
Das habe ich dann auch getan. Seitdem leben wir beide freier und glücklicher.

(11) 17.02.18 - 21:05

Für den Fall, dass du mit ihr redest, achte auf viel Körperkontakt. Richte dich darauf ein, dass sie nicht viel/alles verstehen wird. Wichtig ist nur, dass du ihr das Gefühl von Geborgenheit gibst und beruhigend mit ihr sprichst.

  • Danke euch allen, ich denke jetzt versuche ich erstmal es in Zukunft besser zu machen. Falls ich das Gefühl hab proaktiv werden zu müssen, were ich es so machen wie du sagst.

    (13) 18.02.18 - 10:25

    Richtig. Meine Eltern haben sich heftig gestritten und ich hatte immer große Angst. Lebe heute allein, weil Beziehungen für mich irgendwas mit Angst zu tun haben. Mein Bruder ist da vielleicht besser drüber weg gekommen, aber für mich war das Horror. Ihr macht euch noch Gedanken wie sich die Kinder fühlen, aber damals hat das die Erwachsenen gar nicht interessiert. Für mich kurz und knapp: lauter Streit-Angstgefühle. Macht´s besser damit keine Narben zurück bleiben

Mit dem Kind darüber reden würde ich nicht. Zwar bekommt sie sicher mit, dass etwas nicht stimmt und jeder streit wird für das Kind die Hölle sein, aber die Hintergründe und Zusammenhänge verstehen kann sie nicht. Also ich würde es nicht ansprechen, sondern ihr das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln und - nicht mehr lautstark vor dem Kind streiten. So viel muss man sich als erwachsener Mensch zusammenreißen können!

Wenn bei euch nichts mehr zu kitten ist, dann lieber Trennung als noch Jahre so weiterstreiten. Das Kind leidet darunter wahrscheinlich mehr als unter einer halbwegs harmonisch geglückten Trennung.

Moin!

Mit einer Dreijährigen über die Beziehung / Eheprobleme reden, geht in vilerlei Hinsicht gar nicht...

Als wir uns getrennt haben, waren mein Sohn 6 und meine Tochter 3. Um nicht in das Fahrwasser "Mama und Papa haben sich nicht mehr lieb" zu geraten, habe ich vorwiegend Äußerlichkeiten kommuniziert, z.B. wie oft sie uns wann sehen, dass sie bei Papa auch ein Kinderzimmer haben und und und. Kinder brauchen Klarheit.
Zum Trennungsgrund nur soviel: Mama und Papa streiten sich ja immer, wie ihr merkt und daher leben wir ab jetzt in 2 Wohnungen. Ihr seht aber immer mittwochs und donnerstags den Papa ... etc. etc.

Gerfühlsdinge auführlich zu erklären, das Kind womöglich noch mitreden zu lassen, halte ich für ungut. Das ist viel zu viel.

LG, Nele

  • Ich danke euch für alle Antworten. Entschuldigung, das ich erst so spät zurückschreibe aber liege leider seit dem WE flach mit Fieber :(. Ich muss was ändern und zwar schnell, vielen Dank für die Erfahrungen.

Ein 3 Jahre altes Kind versteht das noch nicht, auch eine einfache Sprache wird es ihm nicht vermitteln. Dieses Problem muss zwischen dir und deinem Mann bleiben, ihr solltet statt dessen mit einander reden und ausmachen, dass ihr euch nicht mehr vor dem Kind streitet. Zum streiten gehören immer zwei. Durch deine Selbstbeherrschung kannst du einen Streit genauso vermeiden wie er.
Wenn es euch hilft könnt ihr ein "Codewort" ausmachen, dass heißt, dass ihr den Streit auf nachher verschiebt. Oft sind dann auch die Gefühle etwas abgekühlt.
Eine Trennung ist auf lange Sicht bestimmt besser als eine unglückliche Ehe, auch für eure Tochter. Trotzdem macht es vielleicht auch Sinn noch mal sehr intensiv an eurer Beziehung zu arbeiten, viel in Gespräche zu kommen und versuchen einander zu verstehen, bevor ihr die Sache beendet und damit auch euch als Familie verliert.

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