Holt ihn die Vergangenheit ein?

    • (1) 27.02.18 - 08:41

      Hallo,

      die Überschrift ist vielleicht nicht ganz passend, allerdings fällt mir auch nichts anderes treffendes ein.
      Ich finde es eigentlich auch etwas schwierig die uns betreffende Problematik in ein Forum zu schreiben, da man so nur eine Seite der Partei "hören" kann.
      Wir sind schon lange ein Paar, elf Jahre um genau zu sein. Die Beziehung war schon immer etwas holprig, jedoch nie so verfahren wie jetzt. Im Grunde sind wir beide unzufrieden... Ich glaube die Vergangenheit meines Mannes fällte da ziemlich ins Gewicht:
      Mein Mann und sein Bruder kamen im Grundschulalter in ein Pflegeheim, in unterschiedliche Einrichtungen. Mutter war Alkoholikerin, die Kinder ständig auf sich alleine gestellt. Mein Mann kam zeitnah in eine Pflegefamilie mit vier weiteren Kindern (zwei leibliche Kinder, zwei Pflegekinder + mein Mann), sein Bruder verblieb in einer Einrichtung und verstarb dort an einer Hirnhautentzündung.
      Mit knapp 16 Jahren verließ mein Mann die Pflegefamilie, es gab zu viele Reibereien (u.a. Handgreiflichkeiten) mit der Pflegemutter. Er kam in eine vom Jugendamt betreute Wohneinrichtung.
      Zeitweise hatte mein Mann Kontakt zu seinem leiblichen Vater, mit seiner Mutter wurden Versuche gestartet, jedoch verliefen diese im Sand. Auch der Kontakt zum Vater brach erneut ab.
      Zu der Pflegefamilie haben wir bis heute Kontakt, eher schleppend.

      Mein Mann sagt über sich selber, er wäre als Kind sehr anstrengend gewesen. Heute haben wir ein gemeinsames Kind, das ihn scheinbar in gewisser Weise an sich selber erinnert.
      Mit unserem Sohn stecke ich seit Jahren in der Diagnostik doch niemand kann sich festlegen. Es ist eine Mischung aus ADHS, Autismus und Angststörungen. Ein kognitiv super entwickeltes Kind mit Entwicklungsverzögerungen in verschiedenen Bereichen.
      Der Alltag kann wirklich anstrengend sein, wobei mein Mann die meiste Zeit davon nichts mitbekommt und in der möglichen gemeinsamen Zeit eher das Weite sucht.
      Leider setzt mein Mann sich nicht mit der Thematik auseinander und reagiert zu 90 % Prozent mit Lautstärke, genervt .... schlichtweg überfordert. Ich als Erwachsene merke die distanzierte Art und Weise.
      Gestern beim Abendessen wollte mein Mann unseren Sohn aus dem Raum schicken, damit er in Ruhe essen kann. Mein Veto und Handeln waren ein grobes Foul in seinen Augen. Er fühlt sich ungerecht behandelt und versteht nicht den Sinn hinter meinem Eingreifen.

      Gespräche bringen nichts, da mein Mann alles anders sieht. Auch eine mögliche Therapie wird abgelehnt.

      Mein Mann scheint allgemein für sich zu leben. Verbringt viel Zeit in der Werkstatt. Wenn er dort nicht ist sitzt er vor dem PC und schaut sich Videos an.
      Zeit mit den Kindern verbringt er nicht gerne und wenn dann nimmt er sie ab und zu mal mit in den Baumarkt oder die Waschstraße.
      Rücksichtnahme ist ihm ziemlich fremd. Gestern saß ich im Büro daran die Schreiben (Anmeldungen) für die Förderschulen zu schreiben, mein Mann saß daneben und hat sich Fußball im Internet angehört. Ich bat darum den Ton auszuschalten bis ich fertig bin. Dies hielt er fünf Minuten aus und schaltete den Ton wieder an, sodass ich dann das Weite gesucht habe. Föderschulplätze sind hier eine Seltenheit und die Bewerbung darauf muss alle erforderlichen Dinge erhalten.

      Ich bin ziemlich ratlos. Die Situation führt zu großen Spannungen.

      • Hallo Tasimas,

        oh je, das hört sich ja anstrengend an. Eigentlich ist es vollkommen egal, ob seine Vergangeheit sein Handeln auslöst oder nicht. So wie es ist, sollte es nicht bleiben.

        Ich sehe mehrere Lösungsansätze. Zum einen könnte Dein Partner versuchen, die Bindung zu seinem Sohn zu stärken. Das geht manchmal durch einen gemeinsamen Urlaub (nur die beiden), eine Therapie oder eine Papa-Kind-Kur. Dazu muß Dein Partner das Problem aber erst einmal erkennen und lösen wollen.

        Die nächste Möglichkeit wäre, daß Dein Partner Dir deutlich mehr im Haushalt abnimmt. Dabei muß er sich auch nicht mit seinen Kind auseinandersetzen. Darum kümmerst Du Dich, hast aber durch seine Hilfe den Rücken frei. Auch dafür muß er das Problem verstehen (wollen).

        Wenn alles nicht hilft und er keine Einsicht zeigt, kannst Du entweder lernen, damit klarzukommen oder Dich trennen. Ich würde letzteres wählen. Du bist ja jetzt schon unglücklich.

        Alles Gute.

        Hallo,

        inwieweit sein Verhalten etwas mit seiner Vergangenheit zu tun hat, weiß ich nicht.

        Ich lese heraus, dass dein Mann ein rücksichtsloser Eigenbrödler ist, der die mögliche gemeinsame Zeit lieber für sich selbst verbringt und obendrein nichts mit seinen Kindern anfangen kann.
        Offensichtlich überlässt er dir obendrein die Organisation der Familie, in Sachen Erziehung scheint ihr nicht an einem Strang zu ziehen.

        Dein Posting hört sich für mich sehr distanziert an. Liebst du deinen Mann eigentlich noch??

        Ich muss für mich persönlich sagen, dass ich so nicht leben wollen würde.

        Da du Defizite aus seiner Kindheit/Jugend vermutest, vielleicht sprichst du einmal mit ihm, ob er der Meinung ist, dass bei ihm irgendetwas mit einer Therapie aufgearbeitet werden sollte. Ob das Einfluss auf eure Ehe hätte - keine Ahnung??

        LG

        Nici

        (4) 27.02.18 - 11:26

        Die Spannungen sind da, damit sich etwas ändert und nicht so bleibt wie es ist.

        Warum bist Du mit Deinem Mann zusammen? Aus Liebe, aus Gewohnheit/ Bequemlichkeit, wegen Helfersyndrom oder selbst nicht allein sein zu müssen?
        Was macht Euch als Paar aus?
        Wo sind die gemeinsamen Inseln an denen Ihr als Paar auftankt?

      • Hallo,

        vermutlich hätte dein Mann als Kind ähnliche Diagnosen erhalten wie euer Sohn. Das Problem: die Störung löst sich nicht in Luft auf, weil er nun erwachsen ist. Und wenn er zB im sozialen Bereich nicht in der Lage ist empathisch zu reagieren, kann er das vermutlich auch nicht, nur weil das ein Anderer verlangt.

        Es gibt so einige Erwachsene, die auch als solche noch unter ihrem ADHS, Autismus, etc. leiden. Vielleicht zählt er einfach dazu und somit sind die "Vorwürfe" in seine Richtung möglicherweise so effektiv wie einem Blinden vorzuwerfen, dass er das Schild, gegen das er gerannt hat, nicht gesehen hat.

        Wenn er sich aber gegen Maßnahmen für ihn persönlich oder für die ganze Familie wehrt, dann wird man euch gesamt nicht helfen können.

        LG

        Vielen Dank für eure Antworten.
        Momentan weiß ich auch nicht weiter. So bleiben kann es definitiv nicht, da es für alle belastend ist.
        Ich habe gestern das Gespräch gesucht, bin aber nicht weiter gekommen. Mein Mann sagt, er resigniert nur noch da das was er sagt und macht eh falsch wäre. Er hat scheinbar ein völlig verschobenes Bild und einen nicht klaren Blick auf die Dinge. Er fragt sich warum unser Sohn sich nicht einmal wie ein normales Kind verhalten kann - die Aussage finde ich erschreckend. Unser Kind ist nun mal nicht wie andere Kinder!

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