Unzufrieden mit Lebenssituation

    • (1) 01.03.18 - 23:39
      So kompliziert

      Ich bin gerade so unzufrieden mit unserer Lebenssituation und weiß nicht, was ich ändern kann. Vielleicht könnt ihr mal von außen einen Blick auf das Chaos werfen: Ich hab mich mit 26 nochmal fachlich umorientiert und ein neues Studium begonnen. Dafür habe ich meinen Beruf aufgegeben, der mir von hier aus betrachtet überhaupt nicht mehr so schlimm erscheint, und das zweite Studium von meinen Ersparnissen finanziert. Mittlerweile bin ich fertig und habe eine Doktorandenstelle an der Uni. Ich arbeite in Teilzeit und betreue nachmittags unser Kind (2,5 Jahre alt). Mein Partner hat die Gelegenheit genutzt, als ich gerade mit dem Studium fertig war, und verändert sich ebenfalls beruflich. Er studiert jetzt zum ersten Mal und hat einen Teilzeitjob.

      Finanziell sieht es bei uns echt nicht rosig aus. Wir verdienen gerade eben zu viel für diverse Sozialleistungen (zB Übernahme Kita-Gebühren) und eigentlich zu wenig zum Leben. Wir müssen uns echt zurückhalten. Nach Abzug von Miete und Fixkosten haben wir noch 600 Euro übrig. Ich bete jeden Monat, dass kein größeres Haushaltsgerät den Geist aufgibt. Dieses von der Hand in den Mund macht mich fertig. Ich bin inzwischen 30 und kann mir nicht mal einen Friseurtermin leisten.

      Was sind die Alternativen? Ich könnte meinen Partner bitten wieder richtig arbeiten zu gehen, ich könnte in meinen alten Job zurück. Oder ich sitze die Situation die nächsten vier Jahre aus. Aber kann man das schaffen? Ich wollte immer zwei Kinder haben. Während der Promotion ist das aber auf keinen Fall möglich.

      Jetzt hab ich mich zwar einigermaßen erfolgreich verändert, aber ich stehe viel schlechter da als vorher. Habt ihr eine Idee was ich tun kann?

      • Hallo,

        du könntest Vollzeit arbeiten.


        vg
        novemberhorror

        • (3) 01.03.18 - 23:52

          Das ist ein netter Vorschlag, allerdings nicht in der jetzigen Konstellation. Vollzeit könnte ich in einem anderem Beruf arbeiten. An der Uni geht nur Teilzeit, weil ich den Rest des "Arbeitstages" mit der Promotion beschäftigt bin.

          • hmmmm, also mit Kind dann abends noch schreiben stelle ich mir wirklich schwer vor.
            Ich arbeite Vollzeit an der Uni und promoviere gerade, bin aber auch erst schwanger und habe noch kein Kind.

            Eine Kollegin hat ein Stipendium genommen. Dadurch konnte sie sich dann ein Jahr auf Ihre Diss konzentrieren und hat dafür Geld bekommen. Vielleicht wäre sowas bei dir auch möglich. Dann kannst du dich voll auf deine Diss konzentrieren. Die Frage ist natürlich, wie weit du schon bist, wenn du erst angefangen hast, wird dir ein Stipendium von einem Jahr nicht viel bringen.

              • (7) 03.03.18 - 20:46
                So kompliziert

                Ich promoviere in einer Philologie und arbeite mit 50 Prozent in einem Projekt. Da es sich um eine "Qualifizierungsstelle" handelt, muss ich zwar während der Laufzeit promovieren, allerdings ist das quasi mein Privatvergnügen und hat nichts mit meiner Forschungsarbeit zu tun bzw. nur am Rande.

                Ich habe etwas mehr als 1000 Euro und nochmal 300 Euro monatlich im Semester, wenn ich abends zusätzlich unterrichte. Mir wurde jetzt zwar schon mehrfach gesagt, dass ich lebensuntüchtig bin, aber ich versuche ernsthaft, die paar Kröten zusammenzuhalten. Allerdings müssen ja die Kinderbetreuung, die Semesterbeiträge und all die anderen Dinge bezahlt werden, die jeder monatlich aufbringen muss. Wenn ich dann mal ein Fachbuch brauche oder zu einer Tagung fahren muss, droht immer gleich die gesamte Monatsplanung nicht aufzugehen.

                Aber das ist schon in Ordnung. Ich habe nochmal lange darüber nachgedacht und werde es jetzt wohl durchziehen. Ich habe noch knapp drei Jahre vor mir und dann kann ich entweder voll in das Projekt einsteigen oder mir eine andere Stelle suchen.

      Eigentlich hast du die Alternativen schon aufgezählt.
      Ungünstig ist natürlich, dass ihr eich beide gleichzeitig umorientiert und dann auch noch in die Familienplanung einsteigt.

      Also: Entweder ihr gebt einen der Pläne auf oder ihr müsst die Zeit eben durchstehen.
      Ein 2. Kind wäre in der Situation aber wohl mehr als ungünstig.

      Ist denn der Doktortitel in deinem Bereich wirklich notwendig für eine gute Stelle?

      Ansonsten: Doktorandenstelle an den Nagel hänge, Vollzeitjob suchen, Kinderbetreuung mit dem Mann aufteilen und zusehen, dass er sein Studium flott durchzieht.
      Danach dann das zweite Kind - das wirft eich ja sonst wieder völlig aus der Bahn.

      Vg Isa

      • (9) 02.03.18 - 00:34
        So kompliziert

        Danke für deine Analyse. So wirklich glücklich war die Planung wirklich nicht. Allerdings finde ich es mit Kind nicht wesentlich schwieriger. Ich kann zum Beispiel trotzdem an zwei Tagen abends noch einen Sprachkurs geben und schaffe mein Arbeitspensum gut. Ich bin übrigens in einem ziemlich "akademischen" Feld tätig. Der Titel ist schon sinnvoll, da es außerhalb der Uni nicht gerade viele Einsatzgebiete gibt.

        Das Problem ist eher, dass mein Partner jetzt quasi aus dem gemeinsamen Plan ausgestiegen ist. Das kann ich ihm natürlich nicht verübeln und versuche auch, ihn zu unterstützen. Er soll ja meinetwegen auf nichts verzichten. Ich will eigentlich noch nicht aufgeben, aber ein bisschen mehr finanzielle Sicherheit würde mir echt helfen.

        • (10) 02.03.18 - 04:52
          Drabernichtsoschlau

          Aber sich dann umzuorientieren in ein Feld, wo es sehr wenige Stellen gibt und man einen Doktortitel braucht ist natürlich nicht sehr geschickt gewesen. Und anstelle Deines Mannes würde ich erwarten, dass Du nun auch seine Umorientierung tatkräftig unterstützt. Augen auf bei der Berufswahl... wenn man sich mit 26 umentscheidet sollte das auch im Hinblick auf Studiendauer und Verdienstmöglichkeiten und Arbeitsplatzangeboten Hand und Fuß haben...

          • (11) 02.03.18 - 10:17

            Wie "schlau" jemand ist, kann man ja zum Glück nicht anhand eines einzigen Posts messen. Obwohl deine Antwort gewisse Anhaltspunkte liefert...
            Meine Umorientierung hatte hauptsächlich moralische Gründe. Ich habe in einer nicht gerade sauberen Branche gearbeitet und wollte das für mich einfach nicht mehr. Mein anschließendes Studium habe ich mir selbst finanziert, durch Arbeit und Ersparnisse. Studiert habe ich vier Semester. Es gibt natürlich Jobs außerhalb der Forschung, allerdings würde ich dort in Vollzeit nicht viel mehr verdienen als jetzt an der Uni in Teilzeit. Meinen Partner unterstütze ich tatkräftig. Ich erwirtschafte 2/3 unserer Einkünfte und betreue bis auf zwei Abende in der Woche, an denen ich zusätzlich arbeite, unser Kind.

            • Darf ich fragen, warum dein Partner nicht noch deine Doktorarbeit abwarten konnte? Es geht ja nicht nur um DEINE finanzielle Not, sondern um EURE, oder?
              Hat er die Möglichkeit, seine Einkünfte zu steigern?

              • (13) 03.03.18 - 20:51

                Das ist eine echt gute Frage. Er hat einen technischen Beruf und wollte entweder die Meisterschule besuchen oder das Studium machen. Ich glaube er wollte einfach nicht mehr warten. Meine Promotion war ja zu Beginn meines Zweitstudiums nicht geplant und wir hatten uns so verständigt, dass er nach meinem Abschluss mit der Meisterschule beginnt. Ich finde es auch gut, dass er sich weiterbildet. Der Zeitpunkt ist einfach nicht so glücklich, da hast du natürlich Recht.

                • (14) 03.03.18 - 20:55

                  Ob er seine Einkünfte steigern kann? Er hat eine Teilzeitstelle mit 19,5 Stunden in der Woche. Mehr ist einfach nicht drin.

                  Leider wohnen wir in einer ziemlich teuren Ecke von Deutschland und müssen ein Gehalt für die Miete hinlegen.

                  • Warum war die Promotion nicht geplant? Ich hatte es so verstanden, dass dein zweites Studium ohne Promotion quasi zwecklos gewesen wäre?
                    Wie kommt es, dass du nur vermuten kannst, was dein Partner sich gedacht hat, als er sein Studium anfing?
                    Ich habe das Gefühl, ihr sprecht nicht ausreichend miteinander, wenn es um derart wichtige Dinge geht wie die Finanzierung des gemeinsamen Lebens. Daran würde ich arbeiten.

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