Einer liebt immer mehr?

    • (1) 03.03.18 - 10:19
      Muss.das.so

      Hi,
      heute lieber mal anonym.
      Ich bin seit einem guten halben Jahr mit einem Mann zusammen und bisher läuft auch wirklich alles sehr gut, wir sind glücklich und lieben uns. Auch mit meiner Tochter versteht er sich blendend. Und auch meine Familie und Freunde mögen ihn sehr und finden, dass wir gut zusammen passen und uns ergänzen. Sehe ich auch alles genau so und ich glaube auch, dass wir uns eine gemeinsame Zukunft aufbauen können. Aber in letzter Zeit beschleicht mich das Gefühl, dass es ein Ungleichgewicht in unserer Beziehung gibt - ich glaube einfach, dass er mich mehr liebt als ich ihn. Und ich muss ehrlich sagen: ich mag dieses Gefühl nicht. Ich habe irgendwie den Eindruck, dass ich damit eine Art "Macht" über ihn habe und das gefällt mir nicht. Kennt ihr dieses Gefühl? In meinen bisherigen Beziehungen war immer ich diejenige, die "mehr" geliebt hat und meine letzte Beziehung ist auch sehr unschön zu Ende gegangen, vielleicht hat diese Erfahrung mich dazu gebracht, etwas "sparsamer" mit meinen Gefühlen umzugehen. Als meine Ehe zerbrach war ich wirklich am Boden zerstört und wusste nicht, wie es weiter gehen sollte. Ich war allein mit meinem Baby und musste mich 2 Jahre alleine durchschlagen, würde diese Beziehung jetzt zu Ende gehen, wäre ich ohne Frage traurig und würde auch versuchen, sie irgendwie zu retten, aber so schlecht wie damals würde es mir nicht gehen. Muss ich mich deswegen schlecht fühlen? Ich weiß, das ist alles sehr konfus geschrieben und ich weiß auch gar nicht, ob mir irgendjemand helfen kann, aber vielleicht würde es mir schon helfen, zu lesen, wie es bei euch ist. Liebt ihr gleich stark, oder gibt es bei euch ein Gleichgewicht? Oder wechselt es vielleicht auch gelegentlich? Und sollte Liebe nicht eigentlich absolut sein, so dass es kein mehr oder weniger gibt?
      Ach, ich weiß nicht, ich hab einfach Angst, die Beziehung zu gefährden, weil ich vielleicht nicht so aus mir raus kann, wie mein Freund...

      • (2) 03.03.18 - 10:50

        hallo
        zuerst habe ich nur deine Überschrift gelesen und gedacht, mehr oder weniger lieben, das kann man so schlecht sagen. Eher könnte man beispielsweise damit in die Tiefe gehen, dass manche Menschen mehr das Gemeinsame brauchen, mehr Sicherheit im Miteinander - und andere lieben den Partner "genauso intensiv", nur dass es sich im außen vielleicht weniger zeigt, weil tiefer liegende Muster, die einen im Leben antreiben und bremsen, andere sind.

        Dann lese ich "Macht"... als Kind erlebt man schnell Ohnmacht, wenn man von den Eltern keine Anerkennung oder weniger Liebe zu spüren bekommt. Eigentlich sollte es ja keine Machthierachrie in der Beziehung geben - es sei denn, beide wollen das und leben das mit ihren Spielregeln aus.

        Wenn es dir nicht richtig schlecht gehen würde nach einer Trennung, könnte das auch daran liegen, dass du die Erfahrung gemacht hast, dass Trennung per se kein Weltuntergang ist... dass das Leben danach trotzdem schön und vielleicht auch besser (oder manchmal auch nicht :-() weitergehen kann... das ist vielleicht nur eine neue Ressource von dir?

        Ich würde an deiner Stelle noch mal da nachbohren: wie entsteht das Gefühl bei dir, dass du in die Interpretation kommst, dass es hier um ein Ungleichgewicht von zu viel oder vielleicht auch zu wenige Liebe gehen könnte?
        Hat er ein höheres Bedürfnis nach Nähe? Ist er beleidigt, wenn du ihm nicht deine Aufmerksamkeit 250% schenkst, sondern deinem Kind oder dir? ... nur so als Beispiel...

        Oder könnte es sein, dass ihr eigentlich eine freiere Beziehungsform gefunden hast, als di, die du bisher kennst - und ihr beide damit glücklich seid? Und du dein Glück nur noch nicht glauben kannst?

        Im Moment ist der Grund für deine Fragestellung für mich noch nicht so ganz greifbar...

        liebe Grüße!

        • (3) 03.03.18 - 11:09

          Hallo,
          vielen Dank erstmal für deine Antwort.
          Ich glaube, es ist wirklich eine Mischung aus den von dir genannten Punkten.
          Ja, ich weiß, dass eine Trennung kein Weltuntergang ist, das stimmt. Mein Freund hat auch schon Trennungen erlebt, aber keine, bei der Kinder, Immobilien oder andere Verpflichtungen involviert waren. Gut möglich, dass ich in diesem Punkt einfach "reifer" bin, weil ich diese Erfahrungen schon machen musste.
          Dieses Gefühl der "Macht" vermittelt er mir mit Aussagen wie "Ich will und kann nicht mehr ohne dich leben", "Ich liebe dich über alles", usw... Ich habe ihm schon gesagt, dass ich solche Aussagen nicht mag, weil sie mich unter Druck setzen und dass ich sie erst recht nicht erwidern kann. Das versteht er auch und erwartet es auch nicht von mir, aber trotzdem bleibt bei mir ein fader Beigeschmack, weil ich mich frage "müsste ich auch so empfinden? " kann ich aber nicht. Ich WEISS nunmal, dass ich ohne ihn leben könnte (auch wenn ich es nicht möchte) und es tut mir leid, aber ich liebe ihn auch nicht über alles. Ich verstehe nicht, warum er denkt, solche Aussagen treffen zu müssen, um mir seine Liebe zu beweisen. Er tut ständig ganz wundervolle Dinge, die mich spüren lassen, wie wichtig ich ihm bin (viel mehr, als ich für ihn tue), aber irgendwie glaubt er, das alles durch solche pauschalen Aussagen unterlegen zu müssen. Leider erreicht er damit eher das Gegenteil. Lg

          • (4) 03.03.18 - 11:18

            ... jetzt kann ich es besser verstehen...
            und weiß keine Lösung...
            bei uns ist es immer wieder im Wandel, auch je nachdem, was beruflich und privat sonst noch so los ist. Wir wissen beide, dass wir beide auch alleine können - dennoch erleben wir es beide ähnlich, dass wir aber zusammen leben wollen - und wenn wir ab und zu in die Zukunft blicken und uns klar wird, dass das gemeinsame Zusammen einfach auch mal ein Ende haben wird (bei uns ist der Altersunterschied groß), dann tut uns das beiden weh...

            Wäre ich in einer ähnlichen Situation wie du, wäre mir auch sehr wichtig, dass ganz klar ist, dass jeder gut für sich selbst leben und glücklich werden kann und keine emotionale Abhängigkeit entsteht. Dennoch ist es ja ab und zu schon schön zu hören, dass man unendlich geliebt wird.
            Ich überlege gerade, woran ich erkennen würde, dass keine emotionale Abhängigkeit besteht, sondern eine Dehnungsfuge vorhanden ist, die mal mehr Eigenständigkeit beider Partner und mal mehr Nähe erlaubt.
            Hast du da eine Antwort?

            Liebe Grüße

            • (5) 03.03.18 - 11:32

              Das Bild mit der Dehnungsfuge gefällt mir sehr.
              Ich glaube in meinem speziellen Fall wäre das schon gegeben, wenn ich einfach mal die Chance hätte, ihm meine Liebe zu erklären oder ihn wissen zu lassen, dass ich ihn vermisse, ohne dass er mir bereits vorgegriffen hat. Verstehst du, was ich meine? Wenn ich ihm sage, dass ich ihn liebe, ist es in 90℅ der Fälle eine Reaktion. Nur ganz selten habe ich die Möglichkeit, eine Situation zu erleben, zu genießen und dann dieses warme Gefühl über mich kommen zu lassen, das mich dazu bringt ihm "ich liebe dich" zu sagen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass ich mich bereits daran gewöhnt habe, dass er so offen mit seinen Gefühlen umgeht. Würde er das plötzlich ändern, könnte ich mir vorstellen, dass das bei mir starke Zweifel hervorrufen würde.

              • (6) 03.03.18 - 16:30

                Hallo,
                das klingt für mich eher danach, wie wenn DU meinst, aufgrund bestimmter Äußerungen seinerseits unter Zugzwang zu kommen. ... wie wenn du nach einer Liebesbekundung seinerseits verpflichtet wärest, angemessen zu antworten. Aber vielleicht ist dir in dem Moment gar nicht dazu zumute.

                Was spricht denn dann dagegen, es einfach anzunehmen? Er sagt, er ist glücklich mit dir. Punkt. Und du kannst danke sagen.

                Man muss auch niemanden vermissen, wenn man jemanden liebt.

                ***

                Wie liebst du ihn denn?

                Was tut dir gut? Was magst du gerne?

                Habt ihr darüber gesprochen, wir ihr eure Beziehung leben wollt? (Das kann sich ja auch immer wieder ändern)

                ***

                Hast du ein konkretes Bild von "wie Liebe sein müsste"? Oder hast du Lust mit ihm, eure individuelle Liebe neu zu finden?
                Dann hilft, wenn ihr immer wieder im Gespräch bleibt und erzählt, was euch aneinander gut tut, was nicht - und ihr beide es aushalten könnt, dass sich alles erst finden wird und nicht jetzt schon fertig ist.

                Kannst du damit etwas anfangen?

                Liebe Grüße!

          hallo

          Aussagen wie "Ich will und kann nicht mehr ohne dich leben", "Ich liebe dich über alles" nach nur 6 Monaten Beziehung würden mich auch verunsichern . Das klingt irgendwie bedürftig als könnte der Mensch alleine nicht klarkommen und begibt sich dadurch in totale emotionale Abhängigkeit was ihn wiederum (meiner Meinung nach) unattraktiv macht. Deine Einstellung finde ich gesünder und "normaler". Lebt dein Freund trotzdem sein Leben oder ist er total auf dich fixiert?

    Hallo, bei Lieben gibt es keine Messlatte. Wahre Liebe ist bedinungslos. Dieses Wenn du gehst bin ich unglücklich oder tue mir was an etc. hat für mich nichts mit Liebe zu tun sondern mit seinem Ego und vorallem mit Abhängigkeit. Wenn man glücklich und im Reinen mit sich selbst , liebt man seinen Partner gegenüber bedinungslos so wie er ist. Ich bin verheiratet und habe 2 Kinder und ich liebe meinen Mann, sollte er iwann aus freien Stücken gehen wollen würde ich ihn nicht halten. Ja ich wäre traurig und verletzt und würde trauern. Aber ich würde ihn nicht halten , wenn ihn das nicht glücklich machen würde. Ich würde ihm alles Gute wünschen und ihn in Liebe gehen lassen. In deinem Text lese ich Abhängigkeit, Verlustängste Forderungen das hat nichts mit Liebe zu tun. Ich habe vieles auch jetzt erst verstanden. Früher habe ich auch immer gedacht wenn er mich nicht liebt bin ich unglücklich... Heute weiss ich dass man sich erst einmal selbst lieben muss um selbst geliebt zu werden. viele Grüße Alena

    • (9) 03.03.18 - 11:55

      Hallo Alena,
      auch dir lieben Dank für deine Antwort. Du beschreibst ziemlich genau, wie ich über Liebe und Trennungen denke. Ich musste aber auch erst eine schlimme Trennung mitmachen, um zu dieser Einsicht zu gelangen.
      Dein Punkt mit der Verlustangst trifft es glaube ich sehr gut. Ich denke, genau das empfindet mein Partner und ich weiß nicht, wie ich das ändern kann (kann ich das überhaupt? - wohl eher nicht, oder?) ich habe auch schon mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass er mich unter Druck setzt und ich hatte ehrlich den Eindruck, dass ihn das überrascht hat. Ich glaube also nicht, dass er das bewusst tut, oder er mich damit beeinflussen möchte. Ich glaube eher, dass er sich dadurch eine Art Sicherheit verschaffen möchte. Ich möchte ja auch, dass er sich sicher fühlt innerhalb der Beziehung, aber ich möchte ihm dafür nicht täglich sagen müssen, dass wir ganz sicher für den Rest unseres Lebens zusammen bleiben. Lg

      • vermutlich hat er in der Kindheit iwelche Traumatischen Erlebnisse gemacht dass muss nicht bedeuten dass er schlechte Eltern hatte , aber könnte eine Ursache für sein Klammern und seine Verlustangst sein. Die versucht er mit deinen Geständnissen zu beruhigen, dass wird aber nicht funktionieren da er diese Sicherheit nur in sich selbst finden kann, indem er realisiert dass er liebenswert ist so wie er ist. Du kannst leider nichts machen, er müsste leider therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, nur tun das Männer leider nicht immer gerne. einen anderen Tipp kann ich dir auch nicht geben, dass sein Verhalten nicht gesund ist, dass spürst du, im schlimmsten Fall wird es dich iwann erdrücken und du wirst flüchten... vielleicht arbeitet er seine Mutter Vater Themen iwann doch noch auf. ich wünsche euch alles Gute

        (11) 03.03.18 - 16:22

        aufgrund dessen, was du glaubst, wirst du hoffentlich nicht über dein weiteres Verhalten entscheiden, oder?
        du überlegst schon, wie du was an ihm ändern kannst, ohne zu wissen, ob er wirklich unter Verlustangst leidet?

        bitte suche zuerst ein Gespräch, wo ihr beide eine Ebene findet, wo ihr über eure Gedanken, Ängste / Sorgen und Empfindungen sprechen und hinhören könnt.

        Beziehungen, die auf Vermutungen aufbauen, das wäre nicht nach meinem Geschmack...

Hallo,

eure Beziehung ist noch recht frisch. In dieser ersten Phase des Zusammenseins ist es nichts Ungewöhnliches, sich der Gefühle des Partners (noch) nicht sicher zu sein. Manche sind übermäßig eifersüchtig, andere, wie Dein Partner, versuchen es mit vermehrten Beteuerungen oder Nachfragen ("Liebst du mich?")

Ferndiagnosen sind immer schwierig. Aus Deinem ersten Beitrag konnte ich dennoch herauslesen, dass Dein Partner Dir wichtig ist. Darum rate ich Dir, gib euch beiden Zeit. Vielleicht braucht er einfach noch etwas mehr gemeinsames Leben, um in der Beziehung anzukommen und sich "sicher" zu fühlen.

Alles Gute für Dich!

  • (13) 03.03.18 - 13:16

    Hallo beverly.marsh,
    danke dir für deine Einschätzung, ich wünsche mir wirklich, dass du Recht hast und er im Laufe der Zeit (selbst) sicherer wird und unsere Beziehung ihm den nötigen Halt gibt, ohne diese ständigen Beteuerungen. Lg

Das kenne ich aus meiner letzten Beziehung und irgendwann war das Ungleichgewicht zwischen uns zu groß.
Ich habe mich immer unter Druck gesetzt gefühlt, dass ich ihn auch so bedingungslos lieben müsste, wie er mich, und konnte das einfach nicht. Aber er hat mich auch erdrückt mit seiner Liebe. Da ging bei mir der Alarm an und mein Bedarf nach Freiheit war größer als der Bedarf, mit ihm zusammenzubleiben. Wir haben uns letztendlich getrennt. Erst wieder auf Fernbeziehung umgeschalten, aber das ging auch nicht gut. Und dann schlussendlich ganz.
Er hat immer mehr geklammert und konnte einfach nicht verstehen, als er auf seine Frage, ob ich ihn brauche, ehrlich mit "nein" geantwortet habe. Denn ja, ich kann ohne ihn leben. Konnte ich auch vor ihm. Ich habe meinen Job, kümmere mich größtenteils allein um meine Kindern, lebe ein glückliches Leben. Das habe ich gern mit ihm geteilt, denn er ist ein sehr wunderbarer Mensch. Aber ich brauchte ihn nicht zwingend zum Leben. Das hat er nie verwunden und mir immer wieder aufs Brot geschmiert. War nicht mehr langlebig danach, unsere Beziehung.
Aber generell glaube ich, hast du recht, dass immer einer mehr bereit ist zu geben und tiefer fühlt als der andere. Wie groß dieser Unterschied ist und wie unterschiedlich man auch Gefühle zulässt und auslebt (das ist ja auch eine Typfrage), das ist, so denke ich, ausschlaggebend für die Zukunft einer Beziehung. Ein kleines Ungleichgewicht kann man sicher ausgleichen. Aber wenn die Wippe zu sehr in eine Richtung kippt, dann ist eine Partnerschaft irgendwann zum Scheitern verurteilt (wenn die rosa Brille weg ist).
Schlecht musst du dich deswegen nicht fühlen, solche Gefühle kann man eben nicht steuern. Aber vielleicht ist das Ungleichgewicht am Ende gar nicht so gravierend bei euch. Manchmal findet man so etwas durch ein wenig Abstand voneinander heraus, ob man den anderen vermisst. Oder ob man seine Zeit ohne den Partner mehr genießt als die gemeinsame Zeit. Dann sollte man aber auch so ehrlich sein und es dem Partner sagen und ggf. die Beziehung beenden.
LG; palo

  • (15) 03.03.18 - 13:22

    Hallo Palo,
    vielen Dank, dass du von deiner Erfahrung berichtest. Ich wünsche mir wirklich sehr, dass eine Trennung nicht nötig ist. Ich habe aber ehrlich gesagt schon einmal mit dem Gedanken gespielt, zwar (noch) nicht, weil ich mich zu eingeengt gefühlt habe, sondern weil ich die Befürchtung hatte, ihm nicht das geben zu können, was er braucht und was er mir gibt....

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