Gedanklich Leben in einer Parallelwelt

    • (1) 07.03.18 - 22:17

      Hallo zusammen,

      Ich schleppe nun schon einige Zeit etwas mit mir herum, was ich bisher niemand anvertraut habe, da es mir schlicht weg peinlich ist. Aber ich muss das jetzt einfach mal loswerden. Sorry schon mal, wenn es etwas länger wird.

      Ich bin seit 15 Jahren mit meinem jetzigen Mann zusammen. Wir hatten eigentlich immer die gleichen Vorstellungen. Mit der Zeit musste ich aber feststellen, dass er vieles nur mir zur Liebe tut und das eigentlich nicht will. Er sagt erstmal nichts, aber wenn es dann nicht so ist, wie er sich das vorstellt, heisst es immer, dass er es ja eigentlich nicht so wollte. Das war mit unserer Hochzeit und mit unserem Sohn (knapp zwei Jahre) so. Für ihn ist eigene Freizeit sehr wichtig und er verbringt diese am liebsten vor dem PC und spielt. Störungen durch unser Kind ärgern ihn sehr. Leider steht der PC aus Platzmangel im Wohnzimmer.
      Ich bin auch grundsätzlich an allem Schuld und er möchte sich maximal 2-3 Stunden alleine um unseren Sohn kümmern, alles andere ist ihm zu viel und das lässt er mich verbal spüren (Du wolltest das Kind. Also sie zu, dass du mit ihm spielst - Ist noch die nette Variante). Unter der Woche sieht er unseren Sohn max. 30 Min pro Tag. Er geht extra spät aus den Haus, um Zeit für sich zu haben und kommt daher so spät, dass mein Sohn da häufig schon schläft. Nachts ist er noch nie aufgestanden (er ginge ja immer so spät ins Bett, da müsse er schlafen. Aber auch da muss ich das Babyphone mitnehmen und im zweifel wieder aufstehen, obwohl er noch wach ist), Ich soll aber auch den Haushalt machen und Kochen, ohne das er gestört wird. Aktivitäten ohne mich gibt es nicht, da das zu stressig ist. Wenn ich mal etwas für mich machen möchte, ist dass jedes mal mit Diskussion verbunden. Ich habe schon öfters nachgedacht mich zu trennen, aber finanziell wäre das nicht stemmbar. Ich kann nicht voll arbeiten gehen und die finanziellen Reserven reichen nicht aus, um ihm seinen Anteil an der Wohnung und dem Auto, auf das ich angewiesen bin, auszuzahlen. Wir haben nur einen Teilzeitkitaplatz und keine Oma zur Betreuung verfügbar.

      So habe ich angefangen viel zu lesen und flüchte mich gerne in kitschige, teilweise erotische, Liebesromane. Ein bisschen heile Welt mit Happy End. Da, wo der Mann das alles will, aus tiefer Liebe heiratet und sich über den Nachwuchs im Endeffekt freut.
      Ein Roman hat es mir so angetan, dass seit nun über 2 Jahren mein ganzes Leben davon erfüllt ist. Ständig muss ich an die Figuren denken. Ich stelle mir vor, ein Teil des ganzen zu sein und in einer Art Realityshow zu leben. Das ist alles schwer zu beschreiben. Es ist, als würde ständig eine Kamera mitlaufen. Bei allem was ich tue, schwebt mir der Gedanke vor, was würde x oder y jetzt machen oder denken.

      Was haltet ihr davon? Ist das nur die Kompensation meiner unglücklichen Ehe oder sollte ich mal zum Psychologen?

      Danke für eure Aufmerksamkeit

      • Das ist ganz sicher die Kompensation deiner unglücklichen Ehe.

        Ich verstehe wirklich nicht, wieso du nur des Geldes wegen weiterhin unglücklich bist und wissend in eine unglückliche Zukunft gehst. Du tust mir sehr leid. Allerdings hast du es in der Hand, dein Schicksal zu ändern.

        Ja, damit kompensierst du deine ehe. Dieser Weg mag zwar im ersten Moment verführerisch sein, aber er bringt dich nicht weiter. Trenn dich, nimm dein lebrn in die Hand. Dein mann ist deinem Kind zu unterhalten verpflichtet, du kannst Wohngeld und sonstige Hilfen beantragen. Aber du kannst nicht weiter so ausharren. Das ist nur eine Flucht vor der Realität, die dich früher oder später eh einholen wird.

        >>>Bei allem was ich tue, schwebt mir der Gedanke vor, was würde x oder y jetzt machen oder denken.<<<

        Du solltest dir vielleicht eher Gedanken machen, wie du das Kind und dich aus dieser Situation befreist.

      • (5) 08.03.18 - 01:13

        Ich hatte das früher auch mal. Meine Kindheit war nicht sehr rosig und ich habe mich in Tagträumen ganz darin verlieren können, in "Lindenhof" zu leben und Teil der Clique um "Hanni und Nanni" zu sein.

        Jahre später ging mir das mit anderen Büchern auch so. Es tat einfach gut, sich einfach mal wegzuträumen. Und ich habe daraus Kraft geschöpft, a) den Alltag auszuhalten und b) mich irgendwann RICHTIG aus der schlimmen Realität zu befreien. Da nahmen dann auch die Tagträume wieder ab.

        Also: Genieße es, aber schau, dass du auch in der Realität den Absprung schaffst!

        LG
        o_d

        Dazu musst du dir unbedingt einen unralten Spielfilm anschauen. The purple rose of Cairo. Da passiert genau dasselbe.
        Ich muss gestehen, dass ich das auch schon gemacht habe früher. Gerade bei Büchern kann man sich gedanklich in eine andere Welt träumen. Ich bin kein Psychologe, aber damit kompensierst du sicher deine recht lieblose Ehe. Auf Dauer wird dir aber (ich nenne ihn mal völlig willkürlich) Mr. Darcy nicht mehr reichen. Dann musst du entweder gemeinsam mit deinem Mann etwas ändern oder du verkümmerst in der Beziehung.

      • (7) 08.03.18 - 08:10

        Solange dir selbst bewusst ist, dass es eine Parallelwelt ist, ist das nichts Bedenkliches, ja, es ist eine Flucht, damit du dich in deinem Alltag besser fühlen kannst. Auf lange Sicht solltest du trotzdem überlegen, wie du aus der Situation rauskommst.

        Du sagst, es ist keine Oma verfügbar. Ist keine mehr da oder lebt sie zu weit weg? Wenn letzteres der Fall ist (deine Eltern z.B.?), wäre eine Überlegung, in deren Nähe zu ziehen, um Unterstützung zu haben gerade in der ersten Zeit. Finanziell wäre dann die Überlegung, ob es nicht gut wäre, du überlässt ihm die Wohnung und lässt dich auszahlen, dann hättest du Startkapital für Umzug in eine kleine Mietwohnung. Erkundige dich auch mal, was dir sonst so zusteht an Unterhalt, Kindergeld, Unterstützung durch den Staat. Es ist alles möglich, wenn man das will.

        Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Tagträume dann Realität werden und du so einen Traummann findest, ist aber ehrlich gesagt auch dann gering. Meist suchen wir uns unbewusst denselben Typ Partner wie vorher und landen dann irgendwann in derselben Tretmühle. Evtl. wäre ja auch eine Paartherapie eine Möglichkeit für Euch. Rede mal mit deinem Mann ruhig, aber ernst über deine Gedanken und Gefühle. Er ist sich sicher gar nicht bewusst, wie unglücklich er dich macht mit seinem Verhalten und seinen Aussagen. Sag ihm, dass das auf Dauer für dich so nicht weitergeht und du so nicht glücklich bist.

        Auch seine Sprüche dem Kind gegenüber sollte er sich abgewöhnen, solange der Kleine die Aussagen noch nicht versteht. Irgendwann versteht er, dass Papa ihn ablehnt / nicht wollte. das ist sehr verletzend für ein Kind. Das solltest du ihm auch mal bewusst machen und ihn dran erinnern, wie er die Welt als Kind sah und wie ihm wohl so eine Aussage vom eigenen Vater gefallen hätte.

        Er macht es sich bequem auf deine Kosten und schiebt dir den schwarzen Peter zu, weil du das ja so wolltest, so als wäre er gar nicht beteiligt gewesen an den Entscheidungen. Das ist sehr unfair dir gegenüber, aber wenn du dagegen nicht vorgehst, zieht der das durch bis Euer Sohn auszieht.

        Sammle Kraft in deiner Traumwelt, aber versuche dann, wenn er da ist, in der Realität an Eurer Beziehung und Ehe zu arbeiten, und dazu gehört als Erstes ein ernstes Gespräch, wo du ihm sagst, was du denkst und fühlst und welche Konsequenzen es haben wird, wenn Ihr das nicht gemeinsam in den Griff bekommt.

        Ich kann einfach nicht verstehen, dass jemand aus finanziellen Gründen bei einem Menschen bleibt, der ihn so unterirdisch behandelt. Hast Du überhaupt keinen Mut, gar keine Selbstachtung, keine Kreativität, wie es möglich sein kann, Dein Leben allein zu organisieren, und gar keine Lebensenergie, das auch zu schaffen?! Ich finde das schockierend.

        Hallo!

        Ich finde es ehrlich gesagt traurig, dass du nicht den Mut hast im realen Leben das Leben zu leben dass du gerne hättest. Du bist unglücklich und willst keine Scheidung weil es alles nicht mehr finanzierbar ist. Ich habe auch eine Scheidung hinter mir. War nicht leicht aber ehrlich gesagt dass Beste was ich damals tun konnte. Das ist doch echt kein lebenswertes Leben was du hast. Sorry, aber du spielst vor allem eurem Kind heile Welt vor und hinter der Fassade stinkt es gewaltig. Ich könnte mich selber nicht mehr im Spiegel anschauen. Mir ging es richtig scheiße nach der Scheidung finanziell. Aber ich habe es geschafft!!! Mir ist mein Seelenfrieden und Heil wichtiger als in eine Welt zu flüchten. Glaub mir du wirst noch böse aufwachen wenn du so weiter machst.

        Ich versuchte damals auch nur noch zu funktionieren in der Ehe. Ja die Rechnung bekam ich dann präsentiert. Depressionen und Schlafstörungen vom feinsten. Ich war eine Zeit lang sogar arbeitsunfähig. Ich hab mir aber selber in den Arsch getreten und gesagt so will ich nicht mehr leben ich muss was machen.

        Bitte wach auf, nimm dein Leben selber in die Hand. Es wird keiner für dich machen.

        Gabi

        Solche Traumwelten sind doch auch manchmal ganz wichtig, allerdings solltest du mal lieber deinen Fokus auf deine "reale Welt" richten. Vielleicht gibt es noch andere Optionen?
        Wieso musst du deinen Mann auszahlen? Such du dir doch lieber eine kleine Wohnung für deinen Sohn und dich und zieh aus.
        Vielleicht dorthin, wo du eben nicht mehr auf ein Auto angewiesen bist. Oder du jemanden hast für eine Fahrgemeinschaft.
        Vielleicht gibt es aber auch einen Job in der Nähe deiner neuen Bleibe, der ohne Auto zu erreichen ist. Und dazu ein Ganztags-Kitaplatz. Bau dir ein Netzwerk auf, Freunde, Babysitter oder zieh in die Nähe deiner Eltern (dazu muss dein Mann zustimmen (also dem Wegzug des Kindes), aber es hört sich nicht so an, als würde er nach einer Trennung großartig Wert darauf legen, das gemeinsame Kind zu betreuen).
        Nach der Trennung und eigener Wohnung kannst du Gelder beantragen, falls dein Einkommen plus Unterhalt nicht reichen. Denk daran, dass er dem Kind unterhaltspflichtig ist, genauso wie dir (kopiere dir vor der Trennung seine Gehaltszettel, damit er da nicht tricksen kann).
        Du wirst sicher am Anfang ganz kleine Brötchen backen können. Aber das ist es doch wert? Wenn du bleibst, wird dich die Situation immer kleiner und unglücklicher machen. Gehst du selbst, wirst du stolz irgendwann sagen können: Das hab ich alles selbst geschafft. Und wenn du es nicht für dich tun willst, dann tu es für euren Sohn. Nichts ist schlimmer, als das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass man stört, ungewollt ist. Und das wird er von seinem Vater jeden Tag reingedrückt bekommen.
        Also hopp! Raus aus der Traumwelt, rein ins Leben. Nur du selbst schreibst dein eigenes Drehbuch. Deine Protagonistin in dem Film würde doch auch nicht an der Ehe festhalten, oder?
        Keine Angst, kann nur besser werden. Ich hab das mit 2 kleinen Kindern geschafft. Du kannst dir nicht vorstellen, wie befreiend so eine Trennung sein kann.
        LG und von Herzen alles Gute,
        palo

        Vielleicht solltest Du anfangen, Romane über starke, selbstständige Frauen zu lesen. Solche, die es satt haben, für einen egoistischen Vollpfosten das Hausmädchen zu spielen. Solche, die es schaffen, den steinigen Weg zurück zur Autonomie zu finden.
        Hannas Töchter, die Wachsflügelfrau, Good Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen … mir fällt grad nicht viel ein, aber es gibt viele solche Bücher.
        Alles Gute, Ks

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