Paarkomunikation erlernen

    • (1) 12.03.18 - 08:35

      Hallo,

      vielen Dank für die tollen Tipps bei meiner anderen Frage. Darum wage ich noch eine weiter hier zu posten:

      Ich brauche unbedingt Hilfe dabei, wie man "normale Paargespräche über Alltagsdinge" führt - ja, ich weiß, hört sich ziemlich blöd an, aber genau das ist mein Problem.

      In einem Buch, dass ich gelesen habe um zu verstehen, warum das mit Sex bei uns eingeschlafen ist, hat mir aufgezeigt, dass ich auf dem "alltäglichen" Nachholbedarf habe - erst wenn es im Alltag mit emotionaler Nähe klappt, dann werde ich auch im Bett wieder körperliche Nähe bekommen können.

      Leider hat das Buch nur aufgezeigt, wie unterschiedlich die Kommunikation ist - aber nicht, wie man konkret in solchen Fällen dann die Gespräche über Alltägliches ("Wie war deine Arbeit" oder "Was hast du erlebt heute") fortführen kann. Denn ich denke mir, wenn ich jeden abend, die gleiche Frage stelle, dann ist das nach einer Woche eher nervend statt bindent

      Welche konkreten und praktischen Tipps könnt ihr mir geben? Was für ein Buch/Bücher könnt ihr empfehlen?

      • Dafür braucht msn Tipps oder Bücher? Redet ihr gar nicht miteinander? Über alltägliches redet man immer, wenn man sich sieht. Morgens am Frühstückstisch, beim Abendessen oder einfach, wenn man sich zeitgleich im selben Raum aufhält. "Ach, übrigens, ich hab neulich xy getroffen. Der hat mir xz erzählt. " Alltag halt.

        (3) 12.03.18 - 09:01

        Naja jeden Abend den gleichen Satz runter beten ist damit sicher nicht gemeint. Es geht ja darum wirklich Interesse zu zeigen und zu haben. Das ergibt sic. Wenn mir mein Partner von bestimmten Projekten erzählt, frage ich dann da auch mal: wie liefen Verhandlungen o. ä. Einfach weil ich mitbekomme was so ansteht. Manchmal erzählen wir auch einfach über das Geschehen im Ort, der Politik oder einfach Filme die neu erscheinen, Planungen für Unternehmungen...Nicht drüber nachdenken großartig :)

        Kann es sein, dass du viel zu verkopft an alles ran gehst?
        Ich kenne eure Probleme nicht und weiß also auch nicht ob das eine Lösung wäre.
        Aber versuche mal weniger zu analysieren.
        Sich eines Problemes bewusst zu werden ist super. Aber geh da bitte nicht so theoretisch dran. Dann wirkt ein normales Gespräch plötzlich sehr hölzern und wird eure Kommunikation nicht verbessern.

        Ein paar schöne Tipps hast du ja schon bekommen.
        Ich Frage meinen Mann auch nach seiner Arbeit und auch nach konkreten Projekten oder Herangehensweisen. Umgekehrt genauso.
        Ich sage ihm auch wenn ich mich freue, dass er in seinem Hobby weiterkommt. Und ob er schon gehört hätte, was es neues zum Dieselfahrvetbot gibt.
        Er fragt mich, was er vom Supermarkt mitbringen soll und wir quatschen über unseren Tag und unser Kind und und und...halt ganz normale Alltagsdinge die einem gerade in den Sinn kommen.


        Manchmal gibt es auch Tage da führen wir nach Feierabend keine Stundenlangen Gespräche sondern jeder macht schnell das nötigste zuhause/im Garten/beim Hobby und wir fallen nachher halbtot ins Bett und sagen nur noch schnell gute Nacht. Das ist aber nicht schlimm, da wir beide wissen, dass solche Abende genauso dazugehören.

        Wichtig ist es authentisch zu sein. Du möchtest über etwas reden? Dann mach es.
        Oder auch gerade nicht reden? Dann mach es nicht.
        Aber eine Kommunikationsliste abarbeiten stelle ich mir schwierig vor. Wenn es so ruhig in eurer Partnerschaft ist, dass ihr nicht mehr wisst wie ihr miteinander reden sollt, würde ich evtl. über eine Paartherapie nachdenken.

      • (5) 12.03.18 - 12:13

        Hallo,

        vorab: ich kenne solche Bücher, in denen die These vertreten wird, dass körperliche Nähe erst dann wieder zugelassen werden kann, wenn emotionale Nähe besteht. Ich verstehe auch den Gedanken, der dahinter steht, halte das trotzdem für zu einseitig.
        Ich bin durchaus der Meinung, dass man auch emotionale Nähe durch körperliche Nähe herstellen kann, dass also zwischen beiden Formen der Nähe eine Wechselwirkung besteht.
        Wenn man sich körperlich nah ist, sich physisch Nähe schenkt, wird viel Oxytocin ausgeschüttet, dass ist das Kuschelhormon, dass Bindungen fördert, d.h. ich glaube, dass man postkoital oder beim Kuscheln auch eine emotionale Nähe herstellen kann.

        Ich sehe die Gefahr darin, dass, wenn man immer erst darauf wartet, dass man sich emotional nahe ist, der Zeitpunkt nie kommt bzw. in weite Ferne rutscht, wo man wieder körperlich sein kann. Das kann auch Frust erzeugen. Insofern plädiere ich eigentlich dafür, auch bereits wieder körperlich miteinander zu werden, obwohl die Intimität auf anderen Ebenen vielleicht noch nicht wieder hergestellt ist. Dazu muss man halt ein stückweit über seinen Schatten springen, aber wenn man das Ziel vor Augen hat, sich wieder nahe sein zu wollen, sollte das doch möglich sein, oder?

        Am schönsten ist Sex dann aber mit Sicherheit, wenn man sich auch emotional nahe ist. und du hast Recht, echte emotionale Nähe stellt man garantiert nicht darüber her, wenn man jeden Abend fragt, wie der Tag war.
        Es gab vor einigen Jahren mal einen Hype um die so genannten 36 Fragen. Es wurde ein Experiment gestartet, wo Fremde einander 36 Fragen stellen und diese auch selbst beantworten. Dass dadurch initiierte Gespräch mit der Vorgabe, Augenkontakt zu haben, führte dazu, dass sich viele der Teilnehmer des Experiments ineinander verliebt haben.
        Ich glaube, der Zauber des Experiments besteht darin, dass die Fragen erlauben, sich einander so richtig zu öffnen, sein Innerstes nach Außen zu kehren und sich so, bei entsprechender wertschätzender Reaktion des Gegenübers, angenommen und geliebt zu fühlen. Und wenn man sich geliebt und angenommen fühlt, kann man leicht lieben und annehmen.
        Vielleicht habt ihr ja Lust euch einander die 36 Fragen zu stellen? Ihr findet sie hier:

        https://www.focus.de/reisen/zeit-fuer-uns/liebe-als-experiment-36-fragen-um-sich-in-einen-fremden-zu-verlieben_id_4406449.html

        Ansonsten denke ich, ist alles sinnvoll, was "echte" Nähe herstellt: Vielleicht könnt ihr gemeinsam Fotos aus alten Zeiten angucken und darüber reden? Vielleicht lest ihr zeitgleich das gleiche Buch und sprecht darüber? Es kann sogar Nähe schaffen, gemeinsam Serien zu gucken. Wir gucken z.B. gerade Black Mirror und sprechen nach jeder Folge über die Fragen, die jede einzelne Episode aufwirft.
        Parallel dazu könnt ihr in den Alltag vielleicht Rituale "einpflegen", durch die ihr einander zeigt, dass ihr einander wichtig seid? Dass kann der Kaffee sein, der morgens ans Bett gebracht wird oder andere Kleinigkeiten, die den anderen kurz erfreuen.

        Und habt keine Angst, wenn ihr euch zunächst einmal komisch vorkommt oder Schweigen entsteht. Bleibt einfach am Ball. Zeigt einander, was in euch vorgeht, lasst einander an euren Gedanken und Gefühlen teilhaben.

        Viel Erfolg!!

        Ich sehe es so, wie von Trafikantin angesprochen wurde.

        Wichtig ist, dass ihr beide wirklich offen sein wollt.

        Die folgenden beiden Bücher möchte ich mal als Empfehlung hier lassen.

        Hab sie selber noch nicht gelesen, aber von 2 Freundinnen schon gutes darüber gehört:

        https://www.amazon.de/Giraffentango-Selbstbewusste-Kommunikation-Serena-Rust/dp/3867282951/ref=pd_bxgy_14_2?_encoding=UTF8&psc=1&refRID=X4B6ETWSZGHD2253V6CC

        https://www.amazon.de/Wenn-Giraffe-Wolf-tanzt-Kommunikation/dp/393686277X

      • Hallo,
        es gibt z.B. von Caritas, Diakonie, VHS, Ehe-Familien-Lebensberatungsstellen in den verschiedenen Ländern/Bistümern KOmKOm-Kurse, in denen die Kommunikation zwischen Paaren erlernt wird. Dort gibt es auch weitere Kommunikationstrainings (EPL - Ein partnerschaftliches Lernprogramm, KEK- Konstruktive Ehe und Kommunikation) - auch abhängig von der Dauer der Beziehung.
        Viel Erfolg!

Top Diskussionen anzeigen