Das Leben steht Kopf

    • (1) 19.03.18 - 17:21

      Hallo Ihr Lieben!

      Ich brauche heute mal Rat! Kann gerade niemanden anderes in meinem Umfeld fragen, vielleicht weiß ja hier jemand Rat.

      Mein Mann und ich sind seit 8 Jahren verheiratet und haben 3 Kinder.
      Seit vier Jahren kämpft er mit Depressionen, die sich im letzten Sommer in eine neue Diagnose gewandelt haben.

      ADHS und eine impulisve Persönlichkeitsstörung. Zusätzlich noch mutipler Substanzenmissbrauch wie Ibu, obwohl keine Kopfschmerzen, enormer Red Bull Konsum, keine Drogen, kein Alkohl, generell erhöhte Suchtgefahr (Online Spiele, etc)

      Er nimmt Antidepressiva und ein ADHS Medikament. Seit längerem versuche ich Ihn zu überzeugen, dass ein Klinikaufenthalt das richtige ist, denn er hat soviele verschiedene Medikamente in sich, dass kann alles nicht richtig sein. Und das muss unter Aufsicht ausgeschlichen werden. Außerdem kann es sein, dass noch PTBS dazukommt. Aber das ist noch nicht diagnostiziert.

      Ich kämpfe schon sehr lange mit Ihm und seinen Krankheiten und habe immer gehofft, dass er von sich aus sagt: "Ja, du hast Recht. Ich gehe in eine Klinik." Und heute war es soweit. Er kam von der Arbeit, total ruhig, mit Tränen in den Augen und hat diesen Satz gesagt. Und statt der Erleichterung, dass es endlich in die richtige Richtung geht, hat es mir den Boden unter den Füssen weggezogen.
      Ich kann überhaupt nicht klar denken und weiß überhaupt nicht, was auf mich zu kommt.

      Ich habe gedacht: "Die Monate in der Klinik schaffen wir. Danach geht es Ihm besser." Und für Ihn ist das aber etwas entgültiges. Und er versucht mir das schön zu reden, dass wenn ich erst mal sehe, wie gut es mir gehen wird, wenn er nicht mehr da ist, ich das auch so sehen werde.
      Aber irgendwie habe ich das Gefühl gescheitert zu sein und den Kampf verloren zu haben. Ich habe solange dafür gekämpft und nun? Stehe ich da mit drei Kindern, ohne Job und einem Haufen Schulden, die ich gar nicht alleine bewältigen kann.

      Ich wollte eigentlich ab April wieder arbeiten gehen, habe seit Wochen Vorstellungsgespräche. Mittwoch ist das nächste. Wie soll ich das denn nun machen?

      Und ich frage mich: Was muss ich jetzt tun? Wie gehts jetzt weiter?
      Wo muss ich zuerst hin, damit ich meine Kinder gut versorgen kann. Zum Anwalt? Zum Amt? Ich bin total durcheinander.

      Und dann stellt sich die Frage: Wie schnell kommt mein Mann in eine Klinik? Und zwar in die Richtige. In die, die Ihn gut behandeln kann und nicht nur mit weiteren Medikamenten zupumt.

      Vielleicht weiß ja jemand Rat.

      Viele Grüße Jenny

      • Hallo,

        ich verstehe leider nicht ganz. Dein Mann geht jetzt in die Klinik oder will er sich trennen oder meinst du er hat Suizidgedanken geäußert, weil er meinte ohne ihn würde es euch besser gehen? Wie werden eure Kinder aktuell betreut?

        • Sorry, normalerweise kann ich ziemlich klar schreiben was ich sagen will. ;)

          Ja, er geht/will in eine Klinik. Und er geht davon aus, dass wir uns trennen, weil es für mich und die Kinder ja besser wäre. Wir wissen nicht was jetzt bei Ihm noch passiert. Er hat eine schlimme Kindheit gehabt und auch davon noch nicht alles verarbeitet.
          Sein Therapeut hat auch schon klar gemacht, dass er die letzten Sitzingen noch macht, Ihm aber nicht wirklich helfen kann.

          Und ja: Suiziggedanken hat er oft. Er weiß genau was er machen würde und wo.
          Er erwartet aber dann in den Situationen wo es wieder so weit ist, dass ich es Ihm erlaube.

          Die Große geht zur Schule, 1. Klasse. Ganztagsbetreuung haben wir nicht. Die Warteliste ist riesig.

          Die Mittlere geht in die Kita und die jüngste hat gerade die 3. Woche Eingewöhnung und bleibt aktuell 4 Stunden in der Kita. Das passe ich immer so an, wie die Große Schule hat. Kita ist genau neben der Schule. Im Sommer wechselt die Mittlere auch hier in die Kita. Beide haben da 45h.

      Hallo!

      Warum möchtest du zum Anwalt oder Amt?
      Ich behaupte, dass dein Mann während des KH-Aufenthaltes krankgeschrieben sein wird. Also bekommt er erst Lohnfortzahlung und danach Krankengeld, ich meine 18 Monate (?).

      Er wird ja irgendwo in Behandlung sein, dorthin würde ich mich wenden. Die kennen seine Geschichte und können die richtige Klinik empfehlen.

      Alles Gute!

      • Warum ich zum Amt will? Das Gehalt meines Mannes ist leider sehr wenig, mit all unseren Verbindlichkeiten. Und davon kann ich nicht alles bezahlen. Und wenn es dann Krankengeld gibt ist es ja noch mal weniger. Da kann ich ja dann gerade einmal Miete, Strom und Gas bezahlen.


        Therapeut und Neurologe sind zum Glück diese Woche. Leider kann ich Ihn nicht begleiten.

        • Das "Amt" interessiert sich nicht für Eure Verbindlichkeiten. Dort bekommst Du die Miete (wenn Ihr überhaupt Anspruch habt) für eine kleine Wohnung, Nebenkosten und geringe Kosten zum Leben.
          Davon kannst Du sicher keine Verbindlichkeiten bezahlen und das Gehalt Deines Mannes wird voll angerechnet.

    Hallo!

    Will Dein Mann sich umbringen? oder warum tut er so, als ob er aus der Klinik nie wieder heim kommt?

    Ganz ehrlich, das würde mir größte Sorgen machen, wenn er ggf. eine Gefahr für sich selbst ist.

    Normal bekommt er ja Lohnfortzahlung wenn er in der Klinik ist, also sollte nicht finanziell alles zusammenbrechen - es sei denn, er tut sich wirklich etwas an.

    Kannst Du ggf. bei der Schule anrufen wegen der Betreuung dass ggf. durch die Krankheit ein familiärer Notfall eintritt? Das sind ja keine Unmenschen und man kann auch mal jemanden vorziehen von der Warteliste in echten Ausnahmefällen. Rede einfach mit ihnen, frag nach, ob sich was machen lässt, wenn du eine Stelle findest, weil eben nicht klar ist, ob und wann dein Mann wieder arbeiten kann.

    • Also konkrekte Pläne hat er nicht, sich umzubringen. Aber es gibt immer wieder Momente wo er sagt, dass es besser wäre wenn er „sich weg machen“ würde.

      Das ist halt alles Teil des Krankheitsbildes. Es gibt Gute Tage und leider sehr viele schlechte. Er hat noch nicht die richtige Einstellung der Medikamente.
      Ich hoffe, dass am Donnerstag beim Neurologen was erreicht werden kann.

      Mit der Schule sprechen sollte ich dann tatsächlich. Das Schlimme ist nur, dass die Betreuung im Ganztag total grottig ist. Und es nur Beschwerden gibt. Da will man sein Kind ja dann nicht hinschicken. Aber ich werde mal beim Direktor anklopfen. ;)

      • Willst du in Teilzeit wieder los?
        Vielleicht kannst du Eltern von Mitschülern und Freunden mit einspannen?

        Also ich finde, wir Menschen machen es uns oft viel zu schwer. Wenn du Hilfe und Unterstützung brauchst, weil du vielleicht bis 13 uhr arbeiten musst, dein Kind aber um 11.30 uhr unterrichtsschluss, dann würde ich zunächst mit der Schule / OGS / Jugendamt sprechen oder Eltern von Schulfreunden um Hilfe bitten. Nur sprechenden Menschen kann tatsächlich geholfen werden.

        Wie sieht es mit Oma, Opa, Tante, Onkel, Nachbar, Freunden, Geschwistern aus?
        Wir reden schließlich von einer Notsituation und von einem zeitlich begrenzten Zeitraum aus. Ich würde so 6-8 Wochen ansetzen.

        Frag die Menschen direkt um Hilfe! Revanchiere dich im Sommer mit einem kleinen Grillfest, z.b.! Trau dich!

        • Du hast Recht! Oft denkt man zu kompliziert.

          Familie einspannen ist schwer. Verhältnis ist sehr kompliziert und das Vertrauen muss erst wieder aufgebaut werden.
          Meine Mama ist nach einem Jahr krank wieder in der Eingliederung und ab April auch wieder in Vollzeit.
          Die Eltern von Mitschülern ist wahrscheinlich der einfachste Weg.
          Und mit dem Jugendamt sind wir schon in Kontakt. Ab April haben wir auch wieder eine Familienhilfe. Die sind ja voll im Thema und können uns gut begleiten.

          Arbeiten würde ich eigentlich gerne in Vollzeit. Aber das ist wohl sehr egoistisch gedacht. Teilzeit ist wohl realistischer.

Welche Art von Klinik schwebt euch vor?

  • Mein Mann hat eine Trauma Ambulanz in Bochum gefunden. Die machen Ambulante Therapien oder stationäre. Die Behandlungsfelder decken viel ab, was passt. Er will am Donnerstag mit seinem Neurologen darüber sprechen und sich eine Einweisung holen. Auch die LVR Klinik hier in Essen wäre passend.

Ich würde dir raten, dich mit einer Beratungsstelle für Angehörige psychisch Kranker in Verbindung zu setzen. Damit du und die Kinder nicht auf der Strecke bleibt.

Als Kind/Jugendliche erlebte ich hautnah die Depression meiner Mutter mit, ihren Suizid, die manische Depression meiner Pflegemutter.
Ich habe sehr jung geheiratet, hatte früh zwei Kinder, als sich rausstellte, dass mein damaliger Mann chronisch schizophren ist.

Ich habe heute eine sehr kritische/differenzierte Haltung was die Zumutbarkeit einer solchen Erkrankung für kleine Kinder anbelangt. Es ehrt jeden Partner/jede Partnerin der/die dem psychisch Erkrankten über Jahre zur Seite steht. Leider verliert dabei das Kindeswohl/der Kindesschutz zu oft an Bedeutung. Dabei müsste genau dieses bei aller Liebe zum Partner Vorrang haben. Dies kann Distanz zum Partner erfordern, ein Loslassen, ja, es ist eine Gratwanderung, andererseits eigentlich gar nicht so schwer: die medizinischen Belange der Krankheit gehören in Fachspezifische Hände, das ist nicht das Aufgabenfeld des Partners.

Habt ihr gepüft ob Euch Wohngeld etc. - je nach Einkommen auch ergänzende Sozialhilfe zusteht? Auf jeden Fall wende dich an eine Beratungsstelle, zum Beispiel der Caritas.
Hier bekommst gegf. auch Unterstützung bei der Betreuung der Kinder.

Guten Nerven konzentriere Dich auf Dich und die Kinder.

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