uneinigkeit bei der erziehung

    • (1) 06.04.18 - 13:51
      fragendemama

      Hallo liebes Forum,

      Mein Mann und ich sind uns manchmal uneinig was die Erziehung unseres Kindes angeht.

      Ich beispielsweise bemühe mich wirklich stets die Gefühle meines Kleinkindes (2 Jahre) zu spiegeln. (nehme ich jetzt mal als Beispiel)


      Dabei nehme ich alle Gefühle mit ins Boot: seien es negative oder positive.

      Beipielsweise: "Oh, du bist hingefallen, da hast du dich aber ordentlich erschrocken. Tut dir irgendwas weh?" oder "Ich sehe du hast ja richtig Spaß auf dem Trampolin!"

      Generell versuche ich mich immer in die Gefühlswelt meines Kindes einzufühlen und nachvollziehen zu können, was in dem kleinen Köpfchen so vor sich geht.

      Manchmal sage ich dann auch sowas wie "Du hast eben heimlich ganz schön viele Kekse gegessen. Möchtest du gerade nichts essen, weil dein Bauch voll ( von Keksen) ist?"

      Für mich ist dieser Umgang mit dem Kleinkind irgendwie selbstverständlich, ich denke nicht groß darüber nach. Das war schon so, bevor ich erfahren habe, dass es den Kindern beim Regulieren ihrer Emotionen helfen soll. Das lief irgendwie instinktiv.

      Jetzt wurde ich vor kurzem sehr krass deswegen kritisiert. Und zwar von meinem Mann. Normalerweise wirft mich sowas nicht aus der Bahn meiner Manifeste, aber diesmal gerate ich in eine echte Krise.

      Vielleicht könnt ihr das mal kurz einschätzen: Ist mein o.g. Verhalten völlig falsch und unangebracht oder doch richtig?

      Mein Mann meint nur, ich wolle das (nennen wir es mal: nicht gesellschaftstaugliche) Verhalten meines Kindes mit solchen Sprüchen nur rechtfertigen und solle damit aufhören, weil es dem Kind schaden würde.

      Was sagt ihr dazu?

      Danke vorab für eure Einschätzungen.

      • (2) 06.04.18 - 14:08

        Dein Weg wird sich in der “Trotzphase“ noch bewähren. Zumindest bei uns hat es immer sehr geholfen, wenn jemand beim Verbalisieren geholfen hat (wenn man allerdings die Wut falsch interpretiert hat, kann das genau das Gegenteil bewirken).

        Keine Ahnung, wie extrem du “spiegelst“. Würde mein Partner ständig den “Babyflüsterer“ mimen und auch aus Minipupsen ein Drama machen, würde mich das auch nerven.

        Das heißt aber nicht, dass ich den Ansatz verkehrt finde. Wie soll ein Kind sonst lernen, wie Eifersucht, Neid, Vorfreude etc. sonst heißen, wenn man die Gefühle nicht quasi errät und benennt. Und Gefühle präzise benennen zu können, halte ich für elementar für Kommunikation und Reflektion.

        Auch bin ich absolut gar kein Fan davon, negative Gefühle wegzudrücken oder zu sanktionieren. Ich glaube, dass insbesondere die Erwachsenen ihrer Gefühle gut selbst regulieren können, die als Kind nicht allein mit ihren Emotionen, egal, welcher Art, darstanden.

        • (3) 06.04.18 - 14:24

          Neee, also ich mache das natürlich nicht ununterbrochen.
          Ich mache es halt dann, wenn ich meine, dass es angebracht ist.

          Aber mich irritiert seine Aussage, dass ich damit irgendein Verhalten zu rechtfertigen versuche?

          Könnten Spiegelungen tatsächlich wie Rechtfertigung wirken?

          • Ich finde, du machst das genau richtig. Woher soll dein Kind wissen, was es fühlt, wenn es das Gefühl nicht benennen kann? Er kennt das Gefühl, weiß aber nicht, wie es heißt. Es ist wichtig, Gefühle zu spiegeln, damit das Kind überhaupt die Bandbreite der Gefühle kennen lernt. Wie reagiert denn dein mann im Gegensatz dazu? Was macht er in den von dir beschriebenen Situationen?

            • Denkst Du wirklich, einem eifersüchtigen, wütenden odrr traurigen Kind geht es besser, wenn es belehrt wird, wie dieser unangenehme Zustand bezeichnet wird?

              • Ja, weil es einfach gar nicht weiß, WAS es da fühlt. Ein Kind im kleinkinalter weiß nur, DASS es etwas fühlt. Aber wieso und wie das heißt, was es da fühlt, weiß es nicht. Woher auch? Ohne zu wissen, was Wut, Trauer, angst oder Verzweiflung ist, kann msn auch nicht ausdrücken, WIE msn sich fühlt. Und das wissen, was diese Gefühle sind, hilft einem Kind dabei, zu begreifen was und warum es das fühlt.

          (7) 06.04.18 - 14:53

          Ich finde das Beispiel mit den Keksen halt schräg.

          “Sattsein“ ist für mich keine Emotion und dafür einen Grund anzuführen, nämlich dass heimlich Kekse gegessen wurden, finde ich tatsächlich rechtfertigend.

          An der Stelle hätte ich deutliche Worte gefunden, das Naschen vor dem Essen zu tadeln, weil es mir wichtig ist, dass vernünftig bei den Mahlzeiten gegessen wird.

          So gibst du dem Kind das Signal, dass es total okay ist, satt zu sein, weil es genascht hat. Wenn das dein Ziel ist, dann gut, aber da verstehe ich deinen Mann.

          Du hast Recht: Deine Vorgehensweise ist für ein Kleinkind, das sich noch nicht vollumfänglich verbal ausdrücken kann, bestimmt super!

          Allerdings würde es mich persönlich komplett nerven - vom ersten Satz an. Denn das wäre so gar nicht meine Art. Darüber hinaus maßt du dir permanent an, dein Kind immer zu 100% zu verstehen (was ganz bestimmt nicht so ist!).

          Wenn es deinem Partner auch nur ansatzweise so geht wie mir, kann ich verstehen, dass er irgendwann ausdrückt und nach Argumenten sucht, damit du es zurück schraubst oder abstellst.

          • (9) 06.04.18 - 15:11

            Ohwei! Nein! Ich maße mir nicht an mein Kind immer zu verstehen.
            Deswegen schreibe ich ja, dass ich es "vesuche" - ich liege auch bestimmt nicht jedes Mal richtig. Da bin ich überzeugt von, gebe aber mein Bestes.

            Was genau nervt dich denn daran?
            Vielleicht geht es meinem Mann ja tatsächlich wie dir, dann könnte ich versuchen da nachzuhaken.

    Hm, stört deinen Mann sowas wie das Beispiel mit den Keksen? Also dass dein Kind heimlich Kekse gegessen hat und du das dann einfach so stehen lässt?

    Ich selbst mag dieses Spiegeln nicht sehr, bzw. es klingt manchmal so gekünstelt. Ich kann es gar nicht genau beschreiben. Klar sag ich auch so was wie: Na, das Puzzeln macht dir aber Spaß, was? Oder Ach Spatz, sei doch nicht traurig...

    Aber so „Ich sehe, dass du traurig bist, weil...“ - klingt so unecht, nichts für ungut. Ist nur ein Bauchgefühl von mir.

    Vielleicht kommen du und dein Mann da auf keinen Nenner, weil er das auch nicht so mag?

    • (11) 06.04.18 - 15:14

      'Achso, nur zur Erläuterung:

      Natürlich lasse ich das heimliche Kekse-Essen nicht einfach so stehen.

      Ich heiße das nicht gut und sage es natürlich auch meinem Kind und versuche solche Situationen dann zu vermeiden.
      Es war jetzt einfach nur ein anderes Beispiel.

      Ja, vielleicht ist es das, das er es auch gekünstlelt findet... ich muss da nochmal nachhaken :)

Ich finde das anstrengend. Sowas kann man m. E. machen, wenn es eine Situation erfordert, z. B. weil das Kind sich gerade weh getan hat.

Aber bei dem Beispiel mit den Keksen manipulierst du einfach. Da willst DU, dass sie keine Kekse mehr isst und spiegelst ihr das als ihr Gefühl? Nee oder?

Mir ist sowas viel zu verkopft und unauthentisch und ich würde das auch nicht unterstützen. Als dein Partner hätte ich die Befürchtung, dass du irgendwann auch bei mir anfängst.

Einigkeit muss m. E. bei gewichtigen Dingen bestehen, zB dass man nicht schlägt, nicht mit Liebesentzug straft und eben nicht manipuliert.

Diesen Psychoquatsch würde ich so auch nicht mitmachen. Außerdem darf jeder seine eigenen Rituale haben.

Andere Beispiele, bei denen man zwingend gleich handeln und erziehen sollte, fallen mir gerade nicht ein.

LG

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