Plötzliche Ablehnung dem ersten Kind gegenüber

    • (1) 19.04.18 - 23:36
      Rabenmui

      Hallo!

      Ich weiß, mein Beitrag gehört nicht hierher, allerdings schäme ich mich wahnsinnig über meine momentanen Gedanken.

      Ich werde ein wenig ausholen, damit Versuch ich meine Situation ein wenig verständlich darzustellen.

      Ich bin sehr früh trotz des Hormoninplantates schwanger geworden. Wir haben uns damals für das Kind entschieden. Die Schwangerschaft habe ich sehr passiv erlebt. Ich war sehr jung und noch nicht bereit für ein Kind. Die Schwangerschaft endete für mich sehr traumatisch. Ich entwickelte eine schwere Gestose musste viele Wochen im Krankenhaus liegen und meine Tochter kam 8 Wochen zu früh auf die Welt. Sie war unterversorgt. Musste noch mehrere Wochen in der Klinik bleiben. Stillen konnte ich nicht, da ich hochdosiertes Cortison oder Blutdrucksenker nehmen musste. Ich habe die ersten Wochen viel geweint und auch schon in der Zeit vor der Geburt als ich im Krankenhaus lag. Die tiefe Liebe von der andere Mütter immer reden habe ich nicht empfunden. Ich habe zwar etwas empfunden, allerdings würde ich dies nicht als „bedingungslose Liebe“ beschreiben.

      Die ersten Jahre mit ihr waren geprägt von Sorgen, da ich wahnsinnige Angst hatte, dass sie Defizite durch die Frühgeburt haben könnte. Überforderung habe ich allerdings nie gefühlt, aber ich war innerlich wie Tot. Ich „funktionierte“.
      Ich sah wie andere Mütter sich ihren verhalten haben und habe mich ebenso meinem Kind gegenüber verhalten. Wir kuschelten viel, ich las viel vor und widmete ihr viel Zeit. Aber nicht aus dem Impuls heraus, weil ich ihr „so viele Liebe“ zugeben habe, sondern weil man es eben so macht. Ich habe dies nicht bewusst getan. Aber wenn andere über ihre Kinder sprachen, wurde mir immer wieder bewusst, dass ich nicht so fühle. Das etwas bei mir anders ist. Ich habe dies aber da,ist abgetan, dass jeder Gefühle ja anders empfindet.

      Als meinte Tochter 5 war, haben mein Damaliger Partner und ich uns getrennt.
      Wir haben uns für das Wechselmodell entschieden. Sie ist also eine Woche bei ihrem Vater und eine Woche bei mir. DAs klappt wirklich gut. Die Kommunikation zwischen ihrem Papa und mir im Bezug auf unsere Tochter funktioniert sehr gut.

      Ich habe Mittlerweile einen neuen Partner und wir haben gemeinsam einen Sohn bekommen. Die Gefühle meinem zweiten Kind gegenüber waren seit dem Zeitpunkt der Geburt unbeschreiblich. Es war genau das, wovon jeder immer sprach.
      Aber zeitgleich empfand ich immer größer werdende Ablehnung meiner Tochter gegenüber. Es fühlt sich schrecklich an. Es ist keine offene Ablehnung, aber ich bin mir sicher, dass sie es spürt. Das hat sie nicht verdient und es muss ihrer Kinderseele Schrecklichen Schaden anrichten.
      Mir fällt es wahnsinnig schwer mit ihr zu kuscheln, ihr offene Liebkosungen zu geben. Weil ich einfach nichts spüre. Sie fühlt sich nicht wie mein Kind an. Es ist so grauenvoll und ich schäme mich so wahnsinnig dafür. Ich bin innerlich so weit, dass ich sagen würde, dass sie einfach bei ihrem Vater bleiben soll. Das alles schockiert mich und ich hasse mich abgrundtief für diese Gedanken.

      Könnten es die Hormone sein. Die mich so etwas schreckliches fühlen lassen? Diese schlimme Ablehnung? Oder ist das eventuell die Quittung dafür, dass ich meine Gefühle bei der Geburt damals einfach ignoriert habe? Kann es vielleicht eine Wochenbettdepression sein, die sich eben nicht auf das Neugeborene, sondern auf das erste Kind bezieht? Gibt es sowas überhaupt?
      Ich möchte, dass alles wieder gut ist. Ich habe auch bereits einen Termin bei meiner Hausärztin ausgemachten werde dieses Problem bei ihr ansprechen.

      Bitte, bitte sagt mir nicht, wie schrecklich ich bin... ich weine schon genug wegen meinen Gedanken.

      • Hallo.

        Vorab, ich mach dir keine Vorwürfe, auch wenn es sich vielleicht so liest.

        Ich habe natürlich andere Gefühle gegenüber meinen Kindern wie du sie beschreibst (zumindest was die Tochter angeht). Also nehmt es nicht zu persönlich. Ich bin Mutter mit Leib und Seele und auch ich habe eine Kind, was nicht geplant war. Aber meine Gefühle sind immer gleich, Freude und Glücksgefühl. Ich liebe alle meine Kinder, dennoch merke auch ich, dass ich unterschiedlich den Kindern gegenüber fühle. Minimal, aber es ist unterschiedlich. Ich denke auch, dass liegt an den verschiedenen Charakteren. Aber ich nehm sie so, wie sie sind. Ich zeige auch meinen Frust, aber Ablehnung war da noch nie.

        Jetzt zu dir. Wäre es denn eine Option, dass du deine Tochter gänzlich zu deinem Ex, also zum Vater, gibst? Die Zeit, die du dann als Besuchszeit mit ihr hast, könntest du dich "zusammenreißen" und ihr doch Liebe zeigen. Das ist vielleicht auszuhalten, als wie beim Wechselmodell. Ich kann mich ehrlich gesagt schwer in deine Gefühle einfinden, daher wäre das jetzt mein Vorschlag. Und vielleicht solltest du auch mal die Geburt und auch was davor war aufarbeiten. Vielleicht hängt das auch noch tief in dir. Denn würdest du nichts empfinden, dann würdest du dir keinen Kopf machen, dass es ihr trotzdem gut geht und sie nicht leiden muss.

        <<<Bitte, bitte sagt mir nicht, wie schrecklich ich bin... ich weine schon genug wegen meinen Gedanken. >>>

        Nein du bist nicht schrecklich, deine Situation ist schrecklich auch für dich. Deshalb hol dir auch Hilfe.

        Alles Gute und viel Kraft.#klee#klee#klee

        LG

        PS: Du kannst trotzdem stolz sein, dir geht es ja nicht gut dabei, trotzdem reißt du dich zusammen.

        Es klingt nach einer furchtbaren traumatischen Erfahrung, die du nie verarbeitet hast, das tut mir sehr leid für dich.

        Ich bin kein Psychiater, aber du solltest dich zu einem überweisen lassen.

        Vielleicht gibt es die Möglichkeit einer Therapie mit deinem Kind?

        Alles Gute für dich!

        Ich glaube, da kam einiges zusammen.

        Wie alt ist deine Tochter?

        Es gibt Menschen, die von außen einen professionellen Blick auf eure Beziehung werfen sollten. Die können helfen. Es gibt in meinem Wohnort zum Beispiel die Erziehungsberatung der Caritas, die ggf. Mit anderen Ansprechpartnern weiter helfen kann.

        Es wäre schön, wenn du es versuchst. Man liest heraus, dass du nach einem guten Weg für sie suchst.

        Ich denke, du musst das wirklich aufarbeiten. Und wenn der bessere Weg „Abstand“ ist dann ist es so. Jedoch würde ich mich hierzu beratschlagen lassen.

      • Hol Dir dringend psychologische Hilfe. Da ich von meiner Tochter weiß, wie schlimm und belastend ein Extremfrühchen und noch jahrelange Sorge sein können, geh ich davon aus, dass Dein Problem noch aus der Zeit kommt. Hast Du damals keine Unterstützung von der Familie oder auch einem Psychologen im Krankenhaus bekommen? Sowas steckt man selten einfach weg. Wenn Du hier einen guten Therapeuten findest, hast Du durchaus noch die Chance, auch Deine "Große" wieder so zu lieben, wie es euch beiden guttut.Ich habe da durchaus noch Hoffnung, aber bitte schiebe es nicht auf die lange Bank, Du brauchst dringend Hilfe, in Deinem Interesse und in dem Deines Kindes! LG Moni

        Hallo,

        Ich schreibe alles wirklich völlig vorwurfsfrei, also verstehe mich bitte bitte nicht falsch.

        Ich fürchte du hast dein traumatisches Geburtserlebnis, sowie anschließender Wochenbettdepression viel zu lange vor dich hingeschoben und gehofft das wird von allein wieder bzw. Vielleicht hast du bisher gar nicht so wahrgenommen wie tief das ganze geht (wie auch wenn man vorher gar nicht weiß wie sich „echtes“ Mutterglück anfühlt?).
        Es ist jetzt also Zeit sich professionelle Hilfe zu suchen und das ganze an zu gehen.
        Vielleicht kann dein Kind so lange bei seinem Vater unterkommen und nimmst sie dann am Wochenende, dann spürt sie zumindest nicht ständig die Ablehnung, die das Geschwisterchen so ganz anders erfährt.
        Vielleicht hilft dir auch etwas Abstand aus der verzweifelten Situation, um sich besser auf Hilfe einzulassen.
        Es gibt Elternschulen, die Beratung anbieten und dir Adressen geben können, wo du richtig bist.
        Wichtig ist nur etwas zu tun, denn ansonsten leidet dein Kind langfristig.

        Ich hatte eine Phase in der Beziehung zu meinem ältesten Sohn, wo es mir ähnlich ging.
        Ich war 19 als ich ihn bekommen habe, nach der Geburt war auch alles schön und gut, dann stellte sich aber heraus das er einen Klumpfuss hat.
        Alles keine große Sache und gut behandelbar. Leider war er schon von kleinauf an hypersensibel, hat die Behandlung nicht angenommen und wurde ein extrem unangenehmes Kerlchen (viel später stellte sich auch asperger und einige andere Defizite heraus, aber davon wusste ich ja auch nichts).
        Die Ärzte haben mich fertig gemacht, weil ich die Behandlung nicht konsequent durchziehen konnte, mein Kind war todunglücklich wenn ich ihn damit „quälen“ musste und ich saß völlig überfordert dazwischen und konnte beobachten, wie ich immer gefühlskälter ihm gegenüber wurde.
        Irgendwann habe ich dann nur noch gedacht „warum ich? Warum dürfen alle um mich herum gesunde fröhliche Kinder haben und ich werde so bestraft?.“
        Grauenhafte Gedanken, aber was soll man dagegen tun?

        Ich habe hart daran gearbeitet, an meiner Einstellung gearbeitet und das Blatt hat sich auch nach 1-2 Jahren wieder völlig gewendet.
        Das Verhältnis zu ihm ist heute nicht schlechter, als zu seinen anderen 3 Geschwistern und meine Liebe zu ihm genauso stark.
        Aber diese erschreckende Phase gab es eben dennoch.
        Ich kann also annähernd nachempfinden, wie elendig es dir damit auf Dauer gehen muss.

        Also bitte nimm Hilfe an, da kann man immernoch irgendwo etwas retten :-)

        LG

      • (7) 20.04.18 - 10:44

        Vielen Dank für eure bisherigen Antworten.

        Meine Tochter ist bereits 8 Jahre alt. Ich schleppe dies also schon lange mit mir herum.

        Ich denke auch, dass die Probleme viel tiefer liegen als ich bisher gedacht habe.
        Dass ich daran arbeiten muss Das ist mir klar.

        Obwohl ich mir momentan wünsche, dass meine Tochter bei ihrem Vater aufwächst, ist dies eher kontraproduktiv. Damit wird der Abstand den ich zu ihr habe doch nur noch größer.

        Sie ist ein tolles Kind. Und alle aus der Familie lieben sie und ich habe bis zur Geburt des zweiten Kindes auch gedacht, dass ich Liebe für sie empfinde. Aber momentan ist da einfach nichts.

        • Hallo,

          im Zuge einer Hausarbeit zu Depressionsrisiken alleinerziehender Mütter habe ich eine Literaturliste, welche für Dich vielleicht interessant ist. Wenn Du magst, darfst Du mich per PN anschreiben und ich schicke Dir die Liste.

          Du stehst mit dem Gefühl, dass das "Glücksgefühl" fehlt, definitiv nicht alleine da, leider ist dies aber ein Tabu-Thema. Den Weg der professionellen Hilfe ist definitiv ein guter Weg.

          Liebe Grüße
          coffea

          (9) 20.04.18 - 12:08

          Hallo,

          "Sie ist ein tolles Kind. Und alle aus der Familie lieben sie und ich habe bis zur Geburt des zweiten Kindes auch gedacht, dass ich Liebe für sie empfinde. Aber momentan ist da einfach nichts."

          Das da finde ich interessant. Wie alt ist denn dein Sohn? Noch ein Baby?

          Dann, glaube ich, ist das nicht so ungewöhnlich, was du da schreibst. Mir ging es mit meinem älteren Kind nach der Geburt des zweiten auch so: sie war plötzlich so groß, wild, laut und irgendwie einfach anstrengend und sie hat mich "gestört" mit dem Baby. Das klingt wirklich gemein und ich fand das auch schrecklich, so zu empfinden. Ich habe sie das nicht spüren lassen (hoffe ich!), sondern im Gegenteil, versucht sehr viel an einer positiven Beziehung zu arbeiten. Das war nicht einfach. Aber dann wurde eben auch das Baby älter, war nicht mehr so klein und schutzlos, sondern auch gerne laut und wild, mit einem eigenen Charakter und ich liebe beide gleichermaßen.

          Ich denke, wenn dein Baby noch sehr jung ist, dann können das auch einfach die Hormone sein. Du schreibst ja, dass du sie immer geliebt hast, dann ist das sicherlich jetzt auch noch so. Aber vielleicht gibt es so etwas wie einen Baby-Schutz-Instinkt... Das Baby kommt erstmal an allererster Stelle, die Bindung muss noch wachsen und du musst auf es aufpassen und das ist gerade deine allerwichtigste Aufgabe. Und da passt ein älteres forderndes Kind gerade nicht dazu.
          Das gibt sich! Warte ab, bis der Kleine mal zum Teufelchen wird, dann ist deine Tochter plötzlich wieder dein süßer Liebling. ;-) Und so lange arbeitest du bewusst gegen dieses Gefühl an und zeigst ihr, wie lieb du sie hast. Es wird sich zurecht ruckeln, eure Beziehung hat sich durch das Baby einfach geändert.

          Das gilt natürlich nur, wenn es wirklich etwas Temporäres ist, also ein Gefühl, das erst nach der Geburt vom Kleinen so aufgekommen ist.

          • (10) 21.04.18 - 09:34

            Hallo

            Mein Sohn ist tatsächlich sehr jung. Er ist etwas als 4 Monate alt.

            Ich war gestern bei meiner Hausärztin die gleichzeitig Fachärztin für Psychotherapie ist.

            Sie sagte auch, dass es nichts außergewöhnliches ist und häufiger vorkommt als man vermutet. Eine typische Wochenbettdepression schließt sie allerdings aus, weil ich keine typischen Anzeichen dafür aufweise. Ich habe nächste Woche meine erste Therapiestunde. Ich bin gespannt was mich erwartet, sie sagte auch, dass ich sehr selbstreflektiert an die Sache rangehe und dies den Therapieverkauf enorm positiv beeinflussen würde. Sie ist guter Dinge, dass ich das Problem schnell in den Griff bekomme.

      Hallo,
      Du bist um das Wohlergehen deiner Tochter bemüht, sonst würdest du hier nicht so verzweifelt schreiben und um "Hilfe bitten" du hast doch bisher gut um sie gekümmert und versucht ihr eine fürsorgliche Mutter zu sein! Das alles zeigt, dass sie die nicht so egal ist, wie du es empfindest! Ich würde dir zu einer Therapie raten! Vielleicht ist irgendwo in dir ein Anteil, der deine Tochter ablehnt!? Wie war deine Kindheit? Deine Verbindung zu deiner Mutter? Vielleicht liegt die Ablehnung zu deiner Tochter irgendwo in deiner eigenen Kindheit begraben? Etwas das du nicht verarbeitet hast!? Etwas das du auf deine Tochter projizierst, etwas unangenehmes an das sie dich erinnert? Sprich mit deinem Hausarzt darüber, lass dich zu einem Therapeuten überweisen!
      Ich wünsche dir viel Kraft! Versuch deiner Tochter auch weiterhin eine tolle Mama zu sein! Ihr habt beide euer Glück miteinander verdient! Gib euch nicht auf und sei stark für euch beide!

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