Kranken Partner verlassen?

    • (1) 27.04.18 - 21:37
      xxxweekendxxx

      Guten Abend,
      kurze Fakten: seit 10 Jahren zusammen, Kinder, 7 Jahre verheiratet.
      Wir verstehen uns schon länger nicht mehr. Streit an der Tagesordnung.
      Nun ist mein Mann lebensbedrohlich erkrankt (kein Krebs) und Lebenserwartung und weiterer Verlauf ist ungewiss und wohl nicht vorhersehbar. Laut Statistik kann es aber sein, dass er nicht alt wird.
      Zuerst dachte ich, ich schaffe das nicht alleine als er in die Klinik kam. War völlig außer mir. Aber schon nach wenigen Tagen, die er weg war, ging es mir super.
      Ich kriege richtig viel organisiert und getan. Es läuft echt super ohne ihn zu Hause. Viel weniger Streß und Lärm.
      Ich freue mich richtig darüber. Habe aber auch ein schlechtes Gewissen, dass ich so denke.
      Und auch wenig Mitgefühl habe. Das Leben geht einfach so weiter. Als wäre nix.
      Ich empfinde teilweise Wut, dass er krank ist und andere nicht. Wir hatten ohnehin schon schwere Zeiten und nun sehe ich mich einer ungewissen Zukunft ausgesetzt und besonders meine Kinder dem ausgesetzt.
      Finanziell könnte sich das zum Desaster entwickeln. Aber auch das würde ich irgendwie meistern.
      Ich weiß, dass in der Familie niemand Verständnis dafür hätte, wenn ich meinen Mann verlassen würde.
      Denn er als der Kranke würde immer recht bekommen.
      Wie es mir damit geht, als noch junge Frau den Rest meines Lebens mit einem für immer kranken Mann zusammen zu leben, interessiert keinen.
      Aber ich kann das nicht. So böse das auch klingt.
      Ich weiß selbst nicht, warum ich so bin und wie ich bloß so denken kann.
      Aber ich denke, dass es mein Mann auch nicht verdient hat, so eine Frau zu haben.
      Ich will aber auch nicht aus Mitleid oder Pflichtgefühl mit ihm zusammen bleiben. Das wäre doch falsch.
      Aber im Ort wäre ich die Böse. Das ist doch klar. Seinen kranken Mann verlassen, geht gar nicht. Das ist eben so.
      Wie würdet ihr an meiner Stelle entscheiden?
      Ich frage mich, ob überhaupt jemand den Gedankengang nachvollziehen kann, nicht mit einem dauerhaft kranken Partner leben zu wollen. Mit dem es eh vorher schon Probleme gab.
      Ich hab keine Lust, die fürsorgliche Frau zu spielen, die alle erwarten.
      Ihn aktuell zu verlassen, würde aber erstens für alle Beteiligten ein finanzielles Desaster auslösen und zu einem Auszug wäre er im Moment gar nicht in der Lage. Abgesehen davon könnte ihn das gesundheitlich noch weiter schwächen.
      Ich hab jetzt schon Sorge vor der Zeit, in der er wieder da ist.
      Sorry für den langen Text..vielleicht hat irgendjemand schon mal so eine Situation erlebt.

      • (2) 27.04.18 - 21:57

        Hi,
        nein, du bist nicht gemein oder deine Gefühle verkehrt, klar ist es egoistisch, aber was ist daran schlimm? man hat nur ein Leben und das nur damit zu verbringen, jemand anderen nicht zu verletzen, zu enttäuschen oder das vermeintlich richtige zu tun, was andere erwarten, die nicht in deinen Schuhen gehen, ist doch wie lebendig begraben sein.
        Auch du darfst glücklich sein.
        Ich hab das in anderer Hinsicht durch, ich war schwanger, das Kind wäre schwer behindert gewesen, ich habe in der 21. Woche einen Abbruch gehabt, auch ich hätte mein Leben nicht komplett in den Dienst des kranken Kindes stellen wollen, 24/7 darum kümmern, Beruf aufgeben, von Therapie zu Therapie fahren und ständig im Krankenhaus hocken.
        Eine Freundin war verlobt, dann wurde beim Mann eine Aneurysma der Aorta diagnostiziert, die OP ging schief, er hatte Hirnschäden, saß im Rollstuhl...
        Sie wollte aber Kinder und auch beruflich vorwärts kommen.
        Sie hat die Verlobung gelöst und wurde dafür überall kritisiert, das gehört sich nicht.
        Da muss man drüber stehen können, sonst wird es hart.
        Andererseits... irgendwann verstummen auch diese Stimmen, die Zeit vergeht, irgendwann ist das vergessen.
        Heute ist sie liiert, hat ihre eigene Firma gegründet und ist Mutter, keiner redet mehr darüber was vor 10 Jahren passiert ist.

        (3) 27.04.18 - 21:58

        Den Nickname ist Programm?

        Ganz ehrlich, ich verstehe dich, aber ich weiss nicht, ob ich unter diesen Umständen den Mut zur Trennung hätte.
        Ich bin gerade in Trennung und habe sehr lange gebraucht die Entscheidung zu treffen. Ein (von vielen) ausschlaggebender Punkt war für mich auch die Angst vor genau so einer Situation und dass ich dann gar nicht mehr gehen könnte (mein Mann ist 14 Jahre älter und hat sich nie gut um seine Gesundheit gekümmert).
        Wäre die Partnerschaft noch intakt und Liebe vorhanden, wären diese Gedanken nicht da und man kann es schaffen, aber wenn die Ehe eigentlich schon kaputt ist, ist das eine andere Ausgangslage.
        Ich wünsche dir von Herzen alles Gute, viel Kraft und Mut.

      • (5) 27.04.18 - 23:55

        Das kannst nur du entscheiden. Kannst du danach noch in den Spiegel sehen? Wirst du es bereuen?
        Im Ort wärst du persona non grata? Zelte abbrechen. Deutschland ist groß genug.
        Ich kann es versehen. Ich habe gesehen was Menschen für einen kranken Partner aus falsch verstandener Pflicht taten. Sie machte sich kaputt. Vergeudete über ein Jahrzehnt damit jemanden zu pflegen der dasselbe nie getan hätte. Blieb in einer Ehe mit festem Ablaufdatum (wenn alle Kinder groß sind wollte sie raus).
        Aber wie gesagt. So was lässt sich nicht ohne weiteres tun. Vielleicht bleibt ihr einfach gute Freunde.

        Wie würde es denn den Kindern dabei gehen?

        Euer ältestes Kind ist ja maximal im Grundschulalter. In dem Alter sehen sie nur: Papa ist krank, Mama verlässt ihn. Und haben dann wahrscheinlich Panik, dass du sie auch verlassen wirst falls sie mal krank werden.

      • (7) 28.04.18 - 07:54

        Ich bemitleide mich auch selbst, was natürlich auch nicht schön ist. Aber wir haben vorher schon nicht im Geld geschwommen mit unseren Jobs. Und nun wird es noch weniger. Da hat man einfach keine Lust zu. Wenn man weiß, jetzt kann man sich gar nichts mehr leisten.
        Und auch ansonsten. Die Kinder haben einen kranken Vater, der wahrscheinlich eh nicht mehr so viel mit ihnen machen kann. Und dazu die Familie nicht mehr richtig ernähren kann.
        Und das, obwohl man jung Kinder bekam. Es ist ja nicht so, dass ich einen Tattergreis geheiratet habe.
        Ich weiß wirklich nicht mehr weiter. Meine Gedanken sind fies. Das weiß ich selbst.
        Aber ich will auch ein normales Leben, so lange ich jung bin.
        Ich denke halt auch, dass ich böse bin und für meine Gedanken irgendwann noch schlimmer bestraft werde. Aber ich kann nichts dagegen tun.

        • (8) 28.04.18 - 10:23

          Leben wir im Jahr 1950 das der Mann die Familie ernähren muss ?
          Wie du schon sagtest du bist noch jung und hast dein Leben vor dir also such dir einen vernünftigen Job und geh was arbeiten !!

          (9) 28.04.18 - 13:19
          Kindeineskrankenvate

          Ich erzähle dir das mal aus Sicht eines betroffenen Kindes. Mein Vater ist nach zehnjähriger Krankheit gestorben, da war ich gerade 17. Natürlich konnte er nicht mehr viel mit mir machen, aber ich bin selbst heute über ein Jahrzehnt später über jeden gemeinsamen Moment dankbar. Wenn ich mir jetzt vorstelle meine Mutter hätte ihn verlassen wollen und ich hätte ihn dadurch weniger gesehen...Nein ich wäre nicht mitgegangen und ich hätte das meiner Mutter auch niemals verziehen.

          Was mich bei dir stört, ist das du so stark das Finanzielle betonst. Was ist er denn für dich? Dein Ehemann oder dein Geldesel? Als Alleinerziehende wirst du noch weniger haben oder spekulierst du drauf, dass du schnell einen neuen Geldgeber findest, so lange du noch jung bist? Traurig was du deinen Kindern vorlebst, was Ehe und Familie bedeutet...

      Hi,
      ich könnte mir vorstellen, dass du total unter Schock stehst wegen dieser Diagnose.
      Für die engsten Angehörigen ist eine schwere Erkrankung ebenfalls eine massive Veränderung, mit der man sich irgendwie arrangieren muss.
      Gibt es da keine Hilfsangebote von Seiten des Krankenhauses oder Selbsthilfegruppen o.ä., insbesondere auch für die Kinder, die mit einem schwerkranken Vater und mit der Angst um ihn aufwachsen müssen?
      Dein Mann wird sicherlich auch mit seinem Schicksal hadern und das wird er wahrscheinlich menschelnd nach außen tragen, was ein Zusammenleben mit ihm bestimmt nicht vereinfacht, zumal ihr ja schon eine Weile nicht mehr so richtig als Paar funktioniert.
      Grundsätzlich verstehe ich, dass du als junger Mensch nicht mit einer solchen Bürde belastet sein möchtest, andererseits verspricht man sich, wenn man heiratet, dass man auch in schlechten Zeiten zueinander hält. Ich denke, ihr solltet als Paar Hilfe in Anspruch nehmen und euch neu sortieren.
      Alles Gute!

      vlg tina

      • (11) 28.04.18 - 11:14

        Die Hochzeit gab es eh nur wegen der Kinder und der Steuerklasse. Von daher ist mir das schöne Gerede des Standesbeamten total egal. Wenn man 60 oder 70 ist, kann man damit vielleicht anders umgehen. In dem Alter gibt es massenweise Witwen und die kommen ja auch klar. Aber wenn man jung ist? Das sind ja überhaupt keine Aussichten.

        • Naja, wenn man eine Ehe so angeht, sind das natürlich reine Lippenbekenntnisse.
          So wie du dich liest, ist das Ganze für dich ja durch, die Krankheit war halt scheiße getimed.
          Dann verlasse ihn und lebe mit dem Stempel „egoistische Ziege“, das musst du in erster Linie mit dir ausmachen und mit deinen Kindern.

          Habe ich das jetzt richtig verstanden: Du hattest keinen Arsch in der Hose, die "kaputte" Ehe zu beenden, die Vorteile überwogen wohl doch noch.
          Jetzt ist dein Mann krank, also auf Dauer evtl. Krankengeld und andere Einbußen, dann wird er lieber entsorgt, weil er nicht mehr von Nutzen für dich ist?

          Also, ich verstehe, dass man als Mensch (was auch immer dein Mann für eine Diagnose bekommen hat) mit einer schlimmen Krankheit überfordert sein kann.
          Aber wie man so empathielos einem kranken Menschen gegenüber sein kann, für mich schon fast kalt, dass verstehe ich dann auch nicht.
          Du wirkst sehr hart... da tut mir dein Mann und deine Familie wirklich leid. Und das meine ich nicht böse.

          Lg

    Gottseidank hat mein Mann mich trotzdem geheiratet, obwohl ich krank geworden bin. Ich bin aber niemand, der sich gehen lässt und die Familie terrorisiert.

    Ich mache es, so gut ich kann. Das verlange ich von meinem Partner auch und wir ziehen am selben Strang.

    Trennungsgrund ist bei dir ja nicht die Krankheit, du hast vorher nur den Absprung nicht geschafft. Ich glaube, ich würde an deiner Stelle abwarten und die Regeln festlegen, wenn er aus dem Krankenhaus kommt.

    Entweder es ist ruhiger (wenn du schreibst, Stress und Lärm, dann wird er rumschreien, nehme ich an?), oder er kann gehen.

    Er könnte ja eine Psychotherapie machen, das machen viele mit Krebs, evtl. hilft euch das ja.

    Jetzt die Beziehung zu beenden, halte ich für extrem unfair, das beeinträchtigt die Heilungsschancen des Vaters deiner Kinder.

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