Mein Freund ist psychisch krank, wie soll ich damit umgehen

    • (1) 05.05.18 - 22:06

      Hallo

      Ich weiß so langsam nicht mehr weiter. Und Wende mich nun zum 1. Mal an ein Forum mit der Hoffnung auch andere Betroffene zu finden. Kurz zu meiner Situation.
      Seit 4 Jahren bin ich mit meinem Freund zusammen. Seit 3,5 Jahren wohnen wir zusammen. Ich habe einen sohn, nicht unser gemeinsamer, er ist 5 Jahre.
      Als ich meinen Freund damals kennen lernte war alles ok, er war sehr liebevoll und sorgte sich sehr um mich und meinem Sohn. Er erzählte mir nach einiger Zeit, noch bevor wir zusammen gezogen sind, dass er psychische Probleme hätte. Wir haben viel geredet und letztendlich begann er eine Therapie. Unter der Therapie wurde sein Zustand zunehmend schlechter. Wir sind dann auch schon zusammen gezogen. Am Anfang lief noch alles relativ gut. Wir waren glücklich und er weiterhin ein sehr Liebevoller Mann. Aber dann fing er an sich zurück zu ziehen. Er bekommt Probleme zu essen. Er fässt mich nicht mehr an, küsst mich nicht und kümmert sich nicht mehr um meinen Sohn. Er kann keine Nähe zulassen und auch keine Liebe geben. Es ist inzwischen sehr kühl geworden. Allerdings reden wir offen und oft miteinander. Er weiß auch das es sehr schwer für mich ist. Durch die erste Therapie die er dann auch nach fast einem Jahr endlich abgebrochen hatte, da es ihm nicht gut tat, hat er sich immer mehr zurück gezogen. Er hat einiges in seiner Kindheit erlebt. Und durch meinen Sohn scheint er immer wieder innerliche Konflikte zu bekommen. Ich kann das schlecht jetzt erklären. Nach langem reden, hat er wieder mut gefasst und hat eine neue Therapie begonnen. Sie tut ihm scheinbar gut, er ist motiviert und hat selbst das Gefühl jetzt kann es besser werden. Allerdings liegt wohl ein langer Weg vor uns. Ich möchte nicht das wir uns verlieren. Aber seit 1 Jahr haben wir uns nicht mehr geküsst geschweige andere körperliche Nähe. Das ist auch nicht so tragisch, viel schlimmer finde ich diese kühle zwischen uns. Manchmal habe ich nicht das Gefühl von einer Beziehung, eher ein zusammen wohnen. Aber er ist auf Grund seiner ziemlich dollen psychischen Belastung so mit sich beschäftigt. Ich möchte nicht das wir uns verlieren. Er ist eigentlich ein so wundervoller liebevoller Mann und mein Sohn mag ihn auch. Ich möchte einen weg finden wie wir uns wieder annähern und wieder zu uns finden. Dabei geht es mir nicht um Sex sondern einfach ein liebevoller Umgang miteinander.
      Klar hab ich mich oft gefragt ob es besser ist mich zu trennen und wir reden da auch oft drüber. Ihm ist es bewusst das es nicht einfach ist und auch er hofft das es ihn endlich einmal besser geht. Er sagt auch immer, er kann nicht mehr machen als seine Therapie und die Medikamente zu nehmen.
      Vielleicht findet sich jemand hier dem es ähnlich geht oder gegangen ist. Ich möchte nicht hören das ich mich trennen soll. Ich bin auf der Suche Wege zu finden für uns.
      Vielen Dank schon einmal und Sorry für evtl. Schreibfehler.

      • Die Frage ist ja vor allem, wie sich das auf Deinen Sohn auswirkt. Immerhin wird Dein Freund ein männliches Vorbild für ihn sein, den kleine Kinder (besonders Jungs) brauchen.

        Ihr seid erwachsenen, Ihr schafft das oder nicht, aber Dein Sohn ist nochmal eine andere Hausnummer.

        Ich bin ganz ehrlich. Wenn ich kein Kind hätte wäre es kaum aushaltbar für mich so eine Beziehung zu führen, hätte aber nur Folgen für mich. Mit Kind sieht die Sache anders aus. Der ist 5! Er bekommt doch mit, was bei euch Phase ist.

        Ich würde meinem Kind so etwas nicht vorleben wollen.

        Was ist denn seine Diagnose? Klingt nach Depressionen irgendwie.
        Hat er schon mal überlegt, eventuell einen stationären Aufenthalt in Betracht zu ziehen. Oft reicht es nicht aus, ambulant zu therapieren. Die Menschen müssen aus ihrer gewohnten Umgebung raus und sich ganz auf sich konzentrieren.
        Ich kann immer nur eine Verhaltenstherapie empfehlen. Was macht er jetzt für eine?
        Du sagst, im geht es über die Zeit immer schlechter. Vielleicht ist die Therapieform für ihn auch nicht die richtige.
        Zudem sind auch Therapien mit Vorsicht zu genießen. Bei manchen Menschen verschlimmern sie die Situation tatsächlich.

        Lg

        • Hallo,

          Die genaue Diagnose weiß ich nicht. Depressiv ist er aber definitiv.
          Er macht jetzt eine verhaltenstherapie. Damals hat er eine Psychoanalyse gemacht und das tat ihm überhaupt nicht gut und hat alles verschlimmert.
          Er hatte zur akuten Zeit schon darüber nachgedacht eine stationäre Behandlung zu machen. Allerdings ist er selbständig somit ist da einiges wie Verdienstausfall verbunden. Sein Arzt hat aber auch immer gesagt er sei kein Fall für eine stationäre Behandlung. Er muss lernen mit den Dingen zu leben. Ich sag ja auch immer man kann geschehenes nicht ändern aber er muss lernen damit jetzt umzugehen. Und das ist eben verdammt schwer für ihn seine verhaltensweisen zu verändern.

      Da mein Ex Mann chronisch schizophren ist, und wir ihn sehr lange (mit meinem jetzigen Mann zusammen) bei uns zuhause betreut haben, zwischen diversen Klinikaufenthalten, war ich gezwungen mich sehr umfassend mit den Auswirkungen die sich im Zusammenleben mit psychisch kranken Menschen für Kinder ergeben auseinanderzusetzen.
      Du magst es aushalten in einer "kranken" Beziehung zu leben, ohne Nähe, Körperlichkeit, ohne echtes WIR. Was dein Kind anbelangt, bist du da erfahren und reflektiert genug um zu wissen, was es für dein Kind bedeutet? Bitte suche diesbezüglich entsprechende Beratungsstellen auf, zb. für Angehörige psychisch Erkrankter. Und führe dir vor Augen, dass deine Verantwortung zuerst beim Kind liegt und nicht beim "Partner" (ohne echte Partnerschaft) .

    • Du lebst deiner Beschreibung nach freiwillig in einer Beziehung ohne Liebe, ohne Nähe, ohne Berührungen, ohne Küsse und mit einem Mann, der sehr kühl geworden ist. Damit geht man doch ein wie eine Pflanze ohne Sonne und ohne Wasser! Wenn du dir das antun willst, weil der Mann sich mit einer psychischen Krankheit entschuldigt, dann bist du auf dem besten Wege in eine Co-Abhängigkeit.

      So etwas einem kleinen Kind vorzuleben, ist allerdings eine andere Nummer. Was mir dabei richtig bedenklich erscheint und sicherlich nicht ohne Auswirkungen auf deinen Sohn ausbleiben kann, ist , dass der psychisch kranke Mann, mit dem ihr zusammen lebt, durch deinen Sohn immer wieder innere Konflikte bekommt.

      Deshalb schreibe ich, was du nicht hören willst: dieses Zusammenleben tut deinem Kind nicht gut, es tut auch dir nicht gut und dem Mann anscheinend auch nicht.

      Du erlebst das nun schon fast 4 Jahre, Hut ab, ich glaube nicht, dass ich mit einem Kind das solange durchgehalten hätte, auch mit viel Liebe und Verständnis.
      Dein Kind erlebt keinerlei entspanntes, warmes liebevolles Familienverhältnis mit Nähe und Berührungen, das ist doch schlimm.Frag Dich nun mal selber: Willst DU vielleicht Dein gesamtes Leben so verbringen? Ich sehe da keine Perspektive und da kann Dir auch niemand einen Vorwurf machen. Es gibt keine Verpflichtung dass man sein Leben und das eines Kindes opfert, ohne wirklich greifbare positive Perspektive. Alles Gute. LG Moni

      Hi,
      dein Freund kann sich glücklich schätzen, jemanden wie dich an seiner Seite zu haben. Es ist toll, dass du ihn unterstützen möchtest und auch, dass er seine Probleme aktiv angeht.
      Was mich ein bisschen stutzen lässt, ist, dass da ein Kind involviert ist, das da gar nicht involviert sein müsste, da es sich nicht um seinen Vater handelt.
      Wenn du ganz ehrlich zu dir selbst bist, schaffst du es, dass dein Sohn bei dir absolut im Vordergrund steht? So eine Beziehung muss ja ein wahnsinniger Kraftakt sein, die dich sicherlich einiges an Energie kostet - Energie, die dann vielleicht für dein Kind fehlt. Stelle das Wohl deines Kindes in den Vordergrund, es ist noch so klein, es braucht dich, dein Freund ist erwachsen...

      vlg tina

      • Hallo Tina,

        Danke für deine Nachricht.
        Ja mein Freund weiß es zu schätzen und hat natürlich selbst Angst das ich mal einen anderen kennen lernen würde. Er weiß das es für uns nicht einfach ist. Und hätte auch Verständnis wenn ich mich trennen wollen würde. Das Thema stand eine Zeit oft zur Debatte. Seit dem er die Verhaltenstherapie macht bemerken wir kleine Erfolge. Es ist für außenstehende schwer nachvollziehbar, das verstehe ich auch.
        Und ja mein Kind steht immer an erster Stelle. Er ist der letzte der darunter leiden sollte geschweige zurück stecken muss und mein Freund hat dafür auch Verständnis. Aber sich ist die Frage berechtigt.

    Hallo schnatti18. Ich bin in einer ähnlichen Situation, auf die ich jetzt nicht genauer eingehen möchte. Ich habe mir gerade die Antworten angesehen und war etwas verwundert: die tn fragte nach Personen zum Austausch und erhält von allem Ratschläge, sich dringend zu trennen... danach hatte sie doch gar nicht gefragt. Sie hat lediglich geschrieben, dass sie zeitweise das Thema Trennung im Hinterkopf hat, das ist völlig normal und auch gut so. Das zeigt, dass sie sich nicht aufopfert und auch auf sich achtet.
    Sicher ist eine Beziehung mit einem psychisch kranken Menschen eine sehr große Herausforderung, aber ihr zwei scheint ja offen über das Thema zu reden und dein Freund hat sich Hilfe geholt. Wie viele Menschen laufen wohl herum, die ebenfalls eine Depression haben und es gar nicht realisieren, geschweige sich Hilfe holen. Und natürlich ist das Kindeswohl im Vordergrund, aber nicht alle Kinder müssen in so einer Situation zwangsweise leiden, wenn die Eltern vernünftig mit dem Thema umgehen. Du solltest dir nur darüber im Klaren sein: auch mit einer Therapie und eventuell Medikamenten wird er die Depression vermutlich niemals komplett los, er kann nur lernen sie besser in den Griff zu bekommen. Ansonsten würde es dich, wenn ihr zusammen bleibt ein Leben lang begleiten. Du kannst mir gerne eine pn schicken.

    • Hallo.
      Vielen Dank für deine Antwort.
      Genau. Ich bin auf der Suche vorrangig einen weg zu finden, dass man sich wieder annähern und wir uns nicht gänzlich verlieren. Du die verhaltenstherapie tut sich allmählich etwas und dadurch das ich selbst von einigen Sachen einfach genervt bin lass ich oft auch schon kaum noch Nähe zu auch wegen der Angst enttäuscht zu werden weil die eigenen wünsche oder Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Ich möchte gern diesen Kreislauf durchbrechen.
      Hast du selbst Erfahrungen mit einer ähnlichen Situation ?
      LG

      • Hallo schnatti 18, ja ich habe ähnliche Erfahrungen. Mein Mann, mit dem ich schon sehr viele Jahre zusammen bin, hat zwar keine Depressionen, sondern vorrangig eine andere psychische Krankheit, aber das Verhalten ist phasenweise genau so. Distanziert, sehr gereizt. Dann ist es wirklich hart. Bei uns sind diese Phasen manchmal sogar sehr schlimm, dafür kürzer als bei dir beschriebenen. Ein jahr ist natürlich richtig hart für euch. Ob ich dir wirklich einen tipp geben kann, weiß ich nicht, ihr scheint das ja eigentlich schon sehr gut zu machen. Wichtig ist glaube ich viel reden ohne Vorwürfe. Das schwierige ist auch immer das Gefühl der Ablehnung und dass das was man leistet nicht anerkannt wird. Aber glaube mir, ich habe schon in vielen depressionsforen still mitgelesen und die Betroffenen wissen, wie schwer es für ihr Umfeld ist, das zieht sie zusätzlich runter. Gibt es die Möglichkeit, dass du mal zu einer therapiesitzung mit zu kommen? Manchmal ist es einfacher mit einer neutralen Person über das Thema zu reden. Und ansonsten: auch mal über andere banale Dinge reden, das bricht den Bann eher und nicht ständig nach seinem Befinden fragen. Du bist Partnerin, nicht Therapeutin.
        Wir haben übrigens zwei gemeinsame Kinder, die nehmen es natürlich wahr, sehen es aber wesentlich entspannter als ich. Dann ist Papa halt mal müde und schläft. Natürlich habe auch ich im Hinterkopf, dass sie absolut vorrang haben, aber das weiß mein Mann auch.

Ich danke euch für die vielen und unterschiedlich Meinungen.
Das Problem was mein Freund hat ist natürlich nicht zu unterschätzen. Aber ja ich bin nicht auf der Suche nach Ratschlägen die mir die Trennung raten sondern um Wege zu finden das es wieder besser wird.
Wir reden viel darüber und ja am Anfang als es ihm zunehmend schlechter ging, ging es mir auch schlecht. Ich war dann zur Mutter Kind kur um wieder Kraft zu tanken. Aber auch um psychologisch betreut zu werden. Die Psychologin hat mir aber mut gemacht, es könnte wieder besser werden. Denn mein Freund ist bereit an sich zu arbeiten und wir können offen darüber sprechen. Was viele ja nicht machen. Am Anfang habe ich mich völlig eingeschränkt und habe mich quasi angepasst.
Ich kann das hier schlecht alles schreiben um euch das alles bis ins Detail zu erklären. Aber vermutlich würdet ihr es dann besser verstehen.
Die erste Therapie die er abgebrochen hatte war eine psychoanalyse. Da ging es ihm immer schlechter und ich hab ihm mehrfach gesagt er solle damit aufhören zumal er oft auch nicht hin gegangen ist, weil es ihm nicht gut tat. Dann hat er das doch endlich beendet. Es ging ihm dann auch etwas besser. Jetzt macht er seit ca 4 Monaten eine Verhaltenstherapie. Ich merke das sich etwas tut. Aber vor uns liegt ein langer Weg.
Und um alle zu beruhigen. Sicher habe ich in den letzten Jahren gelernt an mich und meinen Sohn zu denken. Mein Sohn steht an erster Stelle und das weiß auch mein Freund, da er sich über seine Situation bewusst ist. Es ist aber nicht so das wir nichts gemeinsam als Familie machen. Seit der Verhaltenstherapie lässt er auch etwas Nähe von meinem Sohn zu. Der "Zustand" ist kontinuierlich. Eine Zeit lang war es immer schwankend das hat sich mittlerweile deutlich gebessert.
Tut mir leid wenn ich so Kreuz und quer schreibe. Ich weiß einfach nicht wo ich anfangen soll...
Auf jeden Fall habe euch in den letzten 2 Jahren begriffen das ich auch ein eigenes Leben habe. Ich fahre oft mit meinem Sohn auch mal allein weg für ein Wochenende weil gerade auch als Trennungskind er mich als Mutter braucht. Und ich nehme mir auch Zeit für mich und meinen Freunden. Mein Freund unterstützt mich da auch weil er weiß das es wichtig für mich ist auch zu leben. Wir fahren aber auch gemeinsam in den Urlaub und da ist meist alles entspannt. .
Puh tut mir leid für so viel Text durcheinander:)

Ich muss an dieser Stelle noch einmal auf die Situation des Kindes hinweisen.

Also, als dein Kind 1 Jahr alt war begann die Beziehung zwischen dir und deinem Partner.
Das ist jetzt 4 Jahre her. Das Kind also mittlerweile 5.
Seit 3,5 Jahren lebt ihr zusammen, da war das Kind 1,5 Jahre alt, in der Zeit manifestierte sich die psychische Erkrankung, und zwar dergestalt, dass ihr keine "normale" Beziehung mit Kuscheln, Sex usw. führt.
Allein das finde ich ein schreckliches Rollenvorbild für ein Kind in seiner Prägephase.
Dazu aber eine nicht weiter benannte, aber offensichtlich Raumeinnehmende psychische Erkrankung deines Partners.
Du willst nichts von Trennung hören. Aber was ist mit der Zumutbarkeit des Ganzen fürs Kind? Darauf gehst du nur sehr, sehr vage und mit einem Randsatz in deinen Antworten ein. Im Zentrum deiner Aussagen steht nur dein Partner und seine (Nicht)Bedürfnisse. Ist das Kind nur Nebenschauplatz?

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