Wie Partner von Depression erzählen?

Ich schäme mich sehr wegen des Themas, deswegen in Grau.

Mit meinem Partner bin ich seit 2 Jahren zusammen (wir sind beide Anfang 30), wir wohnen seit kurzem zusammen. Er ist ein wuderbarer Mann, ich will ihn nicht verlieren.

Es ist toll, dass wir jetzt zusammen leben, gleichzeitig fühle ich mich auch in die Ecke gedrängt, weil ich mich ja jetzt nicht mehr zurück ziehen kann, wenn es mir schlecht geht. Ich gebe mich dann fröhlicher, als ich bin. Ich bin da ziemlich eigen, ich will nicht, dass jemand mitkriegt, wenn es mir schlecht geht.

Naja jedenfalls ging es mir die letzten Monate psychisch immer schlechter. Wirklich schlecht, sodass mir bewusst wurde, das es von selber nicht mehr besser wird und ich was tun muss.

Vor 2 Wochen war ich beim Psychiater, der mir Psychopharmaka verschrieben hat. Die Medikamente wirken viel besser als ich dachte, ich bin wieder "normal". Die Wochen davor waren geprägt vom Kampf, die Fassade aufrecht zu erhalten.

Von all dem hat mein Partner nix mitbekommen. Wenn er mich gefragt hat, was ich denn habe, war meine Standardausrede immer "bin müde" oder "viel in der Arbeit zu tun". Ich weiß, ich sollte ihm das baldigst erzählen, weiß aber nicht wie. Ich schäme mich sehr deswegen #gruebel

Wieso schämst du dich denn? Depressionen sind genauso eine Krankheit wie ein gebrochenes Bein oder eine Grippe. Du musst vor seintm Partner nichts verheimlichen..ein Mensch, den mdn so sehr liebt, dass man zusammen leben möchte, sollte man sich voll und ganz öffnen können. Dazu braucht mdn viel Vertrauen.. Aber hätte man dieses Vertrauen nicht, wäre der Mensch auch auch nicht der Partner. Wovor hast du denn Angst? Was denkst Du, wäre das schlimmste, was dir passieren kann, wenn du dich ihm öffnest? Mir hilft immer, mir das worst Case Szenario vorzustellen um dann festzustellen, dass der schlimmste Fall eigentlich gar nicht so dramatisch wäre.

Hm, schwer zu sagen. Ich kann's mir selber nicht eingestehen, glaube ich. Ich fühle mich schwach und hilflos, so will ich einfach nicht sein.

Ich tu mir sehr schwer, anderen Menschen meine schwache Seite zu zeigen - jetzt, wo ich darüber nachdenke, hab ich das noch nie getan.

Schwäche zu zeigen ist doch ein Zeichen von Stärke. Du zeigst damit, dass du Hilfe brauchst und nsch Hilfe zu fragen ist nicht schwach sondern mutig.

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#winke

vermutlich hat er doch etwas mitbekommen, sonst hätte er ja nicht nachgefragt.

Mir hilft meistens, wenn ich mir klar mache, dass die Menschen sich sowieso ihre Gedanken machen und das macht auch sicher dein Partner. Vielleicht hilft es ihm sogar, wenn die Sache mal einen Namen bekommt :-)

Hallo,

Ich verstehe dich sehr gut. Dieses Fassade aufrecht erhalten kostet unheimlich Kräfte. Ich denke, wenn dein Partner einmal weiß, was Sache ist, wirst du dich auch nicht mehr so in die Ecke gedrängt fühlen, denn dann fühlst du dich freier und kannst auf ihn vertrauen. Dass er dir den Freiraum oder was auch immer du in diesem Moment brauchst geben.

Ich selber bin Mitte 20, habe PTBS und Depressionen. Ich wurde als Kind jahrelang traumatisiert, psychisch wie physisch missbraucht (nicht sexuell), mit 17 retraumatisiert, das erste Mal stationärer Klinikaufenthalt. Wie viele es waren, weiß ich schon gar nicht mehr... 5, 6? Ich bin jetzt Mitte 20, habe mit 22 meinen Mann kennengelernt. Bei einem Klinikaufenthalt. Er kam aus einer sehr schlimmen jahrelangen Beziehung. Unsere Probleme waren ganz unterschiedlicher Art und obwohl wir uns in so einem Umfeld kennengelernt haben, fiel es mir auch schwer, mit ihm über mein Trauma zu reden. Aber es war wichtig, denn es gibt einige Verhaltensweisen, die anderen Menschen nicht bewusst sind, die bei mir Panikattacken auslösen.

Schämen musst du dich auf gar keinen Fall! In einem meiner Lieblingsfilme gibt es das Zitat "Wenn SIe Diabetes hätten, würden Sie sich dann auch schämen?" Man sucht es sich doch nicht aus. Gott, was würde ich geben diesen Scheißdreck nicht zu kennen. Aber gut, ändern kann man es nicht. Man muss damit leben lernen, denn es geht nicht weg. Man kann nur die guten Phasen verlängern und sich so sehr fassen, dass man hoffentlich keinen Rückfall hat.

Das klingt vielleicht jetzt nicht hilfreich, aber ... Es ist ja sehr schwer, seine Gefühle und Gedanken bei sowas in Worte zu fassen. Und deshalb würde ich dir raten, es für dich selber mal zu formulieren. Sobald du nämlich im Gespräch mit deinem Freund bist, fällt es umso schwerer und du weißt erst Recht nicht, was du sagen sollst.
Und dann musst du einen guten Moment erwischen. Wenn ihr beide gerade keinen stressigen Tag hattet, er Zeit hat (im Sinne von keine Termine mehr oder so). Und dann hinsetzen und los. Bitte ihn, dir einfach zuzuhören, dich nicht mit Nachfragen zu unterbrechen und dir alle Zeit zu geben, die du brauchst.

Ich hoffe, das konnte dir irgendwie helfen... #liebdrueck

Hallo,

danke für deinen offenen Text! Tut mir echt leid, dass du soviel mitmachen musstest... Interessant, dass auch dein Freund und du, obwohl ihr ja in einer vergleichbaren Situation seid, euch da schwer tut ;-)
Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute, danke nochmal.

Hallo, dürfte ich dir dieselebe Frage stellen wie Sneakypie? Wie präsent ist die Depression in der Beziehung? Wieviel redet ihr darüber und wieviel will dein Freund darüber wissen?

Ich will darüber nämlich absolut nicht reden. Da es glaube ich keinen wirklichen Auslöser bei mir gibt, gibt's da auch nix groß zu bereden. Ich hab halt das Gefühl meinem Freund davon erzählen zu müssen, weil ich ja öfter Termine für die Therapie habe, dass lässt sich ohne lügen nur schwer verheimlichen, wenn man zusammenwohnt. Und anlügen will ich ihn ja nicht. Außerdem könnte ich mich dann einfach mal zurückziehen wenn's mir schlecht geht, ohne meine Standardausrede "Bin müde"...

Hallo,
Mein Mann ist psychisch krank und hat dies mir jahrelang verheimlicht. Er war erst bereit, es zu erzählen, als sein Leben komplett in Scherben lag. Für mich ein AHA-Erlebnis. Ich wusste die ganze Zeit, etwas stimmt nicht, aber ich wusste nie was. Gemeinsam komnten wir dann daran arbeiten, alles wieder aufzubauen. Das war keine einfache Zeit, aber für unsere Beziehung sehr wertvoll.
Mein Mann hat sich sehr lange geschämt. Ich hätte ihm gerne früher geholfen.
Es ist gut, dass du bereits beim Psychiater warst und Unterstützung bekommst. Ich schätze, dein Partner ahnt schon, das irgendwas nicht stimmt. Ich kann dich nur ermutigen, mit ihm zu reden. Zu wissen, was los ist ist einfacher zu verstehen als immer ein "bin müde". Wer weiß, was er sonst so vermutet.
Einen Tipp, wie du es am besten anstellst, hab ich leider nicht. Ich bekam damals eine SMS "bist du zu Hause? Ich muss mit dir reden" und dann gab es kein zurück...

Alles Gute

Danke für den Text. Echt interessant mal die andere Seite zu hören. So eskalieren lassen will ich es eben nicht... Außerdem soll mein Freund ja auch nicht glauben, dass ich ihm nicht vertrauen würde.
Alles Gute!

Als jemand mit einem Ehemann, der unter Depressionen leidet würde ich sagen, dass er wahrscheinlich zumindest einen Verdacht hat. Diese Fassaden funktionieren im Normalfall nicht halb so gut wie der Betroffene denkt.
Du hast keinen Grund Dich zu schämen. Das wichtigste mit Depressionen ist, dass man es sich selbst eingesteht und professionelle Hilfe holt. Beides hast Du schon getan. Bitte rede mit Deinem Partner und gib ihm eine Chance, Dich zu unterstützen. Für mich war am Anfang des Zusammenlebens mit meinem inzwischen Mann das Ausgeschlossen werden viel schlimmer und schwieriger, als das eigentliche Umgehen mit den Depressionen. Meinem Mann geht es auch viel viel besser, seit wir beide zusammen offen mit seinen Depressionen umgehen.

Auch bei dir bedanke ich mich für den Beitrag, es ist sehr interessant, wie das von der "anderen Seite" wahrgenommen wird!
Es freut mich, dass es euch jetzt besser geht, auch weiterhin alles Gute!