Wie Partner von Depression erzählen?

    • (1) 18.05.18 - 11:37
      WieRedeIchMitIhm

      Ich schäme mich sehr wegen des Themas, deswegen in Grau.

      Mit meinem Partner bin ich seit 2 Jahren zusammen (wir sind beide Anfang 30), wir wohnen seit kurzem zusammen. Er ist ein wuderbarer Mann, ich will ihn nicht verlieren.

      Es ist toll, dass wir jetzt zusammen leben, gleichzeitig fühle ich mich auch in die Ecke gedrängt, weil ich mich ja jetzt nicht mehr zurück ziehen kann, wenn es mir schlecht geht. Ich gebe mich dann fröhlicher, als ich bin. Ich bin da ziemlich eigen, ich will nicht, dass jemand mitkriegt, wenn es mir schlecht geht.

      Naja jedenfalls ging es mir die letzten Monate psychisch immer schlechter. Wirklich schlecht, sodass mir bewusst wurde, das es von selber nicht mehr besser wird und ich was tun muss.

      Vor 2 Wochen war ich beim Psychiater, der mir Psychopharmaka verschrieben hat. Die Medikamente wirken viel besser als ich dachte, ich bin wieder "normal". Die Wochen davor waren geprägt vom Kampf, die Fassade aufrecht zu erhalten.

      Von all dem hat mein Partner nix mitbekommen. Wenn er mich gefragt hat, was ich denn habe, war meine Standardausrede immer "bin müde" oder "viel in der Arbeit zu tun". Ich weiß, ich sollte ihm das baldigst erzählen, weiß aber nicht wie. Ich schäme mich sehr deswegen #gruebel

      • Wieso schämst du dich denn? Depressionen sind genauso eine Krankheit wie ein gebrochenes Bein oder eine Grippe. Du musst vor seintm Partner nichts verheimlichen..ein Mensch, den mdn so sehr liebt, dass man zusammen leben möchte, sollte man sich voll und ganz öffnen können. Dazu braucht mdn viel Vertrauen.. Aber hätte man dieses Vertrauen nicht, wäre der Mensch auch auch nicht der Partner. Wovor hast du denn Angst? Was denkst Du, wäre das schlimmste, was dir passieren kann, wenn du dich ihm öffnest? Mir hilft immer, mir das worst Case Szenario vorzustellen um dann festzustellen, dass der schlimmste Fall eigentlich gar nicht so dramatisch wäre.

        • (3) 18.05.18 - 12:44
          WieRedeIchMitIhm

          Hm, schwer zu sagen. Ich kann's mir selber nicht eingestehen, glaube ich. Ich fühle mich schwach und hilflos, so will ich einfach nicht sein.

          Ich tu mir sehr schwer, anderen Menschen meine schwache Seite zu zeigen - jetzt, wo ich darüber nachdenke, hab ich das noch nie getan.

            • (5) 18.05.18 - 12:52
              WieRedeIchMitIhm

              Theoretisch weiß ich ja, dass es mehr Stärke erfordert seine Schwächen zu zeigen! Ich kann es aber nicht, nie. Seit Wochen nehme ich mir vor, ihm das zu erzählen, aber es geht einfach nicht.

              Sobald andere Menschen um mich sind, legt sich in mir ein Schalter um auf "Lächeln! Fröhlich sein!".

              Ich würde mich also sehr freuen über Ratschläge, wie ich so ein Gespräch anfange (außer "Erzähl's ihm einfach" - das funkioniert leider nicht bei mir)...Keine Ahnung, was ich mir erhoffe...

              • Ein Anfang wäre "Schatz, wir müssen reden. Mir geht es seit einiger Zeit nicht gut und ich möchte dir gern erklären, warum." Setzt euch zusammen in Ruhe hin und nehmt euch Zeit. Du beginnst in etwa mit dieser Einleitung und dann erzählst du ihm das, was du und hier erzählt hast. Eine weitere Möglichkeit wäre, ihm eintn Brief zu schreiben und dort alles zu erklären..manchmal fällt es einem leichter seine Gefühle schriftlich auszudrücken als verbal.

                • (7) 18.05.18 - 13:26
                  WieRedeIchMitIhm

                  Liebe Angel,

                  "Depressionen sind genauso eine Krankheit wie ein gebrochenes Bein oder eine Grippe. "
                  mit dieser Aussage komme ich nicht zurecht. Ein gebrochener Knochen wächst wieder zusammen, ein Grippevirus wird vom Immunsystem bekämpft. Eine Depression ist schwer fassbar. Ich fühle mich mir dieser Diagnose wertlos und dauerhaft beschädigt.

                  Über folgende Aussage bin ich mal gestoplert:
                  "Ich habe mit meinem Ex-Freund genau das mitgemacht, nämlich dass er mir diese Krankheit verschwiegen hat. Nach vier Monaten Beziehung brach sie wieder aus und er gestand mir, dass es auch früher schon zwei Mal entsprechende Schübe gab. Er hat wohl einfach die Veranlagung dazu und wird sein ganzes Leben lang darunter leiden müssen, zumal, wie er mir sagte, die Krankheit nicht auf traumatische Erlebnisse o.ä. zurückzuführen ist und auch in der Familie andere daran erkranktist.

                  Ich habe mich daraufhin intensiv über diese Krankheit informiert und auch in Foren gelesen, wo sich Angehörige austauschen. Wenn man mit so jemandem zusammen ist, dann halst man sich dauerhaft einen kranken Menschen auf, der einen für die kleinsten Befindlichkeiten zuständig macht. Das ist ähnlich wie bei einem Alkoholiker. Nicht jeder hat die Kraft und den Willen, mit so einem Menschen zusammen zu sein. Im schlimmsten Fall gibt man sein komplettes Leben für ihn auf, weil sich alles nur um ihn dreht und man den kompletten Alltag auf ihn einstellt, damit es ihm bloß gut geht und nicht der nächste Anfall kommt.

                  Ich war nur froh, dass ich bereits nach fünf Monaten gemerkt habe, was mit ihm los war. Was wäre gewesen, wir hätten bereits zusammen gewohnt o.ä.??"

                  • Eine Depression ist eine Krankheit, wie jede andere auch und sie ist ebenso behandelbar. So war meine Aussage gemeint. Du kannst etwas dagegen tun. Das setzt aber Offenheit gegenüber deinem Umfeld voraus.

                    (9) 18.05.18 - 14:08

                    Ich habe im Laufe meines Lebens beobachtet, dass es Frauen sehr viel schwerer fällt, mit einem depressiven Mann zusammenzuleben. Vielleicht haben sie das Gefühl, sie hätten noch ein zusätzliches Kind?

                    Im Gegensatz dazu scheinen Männer besser damit zurechtzukommen. Vielleicht, weil ihr Beschützerinstinkt gefragt ist?

                    • (10) 18.05.18 - 14:13
                      WieRedeIchMitIhm

                      Diese Beobachtung teile ich absolut! Von Männern wird gesellschaftlich erwartet, dass sie der "starke" Part sind, an den sich die "schwache" Frau anlehnen kann.

                      Allerdings habe ich selber auch sehr hohe Ansprüche an mich, die sich mit dieser Diagnose auch nicht vertragen.

                      • Dir würde langfristig auch eine gesprächstherapie helfen. Ich habe einen Freund, der auch an Depressionen leider und mit Antidepressiva gar nicht klar kam. Er sagt, das fühlt sich an wie watte im Kopf und klar denken fiel ihm dadurch schwer. Er hst so h in einer akuten Phase an eine Psychologin gewandt, bei der er alle 2 Wochen ein Gespräch hätte. Allerdings musste er sie kosten von etwas über 40 Euro pro Sitzung selbst zahlen, da er ebrn keine Überweisung hatte. Aber auf eine Therapie muss mdn Monate lang warten und in akuten Phasen braucht man zügig einen Ansprechpartner. Daher war er natürlich bereit eintn eigenanteil zu zahlen. Vielleicht wäre das eine Möglichkeit für dich.

                        • (12) 18.05.18 - 14:35
                          WieRedeIchMitIhm

                          Ich bin bereits Selbstzahler. Vorerst werde ich nur medikamentös behandelt (schlägt zum Glück gut an bei mir), zu einer Gesprächstherapie wurde mir auch geraten.
                          Das will ich ja, leider fällt es mir aber sehr schwer, mit jemanden über Emotionales zu sprechen.

                          • Das fällt fast keinen leicht. Und beim ersten Gespräch wird auch eher eine "Bestandsaufnahme " gemacht. Also wo man überhaupt ansetzen sollte. Erst ab der 2. Sitzung fangen die Gespräche an. Und vielleicht ist es auch leichter mit fremden über seine Emotionen zu reden als mit Leuten, die einen kennen. Man ist freier, weil man ja nichts zu verlieren hat, wenn man sich öffnet. Was fremde von einem denken ist viel weniger wichtig als was Familie und Freunde von einem denken, denn mit denen muss man ja zurecht kommen. Fremde sieht man ja nicht wieder.

                        >>>Allerdings musste er sie kosten von etwas über 40 Euro pro Sitzung selbst zahlen, da er ebrn keine Überweisung hatte.<<<

                        Seit mindestens 20 Jahren braucht man in Deutschland keine Überweisung zum psychologen/Psychtherapeuten.
                        Außerdem ist vollkommener Unsinn, dass die Kostenübernahme etwas mit einer Überweisung zu tun hat.
                        Es kommt darauf an, ob man zu jemandem geht, der mit den Krankenkassen abrechnet oder privat behandelt.
                        Und für 40 Euro/Sitzung wirst du keinen Psychologen/Therapeuten finden.

                        • So hat er es mir erzählt. Seine Mutter arbeitet im Krankenhaus und hat ihm diese Psychologin in der Nähe herausgesucht. Wie genau und Wie viel genau er zählt, weiß ich nicht. Alle Infos weiß ich nur aus Gesprächen mit ihm.

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