Wie werde ich gelassener?

    • (1) 22.05.18 - 10:13
      ZuhoherPuls

      Guten Morgen zusammen,

      ich habe da ein für mich doch schon großes Problem, das mich mehr und mehr belastet: Ich rege mich über verschiedene Dinge viel zu sehr auf.

      Hinterher schäme ich mich meistens und mache mir selbst Vorwürfe, warum ich nicht gelassener gewesen bin. Aber ich kann das in den Momenten überhaupt nicht steuern.

      Wie oft habe ich versucht, tief durchzuatmen, die Augen kurz zuzumachen, runterkommen. Es klappt nicht und ich bin inzwischen ziemlich traurig darüber. Mir schießt dann immer die Hitze durch den Körper, das Herz klopft wie verrückt, der Puls fliegt und ich bin so wütend und zornig. :-( Habt ihr das schon mal erlebt?

      Ursachen sind verschieden. Oft sind es die Kinder, wenn sie nicht hören oder Blödsinn machen. Ich werde dann leider oft laut. Ziemlich laut. Und hinterher tut es mir leid. Gewalt gibt es bei uns nicht, es passiert immer nur verbal.
      Manchmal sind es aber auch Kleinigkeiten. Jemand nimmt mir die Vorfahrt. Oder fährt auf den letzten Familienparkplatz, natürlich ohne Kinder. Jemand pampt mich völlig grundlos an. Solche Dinge.

      Bitte helft mir und erzählt mal, wie ihr in solchen Situationen gelassen bleibt. Ich möchte mich so gern ändern und wäre wirklich für jeden Tipp ungemein dankbar!

      • Lass es dir einfach am A... vorbeigehen. Klappt bei mir auch nicht immer, aber zumindest ruhiger bin ich geworden. Du kannst meistens an den Situationen nicht (mehr) ändern, also spar dir deine Energie für deine Kinder auf #hicks

        Ohhh das kenne ich nur zu gut, der Text hätte von mir sein können.
        Ein Patentrezept hab ich leider auch nicht, ich arbeite eben an mir und jedes Mal, wenn es geklappt hat, dass ich ruhig bleibe, freue ich mich und es motiviert für´s nächste Mal.
        Und wenn es nicht klappt, dann eben nicht ...
        Ich denke, so wirklich abtrainieren kann man das nicht, aber es "versuchen einzudämmen" ;-)

        (4) 22.05.18 - 10:39

        Statt ruhig zu bleiben vielleicht Alternativ-Übersprungshandlungen?

        Ich singe gern das Gänseblümchen-Lied (Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein und durch meine Blüte fließt die Sonne in mich rein...) oder gehe, wenn es ganz schlimm ist, an den Kühlschrank und exe ein Glas Wein. (Gut, letzteres sollte nicht das Standard-Alternativ-Szenario sein, die Leber wird es dir sonst übel nehmen).

        Im familiären Kontext gelingt es mir ziemlich gut ruhig zu bleiben. Im Straßenverkehr oder anderen von dir geschilderten Situationen gehe ich allerdings nach wie vor hoch wie ein HB-Männchen, aber, ganz ehrlich, das haben die Kackbratzen, die dämlichen Vollpfosten, auch verdient, oder? Es zwingt sie ja keiner, uns die Vorfahrt zu nehmen oder uns dämlich zu kommen....

        Heilig werden Menschen wie wir nie. Magengeschwüre kriegen wir aber auch nicht so schnell.

      • Den ersten Schritt hast Du ja schon gemacht.
        Der zweite wäre, es jedesmal wenn es passiert, es wahrzunehmen, als eine Art Beobachter Deiner Selbst.

        Mit ich sollte und ich müsste und "Gegenhandlungen" arbeitest Du lediglich gegen Dich selbst, damit wird unterdrückt und das nächste Mal wird es oft umso heftiger.

        Emotion fühlen, wahrnehmen, zuschauen was in Deinem Körper passiert und danach entscheiden ob Du das Gefühl wirklich brauchst.

        Hintergrund ist vermutlich ein mangelndes Selbstwertgefühl, was Du durch Kämpfe im Außen und mit Dir selbst versuchst zu kompensieren.

        Atmen hilft tatsächlich, vorausgesetzt Du kannst ihn steuern und bewusst einsetzen, vllt.mal Yoga oder auch eine Atemtherapie machen.

        Bei mir war es tatsächlich Progesteronmangel, die Salbe macht mich ruhiger.

      • Oh je, der Text hätte fast von mir kommen können...
        Ich ärgere mich dann auch immer über mich selber in solchen Situationen.
        Was mir hilft? Regelmässig Joga z.B.
        Tief durchatmen und erst einen Moment abwarten, bis ich mich gesammelt habe. Vor allem wenn die Kids anstrengend sind.
        Ich stell mir dann immer eine Ampel vor. D.h. ich sag mir dann immer "bleib im grünen Bereich".
        Inspiriert hat mich dieser Text:
        https://nicolaschmidt.de/blog/details.html?tx_news_pi1%5Bnews%5D=9&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=8d83294c5c40c60c2b1bcb226f2303f1

        Selbstbeherrschung ist anstrengend und kraftraubend, ein Reservoir, das endlich ist und immer wieder nachgefüllt werden muss.

        Zunächst würde ich mir einmal überlegen, welche äußeren Umstände dieses Reservoir beanspruchen, wie z.B. Stress, zu wenig Schlaf, Zielkonflikte etc. und wie man dieses Reservoir wieder auffüllen kann (z.B. durch Sport oder andere körperliche Aktivität).

        Und dann würde ich mir überlegen, wie man in konkreten Situationen den Frust ab- und umlenken kann -- tief durchatmen, durch einen Frustball, den man quetscht oder andere Routinen.

        Es muss aber beides zusammenwirken -- wenn insgesamt zuviel Druck auf dem Kessel und man sich immer wieder beherrschen musste, dann kann man beim nächsten Anlass gar nicht so tief atmen, dass man nicht doch platzt.

        Ich würde einfach mal "größer" denken. So...über meinen eigenen Kosmos hinweg.
        Denn, überleg doch mal. Im Grunde sind alle Alltagsproblematiken echt ein Furz.
        Du kannst sekündlich tot umfallen und dann? Hast du deine Lebenszeit mit Nichtigkeiten verschwendet.

        Wenn du dir DAS mal wirklich verinnerlichst, dann wirst du automatisch gelassener.

        Gruss
        agostea

        (10) 22.05.18 - 23:53

        Ich hab in einer Therapie mal gelernt, dass solche Stressmomente entstehen, wenn man selbst nicht zufrieden ist! Die ganzen Kleinigkeiten, die du beschreibst, sind nicht der Auslöser, sondern nur die Konsequenzen! Horch mal ganz ehrlich in dich, was dich unglücklich macht und dich bedrückt im Leben, da muss etwas Unausgesprochenes oder Unentdecktes vor sich hin schwelen... das ist der Knackpunkt.

        (11) 23.05.18 - 09:30

        Erstmal vielen lieben Dank für euer Feedback!

        Ich muss gestehen, ich war echt erleichtert zu lesen, dass es anderen genauso geht. :-) Auch wenn ich euch so ein blödes Gefühl natürlich nicht wünsche!

        Ich habe über alles, was ihr angeregt habt, nachgedacht. Probleme mit dem Selbstbewusstsein habe ich eigentlich nicht und es gibt auch sonst keine gravierenden Probleme in meinem Leben. Ich bin im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Wenn nur diese Unbeherrschtheit nicht wäre.

        Mir tun vor allem die Kinder leid. Ich hasse es, sie anzubrüllen, ehrlich. Zum Glück passiert das hier nicht täglich, aber es kommt eben vor und ich würde das gern abstellen. In diesen Momenten fühle ich mich wie eine geschüttelte Sektflasche. Und eine halbe Stunde nach so einem "Ausbruch" habe ich immer noch Herzklopfen, es lässt mich nur schwer los.

        Nochmal danke für eure Tipps. Es hat schon gut getan, es einfach mal runter zu schreiben.

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