Schwere Ehekrise wg. 2. Kinderwunsch

    • (1) 05.06.18 - 15:11

      Hallo Leute,

      meine Frau und ich haben eine schwere Ehekrise aufgrund ihres Wunsches nach einem zweiten Kind und meiner Ablehnung dieses Wunsches, und ich weiß mir keinen Rat mehr...

      Hintergrundinfo:

      Ich bin 44, sie 30. Wir haben uns vor 7 Jahren kennengelernt, und sind seit 4 Jahren verheiratet. Ich bin eher der Typ sozial inkompetenter, rational denkender Nerd, sie der emotionale kleine Vulkan. Sie kommt aus der Schweiz und ist zu mir nach Deutschland gezogen. Ich habe einen sicheren, gut bezahlten Job. Sie ist seit dem Umzug nach Deutschland arbeitslos, hatte aber für ein Jahr ein leider nicht sehr erfolgreiches Kleingewerbe. Wir wohnen zur Miete in einer geräumigen aber ungünstig geschnittenen 3-Zi.-Wohnung in einer Gegend mit hohen Mietsteigerungen - ein Umzug würde eine deutlich höhere Miete bedeuten. Sie leidet an einer Angststörung; ich wiederum an Depressionen mit latentem Alkoholproblem. Wir haben diese Probleme momentan gut im Griff, aber Stress wirkt sich negativ darauf aus. Wir haben einen kleinen Sohn (19 Monate), den wir über alles lieben, und der ein echter Wonneproppen ist und als Baby sehr "pflegeleicht" war. Meine Frau wünscht sich schon seit 10 Jahren eine Familie mit 2-3 Kindern - es ist ihr Herzenswunsch! Bei unserer Hochzeit haben wir uns geeinigt: ein Kind: auf jeden Fall, zwei Kinder: mal schauen, aber eher ja, drei Kinder: nein. Aufgrund einer starkem Übergewicht verbundenen Schilddrüsenstörung bei meiner Frau hat es direkt nach der Hochzeit nicht mit der Schwangerschaft geklappt. Sie hat sich daher den Magen verkleinern lassen, 30 Kilo abgenommen, und dann klappte es auch.

      Alle paar Monate gibt es bei uns einen heftigen Streit (meist geht es darum, dass sie sich von mir emotional und/oder betttechnisch vernachlässigt fühlt), bei dem von ihrer Seite oft das Angebot zur Scheidung kommt. Sie meint dazu, dass der Grund dafür ihre pure Verzweiflung ist. Mit diesen Streits komme ich nur schlecht zurecht und brauche mehrere Tage bis zu zwei Wochen, um mein Gleichgewicht wieder zu finden. In dieser Zeit läuft dann auch betttechnisch nichts, was meine Frau natürlich noch stärker frustriert.

      Aktuelle Situation:

      Seit ungefähr einem Jahr fühle ich, dass mir ein Kind völlig ausreicht. Mit dem Gedanken an ein zweites und die damit verbundene Belastung (sei es finanziell, wegen meines Alters, von der Wohnsituation her, oder auch aufgrund der Situation nach einer eventuellen Scheidung) fühle ich mich überfordert. Es ist ist schwer in Worte zu fassen, aber FÜR MICH fühlt sich die aktuelle Familiengröße RICHTIG an, und daran etwas zu ändern wäre FALSCH...

      Meine Frau wünscht sich nun sehr ein zweites Kind, weil es halt ihr Herzenswunsch ist. Als wir das Thema Anfang des Jahres besprochen haben, sagte ich, dass mir eins reicht und ich es lieber sehen würde, wenn sie sich wieder einen Job sucht. Daraufhin kam es zu einem so heftigen Streit, dass ich erstmalig für eine Nacht im Hotel geschlafen habe, weil es mir zu viel wurde. Zwei Wochen Später haben wir uns dann wie folgt geeinigt: wir versuchen es mit einem zweiten Kind, dafür sucht sie sich einen Job, sobald das zweite im Kindergarten ist. Einige Zeit danach hat sie die Pille abgesetzt. Ich ging davon aus, dass es gleich nach der Abbruchblutung mit der Fruchtbarkeit losgeht, sie sagte mir vor kurzem, dass das meist erst nach der ersten "richtigen" Regel der Fall sei. Während der letzten Wochen beherrschte mich dann nur noch der Gedanke: "Nein, ich will kein zweites Kind! Ich schaff das nicht, ich kann das nicht!". Ich habe versucht, mir nichts anmerken zu lassen und mit der Situation klar zu kommen, aber leider vergeblich.

      Letzte Woche, als die erste "richtige" Regel gerade vorbei war, habe ich ihr dann gesagt, dass ich das mit Nummer 2 einfach nicht schaffe, und dass wir es doch bitte bei dem einen belassen sollten. ein Kind sei doch besser als keins, und warum sollten wir das, was wir haben, für eine ungewisse Zukunft aufs Spiel setzen? Daraufhin brach der bisher heftigste Streit unserer Beziehung los, der bis heute andauert. Sie sagte mir, dass nur ein Kind für sie nicht in Frage käme; sie wolle unseren Sohn auf gar keinen Fall als Einzelkind aufwachsen lassen, und wir hätten doch ausgemacht, dass wir es mit zweien versuchen. Dann stellte sie mich vor die Wahl: entweder ein zweites Kind, oder sie verlässt mich mit unserem Sohn. Ich habe ihr darauf gesagt, dass ich bei dieser Wahl mich nur für die Trennung entscheiden kann. Sie war am Boden zerstört und fragte mich, wie ich ihr das antun könne, wenn ich sie doch angeblich so sehr lieben würde, wie ich es immer sagte.

      Jetzt wissen wir beide nicht mehr weiter. Zwischen uns herrscht praktisch Funkstille. Mein Angebot (zu dritt weitermachen) ist für sie nicht akzeptabel, ihres (zwei Kinder) für mich nicht, und bei einer Trennung wäre erst recht keinem geholfen, schon gar nicht unserem Sohn. Ich bin der Meinung, dass in unserer Situation (ein Geldverdiener, zwei psychisch angeknackste Eltern, kein sinnvoll möglicher Wohnungswechsel) ein zweites Kind nicht zu verantworten ist, sie sieht das anders und meint, wir sollten uns nicht um Zukunftsprobleme Gedanken machen, das geht ja auch dann noch, wenn sie tatsächlich auftauchen. Es bricht mir das Herz, sie so um ihren Wunschtraum trauern zu sehen, aber aus meiner Haut kann ich einfach nicht...

      Mir ist bewusst, dass dieser Text meine subjektive Meinung widerspiegelt, und es für sie möglicherweise anders aussieht.

      Was meint ihr dazu?

      • (2) 05.06.18 - 15:23

        Hallo,
        Ich finde es etwas doof, dass du von Anfang an wusstest, dass sie mindestens 2 Kinder möchte. Bei der Hochzeit sagst du ihr auch, ein 2. Kind eher ja. Vor kurzem lässt du sie die Pille absetzten, und nun sagst du nein.
        Meinst du nicht, man wächst mit dem Aufgaben?
        Musst du mal sehen, wenn ihr zusammen bleiben würdet, wer wäre unglücklicher: du mit einem 2. Kind, oder sie ohne ein 2. Kind?
        Oder ihr trennt euch tatsächlich. Sie hat noch paar Jahre jemanden zu finden, der ihr ein 2. Kind macht. Und du darfst ohne deinem Kind leben. Ich würde da lieber die 2. Kind Variante nehmen.
        Vielleicht könntet ihr als Entlastung noch eine Putzfrau oder festen Babysitter nehmen. Und deine Frau sollte doch auch arbeiten.

        • >>Ich finde es etwas doof, dass du von Anfang an wusstest, dass sie mindestens 2 Kinder möchte. Bei der Hochzeit sagst du ihr auch, ein 2. Kind eher ja. <<

          Ich denke, niemand kann das wirklich beurteilen, bevor das erste Kind da ist. Für mich ist es nachvollziehbar, dass man seine Meinung ändern kann, wenn man weiß, was ein Kind wirklich bedeutet.

          Nee, also das sehe Ich komplett anders.

          Ein Kind muss man zu 100% wollen und nicht einfach loslegen in der Hoffnung das man mit der Aufgabe wäschst.

          Man kann doch nicht bei der Hochzeit wissen, wie die Zukunft aussieht. Viele Sachen ändern sich vielleicht und neue Situationen entstehen. Arbeitslosigkeit, Krankheit, etc. Dann kann man sich doch nicht wie ein Kind aufführen, auf dem Motto: Du hast aber damals gesagt.. Es geht um ein Kind, nicht darum das man versprochen hat seine eigene Hemden zu bügeln..

          Deren momentane Situation ist alles anders als rosig. Die Frau hat keine Arbeit, beide sind krank, Te hat ein latenten Alkoholproblem, finanziell sieht es auch nicht so gut aus, Wohnungsmäßig auch nicht. Ich finde es unter diesen Umständen nicht gerade vernünftig ein zwietes Kind zu bekommen. Dazu kommt auch och das seiner Frau in mit Trennung droht, weil sie wohl in einer Traumwelt lebt und die Augen vor die realität schließt.

          Du wurdest Dich für die Variante zweites Kind entscheiden. Ich auf keinem Fall, weil Ich mich niemals von meinem Partner zu so eine wichtige Entscheidung erpressen lassen wurde.. Nach deiner Meinung sollte TE sich also zu ein zweites Kind erpressen lassen, obwohl er dagen ist, weil seiner Frau in sonst mit Trennung droht. Wenn mein Partner mich erpressen wurde und mit Trennung drohen wurde, weil Ich nicht nach seiner Pfeife tanzen wurde, wurde Ich ihn den Marsch blasen und um mein erstes Kind kämpfen..

      Wenn man mal die Argumente objektiv betrachtet, dann hast Du natürlich recht: Ihr habt nicht so tolle Voraussetzungen für ein weiteres Kind. Und damit meine ich nicht mal die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Psychische Balance ist wichtig, und man muss das Schicksal da auch nicht über Gebühr beanspruchen und einen von Euch aus dem Gleichgewicht bringen.

      Das Problem ist: Sie ist nicht im Gleichgewicht.

      Und leider nutzt es bei so etwas Emotionalem wie dem Kinderwunsch auch nichts, wenn man Argumente objektiv betrachtet.

      Tatsächlich gibt es für das Problem keinen Kompromiss. Wenn Du nicht mit einem zweiten Kind leben kannst, sie aber nicht ohne ein zweites will, dann wird wohl eine Trennung anstehen. Die muss ja aber keinesfalls bedeuten, dass Du dann ohne Dein Kind leben musst. Kinder können ja auch beim Vater bleiben, es gibt das Wechselmodell, und auch das klassische "jedes zweite Wochenende und ein Tag in der Woche" ist ja Umgang. Deine Frau wird halt mit dem Kind nicht weiter weg ziehen können. Zurück in die Schweiz wird also nur mit Deiner Zustimmung gehen.

      Wie wäre es mit einer umgekehrten Vereinbarung? Ihr setzt euch das Ziel einige grundlegnde Dinge zu verbessern/stabilisieren beispielsweise in einem Zeitrahmen von drei Jahren, sprich deine Frau sucht einen Job und bewältigt die daraus resultierenden Anforderungen, ihre Angststörung und ihr Gewichtsproblem treten im Alltag nicht mehr auf, dank entsprechender Therapie und Medikamenten, ebenso suchst du intensive Hilfe für deine Depressionen/dein Alkoholproblem. Wegen deinen sozialen Problemen allenfalls zusätzlich Verhaltenstherapie.
      Ebenso arbeitet ihr an eurer Streitkultur und Kommunikation sowie an einer Wohnlösung die für 4 Personen in Frage kommt.

      Danach das zweite Kind. Was aber bei so einer Vereinbarung bedeuten würde, dass du wenn das alles erreicht ist nicht den Schwanz einziehen würdest und andere Gegenargumente ins Spiel bringen würdest.

    (10) 05.06.18 - 16:22

    Bist du derjenige mit Angststörungen oder sie? Warum muss man denn so verdammt viel über die Zukunft reden und grübeln, warum nich einfach machen?

    Mein Mann und ich sind beide depressiv, da geht es auf und ab. Wir haben 4 Kinder, nur das erste war geplant. Es läuft schon alles...

    Darf ich dich als Mann mal was offtopic fragen? Woran liegt das, dass du Sparflamme fährst bei körperlicher Nähe die sie so dringend möchte, wenn du sie doch liebst? Haargenau das selbe Problem habe icv nämlich mit meinem Mann.
    Die Sicht des "ignoranten Verweigerers" würde mich interessieren, da mein Mann kaum zum reden zu bewegen ist... Wenn ich meckere ist er wie du, zieht sich 1-2 Wochen in sein Schneckenhaus zurück und meidet das Ehebett. Damit mach ichs also nur schlimmer.

    Ich finde auch ihr solltet evtl erstmal die grundlegende Situation beseitigen die speziell Dich daran hindert ein zweites Kind zu bekommen. Ich kann deine Ängste und Sorgen gut nachvollziehen und auch die daraus resultierenden Streitigkeiten mit deiner Frau machen das dann nicht besser. Eine Ehe und Beziehung besteht immer aus Kompromissen auch und ich denke nicht das du generell gegen das Kind bist, nur eure Situation ist im Moment nicht so günstig. Also könntet ihr daran arbeiten um die Situation zu verbessern.

    Meine klare Meinung:

    Wenn einer nicht mehr will, gibt es kein zweites Kind.
    Der Andere muss dann entscheiden, ob er den Wunsch nach einem weiteren Kind höher ansiedelt als das gemeinsame Leben mit bereits vorhandenem Kind und zugehörigem anderen Elternteil und muss sich ggf. trennen.

    Meine Empfehlung an dich:
    1. Bleib jetzt auch bei deiner Meinung, jedes Hin und Her macht ihr unnötig Hoffnung
    2. Zieh die Konsequenzen und lass eine Vasektomie machen.

    LH

    (13) 05.06.18 - 17:08

    Führt ein gemeinsames Gespräch (oder mehrere) zu dem Thema zusammen mit einem eurer Therapeuten oder einer neutralen Eheberatung. Wobei ich hier ziemlich schwarz sehe, falls ihr nicht jeweils in Therapie seid, weil sich Eure psychischen Probleme dann nicht wesentlich bessern werden. Der Streit ums zweite Kind ist möglicherweise nur eine Verlagerung (bin keine Expertin).

    (14) 05.06.18 - 17:37

    Was für eine doofe Situation.

    Wenn Ich das ganze hier lese, muss Ich ganz ehrlich sagen das Du mir sehr leid tust. Ich bin zwar einer Frau und kann Kinderwunsch verstehen, wir haben auch bis jetzt „ nur“ ein Kind, trotzdem wurde Ich niemals, Kinderwunsch hin oder her, auf die Idee kommen mein Mann zu verlassen und mit Trennung drohen, wenn er irgendwann kein zweites Kind haben möchte. Wo ist dann die Liebe zum Partner? Hängt die Liebe von ein zweites Kind ab.??? Unverständlich...

    Es ist legitim das Du deiner Meinung wegen ein zweites Kind geändert hast. Man kann doch nicht am Traualter stehen und vorausagen, wie man denkt über ein zwietes Kind jahre später.. Man kann doch nicht voraussagen was alles passiert und wie die Lebensumständen sind in 2 oder 5 Jahren. Das ist doch blödsinn..

    Ich finde übrigens das Du absolut recht hast, weil eure momentane Situation nicht der beste ist um ein zweites Kind zu bekommen und wenn der eine Part kein zweites Kind haben möchte, dann ist es halt so. Liebt man sich, trennt man sich deswegen nicht.

    Wenn deiner Frau nur bei Dir bleiben möchte wenn Du auf ihren Wunsch wegen ein zweites Kind eingehst, obwohl Du strickt dagegen bist, wurde Ich mich in deiner Stelle Gedanken darüber machen, ob Ich Lust dazu hätte in meiner Ehe zu bleiben. Was deiner Frau macht ist emotionale Erpressung.

    Bleib bei deine Entscheidung. Mann kann nicht sein Partner erpressen und mit Trennung drohen, weil man unbedingt ein zweites Kind haben möchte.. Absolut daneben.

    Wenn deiner Frau Dich deswegen verlassen sollte, dann ist ihre Liebe zu Dir nicht so groß dass es sich lohnt um ihr zu kämpfen.. Es ist natürlich sehr traurig weil ihr schon ein Kind haben, aber ganz ehrlich erpressung und Trennungsdrohungen ist das allerletzte in einer Ehe..

    Du solltest auf keinen Fall nur ihretwegen ein zweites Kind bekommen. Ich kann sehr gut verstehen, dass diese Situation dich mitnimmt. Es ist nie leicht, wenn sich nur ein Part in der Beziehung ein (weiteres) Kind wünscht. Du hast deine Gefühle aber mehr als deutlich geschildert und ich finde sie absolut nachvollziehbar. Daran sollte man nicht rütteln.

    Weißt du, hier kann man nur Ferndiagnosen abgeben. Aber ich bin mir ziemlich sicher, du würdest nicht glücklich werden mit einem zweiten Kind. Das ist nicht einfach irgendeine Entscheidung, bei der man Kompromisse eingehen kann.

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